Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – Praying To The World (2012)

Land: Deutschland – Stil: Power Metal

01) My Life Lies In Ruins (5:19)
02) The Right Path (4:31)
03) Miracles (4:06)
04) Place Of Mercy (4:35)
05) Misunderstood (7:15)
06) Promised Land (3:49)
07) Another Pain (3:39)
08) My Four Walls (3:56)
09) Beast Human (6:39)
10) Bleeding Me (6:38)
11) One Last Word (3:59)
12) This Aching Heart (4:36)
13) Praying To The World (6:21)
14) In Another Time (4:14)
15) Different World (5:42)

So schöne (Gebets-)Musik gab es lange nicht mehr.

Vorwort: PRAYING TO THE WORLD ist das nunmehr vierte offizielle Studio-Album der Deutschen Power Metaller DAWN OF DESTINY, deren Gründungsmitglied und ehemalige Galionsfigur Tanja Maul erst kürzlich das Gesangsszepter an die neue Kollegin Jeanette Scherff weiterreichte. Und auch am Schlagzeug verzeichnete man einen weiteren Wechsel – nach Ansgar Ludwig, Patrick Klose und Boris Frenkel steht nun Matt Bauer an den Hölzern bereit, die Bühnen der Welt zu rocken. Wie aber wirken sich die Besetzungswechsel, und vor allem auch die dreijährige Schaffenspause auf das neue Album aus ? Fans der Band werden ohnehin nicht lange zögern – ob es sich aber auch für andere und Neueinsteiger lohnt, soll dieses Review klären.

Kritik: Was nach dem Eindruck des etwas düster gehaltenen Cover-Artworks zuerst auffällt ist ohne Zweifel die Tatsache, dass PRAYING TO THE WORLD verdammt ordentlich bestückt ist – ganze 15 vollwertige Titel haben es auf das Album geschafft, weder ein Intro noch kurze Zwischenspiel-Intermezzi gibt es. So startet der Silberling gleich richtig durch und schöpft aus dem vollen. MY LIFE LIES IN RUINS ist wenn man so will die erste auf dem Album verewigte Ode an das Genre. Eine, die eine ordentliche Breitseite serviert – und das in vielerlei Hinsicht. Tatsächlich haben DAWN OF DESTINY nichts von ihrer Fähigkeit zu einer angenehmen musikalischen Komplexität verloren, im Gegenteil. Das ganze Projekt wirkt nun sogar noch etwas ausgefeilter, strukturierter und abwechslungsreicher. Im Gegensatz zu manch anderer Band aber wirkt es aber niemals so, als müssten sie dieses oder jenes Element (wie tiefe Growls im Gegensatz zur harmonischen Stimme der neuen Sängerin) auf Teufel-komm-raus mit in die Titel einbringen. Vielmehr hat man den Eindruck eines großen Ganzen, in dem jedes Element seinen Zweck erfüllt. Entsprechend vielseitig und vielschichtig klingt der Opener, der einerseits ein ordentliches Maß an Druck und Kraft mitbringt; andererseits aber durch die Performance von Frau Scherff  zusehends aufgelockert wird. So darf es gerne weitergehen. Positiv gestimmte Gedanken an ebenfalls enorm gute, kürzlich erschienene Female-Fronted Power Metal-Releases a’la SOULLESS CHILD (ANCIENT BARDS) oder NEVERWORLDS END (XANDRIA) werden wach.

Aber allzu direkte Parallelen gibt es eben doch nicht wirklich – sodass man sich bei DAWN OF DESTINY zweifellos die Eigenständigkeit und -Unverwechselbarkeit bewahrt. Das macht auch die folgende Nummer, THE RIGHT PATH mehr als deutlich. Was man hier hört ist alles andere als ein Aufguss von altbekannten Elementen – es ist etwas gänzlich neues, frisches. Wunderbar funktioniert hier der Ansatz, dem Bassisten und eigentlichen Mastermind der Band (Jens Faber) etwas mehr Spielraum zuzugestehen – sodass sich tiefe Growls mit klaren Lines (mal männlich, mal weiblich) abwechseln. Wer allerdings glaubt, dass es sich um ein klassisches Duett handelt, ist auf dem Holzweg. Auch dieser Titel bietet ein enormes Maß an Abwechslung und sorgt vor allem für eines: einen hohen Unterhaltungswert. Wenngleich die ersten beiden Titel etwas düsterer wirkten, folgt nun mit MIRACLES die erste Uptempo-Nummer mit reichlich gute-Laune-Potential. Der Wahnsinn, wie gut DAWN OF DESTINY mit verschiedenen Stimmungen umgehen können – und wohl auch eigene Erfahrungen und Ansichten in ihren Songtexten verpacken. Das Zusammenspiel von klassisch inspirierten, melancholischen Klaviertönen und schnelleren Schlagzeug-Passagen machen diesen Titel zu etwas ganz besonderem, ebenso wie der generell sehr aufmunternde Geist des Stücks. Power Metal-Fans werden begeistert sein.

Und das Qualitätsniveau sackt nicht ab – mit PLACE OF MERCY serviert man vielleicht gar einen der besten Titel des Albums, auch wenn er stellenweise an den Opener erinnert. Hier handelt es sich um eine ebenfalls leicht melancholisch angehauchte, etwas düstere Nummer mit vielen gegensätzlichen, energetischen Passagen. Die Songstruktur offenbart die ein oder andere Überraschung, mehrere Gänsehaut-Momente und schlicht eine enorme Wirkungskraft. Der Refrain ist relativ simpel, doch erfüllt vollends seinen Zweck; wie auch die schicken Riffs und so gut wie alles andere. Noch poetischer, melancholischer und bewegender wird es nun mit MISUNDERSTOOD, wobei man hier noch stärker auf klassisch-gemäßigte Elemente setzt. Abermals ein enormer Gewinn: das Wechselspiel der verschiedenen Stimmen und die Gratwanderung zwischen ’schweren‘ Metal-Elemeten und einem wunderbaren zweistimmigen Gesang. Für zusätzliche Abwechslung sorgen dann Titel wie PROMISED LAND, die mal wie ein klassischer 80er-Jahre-Metal-Stampfer daherkommen (Strophen), andererseits aber auch stets den typischen DAWN OF DESTINY-Sound erhalten (Refrain). Und es geht munter weiter – mit einer Zusammenstellung aus Kracher-Nummern wie ANTOHER PAIN, dem schön stampfenden MY FOUR WALLS oder dem eher progressiv angehauchten BEAST HUMAN.

Aber, es fällt schon auf – das Album ist lang, sogar verdammt lang. Das mag im Sinne der neuen Song-Qualität von DAWN OF DESTINY zwar berechtigt sein – doch es bleibt nicht aus, dass sich einige Längen einschleichen. Zumindest dann, wenn man erst einmal vom überaus grandiosen Start in die Mitte des Albums vorgedrungen ist. Hier wird es zunehmend progressiver, düsterer und vertrackter; das Ohrwurmpotential wird gegen einen erhöhten künstlerischen Anspruch eingetauscht. Das ist nur gut und richtig so, sorgt dies dafür dass enorm schwermütige Stücke wie BLEEDING ME entstehen. Diese sind mit Laufzeit jenseits der 6-Minuten-Marke allerdings nicht bei jedem Hördurchlauf leicht zu verdauen, und stark stimmungabhängig zu genießen. Das gleiche gilt für ONE LAST WORD, einer Nummer, die nur schwerlich zündet und keine wirklich neuen Elemente mehr auf die Waagschale wirft. Weitaus angenehmer sieht es dann wieder mit THIS ACHING HEART aus, einer enorm Metal-lastigen Ballade die wieder ein deutlicheres Augenmerk auf die emotionale Ebene legt. Im Wechselspiel der Emotionen und Gefühle funktioniert die Musik von DAWN OF DESTINY einfach am besten; die durchgängig-düsteren Nummern zünden vergleichsweise schwerfällig. Der Titeltrack PRAYING TO THE WORLD ist glücklicherweise wieder einer von denjenigen wechselhaften Titeln, sodass ein erhöhtes Maß an Abwechslung geboten ist – andererseits kommt er vergleichsweise spät und kann nun auch nicht mehr viel neues bieten. Zwei Nummern gibt es dann noch – das schön Power Metal-lastige, endlich mal wieder etwas flottere IN ANOTHER TIME und das nicht mehr ganz so ‚knackige‘ Finale mit DIFFERENT WORLD.

Fazit: Dass man sich bei DAWN OF DESTINY (überraschenderweise) dazu entschieden hat, den Bassisten nun auch gesangstechnisch einiges beizusteuern, gleicht einem Geniestreich. Nun könnte man hergehen und behaupten, dass es doch schon genügend andere Bands mit ähnlichen Konzepten (siehe VISONS OF ATLANTIS) gibt; doch weit gefehlt – DAWN OF DESTINY bewahren sich ihren ganz eigenen, absolut wohlklingenden und erhabenen Sound, der nun ein gänzlich neues Level erreicht. Ein Level, dass andere erst einmal erreichen müssen – selbst die ‚ganz großen‘ und schon länger etablierten. PRAYING TO THE WORLD ist ein rundum gelungenes Album, welches sich in Sachen Virtuosität, Abwechslung und Wirkungskraft alles andere als verstecken muss. Vielmehr wirkt es, als gehörten diese Aspekte zum selbstverständlichen Repertoire der Band – wie schön wäre es doch, wenn alle so denken (und produzieren) würden. Nur einen (indirekten) Schwachpunkt hat das Album: es ist schlicht viel zu lang, sodass sich explizite Längen und repetitive Elemente einschleichen – und das gerade im späteren Verlauf. Dann doch lieber ’nur‘ 10 Titel mit einem Intro, einem Outro und einem Interlude – dafür aber 10 Titel, die allesamt unverwechselbar und einzigartig sind. Und eben solche, die das grundsätzlich geniale Konzept nicht so schnell ‚abgenutzt‘ erscheinen lassen. Wäre das Teil eine EP mit 5, 6 oder 7 Titeln (von denen die 4 unten aufgeführten dabei sind), wäre ein volle Wertung zweifelsohne drin gewesen.

Anspieltipps: MIRACLES, PLACE OF MERCY, MISUNDERSTOOD, IN ANOTHER TIME

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6 Gedanken zu “Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – Praying To The World (2012)

  1. Vielen Dank für das gute Review. Was Jens gesagt hat, habe ich auch so empfunden. Es ist leider nicht immer so, dass ein Rezensent ein Album wirklich „versteht“.

    Wir haben das Review und deine Seite auch mal bei Facebook verbreitet.

    Grüße
    Dirk

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    1. Ich bin sprachlos… beinahe. Schließlich muss ich den Blog auch noch in Zukunft mit Leben füllen 😉

      Aber in Dieser Form hat sich noch keine Band erkenntlich gezeigt. Vielen lieben Dank !

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  2. Du hast unser Album genau richtig verstanden und rezensiert und die entscheidenden Elemente angesprochen! (auch wenn man bezüglich der Länge der CD diese auch nicht zwingend in einem Stück hören muss, wenn man dies kritisieren möchte.)

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    1. Es ist mir eine Ehre, einen so hochrangigen Vertreter der Band hier begrüßen zu dürfen – und dann auch noch derart bestätigt zu werden, trotz womöglich (manchmal) scharfer Kritik. Danke dafür !

      Und in der Tat hast Du Recht was die Länge des Albums angeht, vielleicht habe ich in diesem Fall ein wenig überreagiert. Oder, es ist schlicht eine Vorliebe meinerseits, derart gute Qualität lieber etwas ‚kompakter‘ verpackt zu wissen, sodass man gar nicht erst Gefahr läuft, repetitive Elemente einschleichen zu lassen.

      Wie dem auch sei, nach einem Zwiegespräch mit meinem Gewissen habe ich die Wertung nun von 7.5 auf 8.0 Punkte angehoben.

      Danke für den Besuch, und schau mal wieder rein ;-),

      Oliver

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    2. Hab das Album durchgehört und kann nur eines sagen: davon kann ich nicht lang genug auf die Ohren kriegen. Jetzt kriegt man schon Punktabzug, wenn man zuviel Musik bietet^^.

      Ich mag die Melodien. Ich mag die Abwechslung, ich mag Jeannys Stimme! Ist zwar nur meine bescheidene Meinung, aber von mir gibbet volle 10/10.

      Lieben Gruß,
      Andre

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      1. Ach was, bloß nicht unter Wert verkaufen^^
        Jedem, der zumindest einen Kommentar abgibt, erweise ich (sofern möglich) eine spezielle Form der ‚Ehre‘ als Gegenleistung. So ist auch Deine Wertung nun direkt unter meiner vertreten. Zwar arbeite ich noch an einer ansprechenderen optischen Präsentation, aber schonmal Glückwunsch… ! 😉
        MfG, Oli

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