Metal-CD-Review: FUGATTA – Mystic Kingdom (2011)

Land: Mexiko – Stil: Symphonic Power Metal

01. Intro 01:47
02. Secret Of Eternity 04:17
03. My Moon 04:52
04. The Last Wizard 04:16
05. Queen Isabel 03:46
06. Land Of Misery 04:34
07. Valley Of Sorrow 03:45
08. Follow Me Away 05:25
09. Dragon Lance 03:49
10. Magic Place 03:15
11. Across Time 05:12
12. Golden Pot 03:39

Ist das noch Metal – oder eher purer Kitsch ?

Vorwort: FUGATTA – was wie ein Begriff aus der Klassik klingt, ist tatsächlich eine 5-köpfige Metal-Band aus Mexiko, die sich am ehesten der Stilrichtung des Symphonic Power Metal verschrieben hat. Die Band wurde bereits im Jahre 2006 gegründet, und veröffentlichte 2008 erstmals eine Demo mit dem Titel FANTASTIC FATE. Nochmal 3 Jahre später sollte es dann also soweit sein, der Stoff reichte für ein komplettes Album. Und das liegt nun mit MYSTIC KINGDOM vor, einem 12 Titel starken Album welches in kompletter Eigenregie produziert und aufgenommen wurde. Schließlich sind die Jungs von FUGATTA noch immer ohne ein festes Label unterwegs – ob es zu mehr reicht, oder ein größerer Bekanntheitsgrad verdient wäre, soll in diesem Review erörtert werden.

Kritik: Ein komplett in Eigenregie produziertes Album – das bedeutet automatisch auch, dass FUGATTA in diesem Fall so ziemlich alles ‚anstellen‘ konnten, was sie wollten. Doch wenngleich diese Form der künstlerischen Freieit grundsätzlich positiv zu bewerten ist, erhält sie mit dem Einlegen der MYSTIC KINGDOM-Scheibe einen kleinen Dämpfer: man hört sofort, dass das Album nicht gerade unter besten Bedingungen produziert wurde. Das ganze klingt eher nach einem fidelen Heimstudio-Projekt, bei dem es vornehmlich darum geht die Band kennenzulernen – und noch nicht darum, einen glasklaren und satt produzierten Sound zu genießen. Immerhin wirkt bereits das Intro recht anständig, wie bei den ‚ganz großen‘ des Genres werden hier gekonnt Elemente des Symphonic Metal mit solchen der (Fantasy-orientierten) Filmmusik und orchestralen Anleihen verknüpft. Zwar lässt die Soundkulisse ein wenig an Druck und Stärke vermissen, was sich besonders im eher flachen Bass manifestiert – doch es bleibt bei einemmittelprächtigen Eindruck – mit Potential nach oben.

Dann beginnt der Opener SECRET OF ETERNITY, und die Alarmglocken schellen: hier wird wahrlich alles an Kitsch aufgefahren, was man sich im Sinne einer kitschigen Power Metal Band vorstellen kann. De facto heisst das: ein generell flottes Tempo mit Double-Bass-Einlagen, ein vergleichsweise sehr hoher Gesang, Lyrics von Helden und deren Taten; sowie ein alles andere als dezenter Keyboardeinsatz. Hier liegt dann auch die erste große Krux von FUGATTA – die üppigen Keyboardpassagen klingen arg plump, kunterbunt vermischt und recht vordergründig-aufdringlich. Zu diesem etwas überreizten Eindruck gesellt sich das eher schepprig klingende Schlagzeug und die kratzig-hohe Stimme des Leadsängers – im besten Fall werden Erinnerungen an FROM THE DEPTH wach werden, und im schlimmsten an die ebenfalls recht kitschigen Genrekollegen von WATERLAND. Auf zweitere Vergleichsband lässt zumindest auch der folgende Titel MY MOON schließen, der abermals recht unsolide, wenn nicht sogar peinlich beginnt – im weiteren Verlauf aber zumindest eine nette Grundmelodie und eine angenehme Struktur offenbart. Aber auch hier gilt: all das ist – selbst für Power Metal-Fans mit einer Vorliebe für (guten) Kitsch – einfach zu viel des Guten. Und auch den abschließende Instrumentalteil hat man selbst auf früheren Alben von SKYLARK schon besser gehört.

In der Tat, so süßlich und nach Larifari hat schon lange keine Power Metal-Band mehr geklungen. Und schon gar nicht im Jahre 2011, beziehungsweise 2012 – da zieht also auch der Debütalben-Bonus nicht mehr wirklich. THE LAST WIZARD könnte wiederum ein Songtitel von RHAPSODY OF FIRE sein, doch hierbei handelt es sich lediglich um einen opberflächlichen Vegleich. Denn der Sound von FUGATTA wirkt einfach noch viel zu unausgegoren, regelrecht von einzelnen Elementen überladen; und durch die schlechte Produktion charakterisiert. Hier ist wahrlich einiges schief gegangen – mehr noch als auf früheren Alben von KALEDON, an die dieser Titel hier zweifelsohne erinnert. Gegen Minute 3 gibt es dann sogar einen regelrechten Effekte-Overload, der die Hörnerven arg strapaziert und alles andere als ’symphonisch‘ oder ‚episch‘ klingt. Bei Titeln wie THE QUEEN ISABEL wünscht man sich einfach, dass einer der Jungs von DRAGONLAND den Raum stürmen und das Szepter übernehmen würde – die ja eine ganz ähnliche musikalische Bandbreite offerieren, allerdings in einer ganz anderen qualitativen Liga spielen. Wer bei einem Titel wie LAND OF MISERY an einen eher düsteren Titel denken würde, hätte grundsätzlich Recht – nicht so jedoch bei FUGATTA, die abermals eine flotte Uptempo-Nummer mit einer Überdosis Kitsch abliefern. Das reicht einfach nicht – zumal man dergleichen schon anderswo, und das besser gehört hat; beispielsweise auf dem Debütalbum von CRYSTALLION oder RAVENHEART.

Mit dem folgenden VALLEY OF SORROW geht es dann abermals in diese unausgegorene Richtung, vor allem der hohe Gesang und die arg nach Konserve klingenden Keyboard-Elemente dominieren das allgemeine Klangbild. In der Tat – würde man sich die Keyboards einmal komplett wegdenken, und das Ganze besser produziert wissen – dann könnte man dem Sound von FUGATTA vielleicht schon eher etwas abgewinnen. Aber auch der Leadsänger muss noch einiges an Arbeit auf sich nehmen, um etwas abwechslungsreicher und schlicht versierter aufzutreten. FOLLOW ME AWAY ist nun die erste waschechte Ballade des Albums, die es dem Hörer endlich zugesteht, eine kurze Kitsch-Pause zu erhalten. Denn tatsächlich funktionieren FUGATTA viel besser, wenn das Keyboard und das Schlagzeug in den Hintergründ rücken und sich der Sänger auf eine etwas tiefere Gesangslage beschränkt. Und, sich dabei eventuell noch die Unterstützung einer Gastsängerin holt, wie in diesem Fall. Auch dieser Titel ist alles andere als perfekt – so müsste noch an der Aussprache des Englischen, sowie den etwas zu knarrigen Riffs gearbeitet werden – doch das lässt sich schon eher hören als alle vorherigen Titel, das Ganze erinnert dabei vielleicht sogar ein wenig (!) an SONATA ARCTICA. Mit DRAGON LANCE ist es dann allerdings auch schon wieder vorbei mit der Gemächlichkeit – entsprechende Dissonanzen im Gehörgang inklusive.

Es stellt sich eine Frage – warum mussten FUGATTA ausgerechnet 12 Titel (oder 11, abzüglich des Intros) auf das Album packen, dass so stellenweise unendlich lang erscheint ? Und das trotz einer Laufzeit von gerade einmal 50 Minuten… hier hätte es weniger auch getan, zumal keiner der Titel hervorzustechen vermag – und alles im Einheitsbrei dem Kitsch anheim fällt. Aber, was ist das ? MAGIC PLACE ist der erste der schnelleren Titel, der erstmals ein deutliches Potential aufzeigt. Je später die Stunde, desto ‚fieser‘ wird der Gesang, der hier auch mal in Form tiefer Growls ausgedrückt werden kann. Das passt recht gut zur flotten und harten Instrumentalisierung, sowie dem fantastisch-mystischen Story-Hintergrund. In der Tat wird das Album kurz vor Schluss noch einmal deutlich qualitativer – auch ACROSS TIME stellt sich als grundsolide Nummer heraus, die durch einen angenehm gemäßigten Gesang, einen netten Instrumentalpart mit klassischen Anleihen und einem gehobenen Maß an Abwechslung besticht. Zum endgültigen Abschluss darf es dann also nochmal die volle Dosis Melodie beziehungsweise Kitsch sein – GOLDEN POT klingt wie ein Stück aus dem Power Metal-Märchenbuch. Aber ausnahmsweise mal wie eines, dass durchaus Spaß macht – und ein wenig an die Anfänge der Computerspiel-Ära erinnert.

Fazit: Selbst in Anbetracht aller Schwachpunkten in der Produktion, dem überschwänglichen Kitsch und der Innovationslosigkeit muss man den Jungs von FUGATTA zumindest eines lassen – ihre Musik macht stellenweise durchaus Spaß, und verbreitet gute Laune. Dies gepaart mit einer gewissen Ambition, der Liebe zur Musik und dem Willen, sich in Zukunft noch massiv zu steigern, könnte der Band eine entsprechende Perspektive bieten. Es gilt, diese Chance zu nutzen – und sich nicht auf dem Debütalbum auszuruhen, welches alles andere als gut geworden ist. Ein gewisses Gespür für eingängige Melodien ist vorhanden, ebenso wie eine gewisse Ausdrucksstärke, die sich im wirkungsvollen Transport von Emotionen manifestiert – aber das war es dann auch schon gewesen. Der unendlich triefende Kitsch, die belanglosen Dudel-Passagen, die laienhafte Produktion und die regelrechte Austauschbarkeit der Band überwiegen hinsichtlich des Gesamteindrucks. Noch. Die letzten zwei bis drei Titel des Albums beweisen zumindest, dass es auch anders geht.

Anspieltipps: MAGIC PLACE, ACROSS TIME, THE GOLDEN POT

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