Filmkritik: „Der Flug Des Navigators“ (1986)

Originaltitel: Flight of the Navigator
Regie: Randal Kleiser
Mit: Joey Cramer, Veronica Cartwright u.a.
Laufzeit: 90 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 6
Genre: Kinderfilm (Action / Science Fiction)

Ein Disney-Kinderfilm auf epischen Pfaden.

Inhalt: Der 12-jährige David (Joey Cramer) war nur kurz draussen unterwegs – nachdem er jedoch wie gewohnt seinen Nachhauseweg antritt, findet er sich jedoch in einer reichlich merkwürdigen Situation wieder. Seine Eltern sind umgezogen, und merklich gealtert – für David eine schiere Unmöglichkeit. Doch was seine Eltern ihm berichten, klingt noch viel unglaublicher: angeblich war er für ganze 8 Jahre verschwunden. 8 Jahre – doch David hat keine Erinnerungen an diese Zeit, er selbst glaubt noch immer daran dass er lediglich für ein paar Minuten unterwegs war. Beinahe zeitgleich wird ein mysteriöses Raumschiff entdeckt – wie sich bald herausstellt gibt es eine Verbindung zu David und seinem Verschwinden. Dass Schiff wird in eine nahegelegene Basis der NASA gebracht, und David steht schnell im Fokus der Wissenschaftler – glauben sie, durch ihn mehr über das seltsame Flugobjekt und seinen Erbauer herausfinden zu können. Doch David merkt schnell, dass die Forscher weniger an seinem Wohl, als vielmehr an ganz eigennützigen Dingen interessiert sind – weshalb er sich selbst auf die Suche nach der Wahrheit macht. Dabei wäre er grundsätzlich allein – gäbe es nicht eine Mitarbeiterin, die ihm verbotenerweise zur Seite steht: Carolyn (Sarah Jessica Parker), die ausserdem noch einen speziellen Roboter namens R.A.L.F. mit sich herumführt.

Kritik: Es war einmal in einer Zeit… einer Zeit, in der das Label ‚Disney‘ noch nicht für jeder x-beliebige Fliessbandproduktion herhalten musste, und einem Großteil der produzierten Kinderfilme noch so etwas wie eine ‚Seele‘ innewohnte. Genau in einem damit eng in Verbindung stehendem Kino-Jahrzehnt, den 80’er Jahren nämlich, entstand Randal Kleiser’s DER FLUG DES NAVIGATORS, ein aufwendiger Science-Fiction-Film für ein explizit jüngeres Publikum. Das besondere: der Film erhielt eine (angemessene) FSK-6 Freigabe, beinhaltet aber grundsätzlich Themen, die von einer potentiell weitreichenderen Bedeutung und Aussagekraft sind, sodass der Film auch bei älteren Zuschauern großen Anklang fand – und noch immer findet. Und das ist beileibe kein Wunder: nicht nur, dass mit der mysteriösen Zeitreisen-Geschichte ein vergleichsweise komplexer Inhalt geboten wird, auch die über dieses Storygerüst transportierten Inhalte und Aussagen sind zweifelsohne als zeitlos zu attribuieren; und werden dabei sinngemäß kindgerecht und ‚magisch‘ präsentiert. 

Stichwort kindgerecht: natürlich sollte man bei einem Film wie DER FLUG DES NAVIGATORS nicht erwarten, dass es sich um einen Film handelt, der durch-und-durch logisch ist und einer jeden Sinnesfrage hinsichtlich der porträtierten Ereignisse standhält. Im Gegenteil, gerade älteren Zuschauern werden teils riesige Plot-Löcher auffallen, die kaum sinnig gestopft werden – sodass je nach Interesse und Ambition als Zuschauer zahlreiche Fragen auftauchen werden. Jedoch gilt es erst gar nicht, den Film unter ganz und gar wissenschaftlichen Aspekten zu betrachten – die hier aufgefahrenen, teils abgefahrenen Prämissen sind schlicht als Teil des Mikrokosmos‘ des Filmes hinzunehmen. Dies wird ohnehin weniger ein Problem in den Reihen der eigentlich angepeilten Zielgruppe sein – die jüngeren Zuschauer werden sich schnell an das fantastische Szenario gewöhnen, und weniger die Frage nach dem ‚wie ist das möglich‘, als vielmehr nach dem Ausgang der Geschichte stellen.

Die wird im übrigen von einem 12-jährigen Jungen und seinem Schicksal getragen – und das beinahe im Alleingang. Dass sich einstweilen einige skrupellose Wissenschaftler einmischen, oder ihm eine junge Wissenschafts-Assistentin zur Seite steht, ist vielmehr als Beiwerk zu betrachten – DER FLUG DES NAVIGATORS ist ein Film über besagten ‚Navigator‘ David, und natürlich: seinem manchmal etwas befremdlich-witzigen außerirdischen Kumpel, der ihm diese Position zugewiesen hat. Doch die beiden vertragen sich gut, und teilen so unweigerlich ein gemeinsames Schicksal, dass von Außenstehenden natürlich nur allzu gern verstanden werden würde. Ein offenbar ‚auserwählter‘ Mensch und eine (freundliche) außerirdische Lebensform – letztendlich darf und soll sich niemand in dieses Erlebnis einmischen, die so zu einer Coming-Of-Age Geschichte unter der Ägide einer kindgerechten Science-Fiction wird. Genau diese Herangehensweise sorgt dafür, dass automatisch Fantasien und Träume von kindlichen Zuschauern aufgegriffen und auf die Leinwand projiziert werden: wie wäre es doch, einmal die Position von David einzunehmen und ein echtes Raumschiff zu steuern ?

Auch der technische Part macht im FLUG DES NAVIGATORS eine ausnahmslos gute Figur. Die Effekte sind stellenweise atemberaubend, besonders das Design des Raumschiffes und dessen Bewegungen wissen zu beeindrucken – wie auch die spätere Rückreise durch die Zeit. Der aus heutiger Sicht etwas altbackene ’80-er-Jahre-Look‘ ist nicht als qualitativer Mangel, sondern vielmehr als Stilmittel, als ‚Geist‘ einer längst vergangenen Film-Epoche zu verstehen – man darf keine kristallklaren Bilder erwarten, doch das ist in diesem Falle vielleicht auch ganz gut und Recht so. Genau hier setzt auch der (zeitlose) Soundtrack von Komponist Alan Silvestri an, der das gezeigte sinngemäß mit einer stimmigen 80-er-Jahre Sound-Kulisse verziert. Ein besonderes Lob ist auch den Darstellern zuzusprechen, allen voran Joey Cramer, der als Kinderdarsteller die Hauptrolle in diesem Werk innehat. Auch Sarah Jessica Parker hat einen äußerst sympathischen Auftritt – der noch weit entfernt von ihren späteren TV-Eskapen anzusiedeln ist. Einen, oder zwei Kritikpunkte gibt es dann allerdings doch: die Stimme des ‚Ausserirdischen‘ Max ist in beinahe jeder Sprachfassung recht aufdringlich, nervig und überzogen – ganz besonders in der Deutschen. Und auch die sich an Bord befindlichen ‚Kreaturen‘ wurden recht laienhaft in Szene gesetzt.

Fazit: DER FLUG DES NAVIGATORS ist ein (Kinder-)Film mit einer Aussage, mit einer unmittelbar greifbaren ‚Magie‘ – und somit eines der einzigartigsten, gewagtesten und besten Werke aus dem Hause Disney. Einen riesigen Pluspunkt gibt es für das höchst emotionale, bewegende Ende und die universellen Botschaften. Wer glaubt, eine simple Alien-Entführungsgeschichte (die wäre dann auch nichts für Kinder) vorgesetzt zu bekommen, der irrt sich gewaltig. Eine Ode an die Fantasie und universelle Zusammenhänge (und -Werte), die uns alle miteinander verbinden.

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5 Gedanken zu “Filmkritik: „Der Flug Des Navigators“ (1986)

  1. Another classic of my childhood. Was habe ich diesen Film als Kind geliebt. Gehörte zu meinen Lieblingsfilmen, zusammen mit dem seltsamen Kinder-Horrorfilm Joey (Trashige Mischung aus den typischen Kinderabenteuerfilmen der 80er sowie Chucky der Mörderpuppe) und dem bis heute besten jemals gemachten Kinderfilm Ronja Räubertochter.

    Wenn ich diesen Film heute anschaue, muss ich allerdings bemängeln, dass aus dem Stoff weit mehr zu holen gewesen wäre. Die erste Hälfte des Filmes ist relativ düster und mysteriös, wärend dann die zweite Hälfte, ab der „missglückten“ Gedankenübertragung, zu sehr ins komödiantische wechselt. Ok, its a Disney.

    Daher „nur“ 8/10.

    PS: Disney, laßt die Finger von diesem Film (Anspielung auf Neuverfilmungspläne).

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  2. Oh wie ich diesen Film liebe.. Ich erinnere mich noch genau, wie ich ihn das erste mal sah. Ich war zu besuch bei meiner Tante und da ich und meine Cousins noch nicht alt genug waren für „sagen wir mal“ passendere Abendsfilme, machte mein Onkel diesen Film an und seitdem ist „Der Flug des Navigators“ einer meiner absoluten Lieblingsfilme und das schon seit vielen Jahren.
    Die Magie von der hier oft gesprochen wird kann ich nur zustimmen.
    Die Geschichte die etwas merkwürdig beginnt mit der Entführung, dann die Rückkehr nach einigen Jahren, die Versuche bei der Nasa, das Treffen mit dem „Alien“ und natürlich die Erlebnisse während des Flugs nach „Hause“ wird dann noch gekrönt von dem tollen Ende.

    Ich kann diesen Film kaum objektiv betrachten, denn die Nostalgie trägt einen großen Teil bei.
    Eine 9 von 10 !
    Unbedingt anschauen!

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  3. Ui..ich hab schon total vergessen, dass der Film aus dem Hause Disney war, aber die hatten damals wirklich noch tolle Filme im Verleih…dazu zählt „Der Flug des Navigators“, mein Gott wie oft hab ich den damals als Kind gesehen. 🙂 Eine 9/10 ist für mich dennoch etwas hochgegriffen (wow..hätte nicht gedacht, dass er dir doch so gut gefällt ^^ ), von mir bekommt er eine solide 7 – 7,5/10. Der Film treibt mir nichtsdestotrotz nostalgische Tränen in die Augen (aufgrund des fortschreitenden Alters meiner Wenigkeit passiert das immer häufiger^^)…das ist ein Paradebeispiel eines Films aus meiner frühen Kindheit an den ich mich gerne erinnere. 🙂

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