Filmkritik: „Trigun – Badlands Rumble“ (2010)

Originaltitel: Gekijouban Trigun: Badlands Rumble
Regie: Satoshi Nishimura
Story: Yasuhiro Nightow – Satoshi Nishimura
Studio: Madhouse
Laufzeit: 90 Minuten
Land: Japan
Genre: Animationsfilm (Action / Comedy)

Der 60 Milliarden Double-Dollar Mann gibt keine Ruhe. Zum Glück !

Inhalt: Vash The Stampede ist zurück – und das in alter Stärke. Dieses Mal dreht sich die Geschichte um die Wüstenstadt Makka, die wie so viele andere von nicht viel mehr als Treibsand umgeben ist. Gerüchten zufolge soll der legendäre Dieb und Räuber Gasback in der Stadt auftauchen – ein Mann, dem Vash schon vor 20 Jahren begegnet ist, wenn auch eher zufällig. Es scheint, als hätten die beiden noch immer eine Rechnung offen… auch wenn keiner von beiden weiss, dass der jeweils andere in der Stadt sein wird. Vielmehr versucht der ansässige Bürgermeister, eine drohende Katastrophe abzuwenden – und will vor allem seine neue Statue, ein riesiges Abbild seiner selbst, beschützt wissen. Hierzu beordert er die beiden Versicherungsvertreterrinnen Meryl und Milly, die das teure Ungetüm nur unter Protest versichern. Und auch diese beiden wissen noch nichts von ihrem ‚Glück‘, erneut auf Vash zu treffen – der zu allem Überfluss auch noch in Begleitung einer jungen Dame ist.  Die möchte aber eigentlich gar nichts mit Vash zu tun haben, und erliegt nur widerwillig seinem merkwürdigen Charme. Später taucht dann auch noch Nicolas Wolfwood auf, und das Chaos ist komplett…

Kritik: Überraschung – Vash The Stampede, der Held der 1998’er Anime Serie (Review) sorgt wieder für Wirbel – und das nun erstmals in Form eines kompletten Spielfilms. Die Tatsache, dass man sich überhaupt zu einem Spin-Off wie diesem entschlossen hat, lässt zweifellos darauf schließen, dass die Tage des TRIGUN-Franchises noch längst nicht gezählt sind – vor allem nicht in Japan. Schließlich erscheint der Film ganze 12 Jahre später als die längst zum Kult avancierte Serie, und transportiert die damals bekanntgewordenen, staubigen Wüstengeschichten um den legendären Revolverhelden mit 3 Waffen (von denen man im Film indes nur eine zu sehen bekommt) vor allem  in technischer Hinsicht in die heutige Zeit. Während die Serie – vor allem was die Qualität der Zeichnungen und Animationen betrifft – unlängst in die Jahre gekommen ist, spendiert man TRIGUN nun also einen beinahe makellosen Look, der sich durch eine standesgemäße HD-Qualität und kristallklare Bilder auszeichnet. Fans der Serie werden ohnehin  jubeln – doch können die Macher auch die Neugier von Neu-Einsteigern entfachen, und gar dazu bewegen, sich die TV-Serie (auf DVD) zuzulegen ?

Tatsächlich stehen die Chancen dafü alles andere als schlecht – trotz einiger inhaltlicher Abstriche, die sich allerdings kaum hätten vermeiden lassen können. Schließlich kann und soll der Film kaum das gesamte TRIGUN-Universum mit all seinen Charakteren erläutern, dafür fehlt es letztendlich schlicht an Zeit und Raum. Doch auch dieses Problem umgehen die Macher, indem sie den Film zeitlich und sinngemäß zwischen zwei Episoden der TV-Serie stattfinden lassen – sodass sie erst gar nicht in Erklärungsnot geraten, und die Serie so quasi zum ‚Pflichtprogramm‘ in Hinsicht einer breiteren Verständnisebene machen. So schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Neueinsteiger werden (im besten Falle) neugierig auf die Serie und die im Film allerhöchstes angedeuteten Hintergründe sein, und Fans bekommen alles andere als aufgewärmte Geschichten zu sehen – sondern quasi eine weitere Zwischenepisode in Länge eines Spielfilms. So oder so – man kommt einfach nicht umher, eine gewisse Faszination für das TRIGUN-Universum zu entwickeln – ob nun anhand der Serie, des Filmes, oder des Gesamtpaketes.

Einer der Hauptgründe ist das nach wie vor recht ‚unverbrauchte‘ Setting, sowie die etwas eigentümlichen, launigen und immer wieder überraschenden Charaktere. Denn, in welchen Anime sieht man sonst ein derart detailverliebtes Wüstenszenario, in dem die Menschen auf einem schmalen Grat zwischen der Resignation, dem Wille zu Überleben, und dem Blick nach vorne balancieren ? Gerade aus diesem Wechselspiel der Stimmungen heraus werden in TRIGUN einige markante Charaktere geboren, und am Leben gehalten. Wie Hauptprotagonist Vash, der Mann; auf den ein immensen Kopfgeld ausgesetzt ist. Jedoch, und das werden Kenner der Serie wissen; handelt es sich keinesfalls um einen typischen Revolverhelden; sondern vielmehr um einen verhältnismäßig tiefen Charakter. Man könnte schon beinahe behaupten, dass er drei Persönlichkeiten in sich trägt – eine definiert sich durch das, was die Menschen von ihm (oder seinem Namen) denken und sich ausmalen – fälschlicherweise; die andere durch seine locker-lustige Art sich durch das Leben zu schlagen und dabei niemanden zu schaden – und die dritte durch seine bewegende Vergangenheit, die unweigerlich mit seinem Bruder zu tun hat. Es erscheint nur verständlich, dass die dritte (die mitunter interessanteste) Ebene nicht im Film auftaucht – es handelt sich vielmehr um eine episodenartige Geschichte mit einem klaren Anfang und einem klaren Ende, während Vash’s Geschichte danach noch längst nicht zuende ist. Der Film allerdings schon.

Jedoch handelt es sich, betrachtet man den Film einmal als ‚längere Serien-Episode‘, eindeutig um eine der bisher unterhaltsamsten überhaupt.  die Geschichte des ‚Diebes aus Leidenschaft‘, der mehr als eine handvoll Prinzipien wertschätzt, ist wohl durchdacht; und deckt tatsächlich sogar einen erzählerischen Rahmen von über 20 Jahren ab, ohne allzu konstruiert oder unglaubwürdig zu wirken. Man fiebert von der ersten bis zur letzten Minute mit – und lernt dabei eine handvoll von höchst sympathischen Charakteren kennen. Einige davon sind gänzlich neu im TRIGUN-Universum, wie der schon erwähnte Gasback, oder auch die junge Frau – andere dagegen kennen Kenner schon aus der Serie, wie etwas Meryl und Milly, die beiden Versicherungsdamen, oder Wolfwood, den Mann, der unglaublich viel ‚Barmherzigkeit‘ mit sich herumträgt. Sicher, diese kommen zwar etwas kurz – doch ganz im sinne einer gedachten überlangen Episode liegt das Augenmerk eher auf der Geschichte der jungen Dame, die eng mit der von Gasback verknüpft ist. Je weiter der Film voranschreitet, desto zufriedener ist man als Zuschauer – da einerseits viele Fragen beantwortet werden, und andererseits, weil der Film im Endeffekt absolut und in jeder Hinsicht ‚rund‘ wirkt.

Natürluich macht auch die ’neue‘ Optik etwas her – auch wenn man diese Art der Anpassung als Fan mit einem lachenden und einen weinenden Auge betrachten wird. Schließlich definierte sich die Serie gerade durch den alles andere als ‚perfekten‘ Look, einige Abstriche in der Qualität, in der Unschärfe des Bildes und in der Schwammigkeit der Farben gehörten einfach zur Atmosphäre. Nun aber regiert eine allgemeine Hochglanzoptik – an die man sich erst gewöhnen muss. Doch das gelingt mit der Zeit recht gut, zumal sich die Macher es sich nicht haben nehmen lassen, eine schier unglaubliche Detailtreue in das Werk einfließen zu lassen. Die Stadt, in der sich ein Großteil der Geschichte ereignet, sprüht nur so vor Leben und Betriebsamkeit; und bietet eine große Bandbreite an visueller Abwechslung. Kultig: natürlich darf auch die berühmte schwarze ‚TRIGUN-Katze‘ nicht fehlen… lediglich der Soundtrack kann nicht mit dem der Serie mithalten, zu zeitlos und kultig wirkten damals gerade das Intro, die fetzigen Gitarren-Melodien oder die bedrohlich-verstörenden Sounds vor großen Konfrontationen während der Episoden. Ein Tropfen auf dem heissen Stein…

Fazit: Der TRIGUN-Film ist ein Muss für Fans und Kenner der Serie, die ‚ihren‘ Vash schon vermisst haben – auch wenn sie kein sinngemäß ’neues‘ Material serviert bekommen, sondern eine Geschichte, die sich zwischen zwei (oder mehr, siehe Erzählrahmen von 20 Jahren) abspielt. Neueinsteiger bekommen einen zeitgemäßen, schmuck anmutenden Einstieg in die 26-teilige Serie, auf die die Lust nach der Verköstigung des Films sicherlich steigen wird. So werden zwei potentielle Zielgruppen glücklich gemacht – besser kann es kaum laufen. Der Film ist beinahe durch-und-durch perfekt – er weiss lediglich einige kleinere Minuspunkte einzuheimsen, und diese zumeist aufgrund inhaltlicher Schwächen. So wirkt das Verhalten und Gebaren der Charaktere nicht immer glaubwürdig, wird übertrieben in Szene gesetzt oder in die Länge gezogen – und das war es dann auch schon. Im großen Ganzen: Daumen hoch – eine klare Empfehlung.

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