Filmkritik: „Story Of Ricky“ (1991)

Originaltitel: Lik Wong
Regie: Lam Ngai Kai
Mit: Siu-Wong Fan als Ricky, Mei Sheng Fan u.a.
Laufzeit: 88 Minuten
Land: Japan / China
FSK: Ab 18
Genre: Action / Splatter-Komödie

Dieser Feldzug der Gerechtigkeit ist nichts für schwache Nerven…

Inhalt: In der nahen Zukunft, im Jahre 2001, sind ein Großteil der staatlichen Einrichtungen privatisiert – so auch die zahlreichen Gefängnisse. Diese verkommen nunmehr zu rein kommerziellen Spekulationsobjekten, in denen die korrupten Direktoren die Häftlinge als billige Arbeitskräfte missbrauchen. Doch nicht nur das, auch die Alltagsbedingungen der Gefangenen sind schier unmenschlich, ständig leben sie in Furcht und Angst vor den sogenannten ‚Capos‘ der jeweiligen Gefängnisflügel. Diese mit besonderen Fähigkeiten ausgestatteten Häftlinge unterstehen unmittelbar dem Direktor, und setzten sein oftmals menschenverachtendes Gesetzt knallhart durch. Eines Tages muss sich auch der junge, 21-jährige Ricky Ho diesen Bedingungen stellen – er wird wegen Mordes zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. In Wahrheit jedoch ist der Mann, der wie kein zweiter die Kunst des Qi-Gong beherrscht, alles andere als schuldig – sondern ein Verfechter der Gerechtigkeit, der sich in der Vergangenheit an einem Kriminellen rächte, der seine Freundin auf dem Gewissen hat. Einmal im Gefängnis angekommen, steht er sofort im besonderen Fokus des stellvertretenden Direktors, der die kleinsten Anzeichen eines Aufstandes mit extremen Mitteln auszumerzen weiss. Nun also muss sich Ricky seinem bisher größten Feind stellen: der Unmenschlichkeit.

Ricky ist völlig schmerzbefreit – dank der Kraft des Qi-Gong.

Kritik: Was für ein Film – STORY OF RICKY ist das höchst eigentümliche Produkt einer Idee, die erstmals in Form eines Mangas und zwei darauffolgenden Anime-Verfilmungen manifestiert wurde. Die Japanisch-Chinesische Co-Produktion von Regisseur und Drehbuchautor Lam Ngai Kai weiss die Geschichte um den knallharten, aber gutherzigen Qi-Gong-Mann nun erstmals in einer Realfilmversion umzusetzen – bei der man zweifelsohne nicht umherkam, der optischen Gestaltung eine besondere Rolle zukommen zu lassen. Und in der Tat ist die Geschichte um den übermenschlich starken Ricky alles andere als inhaltlich erwähnenswert – die Story ist schnell erzählt, ist enorm vorhersehbar, bietet kaum Überraschungen; und wartet zudem mit einer enorm vereinfachten, moralinsauren Botschaft auf. Dass er aber dennoch enorm unterhaltsam, und vielleicht sogar als filmischer Meilenstein wertzuschätzen ist, hat gänzlich andere Gründe.

Zum einen liegt die makabere Faszination an der STORY OF RICKY einer immensen Gewaltdarstellung zugrunde, die dem Film nicht umsonst eine Empfehlung ab 18 Jahren einbrachte – wenn überhaupt, schließlich ist er in vielen Ländern erst gar nicht offiziell erhältlich. Die im Film enthaltenen, mehr als expliziten Gewaltdarstellungen sind jedoch kein Abbild einer zunehmend pervertierenden Gesellschaft wie in der späteren Generation der Horror- und Folterfilme, sondern vielmehr ein absichtlich übertrieben eingesetztes Stilmittel. So entsteht eine Atmosphäre, wie sie eigentlich nur bei einigen wenigen Filmen der frühen 90er-Jahre entstanden ist, zum Beispiel dem großartigen Zombie-Kult-Klassiker BRAINDEAD (Review). Die porträtierte Gewalt ist schlicht nicht ernstzunehmen, und durch eine offensichtliche Überzeichnung weniger dem Horror- oder Gore-Genre zuzuordnen – sondern der offensichtlich genau für solche Filme ins Leben gerufenen Nische des Splatterfilms. Und Filme dieser Sparte geizen traditionell nicht mit heftigen Gewaltdarstellungen, die in solchen Fällen eher für Lacher als für ein entsetztes Abwenden sorgen. Gesetzt dem Fall, man ist 18 Jahre alt, und allgemein nicht gerade zimperlich was cineastische Ergüsse dieser Art angeht.

Auch sollte man eine gewisse Vorliebe für Filme im Gepäck haben, die im Sinne einer Zielgruppe und einer beabsichtigten Wirkung nur schwerlich einzuordnen sind; oder gar völlig differente Reaktionen hervorrufen als dies vielleicht ursprünglich beabsichtigt war. Man kennt dieses Phänomen nur allzu gut: Filme wie TROLL 2 (Review) zeigen auf, wie ernst es die Macher doch tatsächlich gemeint haben können – mit dem letztendlichen Produkt aber in eine völlig andere, mitunter ungewollte Richtung abdrifteten. Auch bei STORY OF RICKY kommt dieses Gefühl ansatzweise auf – doch insgesamt wirkt der Film viel weniger gezwungen, verkrampft und hoffnungslos wie so manch anderes Genre-Pendant. Ob dies nun die tatsächliche Intention war oder nicht; die herrlich klischeehafte Zeichnung eines Gefängnisses mit zwei besonders fiesen Direktoren macht schlicht ‚Spaß‘, und weiss vor allem durch die laienhafte, aber wirkungsvolle Arbeit der Maskenbildner zu unterhalten. Die sorgen ständig für ein ausreichendes Level an fliessendem Kunstblut, mehr oder weniger stark verletzten Körperpartien; und gerne auch mal der Umsetzung einer besonders gemeinen Idee (Stichwort Rasierklingen, Faust-trifft-auf-Faust). Das sieht dann im Endeffekt weniger erschreckend, als vielmehr äusserst krude und makaber aus – ganz im Sinne eines guten Splatter-Films (für Erwachsene) eben.

Fazit: Sicher, wenn man so wollte könnte man auch die im Film enthaltene Botschaft hochhalten, die immerhin keine schlechte ist und möglicherweise sogar ‚ihrer Zeit voraus‘ ist. Doch letztendlich kommt es in STORY OF RICKY weniger auf das warum und weshalb an, als vielmehr um das ‚wie‘ – wie konnten die Macher nur auf diese oder jene Idee kommen, wie Ernst meinen sie das Gezeigte; und auch: wie konnte man nur derart passende Synchronsprecher (für die Deutschsprachige Version) finden ? Selbige sorgen dafür, dass der Film noch weniger ernstzunehmen ist als ohnehin schon – und spendieren ihm eine zusätzlich laienhafte; aber äusserst unterhaltsame Note. Alle anderen Aspekte, seien es nun die inhaltlichen oder technischen, bewegen sich ebenfalls auf diesem zweifelhaften Niveau – die zwar nicht immer für ein derart unterhaltsames Machwerk wie STORY OF RICKY führen, aber in diesem Fall hat es zweifelsohne geklappt. So kommt es dass ein Film, über den ein Großteil der potentiellen Zuschauer schon im voraus die Nase rümpfen würde, so herrlich ‚anders‘ und politisch unkorrekt ist, dass er zu einem Kult-Streifen der Extraklasse avanciert. Und sich, dementsprechend, kurz hinter BRAINDEAD in den Bestenlisten anstellen darf. Und das ohne großes Aufheben, einen großen Aufwand oder ein jegliches Anzeichen von Niveau. Für Splatter-Fans und solche, die es werden wollen, ein absolutes Pflichtprogramm. Aber daran denken: bloss nicht mit leerem (oder vollem ?) Magen verköstigen…

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4 Gedanken zu “Filmkritik: „Story Of Ricky“ (1991)

  1. Schön diesen hier zu finden. Ist noch immer erstaunlich unbekannt, selbst unter Splatterfans. Jeder kennt die Tanz der Teufel Reihe, fast jeder kennt die genialen Peter Jackson Frühwerke Braindead, Bad Taste und Meet the Feebles (der unbekannteste, trashigste; Muppets-Show meets Drugs + Splatter).

    Dieser hier macht genau das, was ein solcher Film tun sollte: er unterhält. Blendend. Hier vergeb ich 9/10. Stellen wir uns vor, dieser Film wäre von einem Rainder Brandt synchronisiert worden… Holla.

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  2. Was für ein zufall, den streifen hab ich erst gestern einem arbeitskollegen mitgegeben. Wollte dir sowieso mal vorschlagen den film mal wieder zu schauen, hhmmm knapp verpasst, muss ich mir wohl alleine reinziehen ahahahah hamma geiler film. cu

    meld dich mal wieder junge , hab dich vor kurzem versucht zu sprechen , negativ, geht um heute abend Feuerwerk am allersee, meld dich wenn du lust hast tschööös

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