Metal-CD-Review: DRAGON GUARDIAN – Fairytale (2012)

Land: Japan – Stil: Neoclassical / Symphonic Power Metal

01. Opening 00:41
02. The Cursed Prince 05:16
03. Doll 04:06
04. Divine Castle 04:31
05. Mages 03:46
06. Fairytale 06:02
07. 暗黒舞踏会 (8-Bit Version) 04:40

Die verrückten Japaner… mal wieder.

Vorwort: Im Hause DRAGON GUARDIAN findet man offenbar selten zur Ruhe – denn allzu lang ist das Release des letzten Studioalbums SEIMAKEN VALYRIAS (Review hier) noch gar nicht her. Was genau hinter dem aktuellen Release FAIRYTALE steckt, kann man indes (und als internationaler Hörer) nur erahnen: die offizielle Webseite der Band führt das neue Projekt lediglich als Blog-Meldung, und noch nicht in der Diskografie. Schade auch, dass sich noch immer nichts an der ‚internationalen Tauglichkeit‘ der Internetpräsenz der Japaner getan hat: nach wie vor gibt es keine Englische Sprachversion, sodass man als potentiell Interessierter auf nur halbwegs funktionierende Webseiten-Übersetzungstools angewiesen ist. Aber was nicht ist, kann ja noch werden…

Kritik: Der mit gerade einmal 7 Titeln bestückte Silberling ist zweifelsohne kein eigenständiges Album – sondern vielmehr eine experimentelle Konzept-EP mit einer Laufzeit von knapp 30 Minuten. Die Begriffe ‚Experimentell‘ und ‚Konzept‘ sind in diesem Fall auch in anderer Hinsicht besonders hervorzuheben – bereits das Intro macht deutlich, dass sich der Sound dieser EP merklich von den bisherigen Veröffentlichung der Band unterschieden würde. Explizit heisst das im Falle der vielseitigen Japaner, dass die 7 Titel von einem typischen, an die 80er Jahre erinnernden 8-Bit-Computersound dominiert werden. Im kurzen Intro geschieht das noch ‚pur‘, sodass man am ehesten an eine Retro-Melodie zu einem alten Videospiel (aus der guten alten Amiga-Zeit) denken wird – der eigentliche Opener THE CURSED PRINCE indes verbindet den Retro-Charme mit dem typisch symphonischen Metal-Sound von DRAGON GUARDIAN. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen – denn sicher gehört ein derartiges musikalisches Erzeugnis nicht zur gewöhnlichen Bandbreite der Metal-Veröffentlichungen.

Bei aller Liebe und aller Gewöhnung fällt es jedoch tatsächlich nicht leicht, dem neuen musikalischen Gewand der sich sonst grundsätzlich ‚pompös‘ inszenierenden Band deutliche positive Aspekte abzugewinnen. 8-Bit-Arrangements oder auch ‚Chip-Tunes‘ wissen für sich allein zumeist einen gewissen Charme zu entwickeln, weshalb sich auch viele dahingehend umgewandelte Metal-Musikstücke auf Youtube großer Beliebtheit erfreuen – doch die kultigen 8 Tonspuren verlieren in Verbindung mit den typischen Symphonic-Metal-Elementen der Neuzeit arg an Wirkungs- und Faszinationskraft. Mehr noch: es scheint, als würden sich diese beiden Hauptelemente der Musik gegeneinander ausspielen. De facto heisst das, dass die 8-Bit Elemente schnell aufgesetzt, unpassend und stellenweise sogar nervig werden – während der Metal-Sound nur noch kitschiger, unstrukturierter und ‚verwaschen‘ daherkommt. Dies mag auch daran liegen, dass DRAGON GUARDIAN in erster Linie auf klanglich sehr hohe 8-Bit-Strukturen setzen, und die tieferen Töne aussen vor lassen – sodass dem Sound nun endgültig ein jeglicher Druck, eine zusätzliche Kraft abhanden kommt.

Darunter haben gerade Titel wie DOLL zu leiden – die man nunmehr kaum noch in eine einzelne Metal-Sparte einordnen kann, und zunehmend befremdlich klingen. Immerhin präsentieren DRAGON GUARDIAN hier abermals ihre Stärken – die eindeutig im reinen Symphonic-Metal-Bereich liegen und sich durch ein ordentliches Gespür für Melodien, Arrangements und das gewisse Etwas manifestieren. Als Sänger tritt im übrigen Leo Figaro auf, und nicht die gewohnte (überaus starke) weibliche Stimme – sodass auch hier ein Großteil der sonst DRAGON GUARDIAN-typischen Wirkungskraft verloren geht. Und das liegt nicht zuletzt an der etwas merkwürdigen Aussprache des Englischen – ohne vorliegende Lyrics wird man kaum ein Wort verstehen. Einzig das markante Gitarrenspiel entfaltet – unabhängig betrachtet – eine stimmige Wirkung; doch das reicht einfach nicht. Dafür dient auch das arg kitschige DIVINE CASTLE als Anhaltspunkt – sicher, eine nette Melodie hat der Titel, doch keines der einzelnen musikalischen Elemente sticht wirklich aus dem allgemeinen Wirrwarr an Sounds und zusammengewürfelten Elementen hervor.

Noch schlimmer geht es dann nur noch in MAGES zu – hier treibt man das Konzept endgültig auf die Spitze. Auf die Spitze des unerträglichen – die 8-Bit-Sounds klingen enorm aufdringlich (auch dadurch, dass sie künstlich ‚langgezogen‘ werden), viel zu laut und unharmonisch, während Herr Figaro seine merkwürdig präsentierten englischen Lyrics zum Besten gibt – und das noch nicht mal in einer besonders angenehmen Tonlage. Auch der Titeltrack FAIRYTALE hat die Bezeichnung als eben solcher eigentlich nicht verdient – auch wenn es sich hier eindeutig um einen der angenehmeren Titel des Albums handelt. An einigen Stellen entsteht sogar eine gewisse Harmonie – doch grundsätzlich bleibt es dabei; sonderlich glanzvoll klingt das alles nicht. Da können auch die merkwürdigen Stimmeffekte und die sogar recht netten Soli-Passagen nicht mehr viel reissen oder gar retten. Zum Finale gibt es dann noch einen reinen 8-Bit-Track, der vor allem einen Verdacht bestätigt und eines deutlich macht: einzeln funktionieren die der EP zugrundeliegenden Musikrichtungen (8-Bit und Metal), doch in kombinierter Form zerstören sie sich gegenseitig.

Fazit: Im Grunde würde die EP auch ohne die Retro-Einflüsse funktionieren (und das sogar besser, ohne Zweifel) – nur hat man sich eben dazu entscheiden, eine etwas andersartige und mit Sicherheit einzigartige Platte auf den Markt zu bringen. Vielleicht sollten DRAGON GURADIAN es bei diesem einmaligen Experiment belassen und sich wieder auf die alte Stärke der früheren Alben besinnen… denn so werden sie keinen Blumentopf gewinnen; schon gar keinen internationalen. Schließlich gehen auf FAIRYTALE sowohl die charmanten Retro-Komponenten, als auch die sonst ansprechenden Syphonic-Metal-Elemente durch die eigentümliche Kombination komplett flöten. So hat man im Endeffekt eine Platte, die weder als Vertonung zu einem Computerspielklassiker, noch als inspirierendes und Geschichten-erzählendes Metal-Werk fungieren könnte – wie so viele der anderen Alben der Band, Sprachbarrieren hin oder her.

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