Metal-CD-Review: DOL AMMAD – Cosmic Gods Episode I / Hyperspeed (2012)

Land: Griechenland – Stil: Symphonic Electronic Power Metal

1. Magus Invicta 04:00
2. Noctis Labyrinthus 02:52
3. Golden Phantasma 02:27
4. Titan Warriors 03:57
5. Xenocide 03:01
6. Stargate Pyramid 04:54
7. Hyperspeed 04:56
8. Supernova 05:30
9. Caravan Of Mars 06:50
10. Seeds Of Life 04:35

Cosmic Power Metal aus dem Wohnzimmer… oder doch von ganz oben ?

Vorwort: DOL AMMAD – das ist eines der beiden großen Musikprojekte des Griechischen Musik-Verliebten Thanasis Lightbridge. Nun kann man sich die Frage stellen, wie man zu solch einem fulminanten Namen kommt, oder feststellen, dass er diesem in jedem Fall gerecht wird: seine Kompositionen klingen schön episch, ’spacig‘ und ebenso extraterrestrisch wie die Musik eines LUCA TURILLI auf PROPHET OF THE LAST ECLIPSE. Oder ist das etwa doch zu hoch gegriffen… ? Zumindest lässt Herr Lightbridge in seiner Musik Einflüsse aus dem Elektronik-Bereich mit handwerklich versierten Metal- und Chor-Elementen fusionieren, mit dem Ziel, einen möglichst ‚erhabenen‘ Eindruck zu hinterlassen. Ob ihm das auch auf seinem neuesten Werk, COSMIC GODS EPISODE I (HYPERSPEED), offenbar dem Beginn einer Sage, gelingen wird ? Wohlgemerkt: es handelt sich um reine Instrumentalstücke, die Gesangseinlagen lediglich in Form des eigens zusammengestellten Chores erfahren. Vorab sei noch angemerkt, dass das Cover-Artwork wirklich verdammt gut aussieht – wer auch immer hierfür verantwortlich war, versteht sein Handwerk.

Kritik: Das Album beginnt mit dem Opener MAGUS INVICTA, der sich nach einem anfänglichen Atmosphäre-Intro zu einer rasanten Uptempo-Nummer mausert. Markant: der Moment, in dem das Tempo vorgebende Schlagzeug einsteigt und so den Auftakt zu einem Cosmic-Metal-Intermezzo der allerersten Güteklasse markiert. Gerade die Chorpassagen wirken überaus druckvoll, stimmig; und schlicht gelungen – da sieht man mal, was man alles aus einem Heimstudio-Equipment und den richtigen Talenten herausholen kann. Schließlich wirkt das gesamte ‚Drumherum‘ im Falle von DOL AMMAD nicht selten ein wenig, nun; hobby-orientiert – wie man es vor allem auch den (recht witzigen) Videoblogs von Thanasis Lightbridge entnehmen kann. Doch bereits mit diesem Auftakt beweist er, dass seine  Musik absolut ernstzunehmen ist – und rein gar nicht nach einem dilettantischen 08/15-Wohnzimmerprojekt klingt. So fulminant darf es gerne weitergehen !

Es folgt NOCTIS LABYRINTHUS, ein etwa dreiminütiges Stück, welches explizit verträumt (und leicht orientalisch angehaucht) beginnt; und auch im weiteren Verlauf eher sphärisch und minimalistisch konstruiert bleibt. In diesem Fall wirkt der Chorgesang nicht mehr ganz so stimmig, und nutzt sich als alleiniges Zusatzelement zur Instrumentalisierung schnell ab – auch wenn man sich wahrlich um Abwechslung bemühte und das ein oder andere Instrument, das ein oder andere feine Arrangement auftaucht. GOLDEN PHANTASMA ist dagegen ein Stück einer etwas härteren Gangart, schwere Riffs und ein bedrohlich langsam gespieltes Schlagzeug sorgen im Zusammenspiel mit den apokalyptisch inszenierten Choreinlagen für einen stimmigen Gesamteindruck – wenn sich die einzelnen Elemente nur nicht so schnell wiederholen würden. Eher ärgerlich: der Versuch, genau diesem Eindruck mithilfe von Stimmverzerrern entgegenzuwirken.

Das folgende TITAN WARRIORS ist nun wieder ein Stück, welches an die Stimmung des Openers angelegt ist, und entsprechend flott und druckvoll daherkommt. Tatsächlich scheint die Musik von DOL AMMAD in genau diesen brachialen Momenten am besten zu funktionieren – doch der Eindruck, dass es an etwas bestimmten mangelt, bleibt auch hier nicht aus. Zwar sorgen die musikalischen Keyboard-Intermezzi für ein angenehmes Maß an Abwechslung und die Feststellung, dass das Elektronik-Genre und der (Power) Metal sich keinesfalls gegeneinander ausspielen, sondern gut zusammen funktionieren können – doch gleichzeitig regiert ein nicht zu verschweigender Unterton der ‚Zusammenflickerei‘. Eine Vielzahl von Samples und Audio-Konstrukten werden zusammengewürfelt, mit einer Grundstruktur versehen und mithilfe eines immer repetetiver ausfallenden Chor-Einsatzes garniert – das kann man mögen, muss es aber nicht. Auch XENOCIDE ist so ein Kandidat – wobei hier die Instrumentalisierung noch ein eng chaotischer ausfällt, und alles andere als einen roten Faden vorzuweisen hat.

Etwas ansprechender und interessanter erscheint da schon STARGATE PYRAMID, ein Stück, welches eher von einem rhythmischen ‚Trommeln‘ angeheizt wird als von einem Schlagzeugspiel – doch das Konzept geht in diesem Falle (halbwegs) auf, musikalisches Chaos hin oder her. HYPERSPEED wird abermals von einer flotten Instrumentalisierung getragen, und bietet im weiteren Verlauf erstmal waschechte musikalische Highlights. Über die etwas arg künstlichen ‚Laser-Effekte‘ einmal hinweg gesehen, was Herr Lightbridge hier am Keyboard veranstaltet, kann sich hören lassen – gerade im Zusammenspiel mit dem späteren, verdammt starken Gitarren-Soli. In der Tat, hier versteckt sich einer der wohl stärksten Titel des Albums – zusammen mit Titel Nummer 1, die man vielleicht beide auf eine (kürzere) EP hätte packen sollen. Sei es drum, es liegt ein Album vor – und das setzt den kosmischen Ausflug mit SUPERNOVA fort, einer Nummer; die nach dem starken und unverbrauchten HYPERSPEED nun verdächtige Startschwierigkeiten hat. Es fehlen Elemente der Unverwechselbarkeit; man kommt nicht umher zu glauben, diesen Titel bereits (und auf dem selben) Album gehört zu haben. Entweder ganz, oder aber nur einzelne Segmente. Etwas spannender wird erst ab Minute 3, in dem sich wieder stark am Keyboard un der Gitarre ausgelassen wird. Und dieses Trommeln… Freunde der experimentellen Musik werden hier am ehesten auf ihre Kosten kommen. CARAVAN OF MARS ist mit knapp 7 Minuten der längste Titel des Albums – und sorgt für ein entsprechendes maß an Abwechslung. Nicht allzu spektakulär, aber durchaus solide. Zum Abschluss gibt es noch SEEDS OF LIFE, ein Titel, der offenbar stark auf einem früheren Titel von DOL AMMAD, WINDS OF THE SUN, aufbaut.

Fazit: Das, was DOL AMMAD fehlt, ist eindeutig ein Sänger – zwar nicht auf diesem Album hier, dessen Songstrukturen weitaus zu ‚wild‘ und einstweilen etwas unstrukturiert erscheinen, aber vielleicht ja auf dem nächsten teil der COSMIC-GODS-Sage. Die Chor-Einlagen sind zwar solide, doch sie vermögen es nicht, das Album über die Gesamtspielzeit sinnig aufzuwerten – irgendwann schleicht sich der Eindruck der Wiederholung ein, der Eindruck, dass die Ideen einfach noch nicht ausreichen um den Hörer über die Laufzeit eines kompletten Studioalbums zu unterhalten. Das absolut beste an HYPERSPEED sind wahrhaftig die Gitarrenparts – die klingen immer schön satt, versiert und ausserordentlich melodiös. Kurios: Alex Holzwarth (RHAPSODY OF FIRE) spielt die Drums ! Die musikalische Frickelei an den anderen zur Verfügung stehenden Instrumenten und Samples wirkt zwar nett, und bietet den ein oder andere Aha-Effekt – doch auch hier gilt das Prinzip, dass sich selbige Experimentierfreude irgendwann abnutzt. Vielleicht sogar schneller, als einem Thanasis Lightbridge lieb ist. Als Hörgenuß der etwas anderen Art zu empfehlen – aber eben auch nur für Zwischendurch oder Nebenbei, für alles andere gibt es weniger elektronische Genrevertreter. Oder das Vorzeigealbum des ‚Cosmic Metal‘ schlechthin – PROPHET OF THE LAST ECLIPSE (Review). Doch man darf gespannt sein, was man im Hause DOL AMMAD in Zukunft noch produzieren wird.

Anspielltipps: MAGUS INVICTA, HYPERSPEED

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