Special – Die Schlechtesten Power Metal-Musikvideos Des Jahres 2012

Es ist wieder einmal an der Zeit für explizit schlechtes / misslungenes / verbesserungswürdiges – schließlich soll auf Oliverdsw.Wordpress nicht nur möglichst epischen, zeitlosen und beeindruckenden Medien gehuldigt werden. Heute geht es also – wieder einmal – um Musikvideos, eines der Aushängeschilder und Promotionsmittel von Bands aller Genres. Viele Künstler schaffen es und nutzen dieses Medium um ein an ihre Musik angelehnten visuelles Erlebnis zu kreieren – warum dabei aber gerade eines der interessantesten Genres des Metals, der Power Metal, immer wieder gnadenlos schlecht abschneidet, bleibt bis heute ein Rätsel. Schließlich ist die Musik oftmals als besonders ‚majestätisch‘, ‚erhaben‘ und ‚melodisch‘ zu bezeichnen – nur wenigen gelang und gelingt es, die entsprechend passenden Bilder zwecks einer gelungenen Visualisierung dafür zu finden.

Immerhin hat man es geschafft, vom guten alten und übertriebenen Kitsch wegzukommen – so wird man heutzutage kaum noch misslungene Computereffekte, peinlich-heroische Posen (z.B. Schwertfuchtelei) oder unpassende Hintergründe (z.B. heimischer Wald) in Metal-Musikvideos vorfinden. Und auch die Qualität hat sich mit der Entwicklung der Technik stark verbessert: statt verpixelten, matschigen und farblich unstimmigen Produktionen regiert heute oftmals ein zeitgemäßer HD-Look, und die Arbeit von talentierten Schnitt-Technickern und Bühnenbildnern wird ersichtlich. Dass das allerdings noch längst nicht heissen muss, dass Metal-Musikvideos heute ‚besser‘ sind als damals, zeigen folgende, aktuelle Beispiele aus der 2012’er Video-Musikwelt.

Zuvor jedoch eine Analyse der Zutaten, die man für ein wirklich schlechtes Metal-Musikvideo braucht. Immer vorkommen werden…

  • Ständig eingestreute Live-Aufnahmen der Band (egal aus welchem Jahr oder von welchem Ort)
  • Studioaufnahmen der Band, ob nun selbst gefilmte oder ‚pompös‘ inszenierte
  • Eine eigens hergerichtete ‚Showbühne‘ mit dem vollen Equipment und Logos der Band
  • Eine (zu) wilde, rasante Abfolge von Schnitten und Überblendungen
  • Grelle Lichteffekte, die jeden Epileptiker nah an den Rande des Todes führen
  • Ein Übermaß an künstlichen (Computer-)Effekten, Blue- und Greenscreens
  • Peinliche oder absichtlich auf lustig getrimmte Posen der Bandmitglieder

Freedom Call – Hero On Video

Eindruck: Ein Titel, an den man sich erst gewöhnen muss – obwohl er fast schon zu eingängig klingt. Freedom Call driften ganz knapp an der Kommerz-Schiene vorbei und wirken dabei relativ harmlos und unspektakulär. Die Lyrics sind kaum erwähnenswert, musikalisch gibt es das ein oder andere stimmige Element. Trotz der offensichtlichen Schlichtheit entwickelt der Titel, nach und nach, einen gewissen Charme. Freedom Call lieferten viele Über-Hmynen ab, doch bisher hat es keine davon in ein Musikvideo geschafft – und das ist vielleicht auch ganz gut so. Bisher gab es nur noch Thunder God (Link) – ebenfalls ein äusserst misslungenes, ärgerliches Mjusikvideo irgendwo zwischen Komik, Klamauk, Ernsthaftigkeit und Langeweile. Hero On Video macht es nun nicht besser, sondern zeigt der Welt abermals die etwas… ‚komischere‘ Seite der Band. Hier treten sie verkleidet als Superhelden auf, und begeben sich in so manch lachhafte Pose. Vielleicht wäre all das nur halb so schlimm, hätte man ein aufwendigeres Musikvideo produziert – doch man sieht im das niedrige Budget zweifelsohne an. Langweilige Studioaufnahmen, peinliche Kostüme (Stichwort Alter der Bandmitglieder) und Posen, sowie eine generelle Eintönigkeit zeichnen das Video aus. Immerhin geht der Schnitt in Ordnung…

Iron Fire – Leviathan

Eindruck: Das passt schon, was die Jungs von IRON FIRE auf ihrem neuesten Album VOYAGE OF THE DAMNED ablieferten – und auch die Auskopplung Leviathan ist alles andere als ein schlechter oder schon tausendmal gehörter Titel. Allerdings haben wir ein so gar nicht dazu passendes typisches 08/15 Lagerhallen-Video, welches nicht einmal durch zusätzliche Ideen oder Einfälle zu überzeugen versucht. Langweilig, Eintönig, zu jedem Zeitpunkt gleich – Innovation geht anders. Lediglich die Posen und das Auftreten der Band wirken authentisch.

Before The Dawn – Pitch Black Universe

Eindruck: Hier haben wir einen Vertreter der etwas härteren Metal-Schiene. Entsprechend mächtig und brutal ist der Sound von BEFORE THE DAWN, der aufgrund einer dezenten Melodiösität aber dennoch schnell ins Ohr geht. Aber… das Musikvideo gleicht einer Rhapsodie im blauen Zwielicht – schade, dass das Musikvideo nicht einmal ansatzweise die Stimmung des Songtitels transportieren kann, und aus nicht viel mehr als leicht aufgepeppten, inszenierten Bühnenperformances besteht – ein paar Spiele mit dem Feuer müssen als einzige Besonderheit herhalten. Immerhin, die Lichtstimmungen zeigen ihre Wirkung, doch insgesamt wirkt das Video viel zu gewöhnlich und unspektakulär.

Dragonforce – Cry Thunder

Eindruck: Dragonforce sind zurück, und das mit neuem Sänger – der sich wahrlich hören lässt. Von ihrer Spielfreude haben die Britannier noch längst nichts verloren. Cry Thunder ist einer der etwas ruhigeren Titel des neuen Albums, der nun also auch als Videosingle ausgewählt wurde. Sicher,  eine tolle Bühne haben die Setdesigner da hergerichtet – doch das reicht nicht, um das Musikvideo sinnig über etwa 5 Minuten Gesamtspielzeit zu tragen. Schnell wiederholen sich Posen, Lichtspiele und -Stimmungen, Kamerafahrten und Schnitte – die grundsätzlich qualitativ sind, ohne Frage. Da hat man sich in der Vergangenheit mehr (Stichwort Gitarrenduelle) einfallen lassen.

Folkstone – Nebbie

Eindruck: Das klingt schon verdammt interessant und andersartig, was die Jungs von FOLKSTONE hier darbieten – zumal in der Originalsprache gesungen wird. Das Musikvideo wirkt auf eine Art stimmig, da versucht wird, einen etwas ‚dreckigen‘ Gesamteindruck entstehen zu lassen – mit dem Einfluss der Elemente, freien Oberkörpern, und altertümlichen Outfits und Instrumenten; gleich einer gelungenen Pagan-Metal-Party. Doch auch hier gilt: irgendwann nutzt sich das Szenenbild ab, Abwechslung gibt es kaum. Und eine erzählte Geschichte schon gar nicht.

HeadQuakes – Come With Me

Eindruck: In der Tat liefern HEADQUAKES mit Come With Me einen interessant-ansprechendes Metal-Stück mit einem reichlich ernsten Unterton und einer unglaublichen Ausdrucksstärke ab. Leider verwendet die Band für das entsprechende Video beinahe ausschließlich etwas laienhaft wirkende Aufnahmen der Bandmitglieder während einer Performance in einer Art Garage. Immerhin wollen sie im weiteren Verlauf eine (zum Titel passende) Geschichte erzählen, doch ein richtiger Fluss will so einfach nicht aufkommen. Erst gegen Ende nehmen die eigens gedrehten, beinahe filmreifen Szenen mehr Screentime ein – schade.

Mustasch – The Challenger

Eindruck: Gradliniger Heavy Metal trifft auf leichte Distortions und ein Zusammenspiel von wohlklingenden und auf ‚dreckig‘ getrimmten Gesangseinlagen. Heavy Metal, Frauen, Autos… mehr Klischee geht nicht. Dann doch lieber etwas mehr ‚Offroad‘, als merkwürdiges Rundendrehen in einem Parkhaus – der moderne, glattgeschliffene Fast-And-The-Furious-Look passt einfach nicht zum rauen Sound der Band.

Pastore – Far Away

Eindruck: Ein typisches Beispiel für ein schnell und billig produziertes 08/15-Musikvideo – man nehme eine Band, packe sie in einen klinisch sterilen, weissen Raum (bekannt: Boden, Wände und Decke ‚verschmelzen‘) – und das war’s dann auch schon. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass versucht wird, mit schnellen Schnitten und rasanten Kamerafahrten zumindest ein wenig Stimmung entstehen zu lassen.

Steel Wing – Full Speed Ahead

Eindruck: Eine Symbiose aus Heavy-, Power- und Trash Metal – der Sound von STEEL WING klingt gleichsam nostalgisch wie zeitlos. Das Video allerdings sieht schon wieder ganz anders aus. Reine Bühnenaufnahmen mit Publikum und merkwürdigen Farbfiltern – billiger geht’s nimmer.

Heidevolk – Als De Dood Weer Naar Ons Lacht

Eindruck: Einer der wohl hochkarätigsten Vertreter in diesem Beitrag. Aber, warum nur… ? Warum mussten HEIDEVOLK das grundsätzlich vielversprechende Video zu einem weiteren typischen Metal-Musikvideo verkommen lassen, wenn die entsprechenden guten Szenen schon da sind ? Die kommen in Form von stimmigen Artworks und eingestreuten Schlachten-Szenen daher – doch was hilft der gute Ansatz, wenn man immer wieder zu den überaus kargen Lagerhallen-Aufnahmen (mit nervigem Blau-Grau-Filter) schwenkt ? Das hat dann rein gar nichts mehr mit dem ‚epischen‘ Eindruck des Songtitels zu tun, und ein jeglicher Versuch eine Geschichte zu erzählen, schlägt fehl.

In Mourning – A Vow To Conquer The Oceans

Eindruck: Brutal und energetisch – aber wieder einer dieser ‚Blauen‘ und ‚Zwielichtigen‘. Man sieht, wie schnell sich Metal-Musikvideos ähneln können, lässt man die Freude zur Innovation zusehends schleifen. Irgendwo in einem dunklen Raum ward ein kleines ‚Set‘ aufgebaut, auf dass sich die Bandmitglieder richtig verausgaben – als Schmankerl kommen besagte Lichteffekte und Null Abwechslung hinzu. Wohlgemerkt: das Video hat eine Laufzeit von über 7 Minuten…

I AM I – Silent Genocide

Eindruck: In der Tat – der ehemalige Leadsänger von DRAGONFORCE ist zurück, und steht nun für sein neues Projekt I AM I Pate. Schade, dass die erste Single alles andere als versiert präsentiert wirkt, und man den Sänger grundsätzlich kaum wiedererkennt. Wo ist die Kraft von damals ? In Sachen Musikvideo sieht es nicht viel anders aus: Lagerhallen, die tausendste. Nur, dass es der Schnitt-Techniker dieses Mal eindeutig übertreibt. Für Epileptiker eindeutig nicht empfehlenswert ! Ansonsten regiert vor allem eines: eine gähnende Langeweile. Da hilft es auch nicht mehr viel, dass man das Set kurzerhand nach draussen (auf einen abgeschmackten Hinterhof) verlegt. Nur vermeintlich cool: der Totenschädel auf der Holzbrüstung… peinlich.

At Vance – Facing Your Enemy

Eindruck: Eindeutig ein Fall von ‚Musikvideo wird der Musik nicht gerecht‘ – AT VANCE sind schon eine gefühlte Ewigkeit im Geschäft und beherrschen ihr Handwerk, ohne Zweifel. Gerade die markante Stimme des Leadsängers verleiht dem Projekt einen mitunter einzigartigen Anstrich, der für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt. Warum man sich dann allerdings dafür entschieden hat, hauptsächlich typische Bühnenaufnahmen für das Video zu verwenden, bleibt ein Rätsel. Ein noch größeres aber ist das ständige Auftauchen einer gewissen Dame – auweia, das wirkt nicht nur extrem unpassend und kitschig, sondern auch verdächtig plump.

Luca Turillis Rhapsody – Dark Fate Of Atlantis

Eindruck: Die Erwartungen waren hoch – vielleicht sogar zu hoch, um auch nur ansatzweise befriedigt zu werden. Nur eines ist klar: die Nummer Dark Fate Of Atlantis hat markante Startschwierigkeiten, und geht nur äusserst zögerlich ins Ohr. Die ‚Orchestrale‘ Komponente wirkt ein wenig zu sehr ausgereizt und übertrieben eingesetzt – eine klare Linie lässt sich kaum ausmachen. Und auch der neue Sänger kann nicht an die Glanzzeiten Turilli’s (mit Olaf Heyer) anknüpfen… noch enttäscuhender ist allerdings das Musikvideo, welches offensichtlich aufwendiger ist als ein Großteil der hier vertretenen Videos. Mehr noch, es ist vielleicht das aufwendigste (und teuerste) Metal-Musikvideo, welches bisher im Jahre 2012 produziert wurde – doch man sieht, auch das hilft nicht immer. Schuld daran ist das desolate Szenario und die arg repetitiven Elemente (Straßenzüge, schmerzverzerrte Gesichter), die kaum Raum für die Fantasie des Zuschauers lassen und zudem leicht aufgesetzt wirken. Und auch die erzählte Geschichte könnte ausführlicher, spannender; und vor allem abwechslungsreicher präsentiert sein.

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.