Filmkritik: „Gekijouban Aquarion“ (2007) / GENESIS OF AQUARION (OVA, 2007)

Typ 1 : OVA (2-teilig, jeweils ca. 50 Minuten)
Typ 2: Movie, ca. 120 Minuten
Regie: Shoji Kawamori
Studio: Satelight
Land: Japan
Genre: Science Fiction / Action / Drama
Tags: Mechas, Atlantis, Übernatürliche Kräfte, Apokalypse, Engel

Die beiden OVA-Teile:

1 – Wings of Betrayal
2 – Wings of Glory

Freie Auswahl a’la AQUARION: man (er)wähle entweder die zweiteilige OVA oder den Film…

Inhalt: Zu einer längst vergessenen Zeit lebten die Engel noch frei auf der Oberfläche der Erde. Sie nutzen ihre Machtstellung als klar über den Menschen gestellte Rasse aus, und doch brauchten sie die Menschen als eine Art ‚Nutzwesen‘ – sie konnten ohne die durch sie fliessende Energie, das Prana, nicht leben. Eines Tages aber geschah etwas unvorhergesehenes: einer der mächtigsten Engel, Apollonius, verliebte sich in einen Menschen, Celiane; und schlug sich bald darauf auf ihre Seite. So konnte es die Menschheit erstmals wagen, sich gegen die Herrschaft der Engel aufzulehnen – was ihnen mithilfe des mächtigen Maschinenengels AQUARION auch beinahe vollständig gelang. Doch Scorpius, einer der beiden wichtigsten menschlichen Verbündeten von Apollonius, erhoffte sich insgeheim einen Zugang in die legendären Hallen von Atlantis, um ebenfalls die übermenschlichen Kräfte der Engel zu erlangen. Letztendlich schloss er sich Thoma, einem mächtigen Engel, an – und tötete auf seine Versprechen hin Apollonius. Seit diesem Tag sind 12.000 Jahre vergangen, und die Menschheit sieht sich erneut mit den erstarkten Engeln konfrontiert. Offenbar benötigen sie noch mehr Prana als sonst – was dazu führt, dass bereits ganze Städte ausradiert wurden. Auch wenn sie es noch nicht wirklich glauben können, liegt die Hoffnung der Menschheit jetzt in den Händen von 3 besonderen Jugendlichen – den Reinkarnationen der legendären Drei Kämpfer von damals. Jedoch, wird es dieses Mal erneut einen Verrat geben ?

Kritik: (Fortsetzung des Einleitungssatzes)… denn inhaltlich nehmen sich die beiden VÖ-Versionen aus dem Jahr 2007 nicht sonderlich viel. In der Tat scheint es ein wenig verwirrend und fraglich, warum man sich im Falle der Fernsehserie AQUARION (Review hier) für eine ‚doppelte‘ Aufarbeitung entschieden hat – ganz unabhängig von der inhaltlichen Qualität. Doch in Japan handhabt man derlei gerne ein wenig anders, das ist man gewohnt – so manche Serie erfuhr eine mehr oder weniger zeitgemäße ‚Wiederbelebung‘ in Form einer OVA-Reihe oder einer Filmumsetzung. Warum es in diesem Fall gleich beiderlei sein musste, und das auch noch im selben Jahr (das ist dann doch eher selten); sei einmal dahingestellt. Aber, und das ist viel wichtiger: gibt die Fernsehserie überhaupt genug Stoff für weitere Portierungen her, oder geht dem AQUARION-Franchise vorzeitig die Luft aus ? Immerhin konnte bereits die TV-Serie weder als zu ignorierende Ausfallerscheinung noch als neumodischer Anime-Überflieger bezeichnet werden. Sie hatte durchaus ihre Vorzüge; konnte beispielsweise mit einer markant-gelungenen Mischung aus (übernatürlicher) Action-, Drama- und Comedyelementen glänzen – doch dem allgemein recht überlaufenen Mecha-Genre konnte sie nicht viel neues abgewinnen. Die (häufigen) Kampfszenen und CGI-Animationen machten zwar einiges her und waren temporeich inszeniert – doch gerade inhaltlich zeigte AQUARION deutliche Schwächen beziehungsweise offensichtliche Genre-Anleihen auf.

Schließlich ist die storyrelevante Grundlage, dass die (nunmehr dezimierte) Menschheit gegen eine offenbar weitaus fortschrittlichere und mächtigere Rasse kämpft; wahrlich nicht ungewöhnlichen im Bereich des Japanischen Animationsfilms. Hinzu kommen einige Aspekte der Mystik (wie Engel als übermenschliche Wesen, der Kontinent Atlantis) und der Griechischen Mythologie (Apollo als ‚Adonis‘ und Schicksalsfigur); und prompt hat man eine leicht ‚aufgepeppte‘ Version des traditionell inszenierten, ewigen Kampfes zwischen gut und böse – der im Falle von AQUARION häufig explizit an Genre-Kollegen (oder -Vorbilder) wie NEON GENESIS EVANGELION oder RAHXEPHON erinnert. Auch hier steht letztendlich weitaus mehr auf dem Spiel, als es in den ersten Momenten den Anschein hat; und auch hier entscheiden junge Männer und Frauen respektive Teenager über das Schicksal der nachfolgenden Generationen – sofern diesen überhaupt ein Schicksal zugestanden wird. Die OVA, beziehungsweise der Film GEKIJOUBAN AQUARION knüoft direkt an diese Stimmung an, und richtet sich in erster Linie an Kenner der Serie, die weitaus schneller einen Zugang zum präsentierten Material finden werden. Denn: die Handlung der OVA / des Filmes ist keine schlichte Neuerzählung oder Zusammenfassung der Serie (und damit gerade für Fans der Serie interessant), setzt aber gegebenenfalls etwas Grundwissen bezüglich des AQUARION-Universums voraus. Jene, die absolut unvoreingenommen an den Film gehen, werden eventuell von dem etwas raschen Einstieg in das apokalyptische Szenario überrumpelt werden – und sich dementsprechend wundern.

Stichwort Einstieg: hier findet sich auch der markanteste Unterschied zwischen OVA und Film wieder, der die Entscheidung nach der Versionsfrage erleichtern sollte. Vereinfacht ausgedrückt, besteht der Film aus den beiden kompletten OVA-Teilen – sowie einer zusätzlichen Bonus-OVA als Prolog. Gerade die stellt sich als besonders sinnvoll heraus, wenn man die Serie nicht kennt – denn hier fällt der Einstieg deutlich ruhiger und strukturierter aus. So werden kurz einige der Charaktere vorgestellt – wobei man allerdings alles andere als tiefsinnige Porträts erwarten sollte; sondern eher einen erheiternden Fanservice und eine allgemeine Verspieltheit. Ebenfalls markant, und gleichzeitig eine deutliche Parallele zu RAHXEPHON: die Einbeziehung des ‚Gesangs‘ als mächtige Kraft, die so in der Serie nicht vorgekommen ist. Alsbald geht es dann hinüber in den episch-dramatischen Bereich, der unter anderem eine actiongeladene, recht ästhetische Auseinandersetzung zwischen den zwei wichtigsten Parteien sowie den Tod eines Team-Mitgleids auf Seiten der Menschen zeigt. Zum Vergleich: die OVA allein fackelt dagegen nicht lange, und beginnt gleich mit dem zweiten Drittel des Films – in dem komödiantische Aspekte kaum noch eine Rolle spielen. Gerade das ist auch eine wichtige Feststellung, beziehungsweise Geschmacksfrage in Bezug auf die Wertung: während die Serie immer wieder zwischen einer verschrobenen Heiterkeit und einer tiefschwarzen, poetischen Dramatik hin- und her pendelte, ist dies bei der OVA nicht mehr der Fall. Das Hauptaugenmerk liegt hier klar auf der Action, und der apokalyptischen Stimmung, die sich bis zum Ende ziehen soll und dabei immer wieder einen neuen Höhepunkt erreicht.

Hierin finden sich letztendlich auch die deutlichsten Stärken der beiden Versionen (OVA und Film). Die Actionszenen sind größtenteils atemberaubend, äusserst temporeich und zudem auffällig ‚bunt‘ inszeniert. Während sie in der ersten Hälfte noch am ehesten der Qualität der Serie zuzuordnen sind, fallen sie im späteren Verlauf deutlich eigenständiger und wirkungsvoller aus. Optik und (klassische) Musik bilden hier eine sinnige Symbiose, gleich einer ‚Sinfonie der Sinne‘ – die zudem auch ein enormes inhaltliches Gewicht innehat. Zwar erreicht AQUARION zu keinem Zeitpunkt ähnlich epische Auswüchse / Zuschauerwirkungen wie beispielsweise ein EVANGELION – zumal gerade übertriebene Details (Bilder des Universums beim Aufeinandertreffen von Schwertern) die allgemeine Glaubhaftigkeit wieder etwas zu dämpfen wissen – doch dennoch wird man nicht enttäuscht werden. Ohnehin ist im Falle eines Franchises wie AQUARION so gut wie nichts subtil – hier wird ordentlich geklotzt, und nicht gekleckert.

Fazit: Grundsätzlich kann / könnte man die 2-teilige OVA streichen – und sich nur auf die Existenz des Films besinnen. Schließlich besteht er nicht nur aus den beiden OVA’s selbst, sondern auch noch aus einem Zusatz-Einführungsteil – warum also ‚weniger‘ nehmen, wenn man das Gesamtpaket haben kann ? Es reicht also eine Version, ein Investment; um der Fortführung des AQUARION-Franchises gewahr zu werden. Dass beide Versionen im selben Jahr veröffentlicht wurden, bleibt kurios – doch es mindert nicht die Qualität des eigentlichen Mediums. Die ist insgesamt durchwachsen, und ist letztendlich als (leicht überladenes) Schauspiel für Augen und Ohren zu bezeichnen – wer Wert auf einen expliziteren inhaltlichen Anspruch legt, ist anderswo sicher besser beraten – auch bei der weitaus ausführlicheren TV-Serie. Doch als Anime-Popcornkino für zwischendurch eignet sich die Filmversion von AQUARION allemal – zumal sich Inhalt, Qualität und Anspruch trotz aller Schwächen und Widrigkeiten immer noch meilenweit über dem allgemeinen Niveau der Erwachsenen-Animation des Westens bewegen.

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