TV-Kritik / Anime-Review: SOUSEI NO AQUARION

Typ: Anime-Serie (26-teilig)
Regie: Shoji Kawamori
Idee: Shoji Kawamori
Studio: Satelight
Land: Japan
Genre: Science Fiction / Action / Drama
Tags: Mechas, Atlantis, Übernatürliche Kräfte, Apokalypse, Engel

1 Die Erinnerung an die himmlischen Flügel
2 Das Tier der Dunkelheit
3 Elementschule
4 Barfüssiger Krieger
5 Der König des Untergrundlabyrinths
6 Gefühle in der Weite
7 Ritter der dunkelroten Rose
8 Erste Vereinigung
9 Pfad der Träume
10 Sterne am Himmel, Blumen auf der Erde
11 Glückseligkeit auf dem Grund des Sees
12 Bernstein der Zeit
13 Ein 12,000 Jahre alter Liebesbrief!
14 Leuchtender Schatten
15 Aquarions erste Liebe
16 Schwarzer Spiegel
17 Wir vereinen uns, weil wir essen wollen
18 Cosplayer der Seele
19 Unschuldiger Bengel
20 Der Klang eines Engels Feder
21 Purpurner Pfad
22 Die Flügel die man nicht sieht
23 Flugel, vergeblich
24 Des Himmels Tor
25 Kampf!! Atlantis
26 Der Tag an dem die Welt beginnt

Sousei Gattai… Go, Aquarion !

Inhalt: Irgendwann in der nahen Zukunft steht die durch eine Naturkatastrophe stark dezimierte, restliche Menschheit vor einem schicksalhaften Kampf. Die sogenannten Schattenengel, eine der Menschheit überlegene Rasse, greifen von einer anderen Dimension aus die Überlebenden an und absorbieren ihre Lebensenergie, das für sie lebenswichtige Prana. Dies bewerkstelligen sie mithilfe von Dimensionstoren, durch die sie riesige Maschinen entsenden, die die Menschen einer Ernte gleich einsammeln – zur Verteidigung stehen ihnen dabei die mächtigen, offenbar unbemannten Cherub-Soldaten zur Seite. Doch ein kleiner Teil der Menschheit bewahrt die Hoffnung: sie alle sind Mitglied einer Organisation namens Deava, die in Besitz der einzigen Waffe ist, die es mit den Schattenengeln aufnehmen kann: drei mächtigen Vektoren, die sich zum Maschinenengel Aquarion vereinigen können. Doch Aquarion funktioniert nur, wenn er auch bemannt ist – weshalb die Organisation stets auf der Suche nach fähigen Piloten ist, die eine besonders starke Aura besitzen; der Energie, die Aquarion antreibt. Auch der Herumtreiber Apollo stellt sich als Kandidat heraus – doch in Wahrheit steckt noch mehr hinter ihm und seiner Vergangenheit, die, wie sich herausstellt; sogar 12.000 Jahre zurückreichen könnte… ist er tatsächlich die Reinkarnation des sagenumwobenen Solarflügels ?

Kritik: Erst einmal tief durchatmen und nicht abschrecken lassen – denn in der Tat lässt es sich bei einer Serie wie SOUSEI NO AQUARION kaum vermeiden, dass etwaige Serien-interne ‚Fachbegriffe‘ bereits in der blossen Inhaltsangabe auftauchen. Somit stellt sich eine wichtige, vielleicht die substantiellste Frage: kann die Serie eine ausreichende Faszination entfachen – eine Faszination, die den Zuschauer nicht nur ‚bei Laune‘ halten, sondern auch dafür Sorge tragen würde; dass er vollends in das mystisch-kriegerische Universum von der Serie einsteigen kann ? Die Chancen dafür stehen, im Vorfeld und theoretisch gesehen, wohl weder besonders gut noch besonders schlecht. Schließlich ist ein großer Vorteil der Serie, dass sie sich auf das generell sehr beliebte Mecha-Genre stützt, und damit automatisch eine große Interessengruppe ansprechen wird – doch gerade das könnte sich gleichzeitig auch als Problem herausstellen. Man weiss, dass der Mecha-Markt wie kein zweiter von verschiedensten Produktionen überlaufen ist – daher ist es keine leichte Aufgabe, diesem Genre noch etwas wirklich innovatives, aufregendes abzugewinnen. Auch nicht im Jahre 2005; wenngleich es folgende Werke verständlicherweise noch schwerer haben werden.

Doch interessanterweise erweist sich SOUSEI NO AQUARION als (sinnbildliche) Kämpfernatur. Nicht nur, dass die Inhalte selbst gerade diesen ‚Geist‘ immer wieder aufgreifen, auch will sich die Serie nicht so schnell mit anderen, früheren Animes auf eine Stufe gestellt wissen. Dieser Mut zu neuem vermag durchaus zu beeindrucken – auch wenn sich diverse Parallelen und bekannte Elemente dennoch schnell offenbaren. Hierzu braucht man nicht unbedingt einen legendären Mecha-Anime-Koloss wie NEON GENESIS EVANGELION heranzuziehen, der ohnehin für alle zukünftigen Genre-verwandten Produktionen Pate stand, steht und stehen wird (wenn man so will und der Serie diese Wichtigkeit anlasten möchte) – SOUSEI NO AQUARION weist viel explizitere Parallelen zu späteren Werken wie RAHXEPHON (2003) oder EUREKA SEVEN (2005) auf. Und derer sind es wahrlich nicht wenige, gerade in Bezug auf ersteren Vergleichsparter: auch in S. N. AQUARION ist ein allerlei (Dimension-)Grenzen überschreitender Kampf zwischen zwei Rassen entbrannt, wobei sich die ‚mächtigere‘ Partei zum größten Teil in einer anderen Dimension befindet und (noch) nicht wirklich vollständig in die Welt der Menschen vordringen kann. Auch das sagenumwobene Atlantis taucht in beiden Serien auf, sowie ein weiteres, allerdings genretypisches Merkmal: es sind stets junge Menschen, die aus einer gewissen Kindlichkeit und Unbeholfenheit heraus lernen, ihr (schweres) Schicksal zu akzeptieren und so über sich selbst hinauswachsen. Und, um letztendlich doch eine Verbindung zu EVANGELION herzustellen; ähneln die bombastischen Mecha-Kämpfe in ihrer Struktur doch stark dem ‚großen Vorbild‘. Auch hier werden die mystisch inszenierten Widersacher immer stärker, ‚lernen‘ offenbar dazu – sodass sie sich immer neueren Methoden bedienen, um die Menschen zur Strecke zu bringen.

Kann eine solche Serie also überhaupt funktionieren ? Jedoch ist SOUSEI NO AQUARION nicht nur der ‚typische‘ 08/15-Anime, auch wenn der Hauptplot als Grundgerüst auf eine eben solche, einfach gestrickte Auseinandersetzung (die absolute Konfrontation von ‚gut‘ und ‚böse‘) aufbaut. Vielmehr handelt es sich um eine leicht verspielte, äußerst unterhaltsam gehaltene Serie, die zwar viele große Mysterien und vorgestellte Weisheiten beinhaltet – bei der aber auch der Humor nicht zu kurz kommt. Im Gegenteil, es gibt sogar Folgen, denen man die komödiantischen Anteile bereits an der Titelgebung ansieht. Die Folgen 4 (Barfüssiger Krieger), 17 (Wir vereinigen uns weil wir Essen wollen) und 18 (Cosplayer der Seele) stellen sich hier als markanteste Episoden heraus, die geschickt mit gegensätzlichen Stimmungen spielen und sowohl Humor als auch eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht zu kurz kommen lassen. Ja; selbst etwaige (kuriose) Übergänge wie der in Folge 17 funktionieren – erst recht lebhaft und witzig inszenierte, typische Teenagersorgen werden hier im weiteren als ‚Waffe‘ der Schattenengel genutzt, sodass früher oder später Leben auf dem Spiel stehen. Das ist ungewöhnlich, und zeugt von einem gewissen Mut der Macher – wobei die Mischung vollends aufgeht. Etwas schade ist allerdings, dass dieses ‚Spiel‘ eine geraume Zeit lang betrieben wird – und so die eigentliche Hauptgeschichte, gerade zur Mitte der Serie, etwas ausser Acht gelassen wird. Erst wenn S. N. AQUARION den 20er-Episodenbereich erreicht, zieht man in Sachen Handlung noch einmal stark an.

Davor gibt es jedoch andere Elemente, die die Serie sehenswert gestalten. In erster Linie sind das die optisch auffälligen Mecha-Kämpfe – bei denen weder vor CGI-Effekten, noch vor einer großen Portion Farbe und noch viel mehr Tempo Halt gemacht wurde. In der Tat – gerade in den ersten Episoden fällt es erst schwer, sich an diese Form des ‚Bombastischen‘ zu gewöhnen. Es scheint stets, als würde der Bildschirm vollends ausgenutzt – überall findet Bewegung statt, gibt es Explosionen, treten seltsame Erscheinungen und übernatürliche Elemente auf; spielt man ein buntes Spiel mit den Farben und Eindrücken. Hinzu kommt es stellenweise schneller Schnitt, sodass der allgemeine Überblick einstweilen droht, verlorenzugehen – vielleicht wäre hier ‚weniger‘ folgerichtig ‚mehr‘ gewesen. Doch es ist nicht nur der optische Bereich von S. N. AQUARION, der manchmal etwas ‚überladen‘ wirkt – auch die (grundsätzlich interessanten, gar faszinierenden) Charaktere wechseln munter zwischen verschiedenen Gefühlslagen, begeben sich in allerlei abstruse Situationen. Den ‚Höhepunkt‘ eines jeden Abschnittes markiert dabei zumeist der Kampf im Mecha Aquarion. Das funktioniert zuerst noch gut – doch alsbald geraten die Kämpfe immer vorhersehbarer, auch wenn sie stets anspruchsvoller und komplexer werden. Zudem setzt man hier auf einen unermüdlichen Einsatz der immer gleichen Stilmittel – leider. So ist die Titelmusik auffällig oft zu hören, die Animationen der ‚Vereinigung‘ unterscheiden sich kaum, und die Charaktere geben ein jedes Mal ähnlich (makabere) Sätze von sich, wenn sie inmitten der Vereinigungsphase sind. Auch das angebliche ‚Alter‘ der Protagonisten wird nicht wirklich glaubhaft transportiert – hier lässt sich schlicht keine klare, nachvollziehbare Linie ausmachen. Sicher, sie verhalten sich oftmals pubertär – doch insgesamt wirken sie weniger ‚menschlich‘ und weniger zuzuordnen als in anderen Serien.

Weitaus faszinierender fällt dagegen das Porträt der Schattenengel aus, von denen man nicht so Recht weiss ob man sie nun hassen oder zu ihnen aufschauen soll – hier liefert S. N. AQUARION alles andere als stereotype Protagonisten ab. Tolle Zeichnungen, stimmige Hintergründe und grandios-bunte Mystery-Aspekte runden den insgesamt guten Eindruck ab – ebenso wie der partiell sagenhafte Soundtrack. Gerade die orchestralen Versionen der Titelmelodie wirken schön bombastisch, emotional und zeitlos. Auch die Sprecher sind engagiert, und scheinen enorm in ihre Rollen vertieft – weshalb es durchaus zu verkraften ist, dass es noch keine (dann mit Sicherheit miesere) Deutsche Fassung der Serie gibt.

Fazit: Sicher, SOUSEI NO AQUARION braucht eine gewisse Warmlaufzeit, um sich vollends zu entfalten. Doch dann klappt es größtenteils mit der angepeilten Zeitlosigkeit und Erhabenheit des Animes – schließlich wird ein Zeitraum von nicht weniger als 12.000 Jahren abgedeckt. Zusätzlich zum höchst ungewöhnlichen Kampf um das Schicksal der Erde gibt es eine damit stark verknüpfte, erfrischende Liebesgeschichte präsentiert – die alles andere als kitschig inszeniert wurde und zahlreiche Überraschungen bereithält. Wie sicher auch das große Finale, beziehungsweise die letzte Folge – es ‚lohnt‘ sich zweifelsohne, das Ende der Serie abzuwarten. Hier wird noch einmal alles an Kampfgeist, Symbolik (Zeit- und Raumüberschreitung) und storyrelevanter Tragweite aufgeboten, dass es eine pure Freude ist. Die größten Schwachpunkte der Serie aber bleiben ebenso bestehen: die etwas hektisch-überladene Präsentation, sowie die etwas zu dünne Story, um die wegen des geringen Ausschöpfungspotentials nur in einigen wenigen Folgen explizit behandelt wird. Letztendlich handelt es sich aber um grundsolide Anime-Kost, die durchaus mit inoffiziellen ‚Vorgängern‘ wie RAHXEPHON mithalten kann. Um allerdings ein NEON GENESIS EVANGELION vom Thron zu stossen, bedarf es noch weitaus mehr.


75button

„Bunt, leicht verrückt und temporeich – aber gar nicht mal schlecht.“

Advertisements

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s