Metal-CD-Review: GAIA EPICUS – Dark Secrets (2012)

Land: Norwegen – Stil: Power Metal

Die Trackliste:

1. Beyond the Universe 05:05
2. Hellfire 03:28
3. Lost Forever 05:13
4. Mirror of Truth 04:11
5. Bounded by Blood 03:24
6. Ode to the Past 02:52
7. Farewell 03:54
8. The Raven 03:30
9. Behind these Walls 03:34
10. Falling into the Abyss 04:58
11. Dark Secrets 06:38
12. Last Chance 03:50

Lang hat’s gedauert… jetzt ist es endlich (!?) da.

Vorwort: Wenn man für ein Album länger braucht als ursprünglich geplant / angesetzt, wird es dann automatisch besser ? Wird es noch ausgefeilter, einzigartiger, zeitloser – kurzum, macht sich das (verlängerte) Warten bezahlt, oder wandelt sich die nunmehr auf die Folter gespannte Vorfreude schnell in Ernüchterung um ? Im Falle von GAIA EPICUS‘ DARK SECRETS kann man genau das eruieren – sofern man denn ein Freund der Norweger und deren Musik ist, die zweifelsohne als gradliniger Power Metal ohne viel Schnickschnack bezeichnet werden kann. Wobei, die Norweger… ? Die Geschichte zeigt, dass GAIA EPICUS inzwischen zu einem wahren Ein-Mann-Projekt geworden ist. Thomas Chr. Hansen, der Kopf der Band, singt also längst nicht mehr nur die Lyrics ein – sondern ist auch so gut wie für alles andere verantwortlich. Lediglich im Live-Lineup der Band findet sich dann so mancher weiterer Name – wie also wird ein Power Metal-Album klingen, dass von einem einzigen kreativen Kopf erschaffen wurde ? Immerhin sorgten GAIA EPICUS in der Vergangenheit nicht immer nur für rege Begeisterungsstürme, einen Kritkpunkt den sie sich noch immer gefallen lassen müssen ist der der etwas missglückten Präsentation. Sei es nun eines der lachhaftesten Musikvideos der Metal-Geschichte (HAND OF FATE), merkwürdige Alben-Cover und Songthemen, ulkig wirkende Bandfotos… so richtig im Ruhme sonnen konnten sich GAIA EPICUS irgendwie noch nie. Aber vielleicht gehört all das ja (endlich) der Vergangenheit an.

Kritik: Eines ist aber mit Sicherheit gleich geblieben – die, zugegeben, etwas gewöhnungsbedürftige Stimme von Thomas Chr. Hansen. Ein ganz spezieller, unverkennbarer Ausdruck und ein gewisser damit einhergehender ‚Redneck-Charme‘ (wenn man so will) lassen seine Vorträge nicht für jeden zu einem Genuss werden. Doch alles hat seine Vorteile – so muss man in Anbetracht eines weiteren ‚typischen‘ Power Metal-Releases zumindest nicht befürchten, dass einem (wieder mal) ultrahohe Highpitched-Screams entgegenschallen. Seine Stimmlage ist eine merklich tiefe, gemäßigte, die ohne große Akrobatik auskommt. Und so kann der Opener INTO THE UNIVERSE bereits nach einer kurzen EIngewöhnungszeit (oder einigen Durchläufen) durchaus punkten. Hier handelt es sich um eine solide Uptempo-Nummer mit allen Elementen, die man als eingefleischter Melodic Power Metaller zu schätzen wissen wird – inklusive einem schön hochtrabenden Mitsing-Refrain. Aber auch die Drums, die Gitarrenarbeit und die höchst dezenten Keyboardelemente können überzeugen. Ein solider Opener, ohne Frage. Leider wird das vorhandene Potential im weiteren Verlauf aber nicht immer vollends ausgenutzt – wie bei HELLFIRE, einer grundsätzlich interessanten Stampfer-Nummer mit markanten Geschwindigkeitswechseln und einigen guten (Strophen, Gitarren) aber eben auch einigen eher unausgegorenen Zutaten (Refrain, Backgroundgesang, Momente der Stille), die den Gesamteindruck unnötig schmälern. Ein schlechtes Omen ?

Denn es geht nur vermeintlich munter weiter – und zwar mit LOST FOREVER, einem Titel, der vor Tempo und Kraft nur so zu strotzen scheint. Aber auch hier gilt: einige Ideen und Ansätze kann man nur unterstreichen, andere sähe man am liebsten gar nicht oder zumindest abgeändert. Die hier etwas merkwürdigen Stimmexperimente in den viel zu ruhigen Strophen und der darauffolgende Uptempo-Refrain harmonieren nicht wirklich miteinander; letztendlich klingt der Titel eher nach einer durchwachsenen Krawall-Nummer als nach einer melodiös-erhabenen Hymne. Einzig und allein das Gitarrensolo zum Finale hin überzeugt ganz und gar, vermag es doch mehr Emotionen zu erzeugen als der vorherige Titel. In der Tat scheint es, als hätte DARK SECRETS ein Problem – irgendwie hat man dieses oder jenes Arrangement, Element oder Solo schon einmal gehört; sei es nun bei GAIA EPICUS selbst, oder bei einem der anderen, mehr als zahlreichen Genrevertreter. So erweisen sich MIRROR OF TRUTH und BOUNDED BY BLOOD als grundsolide Titel; ein wie-auch-immer geartetes I-Tüpfelchen, einen Aspekt der Besonderheit und Einzigartigkeit aber wird man vermissen. Es ist wahr: die bisherigen Titel wirken alle relativ austauschbar. Dem versucht Thomas Chr. Hansen nun mit kurzen Titeln wie der ODE TO THE PAST entgegenzuwirken – einem reinem, von Gitarren dominierten Instrumentalstück. Das gelingt erst noch recht passabel, im späteren Verlauf aber gerät der Titel zu einem unfreiwillig komischen (Zirkusatmosphäre inklusive Blasmusik im Hintergrund), nur um zum Finale noch einmal alles an Gitarrengeschredde auf das Parkett zu zaubern. Durchwachsen, durchwachsen…

Mit FAREWELL geht es nun also auch Richtung Ballade – Autsch, das tut nun erstmals richtig weh. Ein schön kitschiger Text, noch dazu etwas grobschlächtig und unbeholfen vorgetragen, eine etwas merkwürdige Aussprache sowie zuckersüße Keyboard-Elemente als Hintergrundvertonung – das muss nicht sein. Da reisst auch das finale Solo nichts mehr, hier wurden die Chancen eindeutig vertan. THE RAVEN präsentiert sich als etwas eintönige Midtempo-Nummer ohne viel Schmackes, während BEHIND THESE WALLS wieder mehr Potential mitbringt – dieses im Endeffekt aber wieder verschenkt. Ein verdammt plump wirkender Refrain mit einem unbeholfenen weiblichen Gesangspart und die eher gesprochenen als gesungenen Strophen verägern eher als dass sie begeistern. Auch FALLING INTO THE ABYSS wirkt viel zu brav, einfach gestrickt und monoton, sodass man sich langsam aber sicher fragen muss wo sich die versprochene, ‚episch-erhabene‘ Musik befindet, die die Vorabinformationen und das (durchaus geniale) Albencover versprachen. So kann auch der Titeltrack DARK SECRETS dieses Versprechen nicht einlösen – wieder regieren ein stark monoton-einfallsloser Grundton und repetitive Elemente, sowie die generell viel zu plump und laienhaft inszenierte Produktion. Lediglich das Finalstück LAST CHANCE überrascht dann doch noch ein wenig: hier scheinen das Konzept erstmals wieder richtig aufzugehen, auch wenn die weibliche Gesangsstimme alles andere als erhaben wirkt, und die Produktion ebenfalls einige Mängel aufweist.

Fazit: Das war wohl nichts – Gut Ding will manchmal Weile haben, doch es gibt immer wieder Fälle, in denen auch das nicht viel nützt. GAIA EPICUS‘ 2012’er Release DARK SECRETS ist das perfekte Beispiel: verschiebt man den Releasetermin eines Albums (und das in einem recht expliziten Maße), steigen nun einmal auch die Erwartungen der Hörerschaft. Ja, was würde der einsame Power Metal-Streiter Thomas Chr. Hansen da wohl in all der Zeit ‚zusammenzaubern‘ ? Doch leider sind die hier präsentierten ‚dunklen Geheimnisse‘ weder dunkel, noch kann man behaupten, dass sie sonderlich spannend wären. Ein atmosphärisches, voller Herzblut steckendes Power Metal-Album klingt anders – hier reiht sich ein Lückenfüller an den nächsten, als Zwischenspiele gibt es reichlich missglückte Experimente und einen insgesamt laienhaft (tatsächlich !) erscheinenden Sound. Klischeehafte Texte, kaum brauchbare Melodien, viel zu ’schepprig‘ klingende Drums und Gitarren, ein nicht immer starker Gesang, miese Gastgesangsparts – das Ganze klingt eher wie ein Debütalbum als eines einer Band, die schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Kurzum: GAIA EPICUS klingen im Jahre 2012 verdammt eintönig, plump; und stellenweise sogar etwas nervig-aufgesetzt. Eine weitere Feststellung: Titel Nummer 1 (schöne Uptempo-Nummer mit tollen Drive) und 12 (ruhig-gefühlvolles Akustikgitarrenstück mit Gesangsduett) erweisen sich als die stärksten Titel. Die Folge: man konnte die dazwischenliegenden 10 Titel genausogut streichen. Halbherziger Power Metal ohne Innovation, Biss, oder Eingängigkeit – die generelle ‚Unprofessionalität‘ (über die man bei GAIA EPICUS eigentlich längst hinweg sein sollte) rundet den Gesamteindruck nach unten hin ab. Dann doch lieber die älteren Alben.

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