Metal-CD-Review: DAMNATION ANGELS – Bringer Of Light (2012)

Land: Großbritannien – Stil: Symphonic Power Metal

1. Ad Finem
2. The Longest Day Of My Life
3. Reborn
4. I Hope
5. Acerbus Inceptum (Pt. I)
6. Someone Else (Pt. II)
7. Bringer Of Light (Pt. III)
8. Shadow Symphony (Pt. IV)
9. No Leaf Clover
10. Pride (The Warrior’s Way)

Heavy Metal auf ganz hohem Niveau.

Vorwort: Da hat doch glatt eine weitere, noch nicht allzu bekannte Symphonic Power Metal-Band im Zuge der massiven Veröffentlichungswelle Anfang 2012 ein Debütalbum auf den Markt gebracht – die Rede ist von den DAMNATION ANGELS aus dem Vereinigten Königreich. Bereits im Jahre 2006 gegründet, werkelte man lange an einer ersten EP, die schließlich im Jahre 2009 und unter dem Titel SHADOW SYMPHONY veröffentlicht wurde. Doch dabei sollte es nicht bleiben – nun liegt also endlich das Debütwerk der Symphonic-Metaller vor, welches hoffentlich genauso heilsbringend wirkt wie es der Titel verspricht.

Kritik: Das Album wird von einem klassisch inspirierten Intro mit dem Titel AD FINEM eröffnet – ähnlich wie bei RHAPSODY OF FIRE setzt man hier auf eine lateinische Namensgebung, die einen universelleren und epischeren Sound verspricht. Zumindest beim Intro, denn der Großteil der folgenden Stücke besitzt handelsübliche englische Bezeichnungen. Doch mit der eben genannten Band sind die DAMNATION ANGELS eigentlich überhaupt nicht zu vergleichen, wie es bereits das reichlich frisch und unverbraucht klingende, schön orchestralisch-filmmusiklastige Intro vermuten lässt (welchers einen netten Spannungsbogen offenbart); noch mehr aber der satte Opener THE LONGEST DAY OF MY LIFE. Ganze 10 Minuten hat man hier eingeplant – doch Langeweile kommt nicht auf, im Gegenteil, es macht reichlich Spaß die Band in dieser Form kennenzulernen. Schnell wird klar, dass die einzelnen Mitglieder reichlich was auf dem Kasten haben – und das auch die Produktion über jeden Zweifel erhaben ist. Bedenkt man, dass es sich hier um ein Debütalbum handelt, verdient das durchaus Respekt – schließlich ist eine solch hohe Qualität nicht Gang und Gebe. Markant: der Leadsänger Per Fredrik „Pellek“ Asly, der ein äusserst angenehmes Organ besitzt und sich so weit weg von gängigen Symphonic Power Metal-Klischees bewegt. Im Zusammenspiel mit der äusserst facettenreichen, stets versiert wirkenden Instrumentalisierung entsteht ein ganz und gar harmonischer Gesamteindruck, der dem Stück eine gewisse Leichtigkeit; gleichzeitig aber auch Bedetungsschwere verleiht. Auch die Symphonischen Elemente kommen gut zur Geltung, sie wirken stilsicher und – überraschenderweise – niemals plump.   

Wenn man die DAMNATION ANGELS also schon nicht mit RHAPSODY OF FIRE vergleichen kann, mit wem dann ? Nun, es handelt sich hier zwar um einen Symphonischen Power Metal – doch in erster Linie um einen nicht ganz so temporeichen oder bombastischen. Will heissen, ein etwas erhöhter Anspruch ist durchaus zu spüren – wie es Stücke a’la REBORN noch einmal deutlich machen. Man könnte oder sollte eher Bands wie DRAGONLAND (in ihren ruhig-symphonischen Momenten), KAMELOT, eventuell AYREON oder die früheren AVANTASIA-Werke (The Metal Opera) zu einem Vergleich heranziehen – wenn es denn unbedingt sein muss. Doch eines ist klar: die DAMNATION ANGELS beweisen relativ schnell, dass sie sich nicht hinter anderen Bands verstecken, und dies auch gar nicht nötig haben. Ihr Sound ist ausreichend eigenständig, und wechselt mit Leichtigkeit zwischen ruhig-poetischen und treibend-orchestralischen Momenten. Das folgende I HOPE zeigt auf, wie vielschichtig und abwechslungsreich die Band klingen kann – und wie viel man aus einigen wenigen, dezenten Elementen machen kann. Es kommt eben nicht nur auf den Klang der einzelnen Elemente an, man braucht auch ein gutes Gespür für Melodien und Arrangements – und das legen die DAMNATION ANGELS allemal an den Tag. Hinzu kommen wohl durchdachte Lyrics, die ordentlich Dramatik aufbauen und inhaltlich überzeugen. Auch die Metal-Elemente kommen nicht zu Kurz, sodass vor allem Schlagzeug und Gitarren für ausreichend Headbang-Potential sorgen – die Vermengung der beiden Aspekte wirkt ähnlich gelungen wie bei früheren Werken von NIGHTWISH.

Nun folgt also doch noch ein Lateinischer Titel: ACERBUS INCEPTUM (PT. I), der zwar ohne Metal-Elemente, nicht aber ohne Gesang auskommt. Und der wirkt gerade hier äusserst stimmig, kräftig und emotional aufgeladen. Auch der Spannungsbogen stellt sich als sagenhaft heraus, die langsame Steigerung der orchestralischen Elemente in Verbindung mit dem flüsternden Gesang und dem generellen Spiel mit der Lautstärke der einzelnen Elemente lässt hier zweifelsohne musikalische Perfektion vermuten. Hieran schließt sich nun SOME ELSE (PT. II) an, eine wunderschöne Halb-Ballade mit einem gewollt schwermütigem Unterton. Ganz großes, wenn auch eher ruhig-besinnliches Kino, das nur noch vom Titeltrack BRINGER OF LIGHT (Pt. III) getoppt werden kann. Auch die SHADOW SYMPHONY (PT. IV) ist klassisch-erhaben, wie auch das folgende NO LEAF CLOVER – wenngleich man sich zum Ende hin etwas mehr Abwechslung gewünscht hätte. Schließlich wirkt keiner der letzten 4-5 Titel wie eine waschechte Über-Nummer – diesen Rang nimmt nach wie vor der starke Opener ein. Die Mitte des Albums ist solide, technisch und inhaltlich über jeden Zweifel erhaben – nur an ‚Biss‘ fehlt es noch, an episch-eindringlicheren Arrangements und noch majestätischeren Klangbildern. Zum Glück war es das aber noch nicht gewesen – ein weiteres Highlight schlummert nämlich noch in PRIDE (THE WARRIORS WAY), einem verdammt starken Finalstück. Hier sorgen die DAMNATION ANGELS nun also auch für die nötige Abwechslung, indem sie dem Titel eine gänzlich andere Grundstimmung verpassen. Eine leicht fremdländische, nach dem fernen Osten klingende, das dortige Krieger-Heldentum besingende. Wieder werden 10 Minuten pure Unterhaltung geboten, die kaum Wünsche offen lassen.

Fazit: BRINGER OF LIGHT ist ein mehr als gelungenes Album, welches gekonnt den Spagat zwischen einer Metal-Oper, genretypischer Fantasy und allgemeiner Symphonischer Erhabenheit meistert. Wohlgemerkt, es handelt sich hier um ein Debütalbum – man wird es kaum glauben können; schließlich klingen die DAMNATION ANGELS bereits jetzt schon überaus versiert – und besser als so mancher Genrekollege, der schon seit Jahren im Geschäft ist. Lediglich der Fakt, dass das Album letztendlich weniger ‚Metal‘ beinhaltet als vielleicht erwartet, vermag den Gesamteindruck (ganz) leicht zu schmälern. Schließlich bleiben Titel wie der sagenhafte, von Uptempo-Metal-Elementen gespickte Opener THE LONGEST DAY OF MY LIFE oder das mächtige I HOPE eher die Ausnahme. Doch das macht nichts – man muss sich dessen nur gewahr sein. Freunde von noch kräftigeren, Metal-lastigeren (Fantasy-)Opern greifen lieber zu DRAGONLAND’s UNDER THE GREY BANNER, Fans von gleichsam progressiv wie klassisch angehauchten Arrangements können bedenkenlos zugreifen, mehr noch: sie werden in den DAMNATION ANGELS tatsächlich das durch den Albentitel versprochene Licht, ihr ganz persönliches Heil entdecken könnnen. Ganz großes (Kopf-)Kino, geeignet für alle Altersklassen und Geschmäcker – die DAMNATION ANGELS durchbrechen gängige Genre-Grenzen und lassen Metal-Anhänger und Klassik-Genießer gemeinsam gute Musik zelebrieren. Auf, auf ins Licht… !

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