Metal-CD-Review: SYNTHPHONIA SUPREMA – The Future Ice-Age (2010)

Land: Italien – Stil: Symphonic / Electronic Power Metal

Die Trackliste:

Future Hammerblows
Dominatron
Beyond The Next
I,Storm
Iced Waterfalls
Phoenix‘ Return
Electrodoom
Future Ice-Age
Synthetic Aurora
Nos
My Enemy=Looser
Aurora Symphonica (Bonus Track)

Achtung, Synthie-Alarm !

Vorwort: Unbedingt auf die richtige Schreibweise achten… SYNTHPHONIA SUPREMA sind eine 1999 gegründete Symphonic Power Metal-Formation aus Italien. Jedoch sollten man nicht den Fehler begehen und sie als ‚eine von vielen kitschigen Italo-Bands‘ abstempeln – denn der Sound von SYNTHPHONIA SUPREMA ist doch ein klein wenig anders als der vieler artverwandter Genrekollegen. Nicht nur, dass man in diesem Ensemble mal ausnahmsweise nicht auf einen ultrahohen Gesang setzt, sondern mit einem sogenannten Herrn ‚Matkracker‘ einen solide-gemäßigten Frontsänger an den Start bringt; die Band setzt neben den üblichen Power Metal-Anleihen auf einen auffällig elektronischen Synthie-Sound. Das macht beileibe nicht jeder, wohl auch weil man diese Mischung als ‚gewagt‘ bezeichnen könnte – doch das Interesse weckt es allemal.

Kritik: THE FUTURE ICE-AGE beginnt mit dem atmosphärischen Intro FUTURE HAMMERBLOWS, welches; ganz recht – so klingt, wie es der Titel vermuten lässt. SYNTHPHONIA SUPREMA verbinden hier einen dezenten Retro-Charme, der etwa an 80’er-Jahre-Filmwerke wie TERMINATOR erinnert, mit einer mystisch anmutenden ‚Musik der Zukunft‘. Von Anfang an dabei ist der sich sofort bemerkbar machende, sphärische Synthie-Touch – in der Tat schreckt die Band nicht davor zurück, das Keyboard vollends auszulasten und mit so manch ungewöhnlichem Sample zu belegen. Alles in allem ein sehr, sehr stimmiges Intro ohne nennenswerte Metal-Elemente – die kommen erst jetzt zum Zuge, und zwar im Opener DOMINATRON. Der stellt sich als recht stimmige Stampfer-Nummer heraus, die durch die dominanten Keyboards einen etwas anderen, einzigartigen Unterton spendiert bekommt. Freunde eines allzu ‚puristischen‘ Metal werden diese Maßnahmen eher abschrecken, doch wer nichts gegen derartige Experimente hat, die den Heavy / Power Metal mit expliziten einflüssen aus dem Elektronik-Bereich kombinieren, wird vermutlich positiv überrascht sein. Und tatsächlich ist diese Genre-Sparte noch nicht wirklich ausgelastet, sodass das vorliegende Album – zumindest in den ersten Zügen – recht erfrischend und verspielt wirkt. Immerhin, auch wenn das was die Band da macht stark nach Kitsch klingt –  sie meinen es absolut ernst, und zielen im Bestfall auf eine ganz eigene, sich schnell entfaltende Dramaturgie ab.

Dafür sorgen auch die vergleichsweise anspruchsvollen Lyrics und die generell düster-dystopische Stimmung, die etwas von einer dunklen Zukunftsvision hat – mit kurzen Interludes wie BEYOND THE NEXT wird dieser Eindruck zusätzlich unterstützt. Als aus dem Kontext gerissenes Inderlude undenkbar, entfaltet es innerhalb der Tracklist von THE FUTURE ICE-AGE einen sinnigen Charme. Der erste waschechte Kracher lauert nun in Form von I, STORM auf den Hörer. Ein mehr als rasantes Tempo, abwechslungsreiche Riffs und Drums, ein generell erhabener Songaufbau und ein kultverdächtiger Refrain machen I, STORM zu einem der Highlights des Albums. Wer Abwechslung schätzt und nichts gegen eine erst leicht ‚überladen‘ wirkende Komposition voller zu entdeckender Samples und Kniffe hat, wird nicht umhin kommen, diesen Titel zu mögen. Das folgende ICED WATERFALLS entfaltet als etwas ruhiger gestimmte Nummer schnell eine eigentümliche Atmosphäre, die vor allem reichlich düster und bedrückend wirkt. Aber warum nur – viele Stilmittel werden eigentlich nicht genutzt. Schwere, fast doomige Riffs, die dramatisch vorgetragenen Lyrics und die elektronischen Nuancen tragen ihren Teil zu einem schwer einzuordnenden Eindruck der etwas anderen Art bei. Es scheint, als bewegte sich die Band auf einem Pfad, den noch kein anderer Genrekollege zuvor betreten hat – zumindest liesse sich eine etwaige Vergleichsband nicht auf Anhieb ausmachen. Was mehr als zweckdienlich ist, schließlich unterstreichen SYNTHPHONIA SUPREMA so ihre hervorstehenden Alleinstellungsmerkmale. Doch dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Qualität auch eine entsprechend höhere ist.

Titel wie PHOENIX RETURN und ELECTRODOOM fungieren als solide Zwischen-Nummern, die zwar nicht als herausragend bezeichnet werden können – die man sich aber dennoch ohne Ohrenschmerzen anhören kann. Das Problem mit der Musik von SYNTHPHONIA SUPREMA ist eben doch – wenn auch nur teilweise und nicht so explizit wie von Genregegnern sicher gern behauptet – die exzessive Vermengung von teilweise arg künstlich wirkenden Elektronikelementen und einem etwas in den Hintergrund rückenden Metal-Sound. Da hilft es auch nicht viel, dass man offenbar versucht, den Keyboard-Attacken mit einer gewissen Progressivität beizukommen – wie man es auch dreht und wendet, so richtig ‚bissig‘ klingt das alles nicht. Und, es klingt zunehmend repetitiv – während das Album zu Beginn noch für reichlich frischen Wind sorgen konnte, macht sich ab der Mitte wieder etwas Eintönigkeit breit. Der flotte Titeltrack THE FUTURE ICE-AGE erinnert stark an I, STORM (ist aber dennoch einer der stärkeren Titel des Albums); und auch das erst vielversprechende SYNTHETIC AURORA hat ein Problem – es wirkt viel zu träge, wenig innovativ und irgendwie abgeschmackt. Das folgende Interlude NOS dagegen kann wieder etwas Stimmung aufbauen, bevor das Album mit MY ENEMY = LOSER einen weiteren Hitkandidaten serviert. Der Bonustrack AURORA SYMPHONICA ist als nette Beigabe zu sehen – mehr aber auch nicht.

Fazit: Irgendwie ist THE FUTURE ICE-AGE anders – anders als viele der niemals endenden Power Metal-Releases aus Italien. Das macht das Album aber nicht automatisch zu einem Hitgaranten. Neben einer deutlichen Eingewöhnugnszeit und geforderten Vorliebe für etwas künstlich-aufgepeppte Metal-Arrangements muss man schon ein ordentlichen Durchhaltevermögen mitbringen, um dem Album mehr als nur durchschnittliches abzugewinnen. In der Tat fehlt es noch an Facettenreichtum, einer stärkeren einbeziehung der Metal-Elemente; und einer kleinen Entlastung des Keyboards. Überhaupt hätte man sich das hier präsentierte Material vielleicht besser auf einer Konzept-EP vorstellen können – etwas komprimierter und mit 2-3 wirklichen Hits. Auf einem Album wie dem hier vorliegenden sorgt dieses Konzept nur anfänglich für eine überbordernde Euphorie – doch die Ernüchterung folgt dem auf Schritt und Tritt. Alles in allem – eine Empfehlung für experimentierfreudige Metaller, die sich auch gern mal im elektronischen Bereich umschauen – alle anderen sollten vielleicht doch eher zu sinnigeren Alternativen greifen. Davon gibt es ja gerade aus Italien mehr als genug…

Anspieltipps: I STORM, THE FUTURE ICE AGE, MY ENEMY = LOSER

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