Metal-CD-Review: AMBERIAN DAWN – Circus Black (2012)

Land: Finnland – Stil: Symphonic Power Metal

Die Trackliste:

1. Circus Black
2. Cold Kiss (featuring Timo Kotipelto)
3. Crimson Flower (featuring Jens Johansson)
4. Charnel’s Ball
5. Fight
6. Letter
7. I Share With You This Dream
8. Rivalry Between Good and Evil
9. Guardian
10. Lily of the Moon

Das ist doch alles nur geklaut… oder etwa nicht ?

Vorwort: Wie viele ‚Female Fronted‘ Power Metal-Bands gibt es eigentlich, und wieviele davon setzen auf einen klassisch inspirierten Gesang ? Die Antwort darauf sollte eher schlichtend ausfallen. Nein, der Markt ist nicht von solchen Bands überlaufen, doch hat er weit mehr zu bieten als die oftmals hervorgehobene Monopolstellung von Bands wie NIGHTWISH. Die Chancen stehen also gut, dass AMBERIAN DAWN mit CIRCUS BLACK eine noch nicht allzu ausgereizte Nische finden und Liebhaber von symphonisch-klassischen Kompositionen ansprechen werden. Etwas kurios ist allerdings, dass man sich dazu entschied, CIRCUS BLACK verhältnismäßig recht zeitnah zu einigen anderen großen Releases des Genres an den Mann zu bringen. Der Release von NIGHTWISH’s IMAGINAERUM (Review) liegt noch nicht allzu lang zurück, auch XANDRIA veröffentlichten erst vor kurzem ihr sagenhaftes Mammutwerk NEVERWORLDS END (Review). Es bleibt also nicht aus, dass AMBERIAN DAWN etwaigen Vergleichen standhalten muss, wobei gerade Parallelen zu NIGHTWISH ersichtlich werden. Schließlich begeben sich nun auch AMBERIAN DAWN auf eine Reise, die irgendwo zwischen einem Jahrmarktbesuch (siehe Cover), einem Aufenthalt in einem Gruselkabinett und einer generell märchenhaft-fantasieanregenden Erzählung anzusiedeln ist. Handelt es sich also nur um eine weitere lauwarme Interpretation altbekannter Inhalte, oder servieren die Finnen von AMBERIAN DAWN wirklich höhrenswertes, neues, erhabenes Material ?

Kritik: Den Auftakt des 10-Track starken Albums läutet der Opener und Titeltrack CIRCUS BLACK ein, der sich als solide inszenierte Symphonic-Metal-Nummer mit einprägsamen Refrain herausstellt. AMBERIAN DAWN etablieren eine ansprechende Vermengung von grundsätzlich gegensätzlichen Stimmungen und Emotionen – der Grundton ist ein leicht mystisch-düsterer, die hochtrabenden Symphonischen Elemente und das überaus versierte, antreibende Gitarrenspiel sorgen aber für die nötige Abwechslung und musikalische Vielfalt. Hinzu kommt der ein durchweg positiver Eindruck in Bezug auf die technischen Aspekte: der Sound wirkt absolut rund, satt und perfekt abgemischt. Mit Titeln wie dem folgenden COLD KISS beweisen AMBERIAN DAWN zudem, dass sie durchaus in der Liga der ‚ganz großen‘ mithalten können – nicht umsonst hat man sich hier Timo Kotipelto (STRATOVARIUS) als Gastsänger mit ins Boot geholt. Und dessen Performance ist – wie sollte es anders sein – mal wieder eine der allerersten Güteklasse, und entwickelt gerade im Zusammenspiel mit der weiblichen Gesangsstimme der Frontsängerin einen zusätzlichen Reiz. Gut auch, dass hier keine schnulzige Ballade präsentiert wird – sondern ein angenehm schmackiger Vocal-Schlagabtausch vor satter Instrumentalkulisse. Der mitunter einzige Störfaktor ist der, dass das Liedgut insgesamt noch etwas zu glatt geschliffen, zu ‚konstruiert‘ wirkt.

Darauf weisen auch die Spielzeiten der einzelnen Titel hin, von denen keiner einer nennenswerte ‚Ausfallerscheinungen‘ darstellt. Man bewegt sich stets in einem Zeitrahmen von dreieinhalb bis maximal fünf Minuten – bei allen 10 Titeln, ein Intro, Outro oder Interludien gibt es nicht. Das sorgt an sich schon für einen etwas zu gelichförmigen Eindruck, hier wäre etwas mehr Mut sicher nicht verkehrt gewesen. Dies gilt sicher auch auf inhaltlicher Basis, Stücken wie CRIMSON FLOWER fehlt es einfach an Schmackes, beziehungsweise einer ansprechenden Struktur. Während der kongeniale, spätere Soli-Part einen äusserst hohen Unterhaltungsfaktor aufweist, wirkt die restliche Komposition einfach viel zu halbherzig; sie bewegt sich irgendwo zwischen andächtiger Ballade und epischen Midtempo-Stampfer. Auch das folgende CHARNELS BALL erweist sich nicht als Sofort-Durchstarter, sondern eher als zähe Nummer mit merklich emotionalem Charakter. Stellenweise erinnert der Sound an DARK MOOR – nur, dass die Spanier einen Hang zu noch zeitloseren, wirkungsvolleren Kompositionen an den Tag legen. Das Potential war gegeben – doch letztendlich geht CHARNELS BALL in der Masse unter. Das flotte FIGHT schickt sich da schon deutlicher an, zur ersten wirklichen Hymne des Albums zu avancieren – immerhin, die flott-fröhliche Instrumentaliserung, die von netten Symphonischen Elementen durchzogen ist, entfaltet schnell ihre Reize. Gegen Ende gibt es dann sogar noch ein richtiges Double-Bass-Gewitter zu hören – so kann es also auch gehen. Nicht mehr ganz so harmonisch wirkt allerdings der Gesang, hier in allerhöchsten Lagen – er will einfach nicht so recht zur flott-brachialen Instrumentaliserung mit leichtem Cosmic Metal-Touch passen, wirkt in diesem Fall etwas zu ‚brav‘.

Es folgt LETTER, die mitunter abwechslungsreichste Nummer des gesamten Albums. Dementsprechend positiv fällt das Fazit aus – es wirkt einfach treffender, wenn AMBERIAN DAWN sich auf die etwas komplexeren, vielschichtigeren Arrangements konzentrieren als sich in zu repetitiven Elementen zu verzetteln. Auch I SHARE WITH YOU THIS DREAM stellt sich als durchaus erhabene Nummer mit leicht balladesken Einschlag heraus, die durch die männlichen Gastauftritte zusätzlich an Abwechslung und Wert gewinnt. Man sieht und merkt; ein ‚mehr‘ an Gefühl muss nicht gleich bedeuten, dass der Kitsch auf Schritt und Tritt folgt. Noch eindrucksvoller präsentiert sich das folgende Instrumentalstück RIVALRY BETWEEN GOOD AND EVIL, welches noch einmal die volle Dosis Progressivität, ‚Epicness‘ und technische Versiertheit an den Start bringt. GUARDIAN überzeugt dagegen als markant-eindringliche Hymne, die wunderbar stimmig ausgefallen ist und zum Träumen einlädt. Wie immer kennzeichnend: die Vermengung von düsteren Elementen mit einer gewissen Leichtigkeit. Als Finalstück fungiert LILY OF THE MOON, eine weitere episch inszenierte Uptempo-Nummer. Gut, dass dem so ist – schließlich erhält man so eine insgesamt ausgewogene Mischung aus andächtigeren und schön flotten Titeln. Hier geht das Konzept wieder voll auf, gerade in den atmosphärischen Strophen – der Refrain wirkt da schon wieder fast zu behäbig. Dennoch, hier präsentiert sich ein mehr als würdiger Abschlusstitel.

Fazit: Tatsächlich bewegen sich AMBERIAN DAWN irgendwo in der Schnittmenge von NIGHTWISH und XANDRIA – sowohl stilistisch, inhaltlich; als auch qualitativ. Während NIGHTWISH mit dem kürzlich erschienenen IMAGINAERUM sicher nicht das beste Album ihrer Karriere ablieferten (Wertung: 6.5/10), überzeugten XANDRIA mit NEVERWORLDS END auf ganzer Linie (10/10). Verglichen mit diesem Mammutwerk, oder auch mit nicht ganz so Gothic-orintierten Female-Metal Relaseses a’la dem großartigen SOULLESS CHILD von den ANCIENT BARDS, kann CIRCUS BLACK also einfach nur den kürzeren ziehen. Doch eines ist klar: weder braucht sich AMBERIAN DAWN vor einem (qualitativen) Vergleich mit NIGHTWISH scheuen, noch verdienen sie es, als blosse ‚Kopie‘ dieser besagten Band abgetan zu werden. Diese Unterstellung wird vermutlich nur von äusseren Eindrücken geprägt sein – hat man sich erst einmal beide Alben zu Gemüte geführt, wird man die (gravierenden) Unterschiedliche viel deutlicher erkennen. Kurzum: CIRCUS BLACK ist beileibe kein schlechtes oder überflüssiges Album, doch etwas gänzlich neues wird ebenfalls nicht präsentiert. Die Konkurrenz schläft eben nie – und die ist in diesem Fall besonders mächtig.

Anspieltipps: COLD KISS, LETTER, I SHARE WITH YOU THIS DREAM, RIVALRY BETWEEN GOOD AND EVIL

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