Filmkritik: „Open Water 2“ (2006)

Originaltitel: Open Water 2 – Adrift
Regie: Hans Horn
Mit: Eric Dane, Susan May Pratt, Niklaus Lange u.a.
Laufzeit: 94 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Thriller

Eine Seefahrt, die ist lustig… oder ?

Inhalt: Sechs Freunde begeben sich in Mexiko auf eine gemeinsame Tour an Bord einer luxuriösen Yacht. Es soll ein gleichsam ausgelassener und entspannter Ausflug werden, weshalb es Amy (Susan May Pratt), James (Richard Speight Jr.), Zach (Niklaus Lange), Lauren (Ali Hillis), Dan (Eric Dane) und Michelle (Cameron Richardson) kaum noch erwarten können, an einer geeigneten Stelle ins kühle Nass zu springen. Mit an Bord befindet sich ausserdem Amy’s und James‘ kleine Tochter Sara. Die ist allerdings nicht mehr als ein paar Monate alt und bleibt in der Kabine, während über ein Babyphone Kontakt gehalten wird. Als endlich alle im Wasser sind und freudig ihre ersten Bahnen ziehen, bemerken sie bald, dass sie sich einen schwerwiegenden Fehler geleistet haben: niemand hat die hydraulisch gesteuerte Bootsleiter heruntergelassen. Die Folge: das direkt neben ihnen schwimmende Boot wird zu einem Koloss mit extrem glatten Wänden, den keiner der Schwimmenden mehr erklimmen kann. Die Situation erscheint ausweglos – weder können die sich grade noch so über Wasser haltenden Hilfe rufen, noch können sie auf viele Hilfsmittel zurückgreifen. Doch sie müssen schnell eine Lösung finden – ansonsten würden sie bis zum Einbruch der Nacht womöglich alle ertrinken.

Die Ideen werden immer besser, je mehr Charaktere ihr Leben lassen müssen...

Kritik: Es war einmal im Jahre 2004… als ein eigentlich simpler, in dieser Form aber lange nicht mehr dagewesener Thriller den Überlebenskampf zweier von Bord gegangener Passagiere einer kleinen Yacht porträtierte. Das besondere, beziehungsweise das eigentliche Dilemma: weder kenterte das Boot, noch trieben die über Bord gegangenen ab – sie kamen schlicht nicht mehr an Bord des Schiffes, welches bei einer nicht ausgefahrenen Einstiegsleiter mit den langen Seitenwänden eine unerklimmbare Festung darstellte. So umstritten diese Idee für eine neuerliche Filmumsetzung sein mag, so unterschiedlich die Meinungen ausgefallen sind – über eines wären sich wohl alle Kritiker einig gewesen. Nämlich darüber, dass sich ein Film wie OPEN WATER sicherlich nicht für ein Sequel eignen würde. Zwar war der nun vorliegende US-Reisser OPEN WATER 2 erst gar nicht als direkter, und schon gar nicht offizieller Nachfolger geplant – doch man nutzt eben gern so manchen Kniff, um in den Genuss höhgerer Absatzzahlen zu kommen. Besonders dann, wenn es sich um ein Low-Budget-Filmprojekt aus den USA handelt – wie im Falle von OPEN WATER 2, der eigentlich erst schlicht ADRIFT hiess. So ergibt sich automatisch ein Minimum von zwei damit einhergehenden Absurditäten: zum einen wirkt dieser ‚zweite Teil‘ durch die reine Namensgebung schon an sich wie eine Parodie – denn wer würde schon eine Fortsetzung eines derart abgeschlossenen Filmtitels wie OPEN WATER drehen – und zum anderen stützt man sich zwar auf einen bekannten, aber sicherlich doch nicht über alle Zweifel erhabenen Namen.

Immerhin – das, was die Vorlage OPEN WATER ausmachte, findet sich als Grundidee auch in OPEN WATER 2 wieder. Dieses Mal sind allerdings mehrere Personen beteiligt, und durch ein sich ebenfalls an Bord befindliches Neugeborenes verspricht man sich eine zusätzliche Prise Dramatik. Das Problem: wenngleich die Grundidee nach wie vor spannend ist und sinnigerweise auf eine lebensgefährliche Kuriosität des Hochsee-Alltages hinweist (die Unerreichbarkeit eines Wasserfahrzeuges bei gleichzeitiger räumlicher Nähe), bedeutet die gestiegene Anzahl der Charaktere nicht, dass sich auch Thriller- und Dramafaktoren erhöhen. Ganz im Gegenteil – vielmehr wirkt der Film umso abstruser und unglaubwürdiger, das Verhalten der Charaktere einstweilen geradezu hanebüchen. Und ärgerlich, da reichlich Anhaltspunkte bezüglich eines sogenannten ‚Fremdschämens‘ gegeben wären, würde es sich nicht um ein grundsätzlich ernstes Thema handeln. Wer also einmal wieder einen ‚echten‘ Survival-Thriller erleben möchte, in dem die Charaktere alle nur erdenklichen Fehler begehen und sich so unbeholfen wie nur irgend möglich anstellen – der sollte zugreifen. Man braucht jedoch nicht lange darüber zu sinnieren, warum der Filmemacher diese Darstellungsform wählte – ohne sie wäre der Film noch inhaltsloser. Richtig, es geschieht ohnehin nichts nennenswertes, ausser dass die Zahl der Überlebenden immer weiter dezimiert wird – den Rest der Film-Zeit verbringt man als Zuschauer damit, sich die peinlich inszenierten Rettungsversuche und die übertrieben in Szene gesetzte, aufgesetzt wirkende Dramatik zu begutachten. Dass dieser Film dabei (angeblich) auf einer wahren Begebenheit beruhen soll, macht es nicht besser – eher zöge es das Andenken an die Opfer in den Schmutz.

In der Tat – würde es sich bei OPEN WATER 2 um einen expliziten Trash-Film handeln, wäre all dies vielleicht noch erträglich gewesen. Das einzige, was diese Produktion allerdings mit einem gut gemachten Trashfilm gemeinsam hat, ist das niedrige Budget – der Film selbst ist absolut ernst gemeint. Entsprechend fatal ist das Endergebnis; nämlich voller Ungereimtheiten, einer fragwürdigen Logik und einer mehr als üblen Dramaturgie. Weder haben es die Mache geschafft, den Charakteren eine jeweils auch nur ansatzweise sympathische Seite abzugewinnen, noch wird man als Zuschauer eine erwähnenswerte Empathie für sie und ihre verfahrene Situation entwickeln. Schuld daran sind nicht nur besagte Unstimmigkeiten, sondern auch die technische Herangehensweise und Inszenierung. Sinnig ist, dass sich der Film an einem eingeschränkten Schauplatz abspielt (wie sollte es anders sein), doch die unzähligen Nahaufnahmen und Zooms auf die entsetzten Gesichter entpuppen sich als wahre Atmosphäre-Hemmer. Auch, weil die beteiligten Darsteller nicht gerade die beste Performance ihres Lebens abliefern, aber auch; weil die Emotionen, die Dramatik im gesamten absolut aufgesetzt und somit ‚unecht‘ wirken. Ein stellenweise hektischer Schnitt, merkwürdige Rückblenden, Überblendungen und Zeitlupeneffekte runden das Ganze nach unten hin ab, der Soundtrack ist nicht erwähnenswert. Einzig und allen die Tatsache, dass die Beteiligten Darsteller hie und da etwas gefroren haben dürften (bei der langen Drehzeit im Wasser – vielleicht war das Becken aber auch auf Körpertemperatur aufgeheizt) verdient Respekt.

Fazit: Bereits offizielle Fortsetzungen sind oftmals schlechter als der jeweilige erste Teil einer Filmreihe; doch noch gravierender verhält es sich mit inoffiziellen Fortsetzungen, bei denen der dem Zuschauer von irgendwo bekannt vorkommende Titel lediglich als Köder dient. OPEN WATER 2 ist hierfür ein absolutes Paradebeispiel, um das man einen riesigen Bogen machen sollte – mit dem eigentlichen ‚Original‘ OPEN WATER hat er so gut wie gar nichts zu tun. Selbst etwaige Katastrophenfilm-Kopien aus dem Hause Asylum (eine bekannte US-Trashfilmschmiede) sind eher ein Genuss als dieser dreiste Abklatsch – da man hier zumindest ansatzweise einen gewissen positiven ‚Trashfaktor‘ (und damit einen Unterhaltungswert) unterstellen könnte. OPEN WATER 2 schlägt in jeder Hinsicht fehl – und serviert passenderweise dazu noch eines der dämlichsten Enden und Nebengeschichten (Stichwort ‚Aquaphobie‘) der Filmgeschichte.

3 Gedanken zu “Filmkritik: „Open Water 2“ (2006)

  1. Ach doch so gut der film, lief ja vor kurzem im tv, und den wollte ich ja sowieso nicht sehen jjehh. Gestern Perzzi Jäckson 😉 und vor kurzem Black Sheep geschaut, der ganz schön lustig war, nicht nur die szene als das schaf von der seite einem ins gesicht gesprungen/geflogen ist ahhaha, p. weggesnackt und die methan Xplosion ! bbäähhmmm cu
    CB

    Gefällt mir

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.