Metal-CD-Review: POWER QUEST – Wings Of Forever (2002)

Land: Großbritannien – Stil: Melodic / Neoclassical Power Metal

Die Trackliste:

Prelude To Destiny (Intro)
Wings Of Forever
Far Away
Glory Tonight
Power Quest (Part 1)
Beyond The Stars
Immortal Plains
Follow Your Heart
Freedom Of Thought
Distant Lands (Outro)

Eine neue ‚Quest‘ erscheint im Abenteuertagebuch.

Vorwort: Neuer Melodic Metal-Stuff aus England – eine Offenbarung oder doch eher ein unbeholfener Versuch, inmitten der Massen von zahlreichen Genrevertretern Fuss zu fassen ? So lange sind die Jungs der plötzlich das Licht der Welt erblickenden Bandformation POWER QUEST noch nicht im Geschäft – tatsächlich wurde die Band erst im Jahre 2001 gegründet. Verantwortlich hierfür zeichnete sich ein gewisser Steve Williams, der vorher bei DRAGON HEART tätig war – der Band, die später unter dem Namen DRAGONFORCE agieren und bekannt werden sollte. In der Tat ist die Geschichte der beiden Bands eng miteinander verknüpft, auch DRAGONFORCE-Leadsänger ZP Theart war auf der ersten POWER QUEST-Demo zu hören. Für das nun vorliegende Debütalbum WINGS OF FOREVER allerdings hat man Alessio Garavello als Frontstimme verpflichtet, der zusammen mit Gitarrist Andrea Martongelli von seiner eigenen Band ARTEMIS zu POWER QUEST gestoßen ist. Man sieht, ganz so leicht zu durchschauen ist das Line-Up und die betreffende Hintergrundgeschichte nicht – doch daran sollte man sich nicht weiter stören. Denn schließlich gilt es für POWER QUEST jetzt vorrangig, eine neue musikalische Geschichte zu schreiben. Im besten Fall, versteht sich.

Kritik: Das Album beginnt mit dem Intro PRELUDE TO DESTINY; einem beschwingt-leichten, knapp 2-minütigen Stück welches in etwa an eine Mischung aus 80’er-Jahre-Synthiesound, Computerspielvertonung und Filmsoundtrack erinnert. Was sich nach etwas schwerlich vorstellbarem anhört, klingt weder besonders spektakulär noch zu verbraucht – es handelt sich um ein solides, stimmiges Intro; nicht mehr und nicht weniger. Am spannendsten wird es natürlich, wenn erstmals die Gitarren und ein leichter Power-Scream zu hören sind – die Lust auf mehr machen und nun den Übergang zum Opener WINGS OF FOREVER bilden. In der Tat befindet man sich bereits jetzt mitten im POWER QUEST-Universum – und an das muss man sich zwangsläufig ersteinmal gewöhnen. Der Sound ist schnell, fetzig und überaus melodisch – aber eben auch extrem ’süßlich‘, wofür sich der ununterbrochene Keyboardeinsatz verantwortlich zeigt. Der sorgt hier und da für einen angenehm ’sphärischen‘ Eindruck, sodass eine gewisse Harmonie im Zusammenspiel mit den (typischen) Lyrics entsteht – doch Freunde eines eher ‚puristischen‘ Power Metals werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Dafür ist die Soundkulisse von POWER QUEST einfach viel zu überladen, und noch mehr: Drums und Gesang weisen eine gewisse Penetranz auf, die man aushalten muss. Alessio Garavello fällt dies nicht ganz so schwer, da er doch ein recht angenehmes Organ hat – doch gerade die Drums bieten wenig Abwechslung und sorgen für einen recht monotonen Eindruck des Liedgutes.

Besieht man das folgende FAR AWAY, wird dies ebenfalls ersichtlich. Im Grunde handelt es sich um eine absolut ‚catchy‘ Hymne voller positiver Energie, Mitsing-Potential und massiven Kitsch-Anleihen – was man alles noch auf der Positiv-Seite verbuchen könnte, zählt man sich zeitweise auch gern mal zu den Happy Metallern. Doch in den Instrumentals zeigen POWER QUEST noch ihre deutlichsten Schwächen: die Gitarren sind kaum zu hören und insgesamt eher zu vernachlässigen, die Drums ’scheppern‘ unentwegt in ein und derselben Manier; wobei eher höhe Töne zu vernehmen sind als beispielsweise ein satter, antreibender Double-Bass. Denn in der Tat erweist sich auch die Produktionsqualität als noch verbesserungswürdig, wenngleich sie solider wirkt als bei Debütalben vieler Genrekollegen. Es ist also wahrlich schade, dass die Band auf ihrem Debütalbum noch keine wirklich nennenswerte musikalische Diversität entfalten, in bester Happy Metal-Manier zelebrieren kann – Stücke wie GLORY TONIGHT hat man anderswo schön stilsicherer vorgetragen bekommen, und zudem mit einem weitaus druckvolleren Sound. Und, noch viel wichtiger: nicht unter der Ägide eines derart penetranten, repetitiven Schlagzeugs. Auch wenn die Gitarren hier – endlich – einmal etwas stärker in den Fokus rücken, so bleibt das POWER QUEST-Endprodukt ein vor Kitsch reichlich triefendes, sicherlich nicht für jedermann erträgliches.

Doch das Potential hin zur Erschaffung ganz großer Hymnen ist zweifelsohne gegeben – was besonders gut ersichtlich ist an Titeln wie POWER QUEST PART 1, einem Titel, der eine etwas ‚epischere‘ Herangehensweise an den Tag legt. Etwas stärkere Riffs, deutlich weniger Tempo, ein stärkerer Fokus auf den Gesang – so kann es gehen. BEYOND THE STARS dagegen erinnert stark an die ersten Stücke des Albums – hauptsache viel Tempo durch den unharmonisch klingenden Drum-Part, und ein supersüßer Kitsch-Refrain mit Ohrwurmpotential. Aber eben auch ein deutlich austauschbarer – wirkliche Hymnen werden auf WINGS OF FOREVER nicht präsentiert. IMMORTAL PLAINS fungiert nun erstmals als waschechte Ballade mit Piano-Geklimper und minimalen Instrumentalpart, wobei der Gesang klar im Vordergrund steht. Der klingt hier, zugegeben, etwas gewöhnungsbedürftig und gekünstelt – da Garavallo hier in tieferen Lagen singt, in denen er schlicht noch nicht die glaubwürdigkeit aufzeigen kann wie in den höheren, höchsten Lagen. Der weibliche Gastgesang dagegen klingt wunderbar und passend, sodass man sagen kann: insgesamt ist das Ganze noch als rund zu bezeichnen. Und nun die Überraschung: FOLLOW YOUR HEART stellt sich als echtes kleines Highlight heraus. Hier legen die Engländer einen der stärksten Songs des Albums vor – erstmals gerät das Ganze schön abwechslungsreich (Tempowechsel), einigermaßen gitarrenlastig und generell geschickt komponiert. Und auch das folgende FREEDOM OF THOUGHT vermag zu rocken – da haben POWER QUEST ihre stärksten Titel doch glatt im letzten Viertel des Albums versteckt. Das Outro DISTANT LANDS überzeugt ebenfalls durch einen deutlicher natürlicher wirkenden, ruhig-besinnlicher Klang; hauptsächlich getragen von den Gitarren. Man sieht, die Engländer können es doch… nur an der Umsetzung muss noch gefeilt werden.

Fazit: Die Grundlagen sind geschaffen – POWER QUEST liefern mit WINGS OF FOREVER ein rundum solides, allerdings weit von einer musikalischen Perfektion entferntes Einstandsalbum ab. Neben den enorm repetitiven Elementen wird man sich vor allem noch am stark monotonen, unausgegorenen Sound der Drums sowie an einer generellen ‚Flachheit‘ der Produktion stören. Ebenfalls ärgerlich, wenngleich auch beabsichtigtes Stilmittel: die Gitarren wirken enorm hintergründig, stattdessen dominieren die bittersüßen Keyboardteppiche nahezu jeden einzelnen Titel. In Sachen Gesang und Lyrics werden solide Leistungen dargeboten, doch etwas wirklich neues, restlos beeindruckendes sollte man nicht erwarten. Im Gegenteil, alles wirkt noch zu austauschbar, zu wenig eigenständig und überraschungsarm. Jedoch kann man Geschmack an der Band und ihrer Interpretation eines gute-Laune-Power-Metals finden – es bleibt zu hoffen, dass sich die Jungs bis zu ihrem nächsten Album noch deutlich verbessern werden.

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