Filmkritik: „300“ (2007)

Originaltitel: 300
Regie: Zack Snyder
Mit: Gerard Butler, Lena Headey, Rodrigo Santoro u.a.
Laufzeit: 117 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 16
Genre: Action

Fiktion und Realität verschmelzen. Das Ergebnis: noch mehr Action.

Inhalt: Das riesige, sich immer weiter ausdehnende Perserreich steht kurz davor, ein weiteres Land zu ihrem Herrschaftsgebiet zählen zu können. Doch der Gegner, den sie sich in Form der Spartaner ausgesucht haben, ist zäher als gedacht. Nicht nur, dass die kräftigen, kampferprobten Spartaner unter König Leonidas (Gerard Butler) einen Abgesandten des Perserkönigs Xerxes (Rodrigo Santoro) in einen tiefen Brunnen stießen und dem selbstverliebten König den Krieg erklärten – Leonidas glaubt an die in seinem Land etablierten Werte und die Freiheit. Niemals würden er und seine engsten Landsleute sich einem fremden König unterwerfen – doch unglücklicherweise sehen das nicht alle so; und schon gar nicht die Politiker und die rätselhaften Weisen. So muss Leonidas einen geradezu tollkühnen Plan entwickeln, der vorsieht, dass nicht viel mehr als 300 der besten Spartaner losziehen würden, um das riesige Heer der nun sichtlich erbosten Perser aufzuhalten. Bis sich die hiesige Politik endlich dazu entschließen würde, die gesamte Spartanische Streitmacht zu entsenden. Denn DAS… IST… SPARTA – ein Sparta; welches sich den dort lebenden stolzen Kriegern, wunderschönen Frauen und tapferen Kindern nicht einfach so wegzunehmen lässt.

Kritik: Die Geschichte lehrt uns dass es keine Seltenheit ist, dass sich tapfere, muskelbepackte Männer das eine ums andere Mal – und für ein ‚höheres Ziel‘ – in die Schlacht stürzten. Doch ein so prunkvoll und martialisch inszeniertes Schlachtenepos wie 300 gab es schon lange nicht mehr auf der großen Leinwand zu sehen – vielleicht sogar noch nie. Regisseur Zack Snyder greift für die schrecklich ästhetische Gewaltorgie auf die Comicbuchvorlage von Frank Miller zurück, dessen stilsicher inszenierten Geschichten sich in Hollywood immer größerer Beliebtheit erfreuen. So ist es auch kein Geheimnis, dass bei Filmen wie 300, oder vorher auch SIN CITY, Stil und Technik ganz groß geschrieben werden. Einstweilen sogar so groß, dass ganze, vermeintlich epische Hintergrundgeschichten (oder mit oder ohne historisch fundierte Rand-Daten) in den Hintergrund rücken und die Bühne für die auf Schritt und Tritt präsentierten Eyecatcher räumen. Viele werden bereits damit gerechnet haben – auch 300 bildet hier, selbst als potentiell gewichtiges Schlachten-Epos, keine nennenswerte Ausnahme. Zwar greifen sowohl Comicbuchautor und Regisseur auf einige (umstrittene) historische Fakten zurück, doch im Großen und Ganzen entspringt das, was hier auf Papier beziehungsweise die Leinwand gebannt wurde; der reinen Fantasie. Oder sollte man viel eher sagen, dass es sich um an wahre Begebenheiten angelehnte Ereignisse handelt, die unter der Zugabe einer gehörigen Priese Inspiration und gewollten Überzeichnungen die zugrunde liegende Geschichte erst so richtig schmackhaft machen ?

Eines ist klar: dem Publikum wird es gefallen, wenn auch vornehmlich dem Amerikanischen. Zwar handelt es sich weder um ‚leichte Kost‘ noch um typisches US-Hollywood-Popcornkino, doch die Ansätze hinsichtlich einer inhaltlichen ‚Entschlackung‘ sind allezeit sichtbar. So schlägt Zack Snyder in eine Bresche, die in etwa das Bindeglied zwischen reinem US-Actionkino und faszinierender europäischer Historie darstellt – mit dem markanten Merkmal, dass ein jeglicher Anspruch zweifelsohne nicht durch den Inhalt, sondern vielmehr durch die kultige Ästhetik entsteht. Immerhin braucht man sich so auch als Action-verliebter Kinogänger, der keinen allzu großen Wert auf Handlung oder Hintergründe legt, nicht zu schämen – sondern kann sich getrost auf Snyder’s Ambition als ‚Kunstfilmmacher‘ berufen. Denn eines muss man ihm lassen: so überzeichnet, übertrieben heroisch und politisch fehlgeleitet das Werk auch einstweilen erscheinen mag, es sieht verdammt gut aus und wirkt in sich stimmig. Auch macht er keinen Hehl aus der zugrunde liegenden Vorlage – man merkt 300 einfach an, dass der Film keine gänzlich neue Idee entwickelt, sondern einer bereits erfolgreichen Vorlage zugrunde liegt. Und wie es eben bei einem guten Comic so oft der Fall ist entstehen hier weniger glaubwürdige Personen, sondern vielmehr für das ‚gute‘ einstehende Karikaturen, die gerne auch mal für eine ganze Nation Pate stehen. Richtig, wie in diesem Falle Sparta, verkörpert durch den nahe unbesiegbaren, perfekten Krieger Leonidas. Der nebenbei natürlich auch noch liebender Ehemann und sich kümmernder Vater ist – auch wenn letztendlich alles für das ‚Wohle Spartas‘ geschieht, geschehen muss. So verlangt es schließlich die Ehre.

Interessant und gut ist, dass 300 der Realität nicht gänzlich abschwört, sondern zum Teil nachvollziehbare Charakterzüge, Handlungen und Situationen porträtiert, die genau stattgefunden haben könnten. Dabei kommt es nicht auf die tatsächliche Schlagkraft der sogenannten ‚300‘ an, oder ob die einzelnen Charaktere tatsächlich so beschaffen waren wie hier aufgezeigt – es geht vielmehr um die dahinterstehende Symbolik eines (relativ zeitlosen) Kampfes. Eines Kampfes, der aus der Gegenüberstellung zweier unterschiedlicher Parteien hervorgeht, die gänzlich verschiedene Interessen hegen und bereit sind, diese mit aller Macht durchzusetzen. Da es weltweit ganz unterschiedliche Ansichten darüber gibt ob etwas ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ ist, bezieht Snyder weniger Position als gedacht – sondern erzählt das Gemetzel explizit aus der Sicht eines Spartaners. So bleibt dem Film letztendlich keine Wahl, für eine der beiden Seiten in diesem Sinne ‚Partei‘ zu ergreifen – die selbstlosen Spartaner, die hier ’nur‘ ihre Heimat verteidigen wollen, kommen dabei natürlich weitaus glimpflicher weg als alle anderen Beteiligten. Schade – hier wäre etwas mehr Mut zu einer glaubwürdigeren, nennen wir es ’schmutzigeren‘ Darstellung sicher nicht verkehrt gewesen. Schließlich war das damalige Leben für niemanden ein Zuckerschlecken, auch wenn die spezielle Optik von 300 das antike Sparta einstweilen wie das ‚Paradies‘ höchstselbst wirken lässt. Aspekte wie die der (unmenschlichen) Initiationsriten, der Sklaventreiberei, der Korruption oder der generellen Kriegslust der Spartaner werden nur höchst nebensächlich behandelt. So fatal dies in Bezug auf einen völlig ernstgemeinten Film wäre, so verzeihlich ist es im Falle von 300 – man sollte immer daran denken, dass der Film dem Zuschauer keine ausführliche Lektion in Sachen Geschichte erteilen will. Zumindest nicht direkt.

Aber es muss eben auch so reichen – super-solide Actionkost wird einem allemal geboten. Es ist faszinierend wie malerisch, verträumt und auch ‚lebendig‘ die antiken griechischen Landschaften wirken – und das, obwohl hier so gut wie alles aus dem Computer stammt. Doch wirklich störende, künstlich-aufgesetzt wirkende Elemente kommen nur höchst vereinzelt vor. Hier greift schließlich das Prinzip des ‚Kunstfilms‘ – so gut wie alles ist erlaubt (zum Beispiel eine erhebliche Reduzierung der Farbpalette), wenn es nur irgendwie zur Gesamt-Stimmung des Werkes passt. Absolut unverständlich erscheint dagegen die Tatsache, dass das deutsche Blu-Ray-Release eine grobe Körnung aufweist – wie sich herausstellte, als beabsichtigtes Stilmittel. Das hätte man anders lösen können, anders lösen müssen… so erübrigt sich ein hochqualitatives Release. Darsteller, Kostüme und Soundtrack können dagegen wieder durchgängig punkten, auch wenn gerade der ‚mächtige‘ Gerard Butler als Leonidas etwas hölzern wirkt. Aber zum Teil muss die Vorlage genau dies impliziert haben, anders ist ein solches Spiel (eines grundsätzlich talentierten Darstellers) nicht zu erklären. Am eindringlichsten bleiben aber die vereinzelten Massen-Szenen, etwa bei den späteren Schlachten; oder aber die kunstvoll inszenierten Zeitlupenbilder – die allerdings alles andere als ‚harmlos‘ sind. Warum dieser Film eine FSK-16.Freigabe erhielt, erscheint etwas unverständlich. Erwachsene aber wird die relativ unverblühmte Art, mit Gewaltdarstellungen umzugehen, eher erfreuen als abschrecken. In diesem Fall erübrigt sich schlicht eine etwaige Beschönigung oder Weichmalerei.

Fazit: Ein kunstvoll-ästhetisches, brachial-martialisches Kriegerepos – nicht mehr und nicht weniger ist 300 geworden, Zack Snyder’s Filmportierung einer Comicvorlage von Frank Miller. Wichtig ist, weder zuviel noch zuwenig im und am Film zu sehen – weder ist er historisch akkurat noch möchte er einen unmittelbaren Hass (mithilfe von politischen oder historischen Positionen) schüren, wie von manchem sicher gerne behauptet. Wenn man schon irgendeine Botschaft in 300 sehen möchte, dann doch die, dass es schon früher Menschen gab die zwar reichlich Dreck am stecken hatten – sich aber dennoch um die Verteidigung ihrer Heimat (mal notgedrungen so wie hier… mal präventiv…) und eine ‚bessere‘ Gesellschaft bemühten. Gerade die Griechen leisteten hier einen alles andere als zu verachtenden Beitrag – auch wenn es einiges an zeit brauchte, bis die Vernunft wahrlich über die etwas… schlagkräftigeren Argumente siegen konnte. 300 ist alles andere als ein Meisterwerk, aber dennoch ein ästhetisch anspruchsvolles Action-Historien-Epos – mit viel mehr Action und weniger Historie.

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