Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – The Power Within (2012)

Land: Großbritannien – Stil: Melodic Speed / Power Metal

Die Trackliste:

Holding On
Fallen World
Cry Thunder
Give Me The Night
Wings Of Liberty
Seasons
Heart Of The Storm
Die By The Sword
Last Man Stands
Seasons (Akustik-Version)

DRAGONFORCE mit neuem Sänger, aber immer noch mit der mannigfaltigen Kraft des Drachen.

Vorowrt: DRAGONFORCE – die Power Metal-Kitschband schlechthin, oder aber eine ernstzunehmende Größe der Szene, mit der man stets zu rechnen hat ? Während einige der Band und der speziellen Musikrichtung eher abgeneigt entgegenstehenden nur allzu gerne ersteres behaupten, kann man einfach nicht bestreiten, dass DRAGONFORCE seit Jahren einen mehr als soliden musikalischen Output produzieren. Einen Output, der von den wahnwitzigen Techniken an den Gitarren sowie der generell enormen Spielfreude auf der einen, und einer gewissen Kontinuität auf der anderen Seite gekennzeichnet ist. Während sich eine derartige Beständigkeit im allgemeinen schnell in eine zu unterstellende Ideenlosigkeit umwandeln kann, ist sie bei DRAGONFORCE zweifelsohne eines der Hauptaushängeschilder der Band. Als langjähriger Fan weiss man einfach, worauf man sich mit einer neuen Veröffentlichung einlassen wird – großartige Überraschungen gibt es keine; doch vielleicht ist gerade das und – ausnahmsweise ! – mal der Clou. Schließlich scheint Band schon vor etlichen Jahren ihre ganz eigene Nische im breit gefächerten Genre des Power Metal gefunden zu haben, und dieser oftmals als ‚cheesy‘ und ‚weichgespült‘ verschrieenen Stilrichtung bleiben sie bis heute treu – egal wie groß der Widerstand auch sein mag. Denn auch das ist sicher: die DRAGONFORCE-Fanbase wächst und wächst, und auch das neue Album THE POWER WITHIN wird in vielerlei Kreisen wieder für Begeisterung sorgen. Es beinhaltet 9 vollwertige, neue Titel – sowie je nach Releasevariante 1-4 Bonsutracks mit Alternativ-Versionen der neuen Nummern. Und auch der neue Sänger Mark Hudson gibt sich erstmals auf einem DRAGONFORCE-Stuidolabum die Ehre – er fungiert als Nachfolger von ZP Theart.

Kritik: Ja, in welcher ‚Nische‘ bewegt sich die Musik von DRAGONFORCE überhaupt ? Grundsätzlich haftet ihr der Oberbegriff des Power Metal an, doch DRAGONFORCE stehen wie keine zweite Band für die leibhaftige Verkörperung der Sub-Kategorien des ‚Speed‘ und ‚Melodic‘ Metal. In der Tat ist es dieses markante Zusammenspiel von einem oftmals wahnwitzigen Tempo, vermengt mit der Komposition von überaus einprägsamen Melodien, welches sich als eines der stärksten Elemente für den hohen Wiedererkennungswert eines jeden einzelnen DRAFONFORCE-Titels verantwortlich zeichnet. Zusätzlich sorgen der hohe Gesang und die zumeist schlichten, aber wirkungsvollen und im Metal-Sinne ‚traditionellen‘ Songtexte für einen zusätzlichen Reiz und eine Anhebung der (guten) Laune. Und das gehört großgeschrieben: wer sich beim Metal-Genuss lieber zuhause im Keller versteckt, beziehungsweise hauptsächlich Freund der härteren Gangarten ist, der sollte um DRAGONFORCE eventuell doch lieber einen Bogen machen. Oder sollte vorsichtshalber erstmal eine Vergleichsband zu Rate ziehen: FREEDOM CALL zum Beispiel, die ebenfalls seit vielen Jahren ihre ganz eigene Interpretation des ‚Happy Metals‘ abliefern. Doch ganz so kitschig geht es auf THE PWOER WITHIN dann doch nicht zu – denn die Band scheut sich nicht davor, eine ordentliche Metal-Sohle aufs Parkett zu legen und gerade die Gitarren bis aufs äusserste zu quälen. In einem für den Hörer angenehmen Sinne, versteht sich.

So fungiert der Opener HOLDING ON als erster Vorgeschmack auf das Album – und buhlt bereits ab der ersten Sekunde um die Gunst der Hörer und eine recht hohe Platzierung innerhalb des 9-Titel starken Albenkosmos. Es ist schier unglaublich, was für eine Spielfreude die Jungs an den Tag legen – offenbar haben sich die guten 4 Jahre Pause zwischen THE POWER WITHIN und dem letzten Release gelohnt. So konnte man ausgiebig an neuen Arrangements, Melodien und technisch höchst versierten Gitarrengriffen arbeiten. Und auch wenn der Sound eben als ‚typisch DRAGONFORCE‘ zu bezeichnen ist, wirkt er überraschenderweise nicht verbraucht oder wie schon tausendmal gehört. Im Gegenteil, Titel wie FALLEN WORLD strotzen nur so vor Energie und Bombast, dass es eine wahre Freude ist. Für Fans der Band oder Freunde eines ‚positiven‘ Power Metals ist dies wie eine lang ersehnte Aufladung der Batterien – dann doch lieber in ein zünftiges DRAGONFORCE-Album investieren als in einen zehnmal teureren Astro-Energiestein. Schnell, schneller; DRAGONFORCE – tatsächlich geht es in Sachen Tempo bei Titeln wie eben FALLEN WORLD nicht gerade zimperlich zu. Doch wer glaubt, dass die Jungs das Tempo über alle anderen Aspekte (wie Melodieverliebtheit, die ‚Poesie‘, die Versiertheit in der Handhabung der Instrumente; schlicht die Stimmigkeit im Gesasmten) stellten, der irrt. Wer an Titeln wie diesen etwas auszusetzen hat, wird freilich nicht aus einer ganz unvoreingenommen Position heraus urteilen – in Anbetracht des Genres aber spielen DRAGONFORCE eindeutig in der ersten Liga.

Dass der neue Sänger Mark Hudson seinen Platz in der Band gefunden hat, wird bereits in den ersten beiden Titeln deutlich – noch mehr aber bei der folgenden Midtempo-Nummer CRY THUNDER, die auch als Videosingle ausgekoppelt wurde. Schließlich lässt ein für die generellen Band-Verhältnisse ‚ruhigerer‘ Titel wie dieser mehr Raum für einen entspannten Genuss und ein genaueres Ohr – das Ergebnis ist schlicht wunderbar, hier harmoniert einfach alles mit jedem. Der dezente 80’s-Hymnen-Touch rundet das Ganze ab  – und sorgt für eine willkommene Abwechslung zwischen den deutlicheren schnelleren Nummern. Denn auch das folgende GIVE ME THE NIGHT ist wieder ein brachialer Uptempo-Titel mit starkem Refrain und bemerkenswerten Soli. Generell gut gelungen sind auch die perfekt inszenierten Backing-Vocals, die zwar nicht das Klangbild eines epischen Chors vermitteln – doch das sollen sie auch gar nicht. Es geht nur darum, das Ganze an entsprechenden Stellen mehrstimmig zu gestalten, und die ohnehin schon zum Mitsingen verführenden Hymnen noch Ohrwurm-lastiger zu machen. WINGS OF LIBERRTY wiederum zeugt davon, dass die Band es auch durchaus versteht, einiges an Abwechslung in einen einzelnen Titel zu packen – und nicht nur zwischen schnellen und noch schnelleren Titeln zu alternieren. Nummern wie diese klingen schön festlich, einladend; und einfach nur fett. Die sagenhafte gute Produktion sorgt da für das übrige.

Titel wie das beinahe andächtige SEASONS überraschend dagegen mit einer soliden, und überhaupt nicht auf Geschwindigkeitsreize ausgelegten Melodic Metal-Affinität – das lässt sich höhren, auch im Beisein von Menschen, die Metal im allgemeinen als viel zu ‚krachmachend‘ abstempeln würden. Es folgt HEART OF THE STORM, der wohl erste Titel des Albums der keine aussergewöhnlichen Reaktionen mehr hervorrufen wird – und damit leider als einer langatmigsten (trotz dem Tempo) beziehungsweise eher innovationsärmsten gilt. Hier glaubt man sich einfach viel zu stark an ein neu abgemischtes Intermezzo aus den vorherigen Titeln erinnert, sodass es nun an DIE BY THE SWORD ist, diesen Missstand wieder auszugleichen. Gesagt, getan – hier präsentieren DRAGONFORCE wieder eine grundsolide Nummern, die allerdings noch vom finalen Titel LAST MAN STANDS getoppt werden kann. Hier mischt sich eine zusätzliche Melancholie und Erhabenheit mit in das Klangbild ein, die die Stimmung rechtzeitig zum Ende wieder auf das anfänglich, überdurchschnittliche hohe Niveau zurückbugsiert. Nun, die Bonustracks variieren je nach (Länder-)Version – doch da es sich lediglich um Alternativ-Versionen der Titel sowie ein zu vernachlässigendes Instrumental von 2 Minuten Dauer handelt, kann man auch getrost darauf verzichten. Es sei denn, man ist Die-Hard-Fan der ersten Stunde…

Fazit: Auch wenn es manche vielleicht nicht erwarten würde – THE POWER WITHIN beinhaltet kein Wiedergekäutes, schon zigmal gehörtes Material. Auch wenn DRAGONFORCE immer DRAGONFORCE bleiben wirkt jeder einzelne Titel beinahe wie eine positiv gestimmte Metal-Offenbarung und bietet genügend neues Material und unverbrauchte, mitreissende Melodien. Der neue Leadsänger sorgt für einen zusätzlichen frischen Wind – doch er hat sich bereits jetzt perfekt in die Band integriert und harmoniert perfekt mit dem typisch verspielten Sound der Band, ob nun in den gemäßigteren oder aber in den alle Schallmauern durchbrechenden Geschwindigkeitslagen. THE POWER WITHIN ist rundum gelungen – wenngleich es zum Ende hin leicht schwächelt und etwas zusätzliche Abwechslung vermissen lässt. Aber wie sollte es auch anders sein, wenn das Album bereits mit den ersten 5 Nummern die mitunter stärksten des Melodic Power Metal-Jahres 2012 abliefert ? Zumindest bist jetzt… doch die Wertung steht. Wer generell nicht vor Kitsch zurückzuschrecken droht, eine Vorliebe für ultraschnelle Gitarrensoli und -Duelle hat und gerne auch mal die ‚positive Kraft‘ des Metal in all ihrer Bandbreite hören und zu spüren bekommen möchte, der sollte bedenkenlos zugreifen. Speed Metal durch die Blume, quasi – doch es macht einfach unglaublich Spaß.

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