Filmkritik: „Dawn Of The Dead“ (2004)

Originaltitel: Dawn Of The Dead
Regie: Zack Snyder
Mit: Sarah Polley, Ving Rhames, Jake Weber u.a.
Laufzeit: 101 Minuten
Land:USA
FSK: Ab 18
Genre: Survival-Horror

‚Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück…‘ – Moment, hatten wir das nicht schonmal ?

Inhalt: Mitten in einer idyllischen Siedlung in den USA – eine junge Frau namens Ana (Sarah Polley) kommt zurück nach Hause und trifft auf ihren Ehemann. Die beiden verbringen noch eine gemeinsame Nacht, als urplötzlich das Unheil über sie und die restliche Stadt hereinbricht: eine Art Epidemie, die die Menschen in Zombies verwandelt, schlägt wild um sich und lässt die Toten wieder auferstehen. Die Seuche scheint über das gesamte Land hinwegzuziehen – doch es gibt einige wenige Überlebende. Auf die trifft die verzweifelte Ana, während sie aus der Hölle die sie einst ihr Zuhause nannte flieht – gemeinsam verbarrikadieren sie sich in einem riesigen Kaufhauskomplex. Hier wähnen sie sich sicher – zumindest sicherer, als dort draussen, wo Zombiehorden durch die Straßen ziehen und offenbar jedes noch menschliche Wesen aufspüren. Doch die kleine Gruppe konnte nicht damit rechnen, dass bereits ein Trio aus Sicherheitsleuten das Kaufhaus für sich beansprucht – und so geraten zwei Parteien aneinander, die in Anbetracht der großen Zombie-Krise eigentlich zusammenhalten sollten. Doch es bleibt nicht allen bei den zwischenmenschlichen Konflikten – eine der Überlebenden ist schwanger, und vor dem Kaufhaus sammeln sich mehr und mehr blutrünstige Zombies…

Kritik: Warum eine derart zynische (Untertitel-)Überschrift ? Es ist gewiss kein Geheimnis, dass man in den USA auf einer Remake-Welle schwimmt. Dieses Mal hat es George A. Romeros Zombieklassiker aus den späten 70er-Jahren erwischt, der im Volksmund gerne ZOMBIES IM KAUFHAUS (Originaltitel: ZOMBIE – DAWN OF THE DEAD, Review hier) betitelt und zumeist als ‚wegweisend für das Genre‘ bezeichnet wird. Wie auch immer man dazu stehen mag, mit Zack Snyder wagt sich nun ein durchaus fähiger, aber eben auch effektverliebter Regisseur an die Neuauflage des Klassikers, der der heutigen Kino-Generation wohl nicht mehr viel als ein müdes Lächeln (oder Gähnen) entlocken wird. Ein Zombie-Klassiker, der größtenteils auf Handarbeit setzte und etwaige politische Botschaften beinhaltete, in einer ‚modernen‘ Neufassung; kann das gut gehen ? Es kann – zumindest im großen und Ganzen, und unter der Berücksichtigung des Fakts, dass es wahrlich kein Kunststück ist, eine derartig Vorlage in die heutige Zeit zu transferieren. Denn, liesse man einen jeglichen potentiellen Subtexts des Originals aussen vor, stünde man vor nicht viel mehr als einem überaus simplen Szenario mit relativ einfach gestrickten Charakteren – welches gerade nach den Zombiefilm-Wellen der letzten Jahre und Jahrzehnte alles andere als ungewöhnlich ist.

So musste sich gewiss keiner der Beteiligten in einem nennenswertem Ausmaß den Kopf zerbrechen – DAWN OF THE DEAD kann als gradling-simpler Survival-Horror vor Zombie-Hintergrund bezeichnet werden. Ganz im Sinne von Survival-Klassikern a’la BLAIR WITCH PROJECT besinnt man sich auch in diesem Falle eher auf die Schaffung einer klaustrophobisch-beängstigenden Atmosphäre, führt den Zuschauer größtenteils mit einer absichtlich wackeligen Kamera durch die (stark abgegrenzt wirkende) Szenerie, und setzt Special Effects wenn überhaupt nur als Beiwerk ein. Und das ist gut so – schließlich hätte man einen weitaus größeren Fehlgriff landen können, setzte das Remake ausschließlich auf reisserische Action und eine hochglanzpolierte Optik. So aber kommen vor allem die Beteiligten Charaktere zur Geltung, und das dezente Porträt einer (zusätzlichen) Entmenschlichung in einer ohnehin schon durch die Zombies entmenschlichten Welt. Eben dieser Aspekt gerät in DAWN OF THE DEAD zu einem der stärksten Elemente; indem die verschiedenen Protagonisten in einer Extremsituation aufeinandertreffen und lernen müssen, miteinander auszukommen und umzugehen. Einzig und allein, um zu überleben – und die Existenz der menschlichen Rasse vor dem Hintergrund der immer schwieriger und moralisch bedenklicher werdenden Entscheidungen für jeden einzelnen weiterhin zu sichern.

So lehnt sich das Remake unweigerlich auch an das Original an – und zeigt das Überleben einiger von den Zombiehorden abgeschotteter Menschen über einen gewissen Zeitraum. Und auch wenn das Kaufhaus nicht wie im Original von einer Horde wildgewordener überlebender Menschen gestürmt wird, sondern lediglich von vereinzelten Zombies – ist DAWN OF THE DEAD letztendlich weitaus unterhaltsamer ausgefallen als die (stellenweise viel zu längliche) Vorlage. Trotz eines merklichen erhöhten Tempos und hie und da eingestreuten Actionszenen wird man zu keinem Zeitpunkt von der eigentlichen Situation abgelenkt, der Fokus bleibt unentwegt auf den Charakteren, deren Schicksalen und dem gemeinsam zu schmiedenden Plan, der bedrohlichen Situation zu entfliehen. Sicher, in Anbetracht der letztendlichen ‚Lösung‘ und den Ereignissen im Kaufhaus selbst kann man den Film keine bemerkenswerte Innovationsfreude unterstellen – doch gerade so schafft er den Spagat zwischen der Treue zum Original und zu sinnigen Veränderungen / filmischen ‚Aufpäppelungen‘ aus der Sicht einer inzwischen Zombie-erfahrenen Filmlandschaft. So entschied man sich beispielsweise dazu, die Zombies nicht träge und beinahe ‚harmlos‘ wie im Original zu inszenieren – sondern ihnen recht agile Eigenschaften zuzuschreiben und somit weitaus gefährlicher zu machen.

Ein typischer Splatter-Film ist DAWN OF THE DEAD allerdings nicht – weder damals noch heute. Zwar wird im Falle der Neuauflage nur allzu gern das zur Verfügung stehende Budget ausgenutzt und so mancher Zombie-Kopf kunstvoll auf weisse Hintergründe drapiert – doch diese Szenen beschränken sich im Gesamtkontext auf ein relatives Minimum. Lediglich wenn es auf das Finale zugeht, legen die Macher noch einmal richtig los und lassen die Protagonisten gepanzerte Fahrzeuge bauen und durch die Zombiehorden rasen – das Ergebnis dieses ‚Fluchtversuches‘ aus dem Kaufhaus sollte man sich am besten selbst zu Gemüte führen. Etwas schade erscheint es dagegen, dass das Kaufhaus im vorherigen Kontext als Schauplatz nicht wirklich genutzt wurde – lediglich das (kaum dem Kaufhaus zuzuschreibende) Dach dient als halbwegs genutzter Raum; von den zahlreichen Gegenständen aus den Geschäften lassen sich die Charaktere nicht wirklich ablenken. In technischer Hinsicht kann wiederum das höchste Lob ausgesprochen werden: die auf authentisch getrimmte Optik (Stichwort Kameraführung) verfehlt ihre subtile Wirkung nicht, die Maskenbildner haben sowohl bei den Charakteren als auch den Zombie-Statistenhorden großartige Arbeit geleistet; Schnitt und Sound sorgen für einen zusätzlich Unterhaltungswert ohne dabei allzu hektisch-modern zu wirken. Auch die Darsteller machen einen soliden Job – wenngleich sie einstweilen und bis auf wenige Ausnahmen etwas austauschbar erscheinen.

Fazit: Ob man das Original nun als ‚Kult‘ bezeichnen möchte oder nicht – in DAWN OF THE DEAD erfährt der 78’er Streifen von George A. Romero eine solide Neuauflage – bei der lediglich der Restzweifel bleibt, ob es denn unbedingt ein Remake hätte geben müssen. Doch das ist bei allen Remakes eine diskussionsbereichernde Grundsatzfrage. Was dem Original neben der gleichgebliebenen Grundsituation in Sachen ‚Film‘ fehlte (Dramaturgie, Spannung, Abwechslung), serviert DAWN OF THE DEAD automatisch und ohne großes Aufheben. So wirkt das Remake grundsätzlich unterhaltsamer als das Original – auch wenn es keinesfalls eine ähnlich kultverdächtige Position einnehmen wird. Schließlich haben sich die Zeiten geändert, und ein politisch- oder gesellschaftskritisch angehauchter Subtext gehört in heutigen Produktionen einfach längst zum Standard. Den kann man im übrigen wie beim Original einfach ausblenden – und sich dennoch gut unterhalten wissen.

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Dawn Of The Dead“ (2004)

  1. Die amerikanische Filmindustrie bereitet mir seit einigen Jahren erhebliche Kopfschmerzen (buchstäblich) und es wird nicht besser. Pseudo-coole Filme (mittlerweile hält sich jeder für einen Möchtegern-Tarantino *würg*) oder Filme deren Essenz nur noch aus sinnloser und möglichst grausamer Gewalt besteht und darüber hinaus noch Remakes am laufenden Band. Das ist noch eins der Remakes mit denen ich leben kann, dennoch befürworte ich auch in diesem Fall eher das Original.^^ Ich finde sowieso Dan O’Bannon hat es mit „The Return of the living Dead“ am besten getroffen was den „Zombienerv“ angeht, neben „Braindead“ mein Favorit.^^ Letztlich hab ich mir seit langem mal wieder „28 Weeks Later“ angesehen und fand ich KLASSE, ich glaube sogar fast besser als beim ersten Mal (müsste mir „28 Days Later“ mal wieder ansehen), vor allem dieser rasante nervenzerfetzende Schnitt.

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