Filmkritik: „Die Geheimnisse Der Spiderwicks“ (2008)

spiderwick_500

Originaltitel: The Spiderwick Chronicles
Regie: Mark Waters
Mit: Freddie Highmore, Mary-Louise Parker, Nick Nolte u.a.
Laufzeit: 96 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 6
Genre: Fantasy

Ein Schauspieler sieht doppelt.

Inhalt: Es scheint unausweichlich, dass die Familie Grace ein weiteres Mal umziehen muss – dieses Mal entscheidet sich die von ihrem Mann getrennt lebende Helen (Mary-Louise Parker) für ein hübsches Häuschen in einer ländlichen Gegend, welches sogar einen eigenen Namen hat: das SPIDERWICK-Anwesen. So richtig erfreut sind die Kinder Jared, sein Zwillingsbruder Simon (eine Doppelrolle von Freddie Highmore) und seine Schwester Mallory (Sarah Bolger) allerdings nicht über das ständige Hin- und Herziehen – bis Jared eines Tages ein seltsames Buch in einem versteckten Raum entdeckt. Dieser Raum stellt sich als das geheime Arbeitszimmer eines gewissen Arthur Spiderwick (David Stathairn) heraus, der mit vielfältigen Forschungen beschäftigt war, aber aus irgendeinem Grund plötzlich verschwand. Ob dies etwa mit dem Buch zu tun hat, dass Jared nun entdeckt und sogleich liest – obwohl selbiges mit einer eindeutig sichtbaren Warnung versehen war… ? Denn schon bald stellt sich heraus, dass es sich nicht um leere Worte handelte. Eine ganze Horde von kleinen, bösen Kreaturen wird zum Leben erweckt, angeführt von einer noch gefährlichen Kreatur namens Mulgarath. Ihr Ziel scheint es zu sein, in den Besitz des Buches zu gelangen – um mehr Macht über die Menschen zu gewinnen…

Welche Geheimnisse mögen dem seltsamen Buch wohl innewohnen… ?

Kritik: Wie bei so vielen Hollywood-Filmen der neueren Zeit handelt es sich bei DIE GEHEIMNISSE DER SPIDERWICKS nicht um einen gänzlich neu erdachten Stoff, sondern um die filmische Umsetzung einer Buchreihe von Tony DiTerlizzi und Holly Black. Grundsätzlich muss das noch nichts bedeuten, doch gerade im Falle von Romanen und Geschichten aus dem Fantasy-Bereich bewies man in Hollywood bisher nicht gerade ein geschicktes Händchen. Sondern eher ein recht innovationsarmes, kommerz-orientiertes Gespür – und auch die GEHEIMNISSE DER SPIDERWICKS sollte hier einfach keine positive Ausnahme sein. Denn ganz unabhängig davon, ob man die zugrunde liegenden Bücher gelesen hat oder nicht, als Zuschauer wird man schnell feststellen, dass es dem Film an etwas essentiellem fehlt: einer Seele; und damit automatisch auch an Atmosphäre.

Die vermeintlich ‚epische‘, groß angelegte Geschichte wird auf das nötigste reduziert, wobei die Fantasy-Aspekte einer typisch klischeehaften Familien-Problemsituation gegenüberstehen. Als ‚ausgleichendes Mittel‘ quasi, als weltliche Bodenständigkeit und Aspekt der Menschlichkeit in einem Kampf zwischen gut und böse, der nicht immer in der direkten und greifbaren Realität stattfinden muss. Das Problem: diese ‚weltlichen Aspekte‘ wirken nicht nur arg konstruiert und damit wenig glaubhaft, sondern eben auch so, als existierten sie unter einer enormen US-Ägide der westlichen Weltanschauungen. Wer also glaubt, einen möglichst ‚universellen‘, internationalen und zeitlosen Fantasy-Film mit einer spannenden Familiengeschichte präsentiert zu bekommen, der irrt sich.

Fiese, fiese Monster….

Doch es gibt ein weiteres Problem: DIE GEHEIMNISSE DER SPIDERWICKS ist offensichtlich ein Kinderfilm, und dazu noch einer, der in Deutschland einer Altersfreigabe ab 6 Jahren erhielt. Man muss jedoch nicht übersensibel sein, um den Film als relativ düster, bedrückend, und stellenweise sogar brutal zu bezeichnen – mit dem Wissen, dass 6, 7 oder 8-jährige Kinder diesen Film sehen könnten. Gerade die Szenen, in denen den ‚Monstern‘ das Leben ausgehaucht wird, sind nicht gerade zimperlich – sei es durch erstechen, verbrennen und verätzen; oder das mal ein paar Finger abgetrennt werden, hier ist recht vieles heftig vertreten. Diese ‚bösen‘ Wesen, die dem Film nach den Tod ‚verdient‘ haben (Achtung: starke Schwarz-Weiss-Zeichnung) sehen zudem recht schaurig aus und verhalten sich nicht gerade ‚freundlich‘.

Jüngeren Zuschauern sollte man DIE GEHEIMNISSE DER SPIDERWICKS also nicht unbedingt vorsetzen – aber auch ältere werden ihre Probleme haben, wenn sie öfter Filme sehen sogar enorme. Denn die hier präsentierte Geschichte ist alles andere als neu, auch wenn es die Schauplätze und Gegenstände sicherlich sind (dies wäre dann die letzte Eskalationsstufe der Einfallslosigkeit). Ob nun rätselhaftes Buch, verschwundene Forscher, oder zwei Parteien die sich um ein mächtiges Artefakt streiten – sonderlich überraschend fällt die Geschichte nicht aus. Immerhin inszenieren die Macher einen grundsoliden technischen Part, der letztlich von grundsätzlich düster-athmosphärischen Bildern und netten CGI-Effekten (allerdings im Überfluss) lebt. Gerade die rasanten Kämpfe mit allerlei schnellen Bewegungsabläufen wirken beeindruckend, wie auch der unabhängig betrachtet starke Soundtrack von James Horner. Und auch in schauspielerischer Hinsicht gibt es keine Ausfälle zu verzeichnen.

Och, wie niedlich… !

Fazit: Eine unausgegorene, arg konstruiert wirkende Mischung aus problematischer Familiengeschichte und Fantasy-Epos – die viel zu halbherzig inszeniert wurde – das also sind die ’spannenden‘ GEHEIMNISSE DER SPIDERWICKS. Irgendwie makaber: wann immer die familiären Probleme ihren Höhepunkt erreichen, erscheinen geradezu pünktlich und auf die Minute die Monster – als Botschaft, dass es möglicherweise ‚wichtigeres‘ geben könnte, als sich ständig wegen Kleinigkeiten zu streiten. Wie… originell. Auch das Finale zeugt nicht gerade von einem großem Ideenreichtum: man weiss nicht so recht, ob man als Zuschauer nun – aus offensichtlichen Gründen – lachen oder – aus Mitleid für die Produktion – weinen soll. Dann aber folgt (endlich) das Outro, und die wohl größte Eigentümlichkeit des Films beginnt sich zu formen: Dieser liebevoll gemachte, fantasie- und farbenfrohe Abspann wirkt eindringlicher und unterhaltsamer als der gesamte vorherige Film. Immerhin, auch das gibt es nicht oft.

Advertisements

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s