Filmkritik: „RahXephon – Pluralitas Concentio“ (2003)

Originaltitel: RahXephon Tagen Hensoukyoku
Regie: Tomoki Kyoda
Mit: Aya Hisakawa, Hiro Shimono u.a. (Jap. Sprecher)
Laufzeit: 116 Minuten
Land: Japan
FSK: Keine Angabe
Genre: Animationsfilm (Sci-Fi / Drama / Action)

RahXephon in der Schnellfassung.

Inhalt: Ayato, ein junger japanischer Schüler aus Tokio, lernt in einer Klassenkameradin namens Haruka Mishima seine erste große Liebe kennen. Die beiden verbringen so viel Zeit wie möglich gemeinsam, und genießen ihre gegenseitige Zuneigung. Umso ärgerlicher erscheint es da, dass Haruka schon bald für ein paar Tage die Stadt verlassen würde – sie verspricht jedoch, bald wieder zurück bei ihrem wartenden Ayato zu sein. Kurz darauf geschieht das unglaubliche: direkt über Tokio bildet sich eine Art künstliche Atmosphäre, die als Schutzschild fungiert und es unmöglich macht, die Stadt zu betreten oder zu verlassen. Verantwortlich dafür sind die Mu, eine außerirdische Rasse die an Bord einer riesigen schwebenden Stadt über dem Zentrum Tokios erschienen und offenbar feindlich gesinnt sind. Doch die Mu zeichnen sich nicht nur für den bald entstehenden Krieg verantwortlich, sondern auch dafür, dass Ayato droht, einen Teil seiner Erinnerungen zu verlieren – auch die an Haruka. Haruka selbst befindet sich nach wie vor ausserhalb des ‚Jupiters‘, als Mitglied der Regierungsgruppe TERRA, die gegen die Invasion der Mu vorgeht. Es ist geplant, durch die Mauer des Schutzwalls über Tokio hindurchzubrechen um Ayato, der eine wichtigere Rolle in Bezug auf das Schicksal der Welt spielt als er selbst weiss, zu befreien – doch als Haruka auf Ayato trifft, erkennt er sie nicht wieder. Schließlich vergeht die Zeit innerhalb des Schutzwalls viel langsamer als ausserhalb – während Ayato kaum gealtert ist, ist Haruka bereits um 12 Jahre gealtert.

Wird Ayato sein Schicksal akzeptieren ?

Kritik: Der Film RAHXEPHON – PLURALITAS CONCENTIO wurde als Ableger der gleichnamigen Anime-Serie RAHXEPHON produziert, die erstmals im Jahre 2002 ausgestrahlt wurde (Review hier – 8.5/10 Punkten). Die Macher wollen jedoch keine völlig neue Geschichte erzählen, sondern die recht ungewöhnliche Serie in einer stark gekürzten Fassung präsentieren – auch wenn es einige neue Szenen gibt, die so nicht in der Serie zu sehen gab. Das ist gewiss eine fragliche Intention, da eine etwaige Zielgruppe für den Film allein nur schwer auszumachen ist – ja, für wen ist dieser Film gedacht ? Besieht man es im Detail, stellt man fest dass die Serie 26 Folgen, mit einer Gesamtlaufzeit von insgesamt etwa 510 Minuten beinhaltete – der Film kommt dagegen nur auf etwa 116 Minuten, wobei er grob den in etwa gleichen Handlungsrahmen abdeckt. Kenner der Serie werden sich jedoch schnell an den größtenteils ‚recycelten‘ Szenen stören, die einen massiven Teil des Films – das heisst, weitaus mehr als 50 % – ausmachen. Hier wird dem Serien-Fan nicht viel neues erwarten – lediglich eine andere Schnittfolge, sowie ein schon deutlicher abgeänderter Beginn und dann überraschenderweise doch noch ein völlig differentes Finale. Als Kenner der Serie wird dem Zuschauer also schnell klar werden, dass er mit PLURALITAS CONCENTIO möglicherweise einen Fehlgriff gelandet hat – es sei denn, er ist durch-und-durch Fan des Franchises und möchte ohnehin alles sehen, was mit RahXephon zu tun hat.

RahXephon - Waffe oder Medium ?

Doch auch die ‚andere‘ Seite, das heisst diejenigen, die die Serie nicht gesehen haben und eher mit dem (kürzeren) Film Vorlieb nehmen wollen, werden nicht wirklich geschickt bedient. Zwar ’spart‘ man so einiges an potentiell investierter Zeit (die man sich grundsätzlich für eine gute Anime-Serie nehmen sollte), doch die so ‚fehlenden‘ 400 Minuten wird man größtenteils tatsächlich vermissen. Charaktere und merkwürdige Fachbegriffe tauchen aus dem Nichts auf, Charakterentwicklungen und -Motivationen erscheinen kaum nachvollziehbar. Zudem entstehen durch den teilweise abrupten schnitt in der Zusammenstellung der ‚recycelten‘ Szenen weitere Plot-Löcher, die man kaum imstande ist wieder sinnig zu füllen. Im Gegenteil, der Film legt ein recht rasantes Tempo vor, muss ein recht rasantes Tempo vorlegen um in den Zeitrahmen von 116 Minuten zu passen – und steuert unentwegt auf das ‚große Finale‘ zu ohne dabei den Fokus nennenswert auf das umgebende Szenerie zu legen. So geht ein erheblicher Teil an Atmosphäre und Dramatik verloren – zwei der wichtigsten positiven Merkmale der Originalserie.

Ayato wird es nicht leicht haben.

Jedoch könnte man sich PLURALITAS CONCENTIO tatsächlich am ehesten für jene Zielgruppe vorstellen; die, die den Film als ‚Appetithäppchen‘ betrachten und – bei Gefallen – die Serie im Anschluss verköstigen. Denn diejenigen, die die Serie kennen, werden auf zusätzliche Atmosphäre-Hemmer und Ärgernisse treffen, die eigentlich kaum verzeihbar sind:

  • Während der Zuschauer bei der Serie von Anfang an gefordert ist und miträtseln muss, wird im Film einiges vorweggenommen.
  • Das Gemälde von ‚Mishima Reika‘ taucht im Film nicht auf, und dient daher nicht als bedeutendes Symbol in Ayatos‘ Erinnerung.
  • Ayato und seine ‚vermisste Liebe‘ finden im Film viel schneller wieder zueinander – zu schnell.
  • Eine angedeutete Sexszene zwischen Ayato und Haruka wirkt im (epischen) RahXephon-Kontext auffallend plump.
  • Die Serie lebt von der Charaktervielfalt, im Film bleibt keine Zeit für genauere Vorstellungen.
  • Viele Charaktere wirken im Gegensatz zur Serie viel zu ‚abgeklärt‘, so als könnte sie nichts mehr überraschen.
  • Das massive Szenen-Recycling zeugt nicht gerade von einer ausgeprägten Innovationsfreude.

So oder so, der Plot bleibt in etwa derselbe – auch wenn er in dieser stark gekürzten Fassung kaum die epische Bandbreite wie in der Serie reicht. Wirklich Deckungsgleich sind dagegen die technischen Aspekte – der Film sieht exakt so aus wie die Serie, lediglich die (wenigen) neuen Szenen erstrahlen in einem etwas aufwendiger wirkendem Licht (Beispiel: Quon auf dem Bett aus Rosen). Da, wo es sich wirklich angeboten hätte (etwa beim Aufeinandertreffen der ‚beiden‘ Xephons) wurde wiederum keine Hand angelegt – und so wirken einzelne Szenen wie bereits in der Serie etwas eigentümlich (simple Gestaltung der weiterentwickelten Xephons im Zusammenspiel mit den gesungenen ‚Arien‘).

Fazit: Ein Film, den keiner braucht – es bleibt fraglich, warum man ihn überhaupt in Auftrag gab; erschien die eigentliche Serie nur ein Jahr vor dieser Zusammenfassung. Die Macher haben es sich leicht gemacht, zu leicht – es wurden massiv Szenen wiederverwendet, und im allgemeinen reichlich geschnitten. Vielleicht nicht bis zur Unkenntlichkeit – aber doch mindest bis zur Unverständlichkeit in Bezug auf denjenigen Zuschauer, der die Serie nicht gesehen hat. Fans der Serie bekommen hier nichts neues präsentiert – auch wenn der Beginn und das finale abgeändert wurden, so wird man nur in den seltensten Fällen das Gefühl haben, als wäre dies zum Guten geschehen. Allen anderen sei nur geraten: man ist zwar deutlich kürzer unterwegs wenn man den Film der Serie vorzieht, doch es ‚lohnt‘ sich nicht wirklich, da schlicht viel zu viel auf der Strecke bleibt.

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