TV-Kritik / Serien-Review: GAME OF THRONES (Staffel 1)

Land: USA – Idee & Produktion: David Benioff, D. B. Weiss – Stil: Epische Mythologie-/ Fantasy-Serie

Die Liste der Episoden aus Staffel 1 (Länge zwischen 53 und 62 Minuten):

Episode 1×01 – Winter is Coming / Der Winter naht
Episode 1×02 – The Kingsroad / Der Königsweg
Episode 1×03 – Lord Snow / Lord Schnee
Episode 1×04 – Cripples, Bastards, and Broken Things / Krüppel, Bastarde und Zerbrochenes
Episode 1×05 – The Wolf and the Lion
Episode 1×06 – A Golden Crown
Episode 1×07 – You Win or You Die
Episode 1×08 – The Pointy End
Episode 1×09 – Baelor
Episode 1×10 – Fire and Blood

Darf es auch mal wieder etwas epischer sein… ?

Vorwort: Was für ein epischer Brocken… die Rede ist heute von GAME OF THRONES, einer US-amerikanischen, epischen Fantasy-Fernsehserie von David Benioff und D. B. Weiss. Die erste Staffel wurde bereits vor einiger Zeit im US-TV (Mitte 2011 auf dem Kabelsender HBO, für den die Serie produziert wurde) sowie im deutschen Pay-TV ausgestrahlt – ein Grund, weshalb bereits eine weltweite Fancommunity entstanden ist. Die Serie basiert auf den epischen Romanen mit dem Titel Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin, und wurde bereits in unzähliger Länder verkauft. Mit einer derartigen Buchvorlage kann eigentlich nichts schief gehen, sollte man meinen ? Nicht ganz, schließlich lehrten uns gerade die USA, dass man auch eine noch-so-gute Vorlage mithilfe einer gehörigen Portion Effekthascherei und Kommerzgier verwursten und ins Lächerliche ziehen kann. Wie aber sieht es mit dieser auffallend aufwendigen, ambitionierten und auch recht ungewöhnlichen Serie aus, und das vor allem in inhaltlicher Hinsicht ? Bald kann man sich selbst ein Bild davon machen, und dass, ohne höheren Anschaffungskosten begegnen zu müssen. In wenigen Tagen folgt die Ausstrahlung im Free-TV, genauer gesagt auf RTL 2 – einem Sender, der grundsätzlich nicht oft für hochqualitative Serien Pate steht, stehen darf. Doch, soviel sei vorweg gesagt; mit GAME OF THRONES könnte sich dies nun bald ändern – auch wenn man zweifelsohne eine stark geschnittene Fassung erwarten darf.

GAME OF THRONES, das kommende Serienhighlight im deutschen Free-TV

Inhalt: Die Handlung der ersten Staffel deckt den Inhalt des ersten Originalbands A GAME OF THRONES ab, und führt den Zuschauer in eine noch unbekannte, fiktive Welt von 7 vereinten Königreichen. Trotz der allgemein prekären Lage des Königreiches, welches im Norden an ein unwirtliches, gefährliches Eisgebiet, und im Westen an einen potentiell feindlich gesinnten Kontinent grenzt, entbrennt ein innerer Machtkampf um die Krone. Den liefern sich hauptsächlich drei der wichtigsten Adelsfamilien mit dem Namen Stark, Lannister und Baratheon. Der hiesige König Robert Baratheon bittet seinen alten Freund Eddard Stark, den Lord von Winterfell, um einen Gefallen: er soll die neue ‚rechte Hand‘ des Königs werden und ihm in Königsmund, der Hauptstadt, dienen. Dazu müsste er allerdings seine Festung hoch im Norden verlassen, was nicht das einzige Problem ist: es stellt sich heraus, dass die ehemalige Hand des Königs, Jon Arryn, ermordet wurde – und dass die Familie der Frau des Königs, das Haus Lannister, nicht ganz unbeteiligt ist an vorherrschenden Intrigen und kühnen Machtergreifungsplänen. Gleichzeitig planen die letzten überlebenden Mitglieder der Königsfamilie Targaryen, die verbannt wurden; die Rückkehr nach Westeros – und mischen sich ebenfalls im Streit um die Macht ein. Doch dazu müssen sie eine für sie große Hürde überwinden: die Meerenge zwischen den beiden Kontinenten. Als die ersten wichtigen Personen aus dem Königreich sterben, und einer von Eddard Stark’s Söhnen gleich zwei Mordanschläge nur knapp überlebt, beginnt die Situation zu eskalieren. Ein Bürgerkrieg scheint unvermeidbar – während sich von Norden aus ein noch größeres Unheil auf das Königreich zu stürzen droht…

Es gilt, eine riesige, epische Welt für sich zu entdecken…

Kritik: Gewiss ist es eine Herausforderung in nur wenigen Sätzen zu schreiben, worum es eigentlich genau in GAME OF THRONES geht. Es ist sogar eine kleine Unmöglichkeit, ginge man weiter ins Detail und finge mit der Erklärung der storyrelevanten Prämissen an – die recht mannigfaltig ausfallen und sich von geografischen Daten über geschichtliche Fakten bis hin zu einem allgemeinen familiären Wirrwarr ziehen. So sollte man es dabei belassen und möglichen Interessenten lediglich die Auskunft geben, dass es sich um eine episch angelegte Fantasy-Mythologiegeschichte handelt, die in einer gänzlich fiktiven Welt spielt und ein Hauptaugenmerk auf die beteiligten Charaktere legt. Moment, die Charaktere… ? Gibt es etwa keine Action, keine epischen Schlachten und allerlei fantastische Inhalte ? Nun, wer weiss das schon – doch in der ersten Staffel, von der heute die Rede ist; beschränkt man sich hinsichtlich dieser Elemente auf ein absolutes Minimum. Doch genau das macht den Reiz von GAME OF THRONES aus – wer hier allerlei sinnloses Gemetzel oder einen Ansatz sucht, der Effekte von der Wichtigkeit her über den eigentlichen Inhalt stellt, wird in die im wahrsten Sinne des Wortes entgeistert in die Röhre schauen. Und – wie gut, dass das so ist ! Schließlich war es schon lange an der Zeit für eine mutige, dabei aber gut gemachte Serie; die endlich wieder einen frischen Wind in die verrohte Konsum-TV-Landschaft bringen würde. GAME OF THRONES ist in dieser Hinsicht nicht nur ein vielversprechender Kandidat, sondern bereits nach der ersten Staffel ein expliziter Gewinner.

Die Söhne aus dem Hause Stark bereiten sich auf eine Konfrontation vor…

Aber warum ist dem so ? Nun, es sind derlei viele Gründe, die für einen durchweg positiven Gesamteindruck sorgen und die Serie von einem üblichen TV-Niveau abheben. Zum einen ist es – ganz grundlegend gesprochen – der Mut, eine Serie zu erschaffen, die gänzlich anders ist als so viele Konkurrenzprodukte. Dieser Mut ist jedoch nicht nur damit beschreiben, sich an die Produktion einer guten Buchvorlage zu machen – sondern auch, dem Geiste dieser Vorlage weitestgehend treu zu bleiben. Richtig – GAME OF THRONES wirkt zu keinem Zeitpunkt wie ein x-beliebiges, kommerzorientiertes West-Produkt, sondern wie eine zeitlos angelegtes Epos. Auch die Ausführung einiger expliziterer Inhalte lässt darauf schließen: hier wurde beileibe keine falsche Scheu an den Tag gelegt, eine scheinheilige Moralkeule geschwungen – GAME OF THRONES ist überraschend blutig, sexistisch und freizügig. Nicht, dass es ein Muss wäre, diese Elemente explizit auszuführen und so manches Mal auffällig in Szene zu setzen – doch trägt dies enorm zu einem Authenzitätsgefühl und einer gewissen ‚Ehrlichkeit‘ bei. Auch wenn es sich ’nur‘ um ein fiktives Königreich handelt, weiss man doch um einige der Tatsachen, die damals (und in der Wirklichkeit) zum Alltagsleben der Menschen gehörten.

Die eigentliche Faszination entsteht natürlich – und beileibe – nicht aufgrund dieser Elemente, die vielmehr als Beigabe dienen – sondern aufgrund des ansprechendes Szenarios. Ein simples gut-gegen-böse Schema sollte man nicht erwarten, denn die Geschichte von GAME OF THRONES erweist sich alsbald als äusserst komplex, verschachtelt und den Zuschauer durchaus fordernd. Im Gegensatz zu anderen US-Serien gilt es also nicht, sein Oberstübchen auf Durchzug zu schalten – sondern dem Geschehen aufmerksam zu folgen, was gerade in den ersten Episoden eine kleine Herausforderung darstellen kann. Schließlich guilt es, die recht undurchsichtige Situation zu eruieren – wobei viele Fragen entstehen werden. Wie sieht das ‚Königreich‘ eigentlich (geografisch) aus ? Wer herrscht wo, welchen Einfluss haben die Adelshäuser ? Wer ist mit wem verwandt, wer mit wem befreundet ? Doch im Laufe der Zeit wird ein Großteil der Fragen beantwortet werden – und der Zuschauer somit zufriedengestellt. Denn schließlich ist dies nur eine von vielen Ebenen, die es zu ‚erobern gilt: auf die ganz großen Fragen, wie die nach dem Ausgang des Bürgerkrieges oder der Geschichte hinter der Gefahr aus dem Norden wird es (noch) keine Antwort geben. Und so sind – in diesem Fall glücklicherweise – mehrere Staffeln in Aussicht.

Sean Bean als Eddard Stark, einer der Hauptcharaktere der ersten Staffel

Wohlgemerkt, es handelt sich um eine Fantasy-Serie – so wird es nicht nur die spannenden Familienverhätlnisse und angespannten Situationen zu entdecken geben, obwohl diese bereits zur Genüge ausreichen, der ersten Staffel einen äusserst positiven, unterhaltsamen Anstrich zu verleihen. Auch einige fantastischere Elemente warten noch darauf, die Bühne zu betreten – in der ersten Folge werden hier bereits leichte Ansätz angedeutet, in der letzten Episode sogar erstmals richtig deutlich. So darf man zweifelsohne gespannt sein, wie diese Fantasy-Aspekte mit der (grundsätzlich bodenständigen) Geschichte aus Machtverhältnissen, Machtmissbrauch, Intrigen und zwischenmenschlichen Aspekten verwoben werden wird. Besieht man die erste Staffel, so kann man nur davon ausgehen, dass es den Machern zweifelsohne gelingen wird – bereits jetzt laufen unzählige Handlungsstränge und Nebengeschichten immer wieder zu einem großen Ganzen zusammen, nur um den Zuschauer danach immer wieder zu überraschen. In der Tat, GAME OF THRONES gestaltet sich alles andere als vorhersehbar – man weiss einfach nicht, was als nächtes geschehen wird, wird es aber unbedingt erfahren wollen – der Ehrgeiz ward geweckt, die Lust auf weitere Episoden ist enorm.

Neben den inhaltlichen Stärken wissen vor allem auch die technischen Aspekte zu überzeugen. Eine kristallklaren Optik und die allgemein sehr opulente Aufmachung der Serie lassen gerade Besitzer höherwertiger Heimkinosysteme in den Genuss fantastischer Bilder kommen, durch verschiedenste Spiele mit Umgebungsatmosphären (dem eisigen Winter im Norden, der Wärme der Hauptstadt im Süden) entstehen zusätzliche Reize. Animationen und gerenderte Szenen sucht man größtenteils vergebens – in GAME OF THRONES ist vieles echte Handarbeit, wie die aufwendigen Szenenaufbauten und die geschickte Einbeziehung von wunderschönen, weitläufigen Landschaften und Wäldern. Auch der Soundtrack, dem man erstmals im beeindruckenden Intro bemerken wird, brilliert durch episch angehauchte Klänge und ist ein Highlight für sich. Ein besonderes Lob gilt allerdings den beteiligten Darstellern, von denen beinahe niemand durch das qualitative Raster fällt. Einzig und allein das charakteristische Aussehen einiger Charaktere wirkt das ein oder andere Mal etwas unpassend, und leicht übertrieben / überspitzt in Szene gesetzt. Die Tatsache, dass einige der Darsteller schlicht zu alt wirken, könnte ebenfalls als störend empfunden werden – meist aber nur dann, wenn man auch die Buchvorlagen kennt. Doch gerade mit Schauspielern wie Sean Bean oder Peter Dinklage hat man waschechte Glückstreffer gelandet. Es macht einfach Spaß ihrem Spiel zuzusehen, von dem man bald vergessen wird, dass es sich nur um gute Schauspielkunst handelt. Man ist als Zuschauer geladen, sich einzufühlen, eine tiefgreifende Empathie (oder stellenweise auch eine Art Hassliebe) für die Charaktere zu entwickeln – sodass man in Anbetracht ihrer schweren Schicksale mitfiebert.

Kniet nieder vor Eurem König… !

Fazit: Dass man das noch erleben darf… GAME OF THRONES ist schlicht DAS Serienhighlight der letzten Jahre, gegen das ein Großteil der Konkurrenz mehr als alt aussieht. Endlich wieder weht ein frischer Wind, werden typische und schon zig-mal gesehene Inhalte beiseite gelassen; regiert ein großer Ideenreichtum und ein enormer Mut, der sich in einer komplexen Handlung und expliziten Inhalten widerspiegelt. So oder so – GAME OF THRONES vermag zu fesseln, zu begeistern, zu faszinieren – und den Zuschauer gnadenlos gut zu unterhalten. Wer braucht da noch eine Weiterführung von inzwischen bereits ausgelutscht wirkenden Serien a’la THE WALKING DEAD oder FALLING SKIES ? Aber auch genretechnisch etwas verwandtere Serien können GAME OF THRONES nicht das Wasser reichen – da diese oftmals weitaus ’sperriger‘ und aufgrund eines allzu eingeschränkten Handlungsrahmens schwer zugänglicher wirken. Hier kann wahrlich jeder einsteigen, der auch nur eine ansatzweise Begeisterung für erlebbar gemachte, fiktive Epen aufbringen kann. Und, der sich nicht von nichtssagenden Inhalten, von billigen Effekten oder einer generellen US-Ägide blenden lassen will – sondern hineingezogen werden möchte in einen ganz eigenen kleinen Mikrokosmos aus Mythen, Sagen und letztendlich: Menschlichkeit. Bravo – GAME OF THRONES ist ausserordentlich gut und aufwendig produziert, bleibt stets angenehm anspruchsvoll, sieht absolut super aus und steckt so voller Leben und Ideen, dass es einem eine wohlige Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Kurzum: etwas epischeres (womit man wieder bei der Intention dieses Blogs wäre) gibt es derzeit nicht zu sehen.


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„Ein herausragendes Serien-Epos.“

Ein Gedanke zu “TV-Kritik / Serien-Review: GAME OF THRONES (Staffel 1)

  1. WOW 10/10 was ist da los !!??!?!? PURE EPIC
    Kommt ja diese woche auf, halt dich fest, RTL2 Fr,Sa,So fertig alle 10 Folgen 😉

    Nicht vergessen PayDay, sonst kommt noch der edle Ritte mit dem Schwert vorbei….

    Bis dann..

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