Filmkritik: „Rango“ (2011)

Originaltitel: Rango
Regie: Gore Verbinski
Mit: Johnny Depp, Isla Fisher, Abigail Breslin u.a.
Laufzeit: 107 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 6
Genre: Animationsfilm

Eine Echse auf Abwegen.

Inhalt: Eine kleine, namenlose Echse haust in einem Terrarium; welches von den Besitzern des Tieres mit auf eine Reise genommen wird. Hier träumt Herr Echse von einer großen Karriere als Held, Weltenretter, Frauenheld und noch so viel mehr… doch viele Zuhörer hat er nicht, lediglich ein orangener Plastikfisch und eine Palme leisten ihm Gesellschaft. Das Schicksal will es jedoch, dass sich die Echse plötzlich mit der völligen Freiheit konfrontiert sieht – es gibt einen Unfall, bei dem das Terrarium auf der Straße landet und zerschellt. Und so schlägt sich die Echse durch die nahegelegene Wüste, und begibt sich sogleich in die erste lebensgefährliche Situation – die Konfrontation mit einem Raubvogel. Die übersteht er aber, und landet daraufhin in einer kleinen Westernstadt, wo er schon bald eine Eingebung hat und sich selbst auf den Namen RANGO tauft. In Anbetracht der hier lebenden rauen Gesellen spielt er den harten Burschen – und landet in einer weiteren Konfrontation mit dem Raubvogel sogar einen entscheidenden Glückstreffer. Die Bewohner der Stadt verpflichten ihn daraufhin, als neuer Sheriff zu fungieren – sie wollen endlich wieder an etwas, an jemanden glauben. Schließlich sind die Zeiten hart, das Wasser knapp – und allerlei böse Buben gibt es auch. So muss sich RANGO letztendlich entscheiden, erkennen wer er wirklich ist – hat er das Zeug zum Helden, oder ist und bleibt er die gewöhnliche Echse aus dem überschaubaren Terrarium ? Natürlich (und glücklicherweise) bleibt er das nicht – denn spätestens mit dem Aufprall auf der Straße, in der knallharten Realität, mausert sich die erst noch namenlose Echse zum Helden und leicht tollpatschigen Charmeur – und zwar schneller, als es ihm möglicherweise lieb ist.

Kritik: RANGO ist ein 2011’er Animationsfilm, der mit großen Namen beworben wird – neben Gore Verbinski, dem Regisseur von FLUCH DER KARIBIK, taucht auch der allseits beliebte Johnny Depp in der Darsteller- beziehungsweise Sprecherriege auf. Die erste Frage, die sich stellt kann daher nur lauten: wurden Hernn Verbinski in der Vergangenheit etwa doch zu viele Beschränkungen auferlegt, eine ‚Garantie‘ zu einem größtmöglichen kommerziellen Erfolg quasi erzwungen ? Wie auch immer die Antwort darauf ausfallen mag, hat er offenbar genau richtig gehandelt, das Regie-Szepter nach 3 Teilen FLUCH DER KARABIK abzugeben, um sich so (und mit einem beträchtlichen Erfolg im Rücken) auf ein ganz eigenständiges, zweifelsohne auch eigensinniges Filmprojekt zu besinnen. Dieses hört auf den Namen RANGO, und ist letztendlich so kautzig-makaber ausgefallen wie der Hauptcharakter des schicken Animationsfilms mit Effekten von Industrial Light & Magic (George Lucas). So hebt er sich ab der ersten Minuten explizit von anderen Filmen dieses Genres ab, und setzt neben einem leicht exzentrischen Hauptcharakter (der auch in ‚Gefangenschaft‘ im Terrarium schon Vollgas gibt) auf einen ganz speziellen Humor, der irgendwo zwischen Spaghetti-Western, Pixar-Animationsfilm und locker inszenierter Öko-Tragikkomödie anzusiedeln ist.

Hierzulande erhielt RANGO eine FSK-6 Freigabe, was jedoch anzuzweifeln ist – gerade wegen seiner speziellen (aber durch positiv zu bewertenden) Eigentümlichkeiten handelt es sich nicht um einen abendfüllenden Familienfilm per se. Denn so ‚brav‘ wie es die bunten Bilder erst vermuten lassen, ist RANGO beileibe nicht – die dem Regisseur zugestandenen Freiheiten werden oftmals ausgenutzt, was sich vor allem in einer etwas vulgären Sprache (für Genre-Verhältnisse !) und einem erhöhten Gewaltgrad widerspiegelt. Gerade das macht ihn ein stückweit erfrischender – doch gleichzeitig weniger geeignet für ein deutlich jüngeres Publikum. Überhaupt sollte man zumindest ein Minimum an Filmkenntnissen (und damit ein gewisses Alter, eine gewisse Erfahrung) mitbringen, um in den vollen Genuss von RANGO zu kommen – schließlich ist er gespickt mit Seitenhieben und Reminiszenzen an andere Werke. Bevor man allerdings ein Gespür für die Story entwickeln kann, sieht man sich mit der außergewöhnlichen Optik konfrontiert, die sich kristallklar und gestochen scharf präsentiert, und zudem Elemente der Moderne und der Vergangenheit (Western-Städtchen) aufeinander prallen lässt. Hier gibt es wahrlich nichts zu beanstanden – auch das Charakterdesign überzeugt durch eine hohe Detailtreue und eine verringerte Niedlichkeit, die den Film abermals stark von vielen anderen Animationswerken abhebt. Die volle Effekt-Ladung wird aber erst in den aufwendigeren Kampfszenen (und später den Wasser-Szenen) auf den Zuschauer losgelassen – und auch diese Szenen sehen sagenhaft aus. Auch die Sprecher sind überaus ambitioniert und durchweg positiv zu bewerten, sowohl im Original wie auch in der Deutschen Sprachfassung – lediglich die singenden Eulen sind hier nur äusserst schwer zu verstehen.

Und, RANGO ist temporeich inszeniert – sehr temporeich. Aber: das Tempo wirkt nicht immer ausgewogen, nicht immer balanciert. Gerade der Beginn ist dominiert von einer gewissen Hektik, die sich im späteren Verlauf auch durch die Kampf- und Massenszenen ziehen soll – während sich im Mittelteil auch einige Längen einschleichen. Immerhin hat der Film eine Gesamtlaufzeit von etwa 107 Minuten – das ist nicht unbedingt wenig für einen Animationsfilm. Ebenfalls auffällig ist die ‚Wechselhaftigkeit‘ hinsichtlich der Gags und des Unterhaltungsfaktors – vieles wird eher auf Sub-Ebenen transportiert und sticht nicht sofort ins Auge, wirkliche ‚Schenkel-Klopfer‘ in dem Sinne gibt es kaum. Das ist einerseits gut und im Sinne der Ungewöhnlichkeit des Films sicher zweckdienlich; doch so manches Mal wirkt RANGO einfach zu überdreht; zu verrannt in etwaige Richtungen, die sich wohl nur der Regisseur vollständig ausmalen kann. Ein noch größeres Problem aber ist die Story, die wenig neues zu bieten hat und im Endeffekt alles andere als ’spektakulär‘ zu bezeichnen ist. Viele Elemente dürften einem als Zuschauer eben doch schon geläufig sein – wie die Wandlung eines unscheinbaren Alleinunterhalters ohne Publikum zu einem ‚echten‘ Helden mit großen Publikum und größer Bühne (eine zwischenzeitliche Sinnes-Krise inbegriffen), Bösewichter die an höheren Machtpositionen sitzen, ökologische Seitenhiebe auf die Ressourcen- und Machtverteilung in der Welt… und so weiter. Im Fall von RANGO ist es paradox, aber: die Ernüchterung macht sich breit, sobald das Wasser wieder fliesst. Anders ausgedrückt: sowohl der Film an sich wirkt wenig rund, und das große Finale (mit einer weiteren expliziten Helden-Reminiszenz) erst recht nicht.

Fazit: In RANGO versucht man etwaige Mängel im Storygerüst anderweitig zu ‚flicken‘ – mit welchen zwei Elementen liegt auf der Hand. Richtig, mit dem Hauptcharakter, der ohnehin allen anderen die Show stiehlt und so nicht selten etwas… aufdringlich wirkt; und dem staubigen Western-Szenario. Das ist zumindest noch relativ unverbraucht in einem Animationsfilm, und sorgt für frischen Wind; wenn die Story schon nicht viel mehr als ein laues Lüftchen ist. Schade – mit einer ideenreicheren, innovativeren, schlicht mutigeren Grundgeschichte hätte man viel mehr aus diesem Werk machen können. Auch die Einstreuung der ‚Erwachseneren‘ Inhalte (Sprüche, Gewalt) erfolgt nicht unbedingt konsequent, sodass RANGO letztendlich bei einer FSK 6 bleibt – vielleicht hätte man die Linie weiter fahren sollen, und ihn noch ‚weniger familientauglich‘ gestalten sollen (FSK 12), sodass sich der Regisseur wirklich treu geblieben wäre bei seiner Ambition. Entweder, oder – so pendelt RANGO irgendwo zwischen schroffer Erwachsenenunterhaltung und viel zu vorhersehbarer Familiengeschichte mit bekannten Mechanismen. Eines aber bleibt in jedem Fall: eine gewisse, dem Film innewohnende Ungewöhnlichkeit, die der eine zu schätzen weiss – und bei der sich der andere nur kopfschüttelnd abwenden wird. In diesem Fall wäre beides wohl gleichermaßen verständlich…

Advertisements

Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Rango“ (2011)

  1. AHA niedrige wertung, trotzdem versuche ich mir den film mal reinzu feuern, wenn ich zeit finden sollte, denn einige Streifen warten noch auf uns, bis die Tage… und nicht vergessen bald ich Monatsende 😐 $

    Gefällt mir

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s