Metal-CD-Review: PHOENIX RISING – MMXII (2012)

Land: Spanien – Stil: Melodic Power Metal

Die Trackliste:

1. Tenebris Revelantur
2. Agoraphobia
3. The Chosen One
4. Last Eternal Night
5. Fury and Rage
6. My Love Still Remains
7. Abaddon
8. Exodus
9. Lost Souls
10. Nova Era

Welcome to the Nova Era…

Vorwort: Wie wäre es denn mal wieder mit einer Ladung ‚frischen‘ Power Metals direkt aus dem heißblütigen Herzen Spaniens ? Die noch relativ unbekannte Bandformation PHOENIX RISING (ehemals QUINTA EMIENDA) schickt sich an, mit MMXII ein Album zu präsentieren, welches auch international begeistern und fesseln soll. Der Fakt, dass alle Titel in Englisch präsentiert werden, unterstreicht diese Tatsache – etwaige Sprachbarrieren muss man als alteingesessener Power Metaller also nicht befürchten. Aber was genau inszenieren die ambitionierten Spanier überhaupt auf diesem Album mit 10 Titeln ? Ein Blick auf das sagenhaft bunte, episch angelegte Cover-Artwork verrät in dieser Hinsicht noch nicht allzu viel. Man blickt auf eine stark an eine Jesus-Darstellung angelehnte Figur – jedoch eine solche mit Flügeln, die auch nicht an einem Kreuz hängt. Dahinter entfaltet sich eine vielschichtige Darstellung unseres Kosmos, die es – ganz unabhängig von der Bedeutung – zusätzlich attraktiv macht, das Album tatsächlich in den Händen zu halten. Schließlich wirkt das Cover pompös, und erlaubt es dem Besitzer, zusätzliche Details zu entdecken.

Review: Das gute ist – die Vorgehensweise bei der Gestaltung des Covers lässt sich so auch auf die Musik übertragen. PHOENIX RISING spielen einen recht imposanten, von Symphonischen Elementen gespickten Power Metal, der äusserst treibend wirkt. Und, der gar nicht mal so ’simpel‘ strukturiert ist wie dies nur allzu gerne von aktuellen Power Metal-Releases behauptet wird. Bereits das Intro, TENEBRIS REVELANTUR lässt darauf schließen – hier präsentieren die Spanier Lateinische Chorgesänge, untermalt von einer Soundtrack-artigen Instrumentalkulisse; die im weiteren Verlauf die Überhand gewinnt und so wie eine feierliche Auftakt-Melodie zu einem Fantasy-Film wirkt. Es folgt der Übergang zum Opener AGORAPHOBIA – der, zugegebenermaßen etwas holprig wirkt, wirken kann. Doch nachdem man die hier etwas plump klingenden Chorgesänge hinter sich gelassen hat, entfaltet sich ein starker, wohlstrukturierter Power Metal-Track mit allerlei Raffinessen und Highlights. Auch der Gesang vermag zu begeistern – er wirkt ‚männlicher‘ und kräftiger als bei manchen Genre-Kollegen, und lässt Freunde der etwas höher angelegten Screams nicht im Regen stehen. In der Tat – PHOENIX RISING wirken äusserst verspielt und geradezu ‚lustvoll‘ in ihrem Drang, dem Power Metal-Genre einem gleichsam traditionellen, aber doch frischen Wind einzuhauchen.

THE CHOSEN ONE beginnt mit einer Gitarrenperformance, die ein wenig an die LUCA TURILLI’s erinnert – doch wer glaubt, PHOENIX RISING stellten sich lediglich als eine weitere RHAPSODY-Vergleichsband heraus, der irrt. So präsentiert sich auch dieser Titel als enorm eigenständig, melodieverliebt und ausdrucksstark präsentiert. Ein Lückenfüller klingt jedenfalls anders  – doch auch in LAST ETERNAL NIGHT wird man einen solchen nicht entdecken können. Ganz im Gegenteil – hier präsentiert sich dem Hörer eines der ersten wirklichen, wenn auch zuerst etwas unscheinbaren Highlights des Albums. Sagenhafte Keyboard-Passagen sorgen für ein üppiges Klangbild und einen dezenten Retro-Charme, der Gesang des Leadsängers wirkt ehrlich und mächtig, die unterstützenden symphonischen Elemente werten den Titel abermals auf. Die Strophen kommen etwas gemäßigt-verträumter daher, während im Refrain eine ordentliche Portion Emotionalität mitschwingt – der Wahnsinn, wie auch die späteren Instrumentalpassagen mit leicht klassischem Touch. In Anbetracht eines Titel wie FURY & RAGE müsste man eigentlich von einem waschechten Uptempo-Brachialkracher ausgehen – doch das Endergebnis präsentiert sich überraschend vielschichtig und durch wildes Gefidel in Szene gesetzt.

Auch eine Ballade soll es auf MMXII geben – die kommt in Form von MY LOVE STILL REMAINS daher. Gut, diese wirkt nicht mehr so auffallend gut wie die vorherigen Titel – hier wird eher standardisierte Kost dargeboten, zu der die ausdrucksstarke, manchmal alle Rahmen zu sprengen drohene Stimme des Leadsängers nicht so erecht zu passen scheint. Wie gut ist es da, dass es mit ABBADON sogleich wieder munter weitergeht. Und das ist noch untertrieben – hier liefern PHOENIX RISING wieder einen der stärksten Titel des Albums ab. Wunderbare Melodien, versierte Arrangements, eine deutlich zu spürende ‚Power‘ und der enorme Drive machen einfach Laune. EXODUS ist das einzige Interlude (was gut ist bei einer Titelzahl von gerade einmal 10), und präsentiert eineinhalb Minuten solide Stimmungsmache, woraufhin es mit LOST SOULS weitergeht. Hier handelt es sich um einen episch angelegten Titel mit allerlei choralen und symphonischen Elementen, die sich zu den ohnehin schon sagenhaften Darbietungen von Gitarren udn Keyboard gesellen. Und, zum Abschluss kommt nun das, worauf man eventuell schon gewartet haben wird. Oder, hat man es etwas gar nicht mehr erwartet… ? Wie auch immer – NOVA ERA ist DER Titel des Albums MMXII, der alles andere spielend leicht in den Schatten stellt. Einen derartigen Titel hat es nun gute 5, 6 Jahre nicht mehr gegeben – eine Hymne, die ihresgleichen sucht. Es erübrigt sich, über diesen Titel viele Worte zu verlieren – man sollte ihn selbst einmal gehört und erlebt haben, zumindest wenn man auf gut isnzenierten, episch-melodischen Power Metal mit dem gewissen Etwas steht. Bemerkenswert: das Zusammenspiel von übertragener ‚Freude‘ und Melancholie, welches gerade im Refrain seinen Höhepunkt erfährt und begeistert.

Fazit: Was PHONEIX RISING hier abliefern, klingt wie eine Weiterentwicklung des Sounds der Genrekollegen von FROM THE DEPTH – ein grundsätzlich temporeicher Melodic Power Metal mit klarem Gesang und reichlich Keyboardeinsatz. Der kleine aber feine Unterschied ist allerdings, dass PHOENIX RISING das Ganze in einer absolut anstandslosen Produktionsqualität abliefern, die klar, druckvoll und majestätisch wirkt. Zusätzlich wird ihr musikalischer Output garniert wirf mit einer zusätzlichen Prise epischer Elemente (das ist das, wonach auf diesem Blog primär Ausschau gehalten wird), zumeist in Form von Chorgesang oder Filmmusik-artigen Passagen. Überhaupt wirkt das Klangbild von MMXII im gesamten ein stückweit ‚ehrlicher‘, konsequenter; kurzum: viel versierter und weniger billig/ kitschig als anderswo. So darf der ’neue“ Power Metal des Jahres 2012 nur allzu gerne klingen – schön traditionell, aber eben doch ausreichend eigenständig, und dabei immer äusserst energetisch und mitreissend. Nun, wer dem unglaublichen Drive dieses Albums trotz allem widerstehen kann, sich aber generell ‚Fan‘ eines schön melodischen Power Metals schimpft, muss irgendetwas falsch machen. PHOENIX RISING rocken – und das nicht zu knapp. Lediglich eine zu standardisierte Ballade und der nicht durchgehend ‚passend‘ erscheinende Gesang schälern den sonst perfekten Gesamteindruck leicht. Dafür hat man mit NOVA ERA einen Titel geschaffen, der so einmalig, so prächtig und majestätisch ist, dass er sogar noch über weitere Schwächen hinwegsehen ließe. Doch glücklicherweise ist das gar nicht nötig… Grüße und ein ganz fettes Dankeschön nach Spanien !


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