Filmkritik: „Super 8“ (2011)

Originaltitel: Super 8
Regie: J.J. Abrams
Mit: Kyle Chandler, Joel Courtney, Elle Fanning u.a.
Laufzeit: 112 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Drama (60 %) / Science Fiction (40 %)

Willkommen in der Vergangenheit.

Inhalt: Der 13-jährige Joe Lamb (Joel Courtney) ist Ende der 70’er Jahre Teil eines ambitionierten Filmprojektes. Er hat sich mit dem eigentlichen Ideengeber des Films, dem Zombie-Fan Charles (Riley Griffiths) und einigen seiner besten Freunde – Cary (Ryan Lee), Preston (Zach Mills) und Martin (Gabriel Basso) – zusammengeschlossen, um mithilfe einer Super-8-Kamera einen möglichst gruseligen Film zu drehen. Und der wäre im Endergebnis sicher nur halb so schön, wäre die allseits beliebte, hübsche Alice (Elle Fanning) nicht dabei – die Charles überraschenderweise dazu bewegen konnte, im Film mitzuwirken. So kommt es, dass sich die Kinder aufmachen, um die ersten Szenen auf einem alten Güterbahnhof zu drehen. Doch genau dort geschieht nach einigen wenigen Szenen das unglaubliche – ein Güterzug rast an der Gruppe vorbei, und entgleist, als ein weisser Truck plötzlich auf die Schienen fährt und dem Zug entgegenrast. Die Kinder können den tosenden Explosionen und den herumfliegenden Teilen gerade noch entkommen, während ihre Super-8-Kamera das ganze Geschehen unbemerkt aufzeichnet. Als wenn das alles noch nicht unfassbar genug wäre, taucht schon bald das Militär auf – dass offenbar großes Interesse an der nun teilweise verlorengegangenen Fracht aufzeigt. Und das kommt nicht von ungefähr, denn kurze Zeit nach dem Jahrhundert-Unglück häufen sich allerlei merkwürdige Zwischenfälle in der nahe gelegenen 12000-Seelen-Stadt, in der die Kinder leben. Was hatte der Zug geladen, und warum ist das Militär alarmiert; die gesamte Stadt einer Evakuierung nahe ?

Was hier geschieht, kann keiner so recht fassen…

Kritik: SUPER 8 ist wahrlich ein Film der alten Schule. Nicht nur, dass die Handlung Ende der 1970’er Jahre spielt und der Film dementsprechend aufgemacht ist – auch seine Machart besinnt sich ganz und gar auf Techniken und Herangehensweisen einer längst vergangenen Film-Ära. Damit reiht er sich ein in eine Kategorie von Retro-Filmen, die die Schnelllebigkeit und den ‚Bombast‘ der neueren Hollywood-Werke geschickt umschiffen wollen – und dabei zumeist bemerkenswert gut abschneiden. Ein Film aus diesem Segment ist etwa der noch recht neue Hollywood-Schocker THE HOLE, in dem man weitestgehend auf Effekthascherei und filmische Hektik verzichtete – um sich voll und ganz auf den subtilen Horror zu besinnen, der nun umso atmosphärischer und beklemmender wirkte. Ganz wie in alten Zeiten eben, als ein derartiger Film noch als Novum gegolten hätte – irgendwie muss man dem mehr und mehr ‚abgestumpften‘ Zuschauer ja entgegenkommen, ohne ihn dabei zu bevormunden. So nimmt sich auch SUPER 8 das zu Herzen, was auch schon damals bestens funktionierte; und kombiniert eine schaurige Monster-Hatz mit einer emotionalen Coming-Of-Age Geschichte – und das ohne, dass die Computer- und Animationskünstler bei jeder einzelnen Szene hätten nachhelfen müssen.

Ein Film-im-Film Erlebnis.

Im Gegenteil – SUPER 8 funktioniert gerade in diesem geradezu ’nostalgischen‘ Momenten, in denen der Fokus explizit auf die (Kinder-)Charaktere gelegt wird, die nicht nur mit einem ausgebrochenen Monster zu kämpfen haben – sondern auch mit ganz normalen, wenn auch schicksalhaften familiären Problemen. Hierbei fällt auf, dass die jeweilige ‚Dosis‘ der beiden Haupt-Elemente sehr ausgewogen ausgefallen ist – und der Film so gleichermaßen als Coming-Of-Drama vor Sci-Fi-Hintergrund, aber auch als Sci-Fi-Actioner zu bezeichnen ist. Dass SUPER 8 dabei im ersten Bereich deutlich besser abschneidet, ist allerdings auch kein Wunder: etwas zu ausgelutscht, zu wenig innovativ wirkt die Monster-Geschichte; zu militaristisch das Allgemeine Szenario. Da weiss das intensive Porträt einer jungen Generation der späten 70’er Jahre schon eher zu begeistern und zu fesseln, und das folgerichtig besonders dann, wenn die Elemente des Sci-Fi nur angedeutet werden und bedrohlich im Hintergrund schweben. Und, für den Film wird vielleicht nicht ganz umsonst mit einem gewissen, weltweit bekannten Namen geworben – Steven Spielberg. Der fungierte zwar ’nur‘ als Produzent, während J.J. Abrams (unter anderem CLOVERFIELD) einen Großteil der künstlerischen Arbeit übernahm – und doch erkennt man seine Handschrift, die den Zuschauer einen Hauch von früheren Meisterwerken a’la E.T. (1982) erahnen lässt. Und tatsächlich, bei näherer Betrachtung von SUPER 8 und E.T. offenbaren sich sogar weitere, recht explizite Gemeinsamkeiten.

Hierin spiegelt sich dann auch das größte Problem von SUPER 8 wieder; die Tatsache, dass man als (älterer) Zuschauer unweigerlich das Gefühl haben wird, ähnliches schon einmal woanders gesehen oder erlebt zu haben. Das Grundsetting mag an und für sich noch relativ ‚unverbraucht‘ erscheinen (ein Zug mit gefährlicher Militärfracht wird zum entgleisen gebracht – warum ?), doch alle anderen, einzeln betrachteten Elemente sind es dagegen weniger. Das Kinder Zeugen eines größeren Unglücks (ein Unfall oder ein provoziertes Verbrechen) werden und einen WEg finden müssen, mit den Nachwirkungen zu leben, ist keine neue Film-Idee. Ebenso wenig wie die problematischen Familienkonstellationen, die vor allem auf Eltern-Kind Konflikte abzielen – und in Anbetracht einer größeren Katastrophe an eine Schlichtungssituation herangeführt werden. Dann gibt es da noch die unterschwelligen Mystery-Apekte, die sich irgendwo zwischen Alien-Absturz in Roswell, Geheimniskrämerei a’la Area 51 und Monsterhatz gegen Unbekannt (siehe CLOVERFIELD) bewegen; oder das Porträt einer ersten unschuldigen Liebe, die eine Freundschaft auf die Probe stellt. Oder ein recht einseitiges Porträt des Militärs, welches eindeutig moralisch ‚falsch‘ handelt und dabei über Leichen geht; sowie die entgegengesetzte Kraft der kindlichen Unschuld, die ‚reinen Herzens‘ ist; oder, oder…

Auch die zerstrittenen Väter müssen in Ausnahmezeiten füreinander einstehen…

Fazit: In der Tat ist die Liste der Vergleichsmöglichkeiten lang, was SUPER 8 nicht zu einem schlechten Film werden lässt – aber doch zu einem nicht ganz so bahnbrechenden, einzigartigen, zeitlosen wie vielleicht gedacht oder erwartet. Zumal durch die vielen schon teilweise ‚bekannten‘ Elemente ein weitere Sub-Eindruck entsteht: der einer gewissen Ziellosigkeit, beziehungsweise Unentschlossenheit. Während die Frage, ob man mit SUPER 8 nun etwas gänzlich innovatives schaffen möchte oder sich doch der alten Schule bedient recht einfach zu beantworten ist (weshalb der Aspekt der Ideenlosigkeit nicht ganz so schwer wiegt wie sonst), wird es schon schwieriger wenn man die eigentlichen Schwerpunkte des Films herausarbeiten müsste. Denn hier offenbart sich schlicht keine klare Linie – er ist ein wenig von allem. Er ist sowohl ein Kinder-Drama a’la STAND BY ME, ein Kinder-Abenteuerfilm a’la THE GOONIES, eine Freundschafts- und Sympathiegeschichte a’la E.T., und eine Sci-Fi-Monstergeschichte a’la CLOVERFIELD. Das mag Vorteile in Bezug auf eine gewisse Vielschichtigkeit und einen hohen Unterhaltungsfaktor haben, doch auch die Nachteile sollte man nicht verschweigen – einzelne Themen werden entweder zu spärlich oder zu intensiv behandelt, ein roter Faden fehlt; eine nachhaltige Aussage oder innewohnende ‚Wirkungskraft‘ kann SUPER 8 nicht entfalten.

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Super 8“ (2011)

  1. Mich hat der Film mal irgendwie so gar nicht geflasht oder vielleicht wollte ich mich auch nicht flashen lassen, keine Ahnung.^^ Der Retro-Soundtrack war ok, das Ende als das Medaillon wegfliegt war gut, das „Viech“ der Witz schlecht hin…die Handlung..naja. Es war für mich vor allem sehr bemühte Nostalgie ohne richtigen Tiefgang. Von mir kriegt der ne wohlwollende 4,5 höchstens 5/10. Ein Film den ich nicht zwingend in meiner Sammlung brauche. Du vergisst in der Reihe von Reminiszenzen noch „Unheimliche Begegnung der dritten Art“…auch das ist ein WEIT überschätzter Klassiker in meinen Augen. Aber jeder wie er will…^^

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