Metal-CD-Review: DRAGONLAND – Astronomy (2006)

Land: Schweden – Stil: Melodic Power Metal

Die Trackliste des Albums:

1. Supernova
2. Cassiopeia
3. Contact
4. Astronomy
5. Antimatter
6. The Book Of Shadows Part IV: The Scrolls of Geometria Divina
7. Beethoven´s Nightmare
8. Too Late For Sorrow
9. Direction: Perfection
10. The Old House On The Hill Chapter I: A Death in the Family
11. The Old House On The Hill Chapter II: The Thing in the Cellar
12. The Old House On The Hill Chapter III: The Ring of Edward Waldon

DRAGONLAND holen zum vierten großen Schlag aus.

Vorwort: Nach dem durchaus sensationellen Erfolgsalbum STARFALL aus dem Jahre 2004 lassen es die Schwedischen Recken von DRAGONLAND gute zwei Jahre später erneut krachen – ihr neuestes Werk ASTRONOMY ist am Start. Bereits das überaus gelungene, stimmige Cover-Artwork impliziert: DRAGONLAND haben sich erneut weiterentwickelt, und sind sich ihrer nunmehr eindeutig gehobenen Position in den weltweiten Power Metal-Ranglisten bewusst. Wird die Fans der Band erneut ein melodisches Feuerwerk a’la STARFALL erwarten, oder besinnt man sich eher auf die beiden ersten Alben ? Oder, geht man gar ganz neue Wege; und versucht, die DRAGONLAND zweifelsohne innewohnende Erhabenheit auf das nächste Level zu bugsieren ? Die Spannung ist groß, ebenso wie die Erwartungen und die Vorfreude.

Kritik: Wie schon auf dem Vorgängeralbum wird auf ein Intro verzichtet – man startet DRAGONLAND-typisch sofort durch, und eröffnet das Spektakel freudig mit dem Opener SUPERNOVA. Die Band vermittelt in diesem Fall vor allem eines: es geht schon deutlich progressiver zu als auf dem mehr als eingängigen Melodic Metal-Vorgänger. Der Instrumentalteil bietet ein erhöhtes Maß an Abwechslung feil, häufige Tempowechsel und die mehrspurigen Arrangements aus Gitarren, Keyboards und Schlagzeug sorgen für ein sattes, in diesem Sinne ‚vollmundiges‘ Klangbild. Tatsächlich wird man hier schon mehrere Anläufe brauchen, um in den vollen Genuss des Titels zu kommen – der Zugang fällt nicht mehr ganz so leicht; doch gerade das zeichnet eine sinnige Weiterentwicklung einer Band unter anderem aus. Denn umso größer wird die Freude sein, in den vielschichtigen Strukturen das ein oder andere Highlight für sich zu entdecken – die Möglichkeit dazu bieten DRAGONLAND auf ASTRONOMY in jedem Fall.

Dafür ist auch das folgende CASSIOPEIA ein Anhaltspunkt. Hier handelt es sich um einen gut durchdachten, abwechslungsreichen Titel; der hauptsächlich von den beigesteuerten weiblichen Gast-Gesängen lebt. Im Zusammenspiel mit Leadsänger Jonas Heidgert, der längst nicht mehr beweisen muss das er ein Meister seines Fachs ist, entsteht so ein äusserst harmonischer Gesamteindruck. Die wunderbaren Gesänge werden untermalt von einem Instrumentalteil, der alles andere als aufdringlich daherkommt; sondern schön dezent (aber dennoch druckvoll) im Hintergrund agiert. Nun stechen auch die Gitarren deutlicher hervor, die dem Ganzen einen deutlicheren Metal-Anstrich verleihen. Stichwort Metal – mit CONTACT wird ein ebensolches Feuerwerk abgefackelt, und das in einem ungewönlich hohen Tempo. Zumindest für DRAGONLAND-Verhältnisse – hier geht es drumtechnisch schon ordentlich(er) zur Sache, zusammen mit dem wirklich guten Gesangspart entsteht so ein niveauvoller Gesamteindruck, der ein wenig an die Outputs von LABYRINTH in ihren Glanzzeiten erinnert. Denn auch die Keyboard-Elemente kommen alles andere als zu kurz, und lassen so eine zusätzliche Verspieltheit und Melodiösität in das Liedgut einfliessen. Solide, wirklich solide.

Man braucht also keine ‚Angst‘ zu haben, dass die neue DRAGONLAND-Scheibe möglicherweise zu ‚technisch‘ daherkommt. Denn im Grunde spielen sie noch immer die Art Metal, die ihnen im Blut liegt: einen melodischen Power Metal mit dezenten Symphonischen Anleihen, immer auf einem episch-erhabenen Niveau. Mit dem Titeltrack ASTRONOMY geht es nun schon ein stückweit progressiver zu. Hier werden alle Freunde der Metal-lastigen Seite von DRAGONLAND vollends auf ihre Kosten kommen, ohne Zweifel. Als wahrhaftig oder herausragend kann dieser Titel dann allerdings auch nicht bezeichnet werden – dafür gibt es aber genügend andere Kandidaten. Wie eventuell auch das folgende, epische ANTIMATTER. Neben dem sehr gelungenen Songtext kann hier auch der abermals leicht progressive Einschlag überzeugen, sowie die ‚dämonischen‘ Untertöne, welche dem Titel einen zusätzlich düsteren A nstrich verpassen. Eine kleine Überraschung folgt  in Form eines vierten Teils der THE BOOK OF SHADOWS-Sage, die man erinnerungswürdig auf dem Vorgängeralbum zelebrierte. Endlich rückt auch wieder der klassisch-kompositorische Aspekt der Musik von DRAGONLAND ins Rampenlicht, der hier für einen Soundtrack-Atmosphäretitel der ganz besonderen Art sorgt. So wird man sich schnell gewahr sein, dass die Schweden auch ganz ohne Gesang und Gitarren wahre Wunderwerke hervorbringen können – wenn der Gesamteindruck nicht gar noch ein stückweit erhabener, eleganter und zeitloser ist wenn komplett auf die Metal-Elemente verzichtet wird. An Stücken dieser Art sollten die Jungs unbedingt festhalten – sie sorgen für ein Höchstmaß an Atmosphäre und steigern den Unterhaltungswert eines jeden Albums. BEETHOVEN’S NIGHTMARE ist ein ebenso interessantes Stück, welches nicht umsonst auf diesen Namen getauft wurde – erzählt wird eine entsprechende Geschichte, und auch einige klassische Elemente finden sich im Lied selbst wieder. MEhr noch: Mr. Beethoven selbst wäre stolz auf diesen Titel, und auf dass, was DRAGONLAND aus der Faszination für einen großartigen Künstler gemacht haben. Hier liefern sie die wohl stärkste, einprägsamste und zugleich vielschichtigste Nummer des gesamten Albums ab – ganz großes, anspruchsvolles Kino.

Auf eine derartige Über-Nummer kann eigentlich nur ein Titel folgen, der es etwas gemäßigter angeht – doch auch TOO LATE FOR SORROW kann als Halb-Ballade der ganz besonderen Metal-Art überzeugen. Wären da nicht die schweren Riffs und die eingängigen Melodielinien, könnte man fast meinen es handelte sich um ein Popmusik-Stück – aber selbst dann noch um ein ganz besonderes, einzigartiges. Und gefühlvolles – zumal hier Jonas Heidgert im Duett mit einer Dame singt und so reichlich Gefühl an den Tag legt. Die Dämme werden spätestens mit dem großartigen, wenn auch viel zu kurzem Soli-Teil gebrochen, sowie der finalen Gesangspassage des Titels. Hier regiert gänsehaut pur, von Kitsch gibt es (überraschenderweise) keine Spur. DIRECTION PERFECTION legt dann noch eine Schippe drauf und steigert das Niveau abermals um ein bemerkenswertes Maß – es wird immer anspruchsvoller, komplexer, bombastischer; DRAGONLAND erklimmen just in diesen Momenten den Ehrenhügel der ‚Besten‘ Melodic-Metaller. Wer allerdings glaubt, dass das schon alles war, hat sich geschnitten. Zum großen Finale des Albums gibt es eine weitere drei-teilige Sage präsentiert, betitelt mit THE OLD HOUSE ON THE HILL. Machen wir es kurz – hier handelt es sich um ein hochqualitatives, äusserst unterhaltsames Metal-Hörspiel der symphonisch-düsteren Art. Einfach unglaublich, was die Schweden hier auf die Beine gestellt haben; Respekt.

Fazit: DRAGONLAND schaffen mit ASTRONOMY einen weiteren unglaublichen und zweifelsohne bemerkenswerten Sprung. Das Vorgängeralbum STARFALL war bereits klasse, da es vor allem in Sachen Eingängigkeit überzeugen konnte – nun wird es wieder merklich progressiver und technischer. Gewiss, leicht progressiv angehaucht waren bereits die ersten beiden Alben der Band (beide mit 6.5/10 bewertet) – doch ASTRONOMY schafft es nun endlich, auch der progressiven Seite von DRAGONLAND reichlich Leben einzuhauchen. Die Kompositionen können nun nicht mehr als ‚belanglos‘ oder unspektakulär eingestuft werden wie dies eventuell noch zuvor der Fall war – und auch die Produktion wirkt absolut rund. Kurzum: es regiert ein absoluter Bombast-Sound, der größtenteils technisch-anspruchsvoll daherkommt, sich in den richtigen Momenten aber auch wunderbar eingängig inszeniert. Einige der Titel von diesem Album werden sich zurecht für längere Zeit in das Metal-Gedächtnis brennen – und vielleicht ja auch in die Alltime-Metal-Chroniken. Zu wünschen wäre es… DRAGONLAND liefern mit ASTRONOMY eine 1A-Qualität ab, und quasi ’nebenbei‘ noch eines der besten Metal-Alben aus dem Jahre 2006.

Anspieltipps: CONTACT, THE BOOK OF SHADOWS PART IV, BEETHOVEN’S NIGHTMARE, TOO LATE FOR SORROW, THE OLD HOUSE ON THE HILL

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