Metal-CD-Review: XANDRIA – Neverworlds End (2012)

Land: Deutschland – Stil: Symphonic Gothic Metal

Die Trackliste des Albums:

1. A Prophecy Of Worlds To Fall
2. Valentine
3. Forevermore
4. Euphoria
5. Blood On My Hands
6. Soulcrusher
7. The Dream Is Still Alive
8. The Lost Elysion
9. Call Of The Wind
10. A Thousand Letters
11. Cursed
12. The Nomad’s Crown
13. When The Mirror Cracks (Bonus Track, Digpack-Edition)

NIGHTWISH sind tot… es lebe(n) XANDRIA.

Vorwort: Nach dem eher mäßigen 2011’er Release der (ehemaligen) Nummer 1 Female-Fronted Symphonic Power Metal-Band NIGHTWISH (IMAGINAERUM, Wertung: 6.5/10), schläft die Konkurrenz zu keinem Zeitpunkt. Nach einem großartigen Album der Power Metaller ANCIENT BARDS (SOULLESS CHILD, Wertung 10/10) schicken sich nun XANDRIA an, mit NEVERWORLDS END das nächste große Genre-Highlight abzuliefern. Auch XANDRIA setzen auf verspielte, eingängige und dabei zumeist ‚epische‘ Arrangements, die eine gewisse Erhabenheit ausstrahlen und so über den Dingen zu schweben scheinen – doch ihr besonderes Merkmal ist der zutiefst opernhafte weibliche Gesang, den man so schon lange nicht mehr bei NIGHTWISH oder anderen Bands zelebriert. Zwar gibt es noch immer eine Vielzahl von vergleichbaren Bands, doch oftmals haben sie alle eines gemeinsam: sie wirken zwar ambitioniert, bewegen sich dabei aber weit entfernt von einer wirklichen musikalischen Perfektion. Es ist eben nicht damit getan, eine begabte Leadsängerin zu engagieren und sie regelrecht über ein Instrumentalstück singen zu lassen – eine übergeordnete Harmonie ist hierbei ein nicht zu verachtendes, wichtiges Stichwort. Hier setzen XANDRIA an – und bieten mit NEVERWORLDS END ein Album feil, welches außerordentlich satt, rund produziert und zudem gespickt ist von allerlei musikalischen Raffinessen.

Kritik: Bereits das märchenhaft-fantastische Coverartwork sorgte vor einigen Wochen / Monaten für Furore, schließlich sind derartige Kunstwerke selten geworden in einer unübersichtlichen Welt der niemals endenden Releases. So hat man für NEVERWORLDS END ein Cover geschaffen, welches zweifellos aus der Masse hervorsticht und den Hörer bereits ein stückweit ‚mitnimmt‘ in den abenteuerlichen Mikrokosmos des Albums. Auch die bläulich-blassen Farben weisen auf die Stimmung des Albums hin – es würde gleichsam mystisch wie hypnotisch-verträumt zugehen, einem Traum-Erlebnis gleich, welches sich auf eine längere Zeit in den Hirnwindungen festsetzt. Diesen kräftigen Eindruck vermag bereits der Opener A PROPHECY OF WORLDS TO FALL zu untermauern, womit XANDRIA ihre erste Hymne des Albums und des Jahres 2012 abliefern. In guten 7-einhalb Minuten wird regelrecht alles aufgefahren, was das Repertoire hergibt: von einer versierten weiblichen Gesangsdarbietung mit klassischem Touch über eine vielschichtige, orchestrale Instrumentalisierung bis hin zu einem unglaublichen Maß an musikalischer Diversität und Abwechslung ist so gut wie alles dabei, was das Symphonic Metal-Herz begehrt. Oder noch zu begehren lernt – schließlich handelt es sich bei NEVERWORLDS END um ein Album, welches sowohl bestens für langjährige Fans des ‚Genres geeignet ist, als auch für solche ‚Frischlinge‘ die nun erstmals ein Ohr riskieren. Sofern sie zu diesem Zwecke tatsächlich zu diesem Album greifen, sollten die Chancen gut stehen dass sie danach auch weiterhin auf diesen Genre-Pfaden wandeln werden. Solch einen ‚bindenden‘ Effekt konnte zuletzt das NIGHTWISH-‚Album DARK PASSION PLAY vorweisen, welches durch bombastische Soundtrack-Elemente auch eigentliche Nicht-Fans des Genres überzeugen konnte.

Nun also leisten XANDRIA Pionierarbeit – eben auch und automatisch mit repräsentativen Stücken wie VALENTINE, welches auch als Videosingle ausgekoppelt wurde. Hier handelt es sich um eine leicht düstere, etwas simpler gestrickte Nummer; die deshalb jedoch ncihts von ihrer Aussagekraft einbüßt. Eine flotte Instrumentalisierung mit ansprechenden Symphonischen Elementen sorgt für den nötigen Drive, der divenhafte Gesang wird nicht lieblos und wie auf Knopfdruck abgespult – sondern fusioniert mit den perfekt eingespielten Instrumentalteilen und präsentiert sich so als nur ein Aspekt eines gelungenen Potpourris. FOREVERMORE fungiert dann als erste Ballade, beziehungsweise eher Halb-Ballade – denn während die Strophen tatsächlich recht sanft-zurückhaltend vorgetragen werden, geht es im Refrain schon wieder etwas rauer und offenherziger zu. Die knackigen Riffs gehen gut ins Ohr, die symphonischen Anteile sind omnipräsent, blitzen in besonderen Momenten aber besonders auffällig hervor. Grundsätzlich verpacken XANDRIA ein derartiges Maß an Abwechslung in ihren Songs, dass man bei repräsentativen Stücken wie FOREVERMORE glatt von ‚mehreren‘ Titeln in einem sprechen könnte. Wer hier eine typische, vor sich hinplätschernde Ballade erwartet, wird jedenfalls (positiv) überrascht sein. Es folgt EUPHORIA, ein Titel, der streckenweise sehr stark an Werke von NIGHTWISH erinnert. Doch glücklicherweise bugsiert der versierte Gesang das Ganze auf ein ausreichend eigenständiges Level, wunderbar funktioniert hier die Mischung aus eher ‚böse‘ inszenierten Zwischenrufen und erhabenem Gesang, mit dem man im Refrain wieder einmal geradezu abzuheben droht. Was entsprechend positiv zu verstehen ist – die Gegensätze harmonieren hier vortrefflich. Immer wieder gibt es kurze Instrumental-Zwischenspiele, die die Fähigkeiten eines jeden einzelnen Bandmitglieds unter Beweis stellen und einfach nur Spaß machen.

BLOOD ON MY HANDS beginnt sogleich mit einer äusserst einprägsamen Melodie, die sich auch durch den restlichen Titel ziehen wird. Hier gibt es nicht zu bemängeln – wie auch nicht im folgenden SOULCRUSHER, welches wunderbar düster und gleichzeitig majestätisch daherkommt. In der Tat scheint es auf NEVERWORLDS END keine sogenannten ‚Lückenfüller‘ zu geben – ein jeder einzelne Titel hat seine ganz eigene Stärke und Prägnanz, seine ganz eigene Poesie. So ist THE DREAM IS STILL ALIVE erstmals eine durch-und-durch Ballade, die als willkommene Abwechslung fungiert – hier werden große Gefühle aufgefahren, beziehungsweise erlebbar gemacht. THE LOST ELYSION zeigt sogleich eine weitere Seite von XANDRIA auf, nämlich eine deutlich Power Metal-lastigere. Die flotte Grundinstrumentalisierung und eingängige Riffs sorgen für den nötigen Antrieb, ein spannungsgeladener Aufbau (sagenhaft !) führt den Hörer hin zum Refrain, der wieder wunderbar schmetternd wirkt und einen allerlei Metal-Schandtaten der letzten Monate / Jahre vergessen lässt. So und nicht anders hat ein vernünftiges Symphonic Metal-Album zu klingen – schön eingängig und erhaben, dabei aber ausreichend komplex und alles andere als plump inszeniert. Tatsächlich folgt hier ein Highlight auf das nächste: CALL OF THE WIND ist der nächste Kandidat auf den Thron des ‚besten Titels‘ aus NEVERWORLDS END, und macht schnell deutlich, dass er durchaus das Zeug dazu hat. Wieder tauchen allerlei Elemente auf, die den Song eigenständig gestalten und so für einen gewissen Wiedererkennungswert sorgen – hier sind es die energetischen Violinenklänge beziehungsweise eine spätere Instrumentalpassage, die wieder einmal explizit ‚einmalig‘ klingt. Stimmige Hintergrundgesänge, ‚frische‘ Samples und eine ausgefeilte Komposition hinterlassen im Zusammenspiel mit der satten Produktionsqualität einen mehr als positiven Eindruck.

Der Wahnsinn, was hier abgeliefert wird – und das aus einem Munde eines Metallers, der sein ‚Heil‘ grundsätzlich im männlichen Gesang sucht, und zeitweise auch findet. Doch man lässt sich eben gerne bekehren – wenn das jeweilige Output von einer derart versierten Bandformation wie XANDRIA stammt. Orchestralisch, episch, opern-, märchen- und einfach traumhaft – und dabei äusserst zugänglich, ohne eine gewisse Komplexität vermissen zu lassen – Bravo. Auch A THOUSAND LETTERS vermag zu begeistern, selbst als nicht ganz so spektakulärer Titel – doch der emotionale Refrain und die melancholischen Untertöne sorgen abermals für einen nachhaltigen Eindruck. Wahrlich, in Sachen Abwechslung wird reichlich geboten – wofür auch CURSED ein fabelhaftes Beispiel ist. Hier verstecken sich sogleich wieder ein derartiges Potential, das für 3 bis 4 eigenständige Titel gereicht hätte – doch bei XANDRIA ist man sich eben nicht zu schade, gleich alles in einen einzelnen Titel zu stecken. Der Ideen gibt es anscheinend genug – wie sonst könnte man zum Abschluss noch einen Titel (selbstverständlich prall gefüllten) wie THE NOMADS CROWN präsentieren, der mit satten 9 Minuten Spielzeit eienr der ausführlichsten ist ? Ein mehr als gelungener Abschluss eines prächtigen Albums. Besitzer der Special-Edition kommen allerdings noch in den Genuss eines Bonustracks namens WHEN THE MIRROR CRACKS, einer nicht ganz so komplexen, dafür aber umso eingängigeren Nummer mit Power Metal-Anleihen.

Fazit: Potentieller Kitsch hin oder her (so klingt nun einmal zünftiger Symphonic Metal), XANDRIA sind auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen. NEVERWORLDS END ist ein wunderbares, wohlklingendes, abwechslungsreiches Album geworden, welches man als Symphonic Metal-Fan nicht mehr missen möchte. Es bietet eine willkommene Mischung aus Eingängigkeit, komplexeren orchestralen Elementen und einer generellen Versiertheit. Experimente finden statt – doch diese gehen allesamt in eine angenehme, episch-erhabene Richtung. Mit wird also keine unangenehmen Rohrkrepierer vorfinden, sondern auf der Symphonischen Wolke 7 schweben – mal mit einem etwas düsteren Unterton, mal mit einem lockereren. Immer mit von der Partie sind der versierte weibliche Gesang, sowie die nicht zu verachtenden, perfekt eingespielten Metal-Elemente. Ob nun die Rede vom Schlagzeug oder von den Gitarren ist – alles klingt super-satt und ausdrucksstark präsentiert. Da könnte sich so manche Band noch eine dicke Scheibe von abschneiden… XANDRIA verstehen ihr Handwerk, und auch wenn sich gewisse Parallelen zu früheren NIGHTWISH-Werken nicht verleugnen lassen, muss ein solcher musikalischer Einfallsreichtum bei gleichzeitiger musikalischer Perfektion einfach entsprechend gewürdigt werden. Eine weitere, absolute Empfehlung aus dem starken Metal-Jahr 2012 – dagegen sehen NIGHTWISH inzwischen mehr als alt aus.

Anspieltipps: So gut wie alle. Man beginne am besten mit der unten verlinkten Video-Single…


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„Was für ein Brett.“

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