Metal-CD-Review: BLACK MESSIAH – The Final Journey (2012)

Land: Deutschland – Stil: Pagan / Black / Viking Metal

Die Trackliste des Albums:

01. Windloni
02. Der Ring mit dem Kreuz
03. To Become A Man
04. Into The Unfathomed Tower (A Tribute To Candlemass)
05. Feld der Ehre
06. Lindisfarne
The Naglfar Saga
07. Prologue – The Final Journey
08. Mother Hel
09. On Board
10. Sailing Into Eternity

Entdecke die dunkle Seite des Metal…

Vorwort: 2012, da war doch noch was… richtig, eine schon einige Zeit währende Ankündigung eines schicken Black- beziehungsweise Pagan Metal-Albums der Deutschen Recken von BLACK MESSIAH. Nachdem die Wartezeit ihrer Fans mit einem ungewöhnlich ansehnlichen Videoclip zur Single WINDLONI überbrückt haben, steht THE FINAL JOURNEY endlich in den Läden. Ein Titel, der hoffentlich nicht auf das musikalische Schaffen der Band zu beziehen ist. 10 Titel sind enthalten – was nach nicht viel klingt, im Endeffekt ist es das auch nicht. Aber immerhin hat man kein Intro, Outro oder Interludes dazugemogelt; sodass es sich tatsächlich um 10 vollwertige Titel handelt. Sofort ins Auge sticht das blaue Artwork, welches in etwa derselben Stimmung gehalten ist wie auch das Musikvideo: es geht äußerst rau, eisig und leicht mystisch zu. Man befindet sich irgendwo in den Bergen, wo ein besonders mächtiger, aber sich im Schlafe befindender Herrscher lebt… doch es gibt derer nicht wenige, die nach der unsagbaren Macht gieren, die hier verbogenen liegt. Und so weiter, und so fort… man kann sich in etwa ausmalen, wie die Stimmung auf THE FINAL HOURNEY ausfällt. Angenehm abenteuerlich, dabei immer wild und verspielt; und außerdem voller (Lebens-)Energie.

Kritik: Was da in den ersten Sekunden nach Einlegen der Scheibe zu Hören ist, ist kein eigenständiges Intro – sondern der Auftakt zum ersten Titel, WINDLONI. Richtig, die Nummer, die auch als Video ausgekoppelt wurde – wahrlich eine gute Wahl, wie man es BLACK MESSIAH zweifelsohne attestieren muss. Durch den noch relativ unscheinbaren, eher ruhigen (aber dennoch bedrohlichen) Beginn verspricht man viel; man baut eine Spannung auf die schier unerträglich ist. Es gesellen sich schon Schlagzeug, Gitarren und eine volle Instrumentalbandbreite hinzu, doch so richtig starten will man noch nicht… bis der erste Ausbruch erfolgt, und sich der Leadsänger (natürlich auf deutsch) zu Wort meldet. Rumms – das sitzt. Und wie – so wunderbar kraftvoll und technisch versiert klingen wohl nur BLACK MESSIAH. Welch eine Wohltat, sie nach dem (ebenfalls guten) letzten Album nun endlich wieder – und auf dem Höhepunkt ihres Leistungsoutputs – hören zu können. Sie waren zwar schon immer außergewöhnlich, und sorgten stets für ein hohes Maß an schwarzmetallischer Qualität – aber das hier schlägt mal wieder alles. Unabhängig davon ob nun den Strophen, dem Refrain oder den Soli-Passagen lauscht, WINDLONI etabliert von Anfang an eine äusserst mitreissende, energetische Wirkung; der man sich kaum entziehen kann. Und bietet dabei eine wohlfeile Mischung aus ‚echtem‘ Pagan Metal, verspieltem Folk, eingängiger Metal-Hymne und eiskalter Poesie. Doch das sollte erst der Anfang sein…

Denn was dann in Form eines unscheinbar klingenden Titels wie DER RING MIT DEM KREUZ folgt, ist auch schon das wahre Herzstück des Albums. In der Tat – hier spielen BLACK MESSIAH nun endgültig all ihre Stärken aus. So episch, und gleichzeitig verspielt haben wir die Recken noch nie gehört – das toppt selbst den starken Opener noch bei weitem. Sicher, die Geschichte die hier erzählt wird ist keine allzu neue, doch die Form in der das Spektakel dargeboten wird ist es allemal. Die Strophen klingen schon beinahe heiter, da hier ein besonders knackiger Rhythmus zum Einsatz kommt – doch die wahren Highlights sind die Passagen, die darauf folgen: hier erwarten einen die wohl erhabensten Instrumentalpassagen der bisherigen BLACK MESSIAH-Diskografie. Es braucht nicht viel mehr als ein klein wenig Folk, die Kraft des Black Metal und einen ansprechend-ernsten Text – hier fusionieren mehrere Eindrücke zu einem äußerst harmonischen Ganzen. Starke, aber dezent eingesetzte orchestrale Elemente wabern bedrohlich im Hintergrund, ein gerade einmal 2 Mal zum Einsatz kommender Refrain (Klargesang) vermittelt alles, was man ‚wissen‘ muss. In diesem Sinne… Den Ring mit dem Kreuz, den küsse ich nicht… ! Wohl aber diejenigen, die für dieses höchst epische Liedgut verantwortlich sind – im übertragenen Sinne, versteht sich.

Weiter geht es mit dem ersten englischsprachigen Stück des Albums, TO BECOME A MAN. Tatsächlich machen es sich BLACK MESSIAH hier nicht ganz leicht, da bereits die ersten beiden Titel als absolute (deutschsprachige) Hymnen fungieren, und der Übergang zum englischen alles andere als spektakulär ausfällt. Dem versucht man, mit einem äusserst druckvollen und schon mehr in Richtung Black Metal gehenden Instrumentals entgegenzuwirken – sodass die unbändige Kraft und Spielfreude der Band abermals gut zum Ausdruck kommt. Aber eben nicht mehr ganz so wirkungsvoll wie in den ‚deutschen Momenten‘ – auch wenn der Leadsänger des englischen zweifelsohne mächtig ist; wie er es bereits auf den Vorgängeralben unter Beweis stellen konnte. TO BECOME A MAN ist also eher ein Durchschnittstitel mit einem ordentlichen Drive, der kein so großes Aufsehen erregen wird wie die beiden Vorgängertitel. Etwas anders sieht es dann schon mit dem Tribut für CANDLEMASS aus, INTO THE UNFATHOMED TOWER. Hier handelt es sich um ein reines Instrumentalstück, welches besonders von den perfekt eingesetzten Passagen einer Violine getragen wird. Diese bewegen sich stets irgendwo zwischen einer Osteuropäischen Verspieltheit, die beinahe zum Tanz aufzufordern zu scheint – und einer gewissen Melancholie und Erhabenheit. Zusammen mit dem äusserst starken Instrumental, welches den ein oder anderen Bombast-Moment bereithält,entsteht ein sehr ansprechender Titel der einfach Laune macht.

Dann folgt ein weiteres kleines ‚Special‘, und zwar in Form einer neu eingespielten Version von FELD DER EHRE. Hier findet sich dann – leider Gottes – einer der mitunter schwächsten Titel des Albums, der einfach nicht so wirkt wie es vielleicht beabsichtigt war. Dies liegt besonders am angestrengt wirkenden Gesang und selbstverständlich auch dem hier etwas plump daherkommenden Songtext; abgerundet wird der Eindruck durch das alles andere als spektakulär ausfallende Instrumental, welches hauptsächlich aus einem hämmernden Double-Bass besteht. Schalten wir also schnell weiter, um bei LINDISFARNE zu landen – einem der härteren, düsteren Titel des Albums. Erneut auf Deutsch vorgetragen, geht es äusserst brachial und angenehm schwarzmetallisch zu – man entwickelt ein gutes Gefühl für die hier erzählte Geschichte, und auch wenn der Instrumentalteil nicht ganz so vielschichtig ausfällt, macht er dennoch Laune. Wieder dominiert der unermüdliche Einsatz des Schlagzeugers, während einige der anderen Elemente schwerer zu erahnen sind, und zudem leicht hintergründig-verwaschen wirken. Kein Highlight, aber mit Sicherheit ein solider, stark nach vorn preschender Titel. Nun aber beginnt in etwa das, was die Jungs auf ihrem Vorgänger-Album in voller Länge zelebriert haben – ein zusammenhängender Story-Teil in Form der NAGLFAR SAGA. Hier fahren die Pagan-Metaller 4 Titel mit einer Spielzeit von über 20 Minuten auf, von denen einer den anderen zu toppen vermag. Der Auftakt kommt mit der Aufmachung als ruhiges Instrumentalstück mit kurzem Sprecherteil als willkommene, atmosphärische Abwechslung daher, MOTHER HEL begeistert als knallhartes Intermezzo aus Growls, verschwörerischem Klargesang sowie weiblichem Gastgesang, ON BOARD offeriert eine Mixtur aus knallhart vorgetragenen Strophen und Hörspiel, der Abschluss SAILING INTO ETERNITY beginnt als opernhafte Inszenierung eines Vikinger-Schauspiels, nur um danach ein letztes Mal in härtere Gefilde aufzubrechen. Rumms, das sitzt.

Fazit: BLACK MESSIAH sind nach wie vor ein Garant für eine ganz spezielle Form des Pagan Metals, welcher zwar durch-und-durch ’schwarz‘ ist, aber eben auch so manches verspielte beziehungsweise symphonische Element bereithält. So sorgen sie vor allem dafür, dass der Sound der Band recht unverkennbar ist – und, dass das Pagan Metal-Genre mal ordentlich durchgerüttelt wird. Schließlich zeigen BLACK MESSIAH, wie unter anderem auch EQUILIBRIUM auf, dass auch diese Stilrichtung (als eine der grundsätzlich ‚härteren‘, düsteren) durchaus episch und erhaben inszeniert werden kann – ohne dass man dafür in allzu kitschige Bereiche abdriften muss. So ist THE FINAL JOURNEY ein abwechslungsreiches, sehr gut unterhaltendes Werk; welches gleichermaßen für ‚treue Fans‘ des Genres, aber auch für Neueinsteiger geignet ist. Schließlich bieten BLACK MESSIAH einen erfreulichen Mix aus Zugänglichkeit und Härte – womit sie alles richtig machen. Für eine noch höhere Wertung, beziehungsweise ein potentielles nächstes Album wäre es vielleicht mal das Experiment wert, ein rein deutschsprachiges Album aufzunehmen… aber auch so rocken BLACK MESSIAH einfach. Weiter so !


85button

„Ein sehr gutes Genre-Album mit dem gewissen Etwas.“

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