Metal-CD-Review: FREEDOM CALL – Land Of The Crimson Dawn (2012)

Land: Deutschland – Stil: Melodic Power Metal

Die Trackliste:

1. Age of the Phoenix 3:37
2. Rockstars 5:08
3. Crimson Dawn 6:29
4. 66 Warriors 5:20
5. Back into the Land of Light 5:39
6. Sun in the Dark 4:49
7. Hero on Video 3:50
8. Valley of Kingdom 4:32
9. Killer Gear 4:42
10. Rockin` Radio 4:13
11. Terra Liberty 4:09
12. Eternity 4:23
13. Space Legends 4:04
14. Power & Glory 3:30

Schlechte Laune gibt’s woanders.

Vorwort: LAND OF THE CRIMSON DAWN ist das nunmehr siebte Studioalbum der Deutschen Power-Metaller von FREEDOM CALL, welches seit Ende Februar 2012 über die weltweiten Ladentheken geht. Während das Vorgängeralbum LEGEND OF THE SHADOWKING (2010) noch mit leichten Symphonic Metal-Anteilen aufwartete und generell etwas schwerfälliger / progressiver daherkam, besinnen sich die fröhlichen Recken auf LAND OF THE CRIMSON DAWN wieder vollends auf ihr Spezialgebiet: das Erschaffen von gnadenlos eingängigen Hymnen mit Kultpotential. Und tatsächlich, in dieser Hinsicht ist das neueste Werk der ‚Happy Metaller‘ alles andere als zu verachten – so melodiös, spielfreudig; so simpel und doch wirkungsvoll klangen FREEDOM CALL schon lange nicht mehr. Fans werden daher in wohligen Erinnerungen an die frühsten Werke der Band schwelgen, während sich Neueinsteiger schon eher kopfkratzend fragend könnten, ob das hier dargebotene wirklich noch unter dem Oberbegriff des Metals firmieren kann. Aber so sind FREEDOM CALL eben, und das seit 1999 – um keine ‚cheesyness‘ und keinen Kitsch verlegen. Deshalb gilt an dieser Stelle, und bei diesem Review generell: wer im Metal eher auf die ‚härteren Schienen‘ abfährt und sich mit fidelen Ritten auf und über dem Regenbogen so gar nicht anfreunden kann, wird mit dieser Rezension wohl eher weniger anfangen können.

Kritik: Zuallererst fällt das doch ungewöhnliche Cover-Artwork der Scheibe ins Auge, welches in grundsätzlich warmen Farben und einer Pastell-ähnlichen Optik gehalten ist. So ist der Silberling (noch vor dem Anhören) vor allem eins: auffällig. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, entwickelt das Motiv bei näherer Betrachtung doch noch eine gewisse Tiefe, nicht zuletzt dank der Ausarbeitung der Schatten. Das Ziel wurde erreicht – die Lust auf den musikalischen Inhalt ist geweckt. Und der stellt sich mit dem Opener AGE OF THE PHOENIX vor, einer typischen FREEDOM CALL-Hymne. Die Spielzeit ist mit gerade mal dreieinhalb Minuten recht kurz, doch das soll die Recken nicht darin hindern, schon mal alles aufs Parkett zu zaubern was das Repertoire hergibt. Ein antreibendes, versiertes Schlagzeugspiel und recht geniale Riffs dienen als Motor, der gute (und unverkennbare) Gesang von Chris Bay garniert das Ganze; und obendrauf gibt es ganz, ganz viel Melodie. Selbst hier hat man sich Zeit für ein nettes Soli und kurze (dezente) Chorpassagen gelassen, was dem Titel sehr zugute kommt. In der Tat, FREEDOM CALL haben einfach eine enorme Kraft; man nenne es vielleicht auch ‚positive Energie‘, die direkt an den Hörer weitergeleitet wird. Oder werden kann, wenn man sich auf ihren doch recht eigenwilligen Sound einlässt. So ist ROCKSTARS auch schon die nächste Uptempo-Hymne mit einem unglaublichen hohen Eingängigkeits-Faktor, wohl aber auch mit einem zwiespältigen Inhalt. Persönlich schätze ich FREEDOM CALL immer dann am meisten, wenn sie in Fantasy-Gefilde abdriften, beziehungsweise Geschichten erzählen – nur nicht ihre eigene, das heisst die als ‚Rockstars‘. Ob das ganze nun augenzwinkernd gemeint ist oder nicht. Doch das Teil hat sicher Live-Potential, wirkt gerade im Refrain äusserst mitreissend.

Dann aber kommt CRIMSON DAWN, schon eher ein Titel nach meiner Facón. Und was für einer… hier geben sich FREEDOM CALL weniger dem Tempo, als vielmehr einer gewissen Vielschichtigkeit hin, welche sich vor allem durch stete Stimmungswechsel bemerkbar macht. Nett: die eingespielten Instrumente, wie das Klavier; sowie natürlich die typisch FREEDOM-CALLschen Chorgesänge. Das wirkt einfach ! Später kommt noch eine Art dämonisches Zwiegespräch hinzu (FREEDOM CALL mal ‚düster‘), und sobald das Ganze auf das Finale zusteuert gibt es ohnehin kein Halten mehr. It’s majestic, baby ! 66 WARRIORS wäre im Grunde ein etwas ‚härterer‘ Stampfer, wäre da nicht der – wieder mal – alles erhellende Refrain, sowie gerade die Vorpassage zu diesem. In Anbetracht dieser Gegensätze werden sich die Geister scheiden – doch wie bereits erwähnt, sollten alle, denen bereits der ’normale‘ Power Metal zu kitschig ist, einen großen Bogen um dieses Album machen. So regiert der Spaß, denn nichts anderes macht ein jeder einzelne Titel der Band. Nun geht es BACK TO THE LAND OF LIGHT – richtig, da ‚war doch was‘. Eine Hymne vergangener Tage nämlich, die nun wieder zum Leben erweckt wird. Das geschieht auf eine gleichsam melancholische wie majestätisch-erhabene Art und Weise, dass es eine wahre Freude ist. Ein starker Titel, der zum Träumen und Schwelgen einlädt. SUN IN THE DARK geht da schon in eine etwas andere Richtung – um kommt als flippige Rocknummer mit einem dicken Groove daher,

HERO ON VIDEO ist dann die unverkennbare FREEDOM CALL Rock-Pop-Nummer, die auch als Videosingle ausgekoppelt wurde. In der Tat ist die Nummer sehr massentauglich, deshalb wohl auch die Wahl – was zu einem zwiespältigen Eindruck führt. Zwar handelt es sich um eine sehr eingängige Nummer, doch ein wenig (zu) albern wirkt das Ganze (gerade im Zusammenspiel mit dem Video) dann doch. Auch wenn es natürlich so gewollt ist – so könnte man als Band allerdings Gefahr laufen, unterschätzt zu werden. Gerade auch, da man mit HERO ON VIDEO nicht gerade den… komplexesten Titel des Albums präsentiert. Aber nun folgt erst einmal das episch angelegte VALLEY OF KINGDOM, ein Song, der endlich wieder uneingeschränkt begeistert. Der Drive in den Strophen ist einfach sagenhaft, der Refrain schon beinahe göttlich, die eingeworfenen Ohh-Ohhs machen zusätzlich Laune. Wer hier nicht zumindest einen Funken gute Laune abbekommt, kann gleich zu Hause bleiben. Man sieht, es geht auch ohne ‚Blödellaune‘ oder Comedy-Aspekte; auch wenn manche den riesigen Kitschfaktor sicherlich schon als ‚comedy‘ bezeichnen würden. KILLER GEAR ist die nächste Nummer, die ein recht unspektakuläres Dasein fristet; und gerade nach einem Titel der vor Energie nur so sprüht eher ein kleines Lichtlein ist. Immerhin ist man auf der neues FREEDOM CALL-Scheibe um Abwechslung bemüht – manchmal könnte man meinen, zwei aufeinander folgende Titel stammen nicht von derselben Band. In diesem Fall: ein gutes Zeichen !

Nun wird’s wieder quietschfidel, und zwar mit der gute-Laune-Hymne ROCKIN‘ RADIO, die glatt als Bandhymne Nummer #1 durchgehen könnte. Denn wie keine andre Nummer macht sie noch einmal deutlich wofür FREEDOM CALL stehen. Wenn auch nicht gerade auf sehr dezente oder subtile Weise, hier steht klar der Fun-Faktor im Vordergrund. Nicht so jedoch bei TERRA LIBERTY – einer grundsätzlich ernsten Nummer, der man eine gewisse ‚Härte‘ attestieren kann. Wunderbar gelungen ist hier der Refrain, der nicht zu sehr nach Larifari klingt, aber dennoch eine hohe Eingängigkeit aufweist. Auch ETERNITY reiht sich hier sinnig ein, und bietet eine angenehme Mischung aus Ruhephasen (Strophen) und einem typisch einprägsamen Refrain. Zwar hat man den Text so oder so ähnlich schon tausendmal gehört, aber es ist doch immer wieder schön einen Adler auf seinem Flug zu begleiten. SPACE LEGENDS ist dann wieder eine der augenzwinkernden Nummern, die auf das heutige, allgemeine ‚Heldentum‘ in virtuellen Welten anspielt. Bleibt POWER & GLORY, eine flotte Nummer mit einer abermaligen gute-Laune-Garantie und ganz, ganz viel Happy Metal für die Lauscher. Ein würdiger Abschluss für das bunte Album, welches das Veröffentlichungsjahr 2012 bereits jetzt schon ein wenig ‚lebhafter‘ erscheinen lässt.

Fazit: LAND OF THE CRIMSON DAWN ist eine rundum gelungene, dazu noch prall gefüllte und gut produzierte Scheibe voller Abwechslung und Höhepunkte. Keinem anderen Metal-Album der letzten Monate kann man einen so hohen Spaß-Faktor beziehungsweise Gute-Laune-Faktor zuschreiben – positive Energien werden zwangsläufig fließen. Das ist bei all dem Kitsch (der aber nun einmal zu FREEDOM CALL gehört) sicher nicht jedermanns Sache – und auch die übertriebenen Comedy-Elemente stören das Gesamtbild. Offenbar gehört dieser ‚Spaß‘ aber ebenso zu FREEDOM CALL wie beispielsweise zu EDGUY – die ebenfalls schmackig-epische Klänge mit augenzwinkernd-komödiantischen mischen; sodass man damit leben muss. Und es auch kann – denn im großen und Ganzen weiss LAND OF THE CRIMSON DAWN großartig zu unterhalten. Ein muss für alle Verehrer von waschechten Metal-Hymnen, und für all jene die das ‚positive‘ im Metal suchen. Ob das nun Regenbogen, ehrenwerte Heldenfiguren oder eine allgemeine ‚Power & Glory‘ sind…

Anspieltipps: CRIMSON DAWN, BACK INTO THE LAND OF LIGHT, VALLEY OF KINGDOM, TERRA LIBERTY

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