Metal-CD-Review: MAERSUNG – Der Unscheinbare Ruf Der Ewigkeit (2012)

Land: Deutschland – Stil: (Melodic) Death Metal

Die Trackliste:

1. Suizid des Alltags 03:35
2. Into a Breathless Dream 03:36
3. Für die Ewigkeit? 04:10
4. The Inconspicious Call of Infinity 05:08
5. Disrespect of Humanity 04:10
6. In our Darkest Hour 05:26
7. A Flight through Nothingness 04:00 instrumental
8. Vergeltung 07:39
9. Frieden 02:54 instrumental

Die Ewigkeit ruft… zwar unscheinbar, aber die Stimmen sind da.

Vorwort: MAERSUNG – das sind Samuel Maier (Bass und Gesang), Martin Lindner (Drums), Oliver König (Gitarre) und Marius Zeinhofer (Gitarre). Die Deutschen Schwarz-Metaller haben 2012 ihr in Eigenregie vermarktetes Debüt-Album veröffentlicht, welches auf den viel versprechenden Titel DER UNSCHEIBARE RUF DER EWIGKEIT hört. Im Vorfeld konnten sie bereits mit einer Demo-CD (4 Songs) auf sich aufmerksam machen, doch im Allgemeinen gilt: MAERSUNG sind noch relativ ‚frisch‘ im Metal-Geschäft und präsentieren sich so als hoffnungsvolle Nachwuchstalente. Ob sie mit dem hier vorliegenden Debüt-Album den Schritt in die richtige Richtung getan haben, soll sich im Verlauf dieser Rezension herausstellen. Ein Dank gilt an dieser Stelle der Band, die Oliverdsw.Wordpress ihr Album freundlicherweise für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt hat.

Kritik: Dann also auf, frohen Mutes an den Silberling von MAERSUNG. Und, was macht man (nahezu) als erstes, wenn man die Scheibe aus ihrer Verpackung geholt hat ? Richtig, man begutachtet sie sorgfältig, und studiert schon einmal das Booklet. Und dieses hinterlässt sogleich den ersten positiven Eindruck – vor allem das Artwork ist äußerst stimmig ausgefallen. Im inneren finden sich alle Songtexte des Albums, sowie die jeweiligen Porträtfotos der Bandmitglieder. Währenddessen läuft auch schon das Album an, welches wie sonst oftmals der Fall nicht mit einem Intro, sondern gleich mit einem vollwertigen Track beginnt – SUIZID DES ALLTAGS. Hier präsentiert sich dem Hörer zum ersten Male die volle Dosis MAERSUNG, die durch einen melodischen, schwarzmetallischen Unterton besticht. Eingängige Riff-Passagen wechseln sich mit flotten Schlagzeugattacken ab, zwischendurch darf dann Leadsänger Samuel Maier dem Hörer zum ersten Male sein Gesangsorgan präsentieren. Und, damit folgt auch gleich die erste Überraschung: irgendwie klingen MAERSUNG nicht wirklich so, als handelte es sich hier um ihr erstes Album. Man merkt ihnen ihre Versiertheit durchaus an – die Instrumentalparts wirken geschickt, der Gesang schön druckvoll und aggressiv; und zudem weist auch die Produktionsqualität keinerlei Mängel auf.

Alles bleibt satt und kräftig – wie auch beim folgenden INTO A BREATHLESS DREAM. Nanu, ein englischsprachiger Titel ? In der Tat handelt es sich bei diesem Album um kein durchgängig auf deutsch dargebotenes, auch wenn man es anhand des Album-Titels durchaus vermuten könnte. So halten sich deutsche und englische Titel in etwa die Waage. Doch das sollte niemanden stören – schließlich ist ein solches Konzept längst Gang und Gebe in vielen der ‚düsteren‘ Metal-Genres, wie dem Death, Black oder Pagan Metal. Wichtig ist nur, dass a) die Übergänge fließend verlaufen, und b) die jeweilige Sprache auch zu 100% vom Sänger beherrscht wird. Glücklicherweise ist das bei MAERSUNG der Fall. Davon abgesehen geht es in diesem zweiten Titel schon etwas flotter zu als noch im Opener, sodass eine recht knackige Nummer entsteht, die Lust auf ‚mehr‘ macht. Dieses ‚mehr‘ folgt dann mit dem nun wieder in Deutsch dargebotenen FÜR DIE EWIGKEIT, ein Titel, der einen kultverdächtigen Beginn aufweist. Doch auch danach geht es munter weiter, wobei die Strophen hier eher als ‚Ruhepol‘ fungieren, sofern man von dergleichen überhaupt im Death Metal-Genre sprechen kann. Wunderbar gelungen ist MAERSUNG hier das hohe Maß an Abwechslung, welches sich besonders durch die später folgende Instrumentalpasssage noch einmal deutlich zeigt.

So wird es nicht langweilig – und das mächtig betitelte THE INCONSPICIOUS CALL OF INFINITY darf folgen. Dieser Titel weist einen ruhig-atmosphärischen Anfangsteil auf, der beinahe hypnotisch wirkt – bis er vom Double-Bass-Gewitter und der rauen Stimme des Sängers abgelöst wird. Wieder markant und äußerst stark: die flotten Riffs, die für ein ansprechendes Maß an Melodiösität sorgen und das Ganze Projekt so etwas ‚fluffiger‘ und nicht zu verbissen erscheinen lassen. DISRESPECT OF HUMANITY ist der nächste Titel im Bunde, der nun wieder deutlich düsterer daherkommt, und bis auf einen kurzen ‚Ausbruch‘ und den Soli-Teil einem ähnlichen Schema unterworfen ist. Grundsolide Kost, aber eben auch nicht mehr. IN OUR DARKEST HOUR startet da schon vielversprechender: ein markanter Schrei stimmt den Hörer perfekt ein, woraufhin sich auch wieder die melodischen Untertöne zurückmelden. Für Abwechslung sorgt hier eine weitere ruhige Instrumentalstrecke gegen Mitte, die in diesem Falle allerdings sehr ruhig ist – sodass eine leichte Disharmonie im Song-Kontext entstehen kann. Gegen Ende heisst es dann natürlich wieder: volle Power an allen Fronten, vor allem auf Seiten der Gitarren und des Schlagzeugs. In der Tat macht gerade dieser Teil enorm Laune, und stellt sich so als kleines ‚Highlight‘ des Albums heraus. Der letzte englische Titel (allerdings nur der Titel, Gesang kommt hier nicht vor) ist A FLIGHT THROUGH NOTHINGNESS, zu Beginn eine Art schwarzmetallische Ballade mit einer ganz besonderen Stimmung. Schön zur Geltung kommt hier der ‚kratzige‘ Gitarrensound, sowie das generell sehr versierte Instrumentenspiel. Doch das Ganze bleibt natürlich nicht so ruhig wie zu Beginn, im weiteren Verlauf wird ein wahres Feuerwerk an Soli-Einlagen und Schlagzeuggedresche zur Schau gestellt.

Ja, so ein kleines Instrumental macht zwischendurch doch auch mal ordentlich Laune – doch nun wird es Zeit für den vielleicht ungewöhnlichsten Titel des Albums, VERGELTUNG. Ungewöhnlich nicht nur, weil er mit knapp 7 Minuten die längste Spielzeit aufweist, nein – vielmehr geht es um die recht aggressiven und expliziten Lyrics, die hier auf den Hörer hereinprasseln. Nun, wenn man in der Stimmung ist, kommt ein solcher ‚Urausbruch‘ der Gefühle sicher gerade recht – wem Titel wie dieser ‚zu hart‘ sind, ist ohnehin falsch im Death Metal-Genre. Als sehr wirkungsvoll stellt sich hier die Methode, zwischen den Strophen immer wieder ein Pause für einen flotten Instrumentalpart zu lassen, heraus. Brutal, und textlich sicher alles andere als anspruchsvoll – aber wirkungsvoll. Sicher ein weiterer Anspieltipp, zudem es scheint, als stünden MAERSUNG die deutschen Titel einen kleinen Tucken besser als die englischen. Zum Abschluss bietet sich dann noch das Instrumental FRIEDEN feil, welches von klassischen Piano-Klängen dominiert wird und eine angenehme Struktur aufweist. Ja, so ’sanft‘ darf auch ein Death Metal-Album enden, wenn es denn der Atmosphäre dienlich ist.

Fazit: MAERSUNG können mit DER UNSCHEIBARE RUF DER EWIGKEIT zwar keinen Innovationspreis absahnen, aber dennoch präsentiert sich das Album überraschend versiert, standfest und stark produziert. Für das nächste Werk können es dann gerne etwas mehr deutsche Titel werden (auch wenn es sich hier stets um eine Geschmacksfrage handelt), und auch an wirklichen Alleinstellungsmerkmalen sollten MAERSUNG noch arbeiten. Jedoch sollte man nicht vergessen, dass es sich hier um ein Debütalbum handelt – und dafür ist das Ergebnis dann in der Tat mehr als zufriedenstellend. Man darf gespannt auf das sein, was die Band uns in Zukunft noch präsentieren wird ! Zum Abschluss gibt es noch ein Live-Video der Band. Weitere Hörproben in guter Qualität gibt es auf MAERSUNG’s Mypsace-Seite (hier klicken) – keep the spirit alive.


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„Kein Meilenstein, aber ein gelungenes Genre-Album.“

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