Filmkritik: „Max Und Moritz Reloaded“ (2005)

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Alternativtitel: Max und Moritz
Regie: Thomas Fryddetzki
Mit: Ben Becker, Harry Baer, Franziska Petri u.a.
Laufzeit: 87 Minuten
Land: Deutschland
FSK: Ab 12
Genre: Komödie

Eine klassische Geschichte in einer zeitgemäßen Neuversion ?

Inhalt: Wer kennt sie nicht, die Lausbubengeschichten von Max (Willi Gerk) und Moritz (Kai Müller), die den Erwachsenen so manchen üblen Streich spielen ? Wer von dieser Geschichte noch nie genug bekommen hat, für den gibt es jetzt Abhilfe: MAX UND MORITZ RELOADED bringt die traditionelle Geschichte in die Zeit der Moderne. So ist es kaum ein Wunder, dass die beiden schon mit 12 Jahren reichlich Alkohol trinken, mit geklauten Autos durch die Gegend brettern, mit ganz großen ‚Wummen‘ hantieren und sogar Sex haben. Der Mutter (Katy Karrenbauer) der beiden ist das alles ziemlich egal, sie macht derweil lieber mit irgendwelchen fremden Typen rum und vergnügt sich so auf ihre Weise. Doch derartige Exzesse sind selbst den Behörden zu viel, weshalb sie die beiden der Stadt verweisen. Doch wohin nur mit den Störenfrieden ? Da bietet sich plötzlich eine Art Bootcamp für schwer erziehbare Kinder an, welches in Ostdeutschland liegt und von den Betreuern Henry (Toni Krahl) und Axel (Sebastian Krumbiegel) beaufsichtigt wird. Vielleicht werden diese beiden ja Erfolg mit ihren ungewöhnlichen Erziehungsmethoden haben ?

Inhalt: Schockschwerenot – wer bereits anhand der kurzen Inhaltsangabe den Eindruck hat, dass irgendetwas an MAX UND MORITZ RELOADED nicht ganz koscher sein kann, liegt damit absolut richtig. Hier handelt es sich um alles andere als einen Film für Kinder oder gar ein pädagogisch wertvolles Werk – es regiert der allgemeine, pure Schwachsinn. Der von noch mehr Elementen aus dem Bereich, den man in guten Komödien grundsätzlich immer zu vermeiden versucht; garniert wird: neben der vorherrschenden Fäkalsprache stehen sexistische, unmoralische und sogar gewaltverherrlichende Inhalte an der Tagesordnung. Aber könnte es sich hierbei um einen eher ’subjektiven‘ Eindruck handeln, versucht der Regisseur nicht genau das mit seinen Darstellungen zu erreichen – dass sich die Gemüter in einer ohnehin schon abgestumpften Gesellschaft mal wieder ‚erhitzen‘ und so neuer Diskussionsstoff entstehen kann ? Doch völlig davon abgesehen ob dem so ist oder nicht – er schlägt mit jeglichen Versuchen, überhaupt irgendetwas auszusagen, gnadenlos fehl. Und präsentiert mit MAX UND MORITZ einen der widerlichsten, stumpfsinnigsten und schlicht ärgerlichsten Machwerke der letzten Jahre. In der Tat hat diese Interpretation von MAX UND MORITZ wenig mit der Buchvorlage von Wilhelm Busch zu tun – und noch viel weniger wird sie einen ähnlichen ‚Kultstatus‘ erreichen. Zum Glück !

Denn im weiteren Verlauf präsentieren sich weitere Elemente, die vor schlechtem Geschmack nur so triefen. Eine Doppeldeutigkeit oder eine zweite Interpretationsebene wird man in den Darstellungen in denen Max und Moritz gefesselt und geknebelt werden, jedenfalls nicht feststellen. So auch nicht in der Darstellungen der fidelen ‚Campbetreuer‘, die als homosexuelles Paar vorgestellt werden und so für eine unverhältnismäßig hohe Anzahl an schlechten Witzen und Klischees herhalten müssen. Zwischendurch und als ‚Intermezzo‘ gibt es hier reihenweise übelerregende Gesangseinlagen spendiert, die teilweise aus dem DDR-Repertoire stammen. In der Tat wird Max und Moritz hier auch politisch, das allerdings ohne jeden Anspruch: Max und Moritz werden an den Kommunismus herangeführt, der hier recht einseitig (aber gerade damit ‚wirkungsvoll‘) dargestellt wird. So dürfen sie hier nach Herzenslust mit großkalibrigen Waffen hantieren, und auch sonst viele geschmacklose Tricksereien erlernen. Irgendwann ist es dann an der Zeit, den Bogen endgültig zu überspannen – und zwar mit dem Porträt eines Luden, hier gespielt von Ben Becker. Wie in aller Welt kann man sich für eine solche Rolle hergeben ? Man weiß es nicht, doch Bilder von einem Erwachsenen, der auf Kinder einprügelt, sie foltert und auf sie uriniert (!), brennen sich eben ins Gedächtnis. Auf welche Art und Weise, braucht man wohl nicht mehr zu erwähnen. Aber natürlich haben es Max und Moritz im filmeigenen Sinne ‚verdient‘, so behandelt zu werden. Das ist doch mal eine Aussage !

So gerät MAX UND MORITZ RELOADED nicht nur grottenschlecht, sondern auch reichlich pervers. Und nein, solche Szenen haben keine Existenzberechtigung in Filmen, was auch immer sich der Regisseur hierbei gedacht haben mag. Es gibt einfach gewisse Grenzen, die man selbst bei einem solch chaotischen Film einhalten sollte. Aber, die ‚Rettung‘ naht auch schon in Form einer Sozialarbeiterin namens Paula Winter (Franziska Petri) – wobei man in diesem Falle noch weniger von einer ‚Schauspielkunst‘ sprechen kann als ohnehin schon…  wieder so ein ‚geschickter‘ Verweis auf die Gesellschaftskultur der heutigen Zeit ? Eine Frage bleibt: was wollte man mit diesem Film nur erreichen, und für welche Zielgruppe war er gedacht ? Erwachsene Zuschauer, die auch nur halbwegs bei Sinnen sind, werden einen großen Bogen um dieses Schundwerk machen. Eine Gefahr besteht allerdings für Kinder – die den Film auf irgendeinem Wege zu sehen bekommen könnten. Dann sollte man ihnen doch eher erlauben, mal einen gruseligen Horrorfilm zu gucken – das hinterlässt weniger Narben als ein Film wie dieser hier. Bleibt der technische Part, der vor allem durch die ständige Musikbegleitung äußerst aufdringlich und regelrecht nervtötend daherkommt. Als kleines Bonbon gibt es haufenweise hektische Schnitte und aufgesetzt wirkende Soundeffekte obendrauf, auf zutiefst unästhetische Bilder folgt so manches Mal eine schöne Landschaftsaufnahme – völlig aus dem Kontext gerissen.

Fazit: Blödeleien hin oder her – es gibt Grenzen. Der Gesetztes, der Moral; oder zumindest des guten Geschmacks. MAX UND MORITZ RELOADED schießt hier in jeder Hinsicht den Vogel ab, und präsentiert sich als völlig verwahrloster Film ohne einen jeglichen Inhalt. Wer glaubt, dass die teilweise erschreckenden Handlungen im Film auch nur ansatzweise verurteilt, oder in einem größeren Kontext erneut aufgegriffen werden, täuscht sich. Alles ist und bleibt so wie es ist: nichtssagend und absolut unlustig. Ein Film, der sich einer jedweden Existenzberechtigung entzieht und derart stumpfsinnig ist, dass es wehtut. Alle die hier beteiligt sind (teils namhafte ‚Stars‘ aus den deutschen Medien) sind zu bemitleiden. doch sie werden ja wissen, was sie da tun – oder etwa nicht… ? Und jetzt endlich ab in die Tonne damit…

2 Gedanken zu “Filmkritik: „Max Und Moritz Reloaded“ (2005)

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