Metal-CD-Review: LABYRINTH – No Limits (1996)

LAnd: Italien – Stil: Melodic Power Metal

Die Trackliste:

01 Mortal Sin
02 Midnight Resistance
03 Dreamland
04 Piece Of Time
05 Vertigo
06 In The Shade
07 No Limits
08 The Right Sign
09 Red Zone
10 Time Has Come
11 Looking For …
12 Call Me
13 Miles Away

Italienischer Metal ohne LABYRINTH ? Nicht Auszudenken.

Vorwort: LABYRINTH wurde im Jahre 1991 in Italien gegründet, unter anderem mit Fabio Lione (später: RHAPSODY) als Sänger. Es dauerte ein wenig, bis die Band ihre erste Demo am Start hatte, und auch bis zum Release des ersten Albums, welches in dieser Rezension Thema ist, verging wieder einige Zeit. 1996 aber war es endlich an der Zeit für MORTAL SIN. 13 Tracks beinhaltet das gute Stück, und bewegt sich irgendwo zwischen traditionellem Heavy Metal und leicht süßlichem Power Metal mit allerlei Keyboardeinsatz. Schauen wir es uns genauer an.

Kritik: Mit dem Opener und gleichzeitig Titeltrack des Albums, MORTAL SIN, starten die Italiener sogleich so richtig durch. Wobei man sagen muss, dass es durchaus etwas ‚gefährlich‘ ist, gleich einen so starken und einzigartigen Titel an den Beginn eines Albums zu stellen… ! Dies spricht natürlich für die Qualität des besagten Stückes, welches wahrhaftig als kleines ‚Wunder‘ bezeichnet werden muss. Fabio Lione muss zweifelsohne als außergewöhnlicher, sehr versierter Sänger bezeichnet werden – der dem Album einen ganz eigenen, unverkennbaren Anstrich verleiht. Und, seine Stimme ist auch variabel genug um sowohl in den flotteren wie auch etwas balladeskeren Stücken zu überzeugen. Wenn nicht gar wie beim Opener zu dominieren – der ein absolutes Kult-Potential aufweist, und in dem auch der Keyboardeinsatz keinesfalls störend erscheint. Im Gegenteil, er verbindet sich mit den anderen Elementen wie der Gitarre und Schlagzeug, und haucht dem Sound von LABYRINTH erst eine Seele ein. Aber, einen kleinen Wermutstropfen gibt es dann doch: die Produktionsqualität ist nicht wirklich als ’sauber‘ beziehungsweise ‚druckvoll‘ zu bezeichnen – ein typisches Merkmal von Debüt-Alben.

MIDNIGHT RESISTANCE ist dann einer der Titel, der zwar grundsätzlich überzeugt, aber auch ein klein wenig langatmig daherkommt. Präsentiert als ‚Halb-Ballade‘ steht hier die Stimme Lione’s klar im Vordergrund. Das Instrumental wird man, übertrieben ausgedrückt, kaum bemerken – erst im späteren Verlauf, wenn es sich der nunmehr etwas gemäßigteren Stimmlage Lione’s anpasst, sowie im Soli-Teil. Was aber auch auffällt, sind die teils merkwürdigen Stimmeffekte: deutlich zu hören ist ein Echo, welches eindeutig zu übertrieben eingesetzt wird; sowie leicht störende Verschiebungen der Stimme im Sinne des linken und rechten Audiokanals. Derartige ‚Experimente‘ wären doch gar nicht nötig gewesen ! Auch DREAMLAND präsentiert sich als deutlich ‚entschleunigte‘ Nummer, die wieder stark an eine Ballade erinnert – aber, und das ist gravierender, auch mit einigen als Popmusik-Anleihen zu interpretierenden Elementen daherkommt. Das klingt dann doch etwas zu ‚harmlos‘ und gewöhnlich, als dass es Begeisterungsstürme auslösen könnte. Anders sieht es dann schon in oder mit PIECE OF TIME aus – obwohl es sich hier ebenfalls um eine deutlich gemäßigtere Nummer mit einem hohen Eingängigkeits-Faktor handelt. Aber, die Riffs sind hier weitaus knackiger, die Metal-Elemente deutlicher im Vordergrund, das Keyboard wird nicht ganz  so überreizt. Und Lione klingt hier auch richtig, richtig gut – und nicht ganz so hoch-peitschend wie in den vorherigen Titeln.

Es folgt VERTIGO, in dem es leider Gottes wieder arg ‚hallt‘ – und das obwohl Lione doch in einem Studio stehen sollte, und nicht in einer Höhle. Im Ernst: derartig übertriebene Echos wirken einfach viel zu künstlich und bemüht. Auch der Metal-Instrumentalteil wirkt etwas… durcheinander (besonders durch die merkwürdigen Zwischengeräusche), um es so auszudrücken. Dafür präsentieren sich LABYRINTH aber erstmals von ihrer etwas härteren Seite, alles erscheint ein wenig rauer, bassiger, schneller und kräftiger als sonst. Lione ist hier übrigens nur zu Beginn zu hören – der Rest ist rein instrumental gehalten – natürlich wieder mit einem enormen Keyboard-Einsatz. Dennoch macht das Stück irgendwie Spaß. IN THE SHADE ist der nächste Titel, der sogleich von einem markanten Schrei Lione’s eingeleitet wird. Diese ‚Power‘ wird allerdings nicht gehalten, es präsentiert sich eine weitere, etwas melancholische Halb-Ballade. Allerdings eine mit einem ansprechenden Text und eine guten, klaren Performance von Fabio Lione. Kein wirkliches Highlight, aber eine solide Nummer. NO LIMITS ist dann der erste Titel des Albums, der vor Kitsch geradezu zu zerbersten droht – hier geht es dann doch etwas zu süßlich zu, gerade was das Keyboard betrifft. Die Wassergeräusche wirken ebenfalls nicht sehr stimmungsfördernd, eher plump – lediglich die knackige Soli-Passage gegen Ende erweckt dann wieder einen deutlicheren Metal-Eindruck. Der Rest könnte – ohne das Schlagzeug – aber beinahe als Popmusik firmieren.

Auch THE RIGHT SIGN besitzt Keyboard-Passagen noch und nöcher – offenbar hat man es sehr mit diesem Element bei LABYRINTH. Wieder ist Lione’s Stimme nur auf einem Kanal zu hören (zeitweise) – und überhaupt wirkt das Ganze viel eher wie eine Musikuntermalung zu einem alten Computerspiel aus der 8-Bit-Zeit. Das ist dann doch etwas zu viel des Guten. RED ZONE ist dann schon wieder ‚mehr‘ Metal, auch wenn man vor den irgendwie witzigen Keyboardeinlagen ein weiteres Mal nicht gefeit ist (im Refrain). Gegen Mitte macht des Ganze durch eine verspielte Soli-Passage mit dicker Double-Bass-Untermalung wieder weitaus mehr Spaß. TIME HAS COME präsentiert sich als weitere Ballade, die stark auf den Kitsch- und Trieffaktor drückt und sich so reichlich süß und melodramatisch inszeniert. Das kann man mögen, muss es aber nicht. Dann doch schon eher das atmosphärische LOOKING FOR, welches sich erstmals wunderbar ’sphärisch‘ und verträumt in Szene setzt und durch die dezenten Akustikgitarren-Klänge und Pianotapser sowie den leicht verzerrten Gesang markant von den anderen Titeln abhebt. CALL ME verschenkt einen Großteil seines Potentials durch die enorm langatmigen Strophen, doch der Refrain kommt endlich mal wieder mit einem treibenden Doublebass und etwas mehr Power daher. Bleibt MILES AWAY als Finalstück – und, es geht doch. Wenn schon eine Ballade, dann doch eher eine in dieser Form. Gut, dass hier ausnahmsweise mal auf das Keyboard (größtenteils) verzichtet wurde. Es dominieren eingängige Riffs, emotionale Gesangspassagen und ein genereller ‚Cosmic‘ Metal-Eindruck – eben so, als würde dieser Song nicht von dieser Welt stammen. Somit schließt sich der Kreis von einem sehr guten Outro zu einem sehr, sehr guten Opener.

Fazit: Zeitlos Lyrics, tolle Kompositionen und Songstrukturen, ein großartiger Sänger – eigentlich hat LABYRINTH’s MORTAL SIN alles, was ein gutes Debütalbum braucht. Allerdings gibt es dann doch noch einige Abzüge in der B-Note, die vor allem von der noch nicht zufriedenstellenden Produktionsqualität herrühren. Und auch das Keyboard hätte man so manches Mal ruhig in der Ecke stehen lassen sollen, Dinge wie die übertriebenen Hall-Effekte auf der Stimme stören auch eher als dass sie eine positive Wirkung hätten. Und, die Band sollte sich überlegen, etwas mehr ‚Biss‘ in ihre Songs zu legen, sodass etwaige Pop-Ansätze endgültig ausgemerzt werden. Einige Stücke klingen nämlich etwas zu sehr nach ‚Larifari‘, doch das werden sie sicher noch in den Griff kriegen. Ein grundsolides Debütalbum mit einem starken Opener, dass man sich in die Sammlung stellen sollte. Aber für die Zukunft darf es dann gerne noch einen deutlichen Tucken besser / origineller / einzigartiger werden…

Anspieltipps: MORTAL SIN, PIECE OF TIME, MILES AWAY

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