Metal-CD-Review: WUTHERING HEIGHTS – To Travel For Evermore (2002)

Land: Dänemark – Stil: Melodic / Progressive / Power / Folk Metal

Die Trackliste:

1. Behind Tearstained Ice
2. The Nevershining Stones
3. Dancer In The Light
4. Lost Realms
5. Battle Of The Seasons
6. A Sinner´s Confession
7. See Tomorrow Shine
8. Through Within To Beyond
9. River Oblivion
10. When The Jester Cries (Bonus)

Wer WUTHERING HEIGHTS nicht kennt, verpasst etwas. Etwas ganz großes.

Vorwort: WUTHERING HEIGHTS, das ist eine recht ungewöhnliche Bandformation aus Dänemark. Ungewöhnlich deshalb, da sie sich verschiedenen Stilrichtungen des Metal verschrieben haben – so ist sie am ehesten dem Power Metal zuzuordnen, doch enorme Progressive- und Folk-Anleihen sind ebenfalls nicht ausser Acht zu lassen. Das kann ja heiter werden, denkt man – und genau das wird es auch. Schließlich sind WUTHERING HEIGHTS wie keine zweite Band um Abwechslung bemüht, scheuen sich aber auch nicht davor, wenn es darauf ankommt auch auf super-eingängige Arrangements zu setzen.

Kritik: TO TRAVEL FOR EVERMORE beginnt bereits wunderbar orchestralisch, und zwar mit dem atmosphärischen Intro BEHIND TEARSTAINED ICE. Hier ist den Dänen eine ansprechende Mischung aus Folk, Filmmusik und Metal gelungen – die Lust auf das Album wird entfacht. Der Übergang zum Opener THE NEVERSHINING STONES klingt leicht mystisch angehaucht, und was sich dann seinen Weg durch die Boxen bahnt, ist zweifelsohne beeindruckend. Nun, viele Bands machen einen expliziten ‚Opera-Metal‘ – der sich angeblich für eine traditionelle Aufführung eignen würde, da die Songs angeblich eine Geschichte erzählen und zudem wunderbar lebhaft an den Mann gebracht werden – angeblich. So muss man sich auch WUTHERING HEIGHTS vorstellen – allerdings, und das ist ganz wichtig; muss man das ‚angeblich‘ hier drei mal streichen ! Die Band schafft es tatsächlich, fantastische Geschichten zu erzählen – und das, als ob es das normalste der Welt wäre. Die Mischung aus ‚hartem‘ Metal und dezenteren Akustik-Passagen und den tänzelnd-leichten Folk-Einlagen geht vollends auf – bereits dieser Opener, der eine Spielzeit von knapp 6-einhalb Minuten hat, bietet soviel Abwechslung wie bei anderen Bands ein ganzes Album nicht. Respekt.

Und die Arrangements klingen wunderbar versiert, wie auch das Instrumentenspiel im gesamten. Hier gibt es rein gar nichts zu meckern, das ganze geht runter wie (feinstes) Öl.Wie auch DANCE IN THE LIGHT – wieder so ein Titel, der alles andere als ‚plump‘ oder ’simpel‘ daherkommt. Unglaublich viele Höhen und Tiefen, Breaks und Wandlungen sorgen für einen hohen Unterhaltungswert. Nun beginnen die etwas längeren Titel des Albums, von denen LOST REALMS der erste ist. Hier begibt man sich schlicht auf eine eindrucksvolle Reise, voller Spannung und voller Abenteuer – es geht kontinuierlich nach vorne, die Wandlung des Titels von einer eher zaghaft-langsamen Folk-Hymne, über eine bühnenwürdige Opern-Stimmung hin zu einem Metal-Brecher der Extraklasse begeistert. Und diese Gitarrensoli mit den leicht sphärischen Elementen im Hintergrund… der Wahnsinn. BATTLE OF THE SEASONS ist der zweite ‚epische Titel im Bunde, ebenfalls mit einer Laufzeit von über 8 Minuten – und der beginnt sehr Keyboard- und Gitarren-lastig. Die Überraschung folgt sogleich und beim warten auf die Lyrics – es sind keine vorhanden, es handelt sich um ein reines Instrumental. Aber was für eins… ! Und es hört nicht auf, die Qualität wird mit Titeln wie A SINNERS CONFESSION zweifelsohne gehalten, wenn nicht gar Stückchen um Stückchen auf ein ganz hohen Niveau angehoben. Verspielt, abwechslungsreich; dabei immer majestätisch, wenn nicht geradezu unantastbar – man darf sich verneigen.

Es folgt SEE TOMORROW SHINE, ein Titel, der mit einem mächtigen Scream und druckvollen Instrumentalpassagen eingeleitet wird. Danach folgt erneut ein sagenhaft atmosphärischer Strophen-Teil. Der Refrain sticht dann noch einmal aus dem Kontext hervor, ’scheint‘ geradezu über den etwas düster-mystischen Kontext des Titels hinaus, gleich einem Licht im Dunkeln. THROUGH WITHIN TO BEYOND wirkt erst wie eine Ballade, entpuppt sich dann aber auch als enorm abwechslungsreicher, wohlstrukturierter Titel mit dem gewissen Etwas. Dann kommt RIVER OBLIVION, ein enorm ruhiges Stück mit Gänsehaut-Garantie. Eine derart gefühlvolle, ehrliche Ballade hört man sonst selten. Da bei WUTHERING HEIGHTS nichts so bleibt wie es ist – ausser die Qualität – wandelt sich auch dieses Stück hie und da, in der Mitte krachen laute Metal-Elemente in die Szenerie, nur um danach wieder in der Symphonie aus Akustik-Gitarre und Soundtrack-Orchester zu verschwinden. Und auch der Folk-Anteil wird zum Ende hin noch einmal deutlich gesteigert. Hat man das Glück und kommt in den Genuss des Bonus-Tracks WHEN THE JESTER CRIES, bietet sich dem Hörer ein weiterer, mehr als solider Stampfer-Titel mit Mitwipp-Garantie und ganz und gar düsteren Elementen, die einem einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Ein grandioser, fulminanter Abschluss eines aussergewöhnlich guten Albums !

Fazit: Bei einem Werk wie TO TRAVEL FOR EVERMORE Kritik anzuführen, wäre schon beinahe ein Sakrileg, da es schlicht rundum gelungen erscheint. Dennoch gibt es ein oder zwei kleine Wermutstropfen, der Vollständigkeit halber: zum einen wirkt die Produktionsqualität nicht absolut ’sauber‘, das heisst nicht so kristallklar und druckvoll wie man es sich vielleicht wünschen würde. Und zum anderen ist der Leadsänger zwar äusserst versiert, doch auf Dauer kann er in Sachen Vielfalt einfach nicht mit den komplexen Arrangements mithalten. In jedem Fall haben sich WUTHERING HEIGHTS mit diesem aussergewöhnlichen, sozusagen absolut ‚filmreifen‘ Album ihren Weg an die Spitze des Power Metal-Genres geebnet. Es gilt, TO TRAVEL FOR EVERMORE einzulegen, und sich tatsächlich und wortwörtlich auf eine ‚Reise‘ zu begeben – WUTHERING HIGHTS macht dies dem Hörer so leicht wie kaum eine andere Band. Man darf gespannt sein auf das, was da noch kommen mag… !

Anspieltipps: Alle !

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