Metal-CD-Review: BALFLARE – Sleeping Hollow (2008)

Land: Japan – Stil: Melodic Power Metal

Die Trackliste:

01. The Day Falls
02. Bird Cage
03. Celestial Winter
04. The Dunes
05. Rise On The Ashes
06. When The Hollow Sleeps
07. Waking In Silence
08. Tormenter
09. Sail To The Horizon
10. The Eye Of Pharaoh
11. Pray For Rosalia

Was soll man machen, wenn man mit dem Vorgängeralbum eines der besten überhaupt abgeliefert hat… ?

Vorwort: Nach THOUSANDS OF WINTERS OF FLAMES (2005) und TEMPEST (2006) folgt im Jahre 2008 nun das nächste Album der Japanischen Melodic Power-Metaller um Leadsänger Eijin Kawazoe. Die bisherige musikalische Entwicklung der Band kann durchaus als ‚beachtlich‘ bezeichnet werden – während das erste Album noch stark an produktionstechnischen Mängeln und einer generellen Unstrukturiertheit litt, war TEMPEST der bisherige Höhepunkt ihrer Karriere. Im Review (siehe hier) räumte es sagenhafte 10 von 10 Punkten ab – viel besser kann es also nicht werden, die Frage ist nur, ob sie dieses Niveau mit SLEEPING HOLLOW halten können. Es sieht zumindest gut aus – wieder einmal ist es die nette Aufmachung der CD, die sofort ins Auge sticht und die Vorfreude auf guten Japanischen Power Metal erst so richtig weckt.

Kritik: Wie schon beim Vorgänger gibt es kein handelsübliches Intro serviert – sondern gleich einen Uptempo-Brecher par excellence. Dieser hört auf den Namen THE DAY FALLS, und startet BALFLARE-typisch durch. Das heisst: neben den treibenden Drums und Gitarren gibt es reichlich extravagantes zu hören, wie die klassisch angehauchten Spinett-Sounds oder den äusserst dicken Keyboard-Teppich. Jedoch gilt hier – glücklicherweise – wieder einmal: BALFLARE klingen einfach wenig kitschig, sondern vielmehr wie absolut ernstzunehmende Musiker. Durch die unterstützenden Organ-Sounds könnte man gar an eine Art Filmmusik denken – wenn, ja wenn da nicht die äusserst flotten Metal-Elemente und der gefühlvolle Gesang wäre. In der Tat – auch wenn der spezielle englische ‚Slang‘ des Japanischen Leadsängers nicht bei jedem ankommen wird. Doch für mich und die meisten sollte es wohl wie schon beim Vorgängeralbum lauten: gerade diese urige Aussprache entwickelt schnell einen ganz eigenen Charme. Jedoch, und das wird man zweifelsohne feststellen, hat dieses Opening schon nicht mehr die geballte Kraft eines AWAKENING, wie es auf dem Vorgänger vertreten war. Es ist so, wie es oftmals ist: wirklich einzigartige, sich jeder Kritik entziehende Songs scheint so manche Band nur ein einziges Mal. Aber sehen wir weiter – immerhin knüpft der Refrain schon deutlich an den ‚Spirit‘ des großartigen Vorgängers an.

Es folgt BIRD CAGE, ein etwas getrageneres Stück voller Melancholie und Nachdenklichkeit. Entsprechend ‚ruhig‘ kommt es auch daher, die Gitarren und Drums sind beinahe gar nicht zu hören – die hier schon eher ‚kitschig‘ wirkenden Soundtrack- und Klassik-Elemente dominieren das allgemeine Klangbild. Auch sonst weist der Song nicht unbedingt vielerlei Highlights auf – so wird der Refrain des öfteren wiederholt. Offenbar geben sich BALFLARE nun stärker den balladesken Stücken hin, wie auch das folgende CELESTIAL WINTER aufzeigt. Immerhin stechen die Gitarren hier wieder etwas deutlicher hervor, was dem Song sehr gut steht. Doch der etwas ‚lamentierende‘ Gesang begeistert nicht wirklich, das Instrumental bleibt relativ überraschungsarm. Lediglich im Refrain mag man so richtig an eine Ballade denken – doch im großen und Ganzen bleibt CELESTIAL WINTER eher ein weder-noch Titel. In THE DUNES legen die Japaner dann aber doch nochmal richtig los – hier haben wir das nächste Uptempo-Stück nach dem Opener. Und, das geht erneut recht gut ins Ohr – auch wenn es komischerweise so wirkt, als wären die Drums hier weitaus ‚aufdringlicher‘ gehalten als noch auf dem Vorgängeralbum. Interessante Instrumentalpassagen in der Mitte werten den Titel abermals auf, gefolgt von einem sehr ansprechenden Solo. Doch so wirklich will das Album nicht zünden… warum ?

Tatsächlich scheint es, als ginge BALFLARE langsam aber sicher die Abwechslung verloren – viele Songs ähneln sich einfach zu stark, zumal es immer wieder die selben Elemente sind, die in den einzelnen Titeln hervorstechen. Im Detail sind das: die klassischen Spinett-Klänge, die zwar zu hörenden, sich aber meist zurückhaltenden Gitarren und die ’sphärischen‘ Keys. So auch in der folgenden Midtempo-Ballade RISE ON THE ASHES, die erneut nicht viel neues zu bieten hat. Der Sänger lamentiert über ein Instrumental, welches man bereits zu kennen glaubt – nur der Refrain schafft es aus diesem ‚Tal der Tränen‘, und vermittelt zumindest ein paar klitzekleine Emotionen. Das Songwriting ist allerdings kaum noch mit dem des Vorgängers zu vergleichen. Einige Textpassagen wirken hier sogar ausserordentlich kitschig, wenn nicht gar plump dargeboten. Mit WHEN THE HOLLOW SLEEPS folgt ein Interlude, leider Gottes eines der merkwürdigen Art: hätte man doch bloss die unpassenden Stimmen weggelassen ! Denn ansonsten präsentiert sich ein recht stimmiges, mysteriöses Klangbild mit Wettergeräuschen und leisem Vogelgezwitscher.

Rumms – nun ist es an der Zeit für WALKING IN SILENCE. Hier gelingt die Verknüpfung von satten Keyboards, Gitarren und treibenden Drums erstmals wieder zu 100% zufriedenstellend – auch wenn sich ein gewisser Eindruck des Kitsches sicher nicht verleugnen lässt. Das Ganze klingt schon arg weichgespült, und lediglich durch das schnelle Schlagzeug auf ‚hart‘ getrimmt. Aber, wenn man schon einen echten Ohrwurm auf diesem Album sucht, dann sollte die Wahl auf diesen Titel hier fallen. Denn Titel wie TORMENTOR locken niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Wieder sind es die selben BALFALRE-Elemente, die kaum noch abgeändert werden und so langsam aber sicher leicht ‚abgenutzt‘ erscheinen. All das mag für ein oder 2 Alben funktionieren – doch irgendwann schlägt die ‚Innovation‘ eben in einen musikalischen ‚Alltag‘ um. Auch SAIL TO THE HORIZON knüpft an diese nicht mehr ganz so spannende Stimmung an, und serviert grundsolide Power Metal-Kost – nicht mehr, und nicht weniger. Immerhin hat man sich hier bemüht, mit einer weiblichen Gaststimme für Abwechslung zu sorgen – warum diese dann aber nur 2 Sekunden zu hören ist, muss man nicht verstehen. Klar, der Soli- und Instrumentalpart ist nett, kann aber nicht über die fehlenden Ideen hinwegtäuschen. Mit THE EYE OF PHARAO (hm, muss da nicht noch ein ‚THE‘ dazwischen ?) bemüht man sich nun erstmals, etwas ‚orientalischere‘ Klänge mit in den Kontext einzubinden, was auch ganz passabel klappt. Aber dennoch muss auch dieser Titel eher als Langweiler bezeichnet werden, da vor allem die Strophen recht merkwürdig vom Leadsänger dargeboten werden. Überhaupt, was ist da nur los mit dem ‚Lamentieren‘ ? So wehleidig und kraftlos ging es doch auf dem Vorgängeralbum noch nicht zu ? Der Finale Titel PRAY FOR ROASALIA ist dann unglücklicherweise eine weitere Ballade, die das Gesamtbild nicht mehr nennenswert aufwerten kann.

Fazit: BALFLARE, das ist schon eine Band der Merkwürdigkeiten. Man könnte auch plump fragen: was ist da nur los, was ist nach dem zweiten Album geschehen ? Denn: das erste war absolut in Ordnung und zeigte das Potential der Band auf, das zweite war eine absolute Granate – und jetzt liegt das dritte vor, welches viel eher als bessere Einschlafhilfe bezeichnet werden kann. Es finden sich unverhältnismäßig viele ruhige, balladeske Stücke auf dem Album, und auch die gegensätzlichen schnellen Titel klingen längst nicht mehr so ‚ehrlich‘ wie auf dem Vorgänger. Im Gegenteil, es scheint als wurde das Schlagzeug einfach nur nach dem Motto ‚Hauptsache flott‘ gequält, danach einige äusserst süffige Keyboardpassagen darübergelegt – und fertig ist der neue BALFLARE-Titel. Was auf dem Vorgängeralbum noch innovativ klang, wird hier langsam aber sicher zur Geduldsprobe – die immer gleichen klassischen Elemente (Spinett) können nicht mehr überzeugen, und auch der Sänger scheint hier einfach nicht mehr ganz so viel ‚Spaß‘ zu haben. Er klingt nun immer wehleidiger, lustloser – wie auch die Kompositionen im gesamten. Wenn dieses Album ein Schritt in eine neue Richtung darstellen soll, dann kann ich nur sagen: es ist gewiss die falsche ! Da greife ich doch lieber wieder zum verspielten, aber längst nicht so kitschigen TEMPEST.

Anspieltipps: THE DAY FALLS, WALKING IN SILENCE

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