Metal-CD-Review: BALFLARE – Tempest (2006)

Land: Japan – Stil: Symphonic Power Metal

Die Trackliste:

1. Awakening
2. End This Misery
3. Hollow The Dusk
4. Out break
5. Toward Fall
6. Burning Wild
7. A False Charge
8. Storm Lord
9. Reaching For The Sky
10. Black Raven
11. End Of Time

Hätte NEON GENESIS EVANGELION einen Metal-Soundtrack…

Vorwort: Habe ich im Review zum Debütalbum von BALFLARE nicht gemutmaßt (siehe hier), dass es im Falle eines Nachfolgers deutlich professioneller und angenehmer zugehen würde was die Produktionsqualität betrifft ? In der Tat, nur ein Jahr später folgt mit TEMPEST das zweite offizielle Album der Band – und das sieht mal super-vielversprechend aus. Wagen wir einen (zweiten) Blick hinein in die Welt der Japan-Metaller mit den genialen Cover-Artworks.

Kritik: Ich habe es doch gesagt – es wird besser werden. Dass es allerdings so gut werden würde, hätte auch ich nicht gedacht. BALFLARE liefern mit AWAKENING den Opener schlechthin ab. Wahrlich, es ist selten dass ein Album so stark beginnt – der Titel hat alles, was man als geneigter Fan am Power Metal-Genre zu schätzen weiss – und noch so viel mehr. Relativ ‚typisch‘ für das Genre ist die wummernde Uptempo-Instrumentalisierung mit treibendem Doube-Bass und flotten Riffs, aber was sich da noch alles im Hintergrund versteckt spottet beinahe einer Beschreibung. Es tummeln sich sowohl klassische Instrumente (Spinett) wie auch zutiefst atmosphärische Keyboardpassagen, die perfekt in den Kontext des Titels eingebunden werden. Und, mit Eijin Kawazoe hat man zudem einen neuen Leadsänger gewonnen – der den alten (ich will ihn nicht schlechtmachen, aber…) um Längen schlägt. BALFLARE verstehen als einige der wenigen Bands wirklich, was es mit dem Begriff ‚episch‘ auf sich hat. Zeitlos, bombastisch, unglaublich ausdrucksstark – die Überhymne mit einem Anspruch auf einen ganz hohen Platz in jeglichen Alltime-Power Metal-Charts.

Es ist sicherlich kein leichtes, dieses hohe Bombast-Niveau zu halten – doch auch das folgende END THIS MISERY weiss klar zu punkten. Hier regiert ein leicht melancholischer Unterton, den man aufgrund der spielfreudigen Instrumentalisierung jedoch glatt zu überhören droht. Sicher, BALFLARE haben einen sehr keyboardlastigen Sound, doch im Gegensatz zu vielen anderen Bands wirkt dieser keinesfalls plump, billig oder aufgesetzt. Er erfüllt schlicht seinen Zweck, und steuert ein gehöriges Maß an gefühlter Erhabenheit und Extravaganz zu jedem einzelnen Titel hinzu. Extrem wirkungsvoll sind auch die starken Instrumentalpassagen, die zeitloser nicht hätten ausfallen können. Und wer glaubt, BALFLARE spielten einen zu ‚kitschigen‘ oder ‚harmlosen‘ Power Metal, der solle doch bitte auch einmal seine Aufmerksamkeit auf die perfekt gespielten Drums und die wirklich guten Riffs und Soli lenken. Mit HOLLOW THE DUSK folgt das einzige Interlude des Albums, welches genauso gut als Intro hätte fungieren können. So reiht es sich als klassisch angehauchtes, an Filmmusik erinnerndes Atmosphäre-Stück in das Album ein – auch gut. Denn mit OUTBREAK folgt ohnehin schon der nächste Brecher, mit dem man durch die Power Metal-Szenerie stampft dass es eine wahre Freude ist. In den Strophen holt man den Hörer wieder etwas herunter, von dem hohen Ross auf dem er aufgrund der reichlich erhabenen Musik zu sitzen glaubt – nur um im Refrain wieder alle Grenzen zu sprengen und nach vorne zu preschen. Immer markant und mit von der Partie: die eingängigen Strukturen, die perfekten Arrangements und das ganz, ganz große Kino.

Aber auch in Sachen Poesie und vermittelter Nachdenklichkeit brauchen sich BALFLARE keinesfalls zu verstecken. Auch wenn es stärkere Balladen als TOWARD FALL gibt – doch gerade der enorm klassische, sphärisch-erhabene Instrumentalteil weiss hier zu überzeugen. Ganz heimlich, still und leise. Leider, ja leider gibt sich auch der Leadsänger dieser Stimmung hin, und singt hier in einer etwas merkwürdigen Tonlage, sich irgendwo zwischen einem Flüsterton und leisem Hauchen bewegend. Aber auch das macht nichts, denn spätestens ab der Hälfte des Titels beginnt schon die nächste Entwicklung, die die potentiell dazugehörigen Bilder nur so sprießen lässt. Vor dem geistigen Auge, versteht sich – schließlich gibt es keinerlei Musikvideo von der Band. Gut, TOWARD FALL war nun nicht das Glanzlicht des Albums… aber wie steht es denn dann mit BURNING WILD ? In der Tat hat dieser Titel als einer von so vielen potentiell berechtigen einen Anspruch auf diese Attribuierung. Wahnsinn – das Ganze könnte man beinahe als verspielte Hymne der fröhlicheren Art bezeichnen – jedoch driften BALFLARE niemals in Bereiche der Lächerlichkeit ab. ein schier unglaublicher, mitreissender Drive hält den Hörer bei Laune, eine spätere Instrumentalpassage zeigt nocheinmal das ganze Können der Beteiligten Musiker, vor allem die Gitarren werden hier ordentlich strapaziert. Bis hin zu einem abermals äusserst epischen Finale.

A FALSE CHARGE ist wiederum einer der ruhigeren Titel, der zwar einen ordentlichen Double-Bass aufweist – doch die Gitarren kommen hier eher hintergründig zum Einsatz, das Keyboard dominiert. Man könnte also von einer Art Ballade sprechen – die jedoch weitaus mehr Emotionen freisetzt als TOWARD FALL. Gibt es denn überhaupt noch ‚echte‘ Tiefpunkte auf TEMPEST ? Offenbar nicht, denn STORM LORD ist wieder so ein episches Monster, das vor allem im Refrain zum alles andere blass wirkenden Finalschlag ausholt. Nun, REACHING FOR THE SKY beginnt als relativ unspektakuläre Ballade, die zudem noch mit einem etwas ‚verstimmt‘ wirkenden Leadsänger aufwartet. Zugegeben, er klingt hier etwas merkwürdig, leicht ‚froschig‘ wenn man so will – auch wenn das Ganze absichtlich so inszeniert ist. Dafür wird man mit einem netten, dezenten Refrain entschädigt. Schreiten wir voran zu BLACK RAVEN, entdecken wir einen weiteren sehr markanten Titel, der durch den besonderen Rhythmus sofort hervor sticht. Man muss sich schon ein wenig an die Mischung aus (etwas zu flottem) Double-Bass und Soundtrack gewöhnen – doch sofern diese Hymne genommen ist, kann man vollends einsteigen. In der Tat sind es die Tempo-Wechsel und der Umgang mit demselben, die diesen Titel auszeichnen – so wie letztendlich auch der Refrain. Episch, episch, episch. Wie auch der fulminante Abschluss END OF TIME, der noch einmal alle Geschwindigkeitsregister zieht und auch sonst wunderbar melodisch und kraftvoll daherkommt.

Fazit: Hymne reiht sich an Hymne… BALFLARE verstehen es wie keine zweite Band, eine gewisse ‚Erhabenheit“ an den Hörer zu übermitteln. Denn genau so sehen so gut wie alle Songstrukturen auf dem Album aus: sie sind erhaben, perfekt umgesetzt und absolut zeitlos. Die Mischung aus treibenden Metal-Elementen und beschwichtigenden Keyboard-Sounds sowie einigen klassischen Anleihen ist einzigartig, und verleiht dem Album einen zusätzlichen epischen Touch. Auch könnte man sich das Ganze perfekt als Soundtrack vorstellen, oder als eine Art Metal-Oper, oder… die Liste ist endlos. Der Leadsänger mag für manche als ‚Geschmackssache‘ einzustufen sein, gerade aufgrund der speziellen englischen Aussprache – doch im großen und Ganzen sollte hier der Charme überwiegen. Immerhin ist er schon wesentlich (!) besser zu verstehen als sein Vorgänger. Nur eines ist sicher: BALFLARE haben sich mit TEMPEST ihren Platz auf dem Wertungsthron mehr als verdient. Eine absolute Empfehlung für alle, die auch nur ansatzweise etwas mit dem Power Metal anfangen können. BALFLARE und SKYWINGS – zwei Formationen aus Japan, mit denen man rechnen sollte.

Anspieltipps: Bis auf TOWARD FALL eigentlich ALLE…

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Ein Gedanke zu “Metal-CD-Review: BALFLARE – Tempest (2006)

  1. Endlich gelang die Entschlüsselung des Refrains von AWAKENING…

    Can you hear my name ?
    I want to shout it out, and to say
    Do you know ?
    Going straight ahead
    The past is gone, no turning back
    Here I am
    Dawn always shines as it leaves the night.

    Unbedingt noch an der Aussprache arbeiten… da kommt man nur mit viel Fantasie drauf^^
    Es bleibt bei einer Über-Hymne und dem vielleicht besten BALFLARE-Titel bisher.

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