Metal-CD-Review: EDDY ANTONINI – When Water Became Ice (1998)

Land: Italien – Stil: Symphonic Power Metal

Die Trackliste:

1. J.S. Bach (English Suite N° 2 : Bourré I)
2. Sun (Keeper of the Dreams)
3. Twilight
4. Dream
5. Fear of the Moon
6. The Crypt of Montmartre : the Valley / the Crypt
7. Rufus
8. Andromeda
9. Shooting Star / I Want Out
10. When Water Became Ice
11. J.S. Bach English Suite N° 3 : Prelude / English Suite N° 2 : Sarabande

Darf es gerne auch mal etwas kitschiger sein… ?

Vorwort: Nach den ersten Erfolgen mit seiner Band SKYLARK veröffentliche EDDY ANTONINI im Jahre 1998 ein Solo-Album, auf welchem der Allround-Musiker seiner Passion am Keyboard noch mehr frönen konnte als ohnehin schon. Natürlich liess er es sich nicht nehmen, alle SKYLARK-Mitglieder für Gast-Performances mit an Bord zu holen. Aber, in wie weit würde sich das Solo-Album von der Diskografie SKYLARKs abheben, ja; war es in diesem Sinne ’nötig‘ ein unabhängiges Album zu produzieren, reichen die Ideen ? Nun, diese Frage kann man sogleich beantworten: natürlich reichen sie. Wir reden hier schließlich von EDDY ANTONINI !

Kritik: Es war zu erwarten, dass ein klassisch inspiriertes Album wie WHEN WATER BECAME ICE auch mit Referenzen auf die ‚ganz Großen‘ der Klassik gespickt sein würde. Und so hören wir im Intro JOHANN SEBASTIAN BACHs ENGLISH SUITE N2, eine Suite die von einer markant-intensiven Spinett-Melodie getragen wird. Hier gibt es rein gar nichts zu beanstanden – das Stück wird hervorragend und stilsicher vorgetragen, und steht stellvertretend für die besondere Atmosphäre des Albums. Es folgt der Opener SUN (KEEPER OF THE DREAMS), in dem sich Mr.Antonini zum ersten Mal so richtig auslassen kann. Und, das macht er auch; und stellt dabei zweifelsohne seine herausragende Fähigkeit als Musiker und Komponist heraus. Eine beachtlich komplexe Songstruktur und perfekt aufeinander abgestimmte Instrumente lassen langsam aber sicher die geradezu ‚epischen‘ Dimensionen des Albums erahnen. Wahrlich, Herr Antonini versteht sein Handwerk – auch wenn gewiss nicht alles Gold ist was glänzt. Gerade die (absolut wohlklingenden) klassischen Elemente wissen klar zu dominieren – was in diesem Fall aber zur Folge hat, dass die Metal-Elemente ähnlich wie Bands wie HAGGARD ein wenig zu plump, leicht schlechter produziert und schlicht wenig spektakulär daherkommen. Auch der Gesang kann nicht wirklich begeistern, das Keyboard wird mehr als nur überstrapaziert. Die absolute Vorreiterband auf diesem Gebiet, die ebenfalls in die etwas ‚kitschigere‘ Ecke des Power Metal einzuordnen ist, bleibt nun einmal RHAPSODY OF FIRE – oder aber auch deren Mastermind LUCA TURILLI mit seinem Solo-Projekt.

Ebenfalls nicht als ‚perfekt‘ zu bezeichnen ist die Produktionsqualität auf WHEN WATER BECAME ICE. Sie mag für ein 1998’er Projekt in Ordnung sein, und schlägt die früheren SKYLARK-Releases in dieser Hinsicht bei Weitem – doch insgesamt wirken mancherlei Elemente noch immer ein wenig übersteuert, die Stimme manchmal zu flach in Szene gesetzt, es fehlt an Druck. Dies ist jedoch nicht der Fall bei den klassischen Elementen, wobei es gerade im Opener eine aussergewöhnliche Spinett-Instrumentalüpasssage zu hören gibt. Mit Titel Nummer 3 folgt TWILIGHT, ein Titel der schon deutlichere Metal-Elemente aufweist, und zudem durch Antonini’s SKYLARK-Kumpel Fabio Dozzo eine besondere Note erhält. Schade ist nur, dass auch hier deutliche Defizite in der Produktionsqualität beziehungsweise Abmischung zu hören sind. Die Keyboard-Elemente wirken viel zu aufdringlich, und wie auch teilweise der Gesang mit einem zu starken HAll-Effekt versehen. Dennoch handelt es sich hier um eines der stärkeren Stücke auf dem Album. Auch das folgende DREAM kann punkten – als rein klassische Ballade mit sehr angenehmen Gesang. FEAR OF THE MOON kommt wiederum äusserst Piano-belastet daher, wobei besonders der Introteil äusserst künstlich wirkt. Danach wird es aber stetig besser, auch wenn die kurzen Chor-Einwürfe als laienhaft bezeichnet werden müssen. Ein späterer Klassik-Teil wertet den Titel auf – jedoch stehen diese Klassik-Passagen recht allein auf weiter Flur, und entziehen sich somit dem eigentlichen Kontext der Songs.

Es folgt der episch angelegte 2er-Titel THE CRYPT OF MONTMARTRE, welcher mit einer für das Genre typischen Erzählpassage eingeleitet wird. Jedoch klingt diese einstweilen unfreiwillig komisch, auch, da man vor Klischees keinerlei Halt macht. Nach ganzen 3 Minuten beginnt endlich ein stärkerer Instrumentalteil, der sich stetig steigert und auf einen Höhepunkt zusteuert. Der Sound ist dabei einerseits klassisch orientiert, andererseits hebt er sich durch das leicht ’sphärische‘ Klangbild von anderen Titeln ab. Der zweite Teil des Titels wartet nun endlich mit Metal-Anteilen auf, die sich auch hören lassen – exakt bis zu dem Moment, in dem der Sänger einsteigt. Der klingt hier doch recht kraft- und ausdruckslos, zusammen mit der schwächer werdenden Instrumentalisierung entsteht so ein lauwarmer Kitsch-Titel ohne eine jegliche Besonderheit. Bis zu dem Punkt, in dem die reinen Instrumentalpassagen wieder die Oberhand gewinnen, und durch einen netten Klassik- beziehungsweise Soudntrack-Touch durchaus zu brillieren wissen. RUFUS kommt dagegen schon wieder etwas straighter daher, und weist einen deutlich stärkeren Metal-Part auf. Doch auch hier gilt: in Verbindung mit dem Gesang und den genötigten Keyboards entsteht ein viel zu weichgespülter Eindruck. So kommt es, dass eher Stücken Wie ANDROMEDA der Vortritt zu lassen ist, die mit rein klassischen Arrangements aufwarten und weder mit Gesang noch mit Gitarren, Drums und Co untermalt sind.

Interessant wird es mit SHOOTING STAR / I WANT OUT. Der erste Teil beinhaltet ein enorm keyboard-lastiges Intro, welches durch die plumpe Bass-Line und den teilweise flüsternden Gesang etwas ‚billig‘ wirkt. Der zweite Teil beinhaltet eine Cover-Version eines nur allzu bekannten Titels: I WANT OUT von HELLOWEEN. Ja, muss das denn sein ? Zwar kann man nicht sagen dass es sich um eine ganz und gar schlechte Cover-Version handelt. Doch das, was HELLOWEEN so besonders machte, wird hier vollkommen ad acta gelegt. Durch plumpe Keyboards und eine generelle ‚Verniedlichung‘ des Instrumentals geht das Teil weder als Klassik- noch als Metalstück durch. Zum Ende hin holt Mr. Antonini dann noch einmal weit aus, und setzt mit dem Titeltrack WHEN WATER BECAME ICE zum finalen SChlag an. Hierzu kann man nur eines sagen: Keyboard-Overload ! Hinzu gesellt sich ein erneut wenig spektakulärer Gesang. Es wird nach 1 oder 2 Minuten zwar etwas besser, jedoch gilt hier klar Kitsch vor Qualität. Als Outro wählte man  wieder ein klassische Stück von JOHANN SEBASTIAN BACH. Nun ja, das wirkt, ist aber nichts neues mehr.

Fazit: Oh Schreck, was für ein… kitschiges Album ! Selbst hart gesottenen RHAPSODY-Fans sollte das Werk von EDDY ANTONINI schon ein wenig zuviel des guten sein. Zwar ist der Ansatz, klassische Elemente mit dem Power Metal zu vermischen ein lobenswerter, vor allem Ende der 90er gern gewagter – doch hier scheitert man letztendlich durch die absolut überdosierten, oftmals billig wirkenden Keyboard-Elemente. Zudem werden die offensichtlichen Klassik-Anteile stark von den anderen abgegrenzt, sodass man nicht wirklich von einer ‚Mixtur‘ sprechen kann. Auch der Gesang ist alles andere als markant, stark oder aussergewöhnlich, das Songwriting hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl. Schließlich bieten die Texte so gut wie nichts nennenswertes, doch an und für sich muss man EDDY ANTONINI zugestehen, dass er sinnige Strukturen entwerfen kann und ein generell gutes Gefühl für Musik hat. Für Freunde des etwas experimentelleren Metals mit deutlichem Soft- und Kitschfaktor eventuell noch ein Genuss, alle anderen können ja mal ein Ohr riskieren. Ansonsten gilt.: wenn schon Kitsch, dann bitte BOMBAST-Kitsch a’la RHAPSODY. Die verstehen es auch viel besser, die klassischen Elemente in ihre Songs einzuflechten…

Anspieltipps: TWILIGHT

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