Filmkritik: „Beyond The Sea“ (2004)

Originaltitel: Beyond The Sea
Regie: Kevin Spacey
Mit: Kevin Spacey, Kate Bosworth, Brenda Blethyn, mehr
Laufzeit: 119 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 6
Genre: Drama / Biografie

Eine Biografie mal (erfrischend) anders.

Inhalt: Noch bevor seine musikalische Karriere richtig begann, hatte der junge Bobby Darin (William Ullrich) bereits mit einer schweren Krankheit zu kämpfen. Die Ärzte rechneten ihm keine großen Chancen aus, sprachen gar von einigen wenigen verbleibenden Jahren. Daher sorgte sich Bobby’s Mutter umso mehr um ihren Sohn, und versuchte ihn so gut es ging aufzumuntern und ihm das Leben dennoch lebenswert zu gestalten. Nicht zuletzt mit Hilfe der Musik – was letztlich eine große Passion in ihm weckte. Er fing an zu tanzen, Klavier zu spielen… und schon bald träumte er von einer ganz großen Karriere. Und tatsächlich, später sieht es recht rosig aus für den sich mittlerweile doch im Erwachsenenalter befindenden Bobby (Kevin Spacey). Er hat sogar einige kleine Rollen in Filmen zu spielen – wobei er während eines Filmdrehs die wunderschöne Schauspielerin Sandra Dee (Kate Bosworth) kennenlernt. Die beiden heiraten später, und feilen an ihren Karrieren. Doch es scheint, als würde Bobby der Karriere den Vorzug geben – sehr zum Missfallen seiner Ehefrau. Sandra wird bald darauf schwanger und bekommt einen kleinen Jungen – was Bobby endgültig dazu zwingt, den Spagat zwischen Karriere und Familie erfolgreich zu meistern. Aber ist ihm das überhaupt noch möglich – zumal sich sein Gesundheitszustand nach all der Zeit wieder merklich verschlechtert ?

Kritik: BEYOND THE SEA beschäftigt sich mit dem Leben des Musikers und Entertainers Bobby Darin (1933 – 1973), und beleuchtet dabei alle wichtigen Stationen seines bewegten Lebens – angefangen bei seiner frühesten Kindheit. Bobby Darin ? In der Tat ist ein derart biografisch inspiriertes Werk ungewöhnlich, zumindest für einen abendfüllenden Spielfilm der im normalen Programm läuft. Man möchte am ehesten an eine filmisch ‚aufgepeppte‘ Biografie denken – die wahrscheinlich etwas langatmig ausfallen oder auf allgemeines Desinteresse stossen müsse. Doch weit, weit gefehlt – BEYOND THE SEA ist ein zeitlos großartiges Porträt eines persönlichen Lebenswerkes und -weges. Und eben auch ein solches, welches auch Nicht-Fans der Musik oder jene, die mit der Person Bobby Darin selbst bisher noch nicht viel anfangen konnten, begeistert. Mitverantwortlich dafür ist vor allem ein grandioser Kevin Spacey, der hier einmal mehr sein Allround-Talent unter Beweis stellt. Wie es eine musikalische Biografie verlangt, spielt er Bobby Darin nicht nur sehr glaubwürdig und sympathisch – sondern nimmt auch seinen Platz in den perfekt umgesetzten Tanz- und Singszenen ein. Und, das steht ausser Frage: Mister Spacey singt und schwingt das Tanzbein so gut, dass es eine wahre Freude ist. Eine äusserst erheiternde, unterhaltsame noch dazu.

Während sich die erste Hälfte des Films eher mit seiner früheren Kindheit und seinen ersten Erfahrungen als Musiker und Schauspieler beschäftigt; fokussiert sich die zweite expliziter auf den Wendepunkt seiner Karriere. Hierbei wird ein gleichsam ‚gerechter‘ Fokus auf die glücklichen Seiten seines Lebens, wie seine Gefühle zu seiner Frau und seinem Sohn, aber auch auf die Schattenseiten seines Lebens und Erfolges gelegt. diese sind vor allem gekennzeichnet durch einen allgemeinen Stress, eine innere Zerrissenheit – und die ständigen Streitereien, die er so auch auf seine Frau projiziert. Doch selbst wenn es manchmal stark danach aussieht, würde ihre Liebe so gut wie alles überstehen – sie kann und muss es, nicht zuletzt für den gemeinsamen Sohn. Und dies ist nur eine der markanten, universellen Botschaften des Films, die dem Zuschauer wenig aufdringlich, aber sehr herzlich präsentiert werden. Wahrlich – mann sollte sich unbedingt auf diesen Film, diesen persönlichen Lebensweg einlassen – dann wird man auch in der Lage sein, sich seine ganz eigenen Botschaften zu entnehmen und auf sich selbst anzuwenden. Und quasi ganz ’nebenbei‘ erfährt man mehr über das Leben eines einflussreichen und wichtigen Musikers.

Besonders wichtig ist natürlich auch die persönliche Wandlung von Bobby Darin selbst. Obwohl der Film gerade einmal eine Laufzeit von knappen 2 Stunden aufweist, bekommt man als Zuschauer durchaus das Gefühl, als würde er ein recht breitgefächertes Spektrum an Themen und Zeitebenen abdecken. Dies ist sicherlich der guten Arbeit Spacey’s auf dem Regiestuhl zu verdanken – hier wurde genau darauf geachtet, welche Inhalte man in den Film nehmen wollte und welche nicht. Alles wird akribisch, dabei jedoch niemals länglich oder gar langatmig porträtiert: Bobby’s Kindheit, seine ersten Bühnenauftritte, seine größten Erfolge, der Wendepunkt, seine weitere Karriere; sein Rückzug; seine politischen Pläne. So viel passt in einem Film, der zudem noch mit einigen Tanz- und Gesangsdarbietungen aufwartet ? In der Tat, sofern man sein Handwerk als Filmemacher wirklich beherrscht. BEYOND THE SEA ist ein wirklich schönes Stück Film geworden, welches der Zuschauer hauptsächlich Kevin Spacey zu verdanken hat. Doch auch die anderen Darsteller wie Kate Bosworth, John Goodman, Bob Hoskins; und ganz besonders auch der eher unbekannte William Ullrich – der den jungen Bobby spielt – machen einen ausgezeichneten Job. Die allgemeine Optik ist ansprechend, der Schnitt angenehm, die Szenenaufbauten komplex. Und selbst wenn mal ein wenig ‚getrickst‘ werden musste, wie bei einer Tanzszene die in Berlin gedreht wurde (unpassendes Wetter) – dann sieht das Ergebnis stets ausserordentlich stimmig aus.

Fazit: BEYOND THE SEA kann zweifelsohne als allgemeine Film-Empfehlung gesehen werden – auch für jene, die sich in Anbetracht der Stichworte ‚Biografie‘ und / oder ‚Bobby Darin‘ eher abwenden würden. Es ist fast so, als ob der Film eine übergeordnete ‚Magie‘ besäße – wie man sie am ehesten aus guten Zeichentrickfilmen oder animierten Werken kennt. Die Vielzahl von universellen, sehr lebensnahen Botschaften runden diesen Eindruck ab. Aber letztendlich schinden vor allem die großartigen Tanzperformances mächtig Eindruck – ganz besonders die ersten 3 großen; die Mittlere, sowie die am Ende. Ein Erwachsener Bobby Darin, der technisch perfekt mit seinem jüngeren Alter Ego tanzt um so mit sich selbst ins Reine zu kommen ? Etwas besseres wird man auch in expliziten ‚Tanzfilmen‘ nicht sehen, eher im Gegenteil. Eine echte Überraschung, ein bemerkenswertes Andenken an einen verstorbenen Musiker – beide Daumen hoch !

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