Metal-CD-Review: AINA – Days Of Rising Doom – The Metal Opera (2003)

Land: International – Genre: Metal-Oper

Die Trackliste:

1.Aina Overture
2.Revelations
3.Silver maiden
4.Flight of Torek
5.Naschtok is born
6.The beast within
7.The siege of Aina
8.Talon´s last hope
9.Rape of Oria
10.Son of Sorvahr
11.Serendipity
12.Lalae amer
13.Rebellion
14.Oriana´s wrath
15.Restoration

Disc 2
1.The story of Aina (Instrumental)
2.The beast within (Single Version)
3.Ve toúra sol (Rape of Oria) (Ainae Version)
4.Flight of Torek (Single Version)
5.Silver maiden (Alternate Version)
6.Talon´s last hope (Demo)
7.The siege of Aina (Single Version)
8.The story of Aina

Sagenhafte Metal-Oper oder schlicht ein irreführendes Projekt ?

Vorwort: AINA – das ist das Stichwort für ein höchst ungewöhnliches Band- und Kollabokonzept. Unter der Leitung des Produzenten Sascha Paeth wurde eine Vielzahl von bekannten Musikern geladen, einen Teil zu einer ‚Metal-Oper‘ der ganz besonderen Art beizutragen. Und tatsächlich – besieht man einmal das aufwendig gestaltete Booklet zur Doppel-CD, so wird einem klar, dass hinter DAYS OF RISING DOOM eine ganze Menge Arbeit und Herzblut steckt. Aber würde das Konzept-Album der Bezeichnung als möglichst epische ‚Metal-Oper‘ letztendlich auch gerecht werden – oder wird viel eher lauwarme Durchschnittskost geboten ? Eines ist dann aber recht schnell feststellbar – ein jeder Künstler und eine jede Künstlerin, die auf diesem Album vertreten ist, ist das nicht ohne Grund. Sie alle haben eines gemeinsam: sie waren vorher in den verschiedensten Bands und Projekten aktiv, sodass man ihnen zweifelsfrei unterstellen kann, dass sie alle etwas können.

Kritik: Das Album wir mit der AINA OVERTURE eingeleitet, einem reinen Instrumentalstück mit leichtem Soundtrack-Touch. Und, das Stück verspricht viel – es weckt die Lust nach komplexen Arrangements, epischen Chören und gefühlvollen Fantasy-Balladen. Vor allem dann, wenn man das nett gestaltete Booklet gleichzeitig dazu in der Hand hält. Ein treibender Double-Bass als Grundlage, ein paar schrammige Gitarren und Fantasy-orientiere Keyboardpassagen… ja, das könnte etwas werden. Doch besehen wir lieber das erste ‚richtige‘ Stück des Albums, den Opener REVELATIONS. Das Teil klingt überraschend gut – und das besonders zu Beginn. Über die musikalische Grundlage eine sanft klimpernden Gitarrenspur wird hier ein ansprechender Gesang, sowohl interessanterweise auch mal ein ‚richtiger‘ Kinderchor (eine Seltenheit im Metal) gelegt, sodass die Vorbereitungsphase mit bester Gänsehaut voranschreitet, bis zum sagenhaft kräftigen Break. Der wirkt schon fast wie eine kleine ‚Explosion‘, in der die Kräfte aller Instrumente erstmals richtig entfesselt werden. Im weiteren Verlauf entsteht so ein durchaus angenehmer Titel, der vor allem in Sachen Abwechslung viel zu bieten hat. Man hört also keine reine Uptempo-Haudraufnummer, sondern ein relativ vielschichtiges, versiertes Stück mit dem gewissen etwas und einem netten, melodischen Finale.

Das nächste Highlight ist dann sogleich das folgende SILVER MAIDEN, welches die um AINA gesponnene Fantasy-Welt voller Sagen und Mythen zum ersten Male wirklich greifbar erscheinen lässt. Der Instrumentalteil ist sagenhaft, und bietet eine exzellente Bandbreite an epischen Klängen, die an gute Soundtracks zu großen Kino-Fantasy-Sagen erinnern. Auch die Folklore kommt hier nicht zu kurz, doch letztendlich brilliert das Stück vor allem auch durch den starken, gefühlvollen Gesang von Michael Kiske. Ja richtig, DER Michael Kiske, der einst mit HELLOWEEN deutsche Musikgeschichte schrieb. Dieses Stück hat allerdings keinerlei Metal-Anteile – sodass man nur hoffen kann, dass der Begriff der ‚Metal-Oper‘ nicht umsonst derart stark propagiert wird und das nicht nur die eher klassisch angehauchten Stücke zu begeistern wissen. Immerhin hat nun ein allseits bekannter Tobias Sammet mit FLIGHT OF TOREK die Chance, auch für einen guten Eindruck der Uptempo-Nummern zu sorgen. In der Tat feuert das Stück recht ordentlich los, und wird mit einer kräftigen Portion Druck und Kraft serviert. Die Strophen machen Laune, einige Hintergrundgeräusche sorgen für Abwechslung, nur: es gibt ein kleines Problem. Den Refrain und den Mittelteil nämlich ! Denn hier wird ein Großteil des Potentials wieder verschenkt, man verzettelt sich in nicht wirklich harmonischen Kompositionen anstatt der Eingängigkeit den Vortritt zu lassen. So verliert der Titel gerade im späteren Verlauf an Reiz, vor allem auch durch die eher ‚behelfsmäßig‘ wirkenden Chor- und Instrumentalpassagen.

Es folgt NASCHTOK IS BORN, ein Stück welches eigentlich begeistern und fesseln sollte – doch man hat viel eher das Gefühl, als befände man sich auf einer Durststrecke. Denn: eine nennenswerte Spannung bleibt aus, wirkliche Highlights bietet das Stück nicht – und zudem wirkt der Gesang ein wenig wie künstlich auf das Instrumental gepropft. Von einer wirklichen Harmonie aus Text, Gesang und Musik kann man also auch in diesem Fall nicht wirklich sprechen. Verantwortlich für den Gesang ist hier übrigens Thomas Rettke (HEAVENS GATE) – wie auch im folgenden THE BEAST WITHIN. Dieser Titel wirkt schon ein stückweit versierter, auch wenn es hier eindeutig an Innovation mangelt. Einzig die etwas düster angehauchten Hintergrundgesänge (gegen Mitte) sorgen für ein wenig Abwechslung und Atmosphäre, doch allgemein regiert auch hier eher eine gähnende Langeweile – und ein ganz ähnlicher Gesamteindruck wie schon beim Vorgängertitel. Da nützt es auch nicht viel, wenn das Schlagzeug zumeist ordentlich Stoff gibt – die anderen Elemente (Gesang, Gitarren, Keyboards) stehen in einer deutlichen Disharmonie zum Grundgerüst des Titels. Mit THE SIEGE OF AINA greift man erneut auf die düsteren Hintergrundgesänge aus dem vorherigen Titel zurück, und garniert sie zusätzlich mit einigen vom Kinderchor dargebotenen Passagen. Das klingt zumindest interessant – auch wenn hier Klassik (Chor) und Metal (Gitarren und Drums) nicht so recht zusammenpassen wollen. Danach feuert man auch in diesem Titel eine recht dicke Instrumentalisierung ab, die allerdings und leider abermals von einem recht unspektakulären Gesangspart garniert wird.

Auch TALON’S LAST HOPE als vermeintlich ‚epischer‘ 6-Minüter strotzt nicht gerade vor kompositorischer Innovationsfreude, im Gegenteil, es wartet mit einem äusserst minimalistischen Instrumentalteil auf. Der leicht Soul-lastige Gesang reisst ebenfalls niemanden vom Hocker, das Ganze wirkt wie eine Art ‚Lounge‘ Rock – einer Musik, die man bestenfalls irgendwo im Hintergrund laufen lassen kann damit wenigstens irgendetwas läuft, aber sich auch nicht zu viele daran stören. Bei RAPE OF ORIA handelt es sich um ein Stück welches als reines Instrumental beginnt – später gesellt sich eine sanfte Frauenstimme hinzu, und im Zusammenspiel mit den Klavier- und Orchesterbetonten Parts entsteht zumindest ein grundsolider Eindruck. Der nächste Titel hört auf den Namen SON OF SORVAHR – bei dem wieder ein Großteil des Potentials verspielt wird. Warum nicht zumindest ein einziges Mal einen wirklich straighten, epischen Brecher in das Sortiment aufnehmen ? Aber nein, erneut dominiert ein eher gemäßigter Gesang, eine fade Instrumentalisierung, ein mittelprächtiges Tempo und einige Elemente, die das Ganze in alle erdenklichen Richtung bugsieren – nur nicht in die einer ‚Metal-Oper‘. Bei SERENDIPITY handelt es sich nun um einen auf ’schön‘ getrimmten Titel, der zumindest teilweise eine gewisse Atmosphäre etablieren kann – auch dank der stimmigen Hintergrundgeräusche und dem kurzen Einsatz des Kinderchores. Allerdings wird es jedem, der bei RHAPSODY OF FIRE & CO aus ‚Kitschgründen‘ abschaltet, die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. LALAE AMER ist wiederum ein etwas merkwürdiges Zwischenspiel aus leicht orientalisch angehauchten Klängen, das aber weder besonders ‚episch‘, erhaben; noch besonders gefühlvoll oder atmosphärisch wirkt. Lediglich die hier zu hörende ‚Fantasiesprache‘ wirkt originell.

Besser spät als nie – REBELLION ist nun endlich einmal ein Stück, welches eine gewisse ‚Würze‘ innehat; und durch den mehrstimmigen Gesang bei einer gleichzeitig treibenden Instrumentalisierung erstmals wieder an eine Art ‚Oper‘ denken lässt. Und, Überraschung: auch ORIANA’S WRATH weiss endlich wieder etwas markanter zu punkten. Hier hört man erstmals richtig engagierte Sänger / Erzähler, die sich wirklich in ihre Charaktere hineinversetzen und eine entsprechende Ausdruckskraft an den Tag legen. Auch der Instrumentalteil weist nach den vielen Durststrecken erstmals wieder so etwas wie eine spürbare Diversität auf – zumindest sind die hier investierten 6 Minuten Hörzeit weitaus abwechslungsreicher und schlicht ’spannender‘ als 4 oder 5 komplette Tracks aus der Mitte des Albums. Bleibt das abschließende RESTORATION, das noch einmal einige der Stimmungen vom Album aufgreift und zu einem ’neuen‘ Song kombiniert. Das gelingt ganz passabel, auch wenn verständlicherweise nichts grundsätzlich neues mehr erwarten darf, mit Ausnahme der etwas druckvolleren Instrumental-Vertonung und die eingeworfenen, verzerrten Samples. Kurzum: Das Album hat seine starken Momente, doch diese sind nur sehr, sehr vereinzelt vorzufinden. De facto: ganz zu Anfang (Titel 1,2; eventuell 3) und zum Ende hin (Titel 13, 14). Aber es bleibt ja noch eine zweite Bonus-CD… die jedoch nicht wirklich sinnvoll erscheint, leider Gottes. Hierauf finden sich lediglich Demo- und Alternativ-Versionen der Titel von CD 1, sowie ein längeres Orchesterstück. Einmal in einer reinen Instrumentalversion, die wahrlich nicht viel hergibt – und einmal in einer sprachlich vertonten Version, die an ein Hörbuch erinnert. Das kann man sich anhören, doch andererseits wirken die 15 Minuten Dauerbeschallung (auch mit teilweise merkwürdigen Sprechern) dann auch ein klein wenig aufdringlich und viel zu komprimiert dargeboten.

Fazit: Bei DAYS OF RISING DOOM handelt es sich zweifelsohne um ein sehr ambitioniertes Projekt – doch eine Frage bleibt bestehen. Warum klingen Alben von Bombast-Liedermachern wie RHAPSODY OF FIRE, den ebenfalls sehr orchestralen und Chor-lastigen FAIRYLAND oder der gute alte Klassik-Metal-Mix von HAGGARD viel eher nach einer ‚Metal-Oper‘ voller Glanz, Glorie und spannenden Geschichten als dieses Mammutalbum hier – welches sich diese Bezeichnung explizit auf die Stirn schreibt ? Sicher, dieses Album hat ein viel deutlicheres Konzept, einen markanteren internen Zusammenhang als dies bei anderen der Fall wäre – und eine halbwegs akzeptable Fantasy-Geschichte, die grundsätzlich Potential bietet. Doch den wirklichen Fehler begeht man mit der Musik, mit den einzelnen Titel unabhängig voneinander betrachtet. Denn hier regiert vor allem eines: die pure Langeweile. Eine gefühlte ‚Matschigkeit‘, die Verwässerung der Kompositionen führt letztendlich zu einem unbefriedigenden, enorm künstlich wirkenden Gesamtergebnis – welches kaum Highlights bietet, dafür aber unglaublich viele ‚Lückenfüller‘. Man wartet einfach förmlich darauf, dass dieses oder jenes ‚Interlude‘ vorüberziehen würde – doch diese ‚Zwischenspiele‘ sind in Wahrheit bereits die Songs. Es ist in etwa so, als würde man LUCA TURILLI’s PROPHET OF THE LAST ECLIPSE links liegen lassen und zu seinem späteren, grottenschlechten Werk LOST HORIZONS greifen – ein echtes SAKRILEG eben. Da fragt man sich doch schon: wozu all der Aufwand, das Aufheben, die Promotion ? Sicher, Geld verdienen lässt sich damit – doch man sollte es sich ehrlich eingestehen. Ein unter geradezu minimalistischen Umständen verwirklichtes und produziertes Album wie OF WARS IN OSYRIA von FAIRYLAND (mit nur EINER Sängerin, die alle hier vertretenden aber locker in die Tasche steckt) wirkt zig mal erhabener, epischer, unterhaltsamer – und bietet weitaus mehr Abwechslung in Form von wahren Höhepunkten und ruhig-besinnlichen Momenten. Zumindest würde ich viel lieber dieses Album in Form einer ‚Oper‘ aufgeführt wissen als DAYS OF RISING DOOM – bei der ich wahrscheinlich vorzeitig den Saal verlassen würde. Eine ‚Metal-Oper‘ sollte nicht zwangsläufig gähnende Langeweile hervorrufen – doch genau das tut dieses Album hier, bis auf maximal 3, 4 oder 5 Ausnahmen. Schade !

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