Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Heading For Tomorrow (1990)

gammaray_headingfor_500

Land: Deutschland – Stil: Melodic Power / Speed Metal

Die Trackliste:

01. Welcome (1:00)
02. Lust for Life (5:01)
03. Heaven can wait (4:23)
04. Space Eater (4:34)
05. Money (3:40)
06. The Silence (6:20)
07. Hold your Ground (4:48)
08. Free Time (5:01)
09. Heading for Tomorrow (14:30)
10. Look at yourself (4:42)

Kai Hansen’s Reise geht nach seinem Ausstieg bei HELLOWEEN munter weiter…

Vorwort: Es war einmal vor langer Zeit… als  ein gewisser Kai Hansen als DAS Hauptaushängeschild eines 1985 erschienen Albums fungierte. Die Rede ist von HELLOWEEN’s Debütalbum WALLS OF JERICHO, auf dem er sowohl den Gesang als auch einen Großteil der Gitarrenarbeit übernahm. Die seitdem überaus erfolgreiche Deutsche Speed Metal-Band HELLOWEEN legte daraufhin zwei weitere exzellente Alben vor, die legendäre KEEPER OF THE SEVEN KEYS-Saga – jedoch gab Kai Hansen hierbei das Gesangsszepter an seinen neuen Kollegen Michael Kiske weiter. Er konzentrierte sich fortan nur noch auf die Gitarrenarbeit – aus Gründen einer zu deftigen Doppelbelastung als Sänger und Gitarrist. Doch das hat im dann einige Jahre später offensichtlich doch nicht mehr ‚gereicht’… und so ward im Jahre 1989 der Weg zu einer weiteren legendären Metal-Formation geboren: GAMMA RAY. In seinem ganz ‚eigenen‘ Bandprojekt würde Kai Hansen nun weiterhin seine Arbeit an der Gitarre verrichten, und zusammen mit einigen neuen Kollegen ordentlich solide Metal-Kost produzieren: Ralf Scheepers (Gesang), Uwe Wessel (Bass) und Mathias Burchadt (Schlagzeug). 1990 war es dann soweit – HEADING FOR TOMORROW erschien als Debütalbum der Band. Ja, in wie weit würde sich der damals ’neu geborene‘ Sound von GAMMA RAY von dem HELLOWEEN’s unterscheiden ? Würde es Kai Hansen wirklich gelingen, nach den beiden KEEPERS-Alben mit seiner neuen Band etwas gleichwertiges auf den Markt zu bringen ? Eine Frage, die man heute längst nicht mehr stellen braucht. Natürlich ist ihm das gelungen, und mehr noch: manche behaupten sogar, dass GAMMA RAY schon Anfang der 90er HELLOWEEN von der Kultposition #1 als ‚beste‘ Deutsche Power / Speed Metal-Band abgelöst haben. Werfen wir dazu noch einmal einen genaueren Blick auf das Debütalbum.

Kritik: In der Tat startet HEADING FOR TOMORROW in etwa so, wie man es von einem KEEPER OF THE SEVEN KEYS Part 3 erwartet hätte. Ein kurzes, stimmungsmachendes Intro mit dem Titel WELCOME führt den Hörer gespannt in das Album ein. Viel ist noch nicht zu hören – doch das Interesse ist mehr als geweckt, die Lauscher sind gespitzt. Und Rumms – schon bricht der Opener LUST  FOR LIVE gleich einem entfesselten Sturm los, und hinterlässt als ‚positive‘ Metal-Hymne einen gleichsam freudigen wie ehrlichen Eindruck. Ein wenig verspielt, zutiefst melodiös, aber noch viel mehr ‚Heavy‘ ist dieses Stück, welches zudem mit einer wahnwitzigen Soli-Gitarrenpassage aufwarten kann. Und es auch vermag einen gewissen Ralf Scheepers in das Rampenlicht zu rücken – der sich wie zuvor schon Michael Kiske bei HELLOWEEN als wahres Naturtalent herauskristallisiert. Besonders gelungen ist auch sein Auftritt im folgenden HEAVEN CAN WAIT, einem weiteren Kult-Klassiker der Band – der vor allem mit einem gleichsam melancholischen wie zeitlosen Refrain punkten kann. Auch die Strophen sind überaus versiert inszeniert, hierbei handelt es sich zweifelsohne um einen der Titel, den man immer und immer wieder hören kann ohne dass er an Ausdruckskraft verliert. Mehr als kultverdächtig ist hier auch die Passage vor dem Solo, beziehungsweise das melodische Solo selbst – der Wahnsinn. Und wieder wird einem klar, dass die glorreiche Geschichte, die zuvor von HELLOWEEN begonnen wurde, nun mit GAMMA RAY weitererzählt wird. HEAVEN CAN WAIT TIL ANOTHER DAY !

Ein klein wenig experimenteller geht es dann im folgenden SPACE EATER zu, dass mit einer sagenhaft dicken Bass-Line aufwartet und zudem einige eher ungewöhnliche Samples mit einbringt. Auch Scheepers passt sich in dieser Hinsicht innovativ an – und sorgt mit dem Wechsel von eher tieferen, leicht flüsternden Gesanglagen (Strophen) hin zu sagenhaft kristallklar-hohen (im Refrain) für ordentlich Abwechslung. Das dezente, aber dennoch markante Schlagzeug sorgt für den nötigen Drive, in Kombination mit dem kultigen Songtext und dem leichten SPACE-Touch ergibt sich so eine weitere zeitlose GAMMA RAY-Hymne. Dann folgt auch schon MONEY – mit Sicherheit einer der amüsanteren Titel der Band. Aber, was ist das ? Die Instrumentalisierung fällt reichlich kräftig und äusserst flott aus, sodass in der Verbindung mit dem absichtlich auf etwas schräg getrimmten Gesang von Scheepers und Hansen (der hier seinem neuen Kollegen ein wenig aushilft) ein äusserst innovativer Gesamteindruck entsteht. Extravagante Samples und irre Choreinlagen machen eines klar: hier haben die Jungs ordentlich Spaß gehabt. In der Tat lassen GAMMA RAY den Begriff ‚Innovation‘ auf ihrem Debütalbum zum allgegenwärtigen Motto werden – das folgende Stück THE SILENCE ist grundsätzlich eine Ballade mit leichten Klaviertönen, doch das Maß an gebotener Abwechslung ist schier unglaublich. Da wechselt man beherzt und als ob es das normalste der Welt wäre von der einen Stimmung in die andere, mal geht es besinnlich-ruhig zu, mal regieren dann doch wieder die typischen Bombast-Passasgen. Und über allem schwebt der wunderbare Gesang von Ralf Scheepers und der dezente Klang der Hintergrundchöre. Superb !

HOLD YOUR GROUND ist ein Titel, der wieder einmal stark nach ‚Kult‘ klingt – und der später auch von diversen Bands gecovert wurde. Das ist ganz großes Power- / Speed Metal-Kino, welches kaum Wünsche offen lässt. Tolle Riff-Linien und ein hohes Maß an Eingängigkeit ohne Kitsch garantieren einen unverfälschten Hörgenuss. Mit FREE TIME folgt nun ein weitere Titel aus der Fun Metal-Sparte, der einfach nur Laune macht. In der Tat, ein wenig simpel wirkt er durchaus, auch was den Text betrifft – doch für eine luftige Lust-und-Laune Nummer zwischendruch ist es genau das richtige. Ausserdem muss man sich auch in irgendeiner Form auf die Titelhymne HEADING FOR TOMORROW vorbereiten, die immerhin satte 14 einhalb Minuten lang ist. Leider gibt es auch ein kleines Problem in Anbetracht dieser Spielzeit: das Stück kann nicht wirklich durchgängig überzeugen, gerade die sehr lange Instrumentalphase zu Beginn, die eher weniger mit Metal zu tun hat, wirkt nicht wirklich ’satt‘ instrumentalisiert. Danach (etwa nach der Hälfte) geht es dann schon wieder etwas brachialer zu, was nur gut ist. Aber auch hier stören die sich wiederholenden Ausrufe eher als das sie wirklich begeistern. Hier fehlt einfach der nötige Pfiff, die nötige Innovation, die mit den vorherigen Titeln noch so beinhart gefeiert wurde. Zum Abschluss gibt es dann noch einen Cover-Titel, LOOK AT YOURSELF, der allenfalls solide ist; aber ebenfalls eher absackt wenn man ihn mit den anderen großartigen Nummern auf dem Album vergleicht.

Fazit: Man könnte HEADING FOR TOMORROW vielleicht als ‚Nachfolger‘ zu den KEEPERS-Alben bezeichnen – schließlich ist der Sound insgesamt ein recht ähnlicher, was aber nicht negativ auszulegen ist. Schließlich ist für dieses Werk Kai Hansen, einer der großen, ehemaligen Köpfe von HELLOWEEN, verantwortlich… und der macht seine Sache mal wieder überaus gut, wie auch alle anderen Bandmitglieder. Vor allem Scheepers überzeugt mit seinem variablen Gesang, die Abwechslung unter den Stücken sorgt für einen zusätzlichen Reiz. Es gibt gnadenlos epische Hymnen, mal etwas melancholischere Klänge, mal beinahe-Balladen, mal reine Fun Metal-Stücke – für jeden ist etwas dabei, langweilig wird es nicht. Lediglich in Bezug auf die letzten beiden Titel sind Abstriche zu machen – der Titeltrack kann in Sachen Originalität und Qualität den Titeltracks der früheren HELLOWEEN-Scheiben absolut nicht das Wasser reichen, und der Finaltrack bewegt sich ebenfalls irgendwo im Mittelfeld. Alles, was davor kam, ist allerdings erste Sahne und ein Teil der Deutschen Metal-Geschichte.

80button

Dieses Album auf Amazon.de kaufen:

8 Gedanken zu “Metal-CD-Review: GAMMA RAY – Heading For Tomorrow (1990)

  1. Schon der Hammer was der Mann damals vor über 20 Jahren (+ mit Primal Fear heute noch wesentlich besser!) drauf hatte und das nicht nur auf Studio-Alben, sondern auch LIVE! Ich glaube sogar ein Rob Halford zu Bestzeiten (heute sowieso) würde sich die Augen reiben, ob nicht er gerade selbst (oder sein Schüler der ihn übertrumpfen möchte) auf der Bühne steht.^^ Aber an den Anblick von Ralf mit Haaren (in diesem Video) muss man sich erst mal gewöhnen.🙂

    Gefällt mir

    1. Jo, schön dass du mal wieder da bist !😉

      Also mit meinen letzten Reviews habe ich ja wohl mehr als bewiesen, dass ich längst über die ‚es muss modern / kitschig sein‘-Schiene hinweg bin. Ich habe mich eben von HELLOWEEN und Co. eines besseren belehren lassen. Obwohl, deren Sound muss damals ja auch eher ‚modern‘ bzw. gnadenlos INNOVATIV und einfach ’neu‘ (für Deutsche Metal-Verhältnisse) gewesen sein. In jedem Fall bisher nur 9-10 Punkte für die Klassiker von HELLOWEEN und GAMMA RAY, das will schon was heissen, oder ?^^

      Ich weiss auch nicht, der Titeltrack hat es mir gar nicht angetan… dann doch lieber LUST FOR LIFE oder SPACE EATER. Oder abfeiern mit HOLD YOUR GROUND^^ Aber ich werde der Neuversion in jedem Fall eine Chance geben🙂

      Gefällt mir

      1. Oh schön, dass du scheinbar auch gerade online bist.^^ Genieße gerade einen schönen spanischen Weißwein zu den Klängen von „Heading for Tomorrow“ und muss erstaunt und vielleicht schockiert feststellen: bei dir ist mehr von der Spanischen Sprache hängengeblieben als bei mir! Schäme ich mich dafür…nicht im Geringsten! ^^ HEY…YOU…WHERE DO YOU GO? I’M HEADING FOR MY LIVE! ^^

        Gefällt mir

        1. Hehe… Prosít !

          Buenas noches noch, amigo😉

          Ich leg mich allerdings bald hin, muss morgen „früh“ raus… 14.48^^ (Arbeitsbeginn).

          Lass ruhig mal wieder von Dir hören, wa. Comment for your Life !^^

          Gefällt mir

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s