Filmkritik: „Moon“ (2009)

Originaltitel: Moon
Regie: Duncan Jones
Mit: Sam Rockwell, Robin Chalk, Matt Berry, u.a.
Laufzeit: 96 Minuten
Land: Großbritannien
FSK: Ab 12
Genre: Science Fiction

Auf der dunklen Seite des Mondes ereignet sich so manche Merkwürdigkeit…

Inhalt: Sam Bell (Sam Rockwell) gehört zu denjenigen Fachkräften, die das fragwürdige Vergnügen haben für drei Jahre auf einer einsamen Mondstation zu arbeiten. Viel zu tun gibt es hier nicht – neben den obligatorischen Wartungsarbeiten und Überprüfungen hat Sam eigentlich nur eines im Kopf: die drei Jahre möglichst schnell herumzukriegen und endlich zu seiner Familie zurückzukehren. Dann würde die Lunar Corporation, die verantwortliche Firma für den Weltall-Rohstoffabbau, einfach einen neuen Astronauten schicken um Sam’s Position einzunehmen – schließlich wird nunmehr ein erheblicher Anteil des weltweiten Energiebedarfes mit der Mondstation gedeckt. Doch kurz bevor die drei Jahre verstrichen sind, hat Sam bei einem Ausseneinsatz einen schweren Unfall. Den überlebt er glücklicherweise, allerdings nur, weil ihm jemand zur Rettung eilt. Ab diesem Zeitpunkt häufen sich allerlei Merkwürdigkeiten auf der kleinen Raumstation, die nicht einmal der sonst allwissende Bordcomputer Gerty erklären kann…

Kritik: Halt, Moment; nur nicht vorschnell mit großen Film-Vergleichstiteln werben… denn an die zeitlose Qualität eines 2001 – Odyssee im Weltraum reicht das 2009’er Independent-Werk Moon nämlich nicht wirklich heran. Aber eines schafft der ambitionierte Film dann doch: er besinnt sich ganz auf filmische Mittel der ‚alten Schule‘ und kreiert aus relativ unscheinbaren Mitteln eine sagenhafte Atmosphäre – was es vielleicht doch nicht ganz so abwegig macht, ihn im gleichen Atemzug mit oben erwähntem Vergleichswerk zu nennen. Aber, woran ist man wirklich mit Moon ? Nun, man ist zumindest nicht an der falschen Adresse wenn man einen gut gemachten und halbwegs gut durchdachten Science Fiction-Thriller sehen möchte – der sich in erster Linie mit dem Leben eines Astronauten beschäftigt, der einen 3-Jahresvertrag in einer Raumstation auf dem Mond absitzt. Natürlich für den guten Zweck – schließlich wird hier ein in der Zukunft wichtiger Rohstoff abgebaut, der dann in planmäßig startenden Raumkapseln zurück zur Erde geschickt wird. Um dieses Story-Gerüst geht es allerdings nicht wirklich – vielmehr möchte man den Zuschauer auf eine Entdeckungsreise schicken, die am Ende ein schreckliches Geheimnis an das Tageslicht bringen soll.

Gut ist, dass sich Moon dabei fernab von generell üblichen Hollywood-Bombast-Ansätzen bewegt und so kaum auf Special Effects 0der eine ausschweifende Action setzt. Im Gegenteil, nicht zuletzt dank der stimmigen Szenengestaltung und der guten Kameraführung entsteht beim Zuschauer ein regelrechtes Gefühl der Klaustrophobie – die Enge und klinische Sauberkeit im inneren der Raumstation steht dabei konträr zu der unendlichen Weite und Schwärze des Weltalls, die quasi nur einen Türgriff entfernt liegt. Und, in der sich eventuell noch das ein oder andere Geheimnis verbirgt… und auch, wenn diese letztendlich weitaus weniger spektakulär oder gar ’schockierend‘ ausfallen las man zunächst vermuten könnte, vermag Moon dennoch zu fesseln. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Hauptcharakter Sam Bell – wobei der Begriff ‚Hauptcharakter‘ hier etwas fehl am Platze zu sein scheint. Schließlich ist er ganz alleine auf der Raumstation, andere Besucher hat er nicht. Beziehungsweise eben doch, allerdings sind die nicht mit den handelsüblichen Maßstäben zu kategorisieren. Es gilt, aufmerksam zuzuschauen und sich auf den Film einzulassen – dann offenbart er seine volle Wirkungskraft. Wirklich schwer zu verstehen oder gar kryptisch angehaucht ist der Film allerdings auch nicht, keinesfalls – so gut wie alle Fragen werden dem Aufmerksamen Zuschauer im Verlauf des Films beantwortet. Dies zeugt davon, dass sich die Macher genau überlegt haben was sie da mit den Zuschauern ‚vorhaben‘ – es  entsteht kaum Erklärungsbedarf, auch bleibt er frei von einer jeglichen Stellungnahme in Bezug auf moralische Fragen. So entsteht ein insgesamt absolut ‚runder‘, abgeschlossener Eindruck – man taucht für knapp 90 Minuten in die (dunkle) Welt von Moon ein, und verlässt sie dann auch wieder; quasi wie mit einem Notshuttle (bevor es richtig ‚heiss‘ wird).

Das hat allerdings auch zur Folge, dass man Moon keinen besonders hohen Anspruch unterstellen kann – doch er bleibt ein unterhaltsamer Sci-Fi-Film ohne viel Kitsch und Pathos. ein Film, der weitaus angenehmer daherkommt als so unsäglich viele Werke aus dem Westen, in die Millionen von Dollars gesteckt werden – und die am Ende in keinem diskutablen Preis-Leistungsverhältnis mehr stehen. Bei Moon wurde dagegen auch in technischer Hinsicht eher gespart, was in diesem Fall aber keinesfalls negativ zu verstehen ist. Auch mit wenigen Mitteln gelangt man zum Ziel – in diesem Falle dem recht stimmigen Bild einer einsamen Raumstation mit einigen Aussenposten, dazwischen gibt es immer wieder einige Weltraum-Szenen, die eindeutig auf einstige Meisterwerke wie eben Kubrick’s 2001 verweisen. Überhaupt dürfte gerade der intelligente Computer Gerty (im Original gesprochen von Kevin Spacey) in der Raumstation als klare diesbezügliche Hommage zu sehen sein. Ein besonderes Lob gilt auch dem Hauptdarsteller Sam Rockwell, der seine Rolle(n) absolut glaubwürdig spielt und sich durch das Tragen der Last als ‚einziger‘ Darsteller massig Sympathiepunkte einheimst.

Fazit: Warum für den nächsten Sci-Fi-Filmabend nicht einfach mal zu Moon greifen ? Es spricht kaum etwas dagegen, lediglich das nicht wirklich zufriedenstellende Ende könnte man als ‚verbesserungswürdig‘ bezeichnen. Schließlich stellen sich die Macher hier selbst ein Bein, indem sie die Tragweite des Geschehens selbst stark einschränken, und lediglich auf die Ereignisse in der Raumstation verweisen. Da wirkt eine leise eingespielte Pressestimme, die die ‚Wahrheit‘ auch auf Erden verkündet, schon wie eine kleine Farce. Sei es drum, es gilt; sich selbst ein Bild zu machen. Wer es allerdings noch zeitloser, ‚epischer‘ und komplexer haben möchte, der sollte (sofern noch nicht geschehen) zu 2001: Odysse im Weltraum greifen.

Diese oder eine ähnliche, empfohlene DVD / Blu-Ray kaufen:

Advertisements

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s