Metal-CD-Review: HELLOWEEN – Keeper Of The Seven Keys Part 1 (1987)

Land: Deutschland – Stil: Melodic Power Metal

Die Trackliste:

01. Initation
02. I’m Alive
03. A Little Time
04. Twilight Of The Gods
05. A Tale That Wasn’t Right
06. Future World
07. Halloween
08. Follow The Sign

Hier wurde Metal-Geschichte geschrieben.

Vorwort: Nachdem die Deutsche Kult-Bandformation HELLOWEEN bereits im Jahre 1985 für Furore sorgte (siehe WALLS OF JERICHO), folgte 2 Jahre später ein weiterer, verheißungsvoller Silberling. Der trägt den episch anmutenden Titel KEEPER OF THE SEVEN KEYS (Part I), wobei es kein Geheimnis ist das bereits ein Jahr später der Nachfolger (Part II) auf die Reise geschickt wurde. Würden die spielfreudigen Power Metaller mit diesem ambitionierten Projekt an den großen Erfolg ihres ersten Studioalbums anknüpfen können ? Etwas ist allerdings anders als noch gut 2 Jahre zuvor: der ehemalige Leadsänger Kai Hansen hielt der Doppelbelastung am Mikro und der Gitarre nicht mehr stand, weshalb er sich von nun an nur noch auf das Geklampfe konzentrierte. Folglich gab es einen Neuzugang, und zwar einen der sich gewaschen hat: Michael Kiske, der nunmehr zum Aushängeschild der beiden KEEPER’s-Alben avancierte. Das Original-KEEPER-Album beinhaltet gerade einmal 8 Titel, inklusive einem kurzen Intro. Es existiert allerdings noch eine Remastered-Version mit 4 Bonustracks, die Fans ebenfalls geläufig sein dürfte – doch wir begnügen uns mit einer ‚puren‘ Portion HELLOWEEN, wie sie damals auf den Markt kam.

Kritik: Und da hat man beherzt genommen, was man kriegen konnte ! Auch wenn das Album keine besonders lange Spielzeit aufweist, ist es zweifelsohne mehr als nur einen müden Blick wert. Bereits das Intro INITIATION vermag mit leicht orchestral angehauchten Hintergrundklängen und reichlich versierten Gitarrengriffen zu begeistern, und den Hörer perfekt auf das noch kommende einzustimmen. Richtig los geht es dann mit dem Opener ALIVE, der sich bis heute einer großen Beliebtheit erfreut und unter anderem von Genre-Größen wie LUCA TURILLI gecovert wurde. Und tatsächlich, es ist wieder einmal die überbordende Spielfreude der HELLOWEEN-Jungs, die ab der ersten Sekunde fesselt und eine sagenhaft mitreissende Wirkung hat. Es ist sagenhaft, wieviel Liebe und Gefühl in diesen knapp dreieinhalb Minuten steckt – einige der spektakulärsten Gitarrensoli von Kai Hansen und Michael Weikath inbegriffen. So viel Text ist hier gar nicht von Nöten – weshalb auch der Refrain viel eher mit gut eingespielter Musik auskommt als mit ausführlichen textlichen Botschaften. Dass die Jungs in jedem Fall ALIVE und putzmunter sind, merkt man auf Anhieb.

Es folgt das knackig-riffige A LITTLE TIME, in dem Michael Kiske nun erstmal so richtig ausholen und zeigen kann, was er drauf hat. Das Ergebnis ist jedenfalls alles andere als enttäuschend ! Ganz im Gegenteil, hier ward der musikalische Weg einer wahren Genre- oder auch Szene-Größe geebnet (auch wenn er schon vorher und in anderen Bands tätig war). Das besondere am Titel ist der leicht experimentelle Touch (in der speziellen Instrumentalpassage ab Minute 2), der wohlig den Geist der 80er-Musikjahre aufgreift und so den Eindruck einer zeitlosen Hymne verbreitet. Mit TWILIGHT OF THE GODS folgt nun ein Stück, welches als Inspirationsquelle für viele Power Metal-Bands der Neuzeit fungiert haben dürfte – es beginnt gnadenlos ‚catchy‘, und büßt auch im weiteren Verlauf nichts von seiner Eingängigkeit ein. Der stimmige Songtext und der offensichtliche ‚Warrior-Dragonslayer-Touch‘ (der war in der Anfangszeit noch längst nicht so klischeehaft und ausgelutscht wie später) machen diese Nummer zu einer echten Hymne, die in ihrem Refrain vollends ihren Höhepunkt erreicht. Wer hier noch still sitzt, hat selber Schuld. Ein winzigen Kritikpunkt gibt es dann allerdings doch, wohl nicht nur aus heutiger Sicht: die Stimme des ‚Ansagers‘ (der aber glücklicherweise nur 2 Mal auftaucht) wirkt etwas deplatziert und unpassend. Hier wird man am ehesten an merkwürdige Copyrights erinnert, bei denen künstlich klingende Stimmen ein (Promo-)Liedgut verschandeln. Sei’s drum, es ist ein Tropfen auf dem heissen Stein…

Denn mit A TALE THAT WASN’T RIGHT folgt ein weiterer Titel der Marke Über-Hammer. Diese Nummer wurde Jahre später von HELLOWEEN selbst noch einmal neu eingespielt (als reine Klassik-Version), doch bereits das Original weiss durch die eindringliche, emotionale Stimmung zu überzeugen. Zweifelsohne handelt es sich hier um eine weniger (Power) Metal-orientierte Nummer, als um eine Ballade – doch der absolut kultige, explodierende Refrain macht auch diese balladeske Nummer zu alles anderem als einem Langweiler. Ganz großes Kino ! Wie auch FUTURE WORLD, ein Titel, dem man sofort anhört dass er eine Kult-Nummer werden würde. War dies etwa der Vorbote von Happy Metal-Bands wie FREEDOM CALL ? Höchstwahrscheinlich – doch hört man (Originale !) Nummern wie diese, wird einem ganz anders. Nämlich wohlig-schwummerig – diese CD stammt schließlich aus dem Jahre 1987, als die meisten der heutigen Power-Metaller noch in die Windeln gemacht haben. Hier kann man noch von wahrhaftigen Ohrwürmern sprechen, denn nichts anderes ist die Mitsing-Hymne FUTURE WORLD. Eine Überraschung folgt nun in Form des mit 13 Minuten eindeutig ‚überlangen‘ Titels HELLOWEEN – der entsprechend episch aufgebaut ist. Und wie… es ist der schiere Wahnsinn, wieviel Abwechslung eingebracht wird, wie sich der Titel immer wieder verändert und dennoch einen erheblichen Ohrwurm-Faktor aufweist. So müssen die Anfänge des Epic Symphonic Metal ausgesehen haben (bezogen auf die Struktur), wobei HELLOWEEN natürlich größtenteils ohne viel Schnickschnack wie Keyboards / Chöre / et cetera auskommen. Bleibt der Abschlusstitel FOLLOW THE SIGN, ein Outro; welches leicht sphärisch angehaucht ist und durch die flüsternden Stimmen eine beinahe hypnotische Wirkung hat.

Fazit: Es ging und geht nicht ohne HELLOWEEN und ihr legendäres KEEPER OF THE SEVEN KEYS-Album. Es bereitet einem einfach immer wieder Gänsehaut, eine Scheibe wie diese einzulegen und sich daran zu erinnern, dass mit dieser Musik Geschichte geschrieben wurde. Die unglaubliche Anzahl an Coverversionen von einer Band wie HELLOWEEN (ganz besonders auch von diesem Album) spricht da für sich. Doch am besten klingt das Ganze eben nach wie vor in der ursprünglichen, sozusagen ‚einzig wahren‘ Fassung. HELLOWEEN schafften es mit diesem Werk zweifelsohne, das Vorgängeralbum WALLS OF JERICHO noch um ein gutes Stück zu toppen. Auch wenn es in Sachen Spielzeit nicht wirklich auftrumpfen kann – aber was macht das schon, wenn die Qualität derart stimmt ? Außerdem gibt es ja noch einen zweiten Teil der KEEPERS-Saga… Grandios, man kann sich einfach nur verneigen. Wer dieses Album nicht im heimischen CD-Regal stehen hat, begeht einen großen Fehler…

 

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