Metal-CD-Review: HELLOWEEN – Walls Of Jericho (1985)

Land: Deutschland – Stil: Melodic Power Metal

Die Trackliste:

01. Starlight
02. Murderer
03. Warrior
04. Victim Of Fate
05. Cry For Freedom
06. Walls Of Jericho
07. Ride The Sky
08. Reptile
09. Guardians
10. Phantoms Of Death
11. Metal Invaders
12. Gorgar
13. Heavy Metal (Is The Law)
14. How Many Tears
15. Judas

Es war einmal im Jahre 1985…

Kritik: … als ein Album das Licht der Welt erblickte, beziehungsweise Musikinteressierten im Plattenladen um die Ecke begegnete. Ein Album, welches auf den ersten Blick recht unscheinbar gewirkt haben muss, später aber nur noch mit einem wohligen Gänsehautgefühl erwähnt werden konnte. Die Rede ist von WALLS OF JERICHO, dem ersten vollwertigen Studioalbum der deutschen Melodic Metaller von HELLOWEEN, welche hier noch in der Ur-Besetzung auftraten. (Der nunmehr legendäre) Kai Hansen sorgte für den Gesang, und zusammen mit Michael Weikath außerdem noch für die knackigen Gitarrensounds, Markus Grosskopf spielte am Bass und Ingo Schwichtenberg am Schlagzeug. Ja, was hat die Jungs nur geritten, ein Album wie WALLS OF JERICHO zu erdenken und zu produzieren ? Was es auch war, es war jenseits von gut und böse. Es war schlicht und automatisch Geschichte, und damit ein unverzichtbarer Teil der (deutschen) Musikkultur.

Dabei startet WALLS OF JERICHO noch recht ungewöhnlich, und zwar so, wie es für heutige Power Metal-Verhältnisse undenkbar wäre – mit einem etwa 1-minütigen Prelude welches… kurzum, einige ‚typische‘ morgendliche Aufstehgeräusche porträtiert. Entsprechend ‚dreckig‘ und ehrlich beginnt dann auch ein putzmunterer Michael Kiske Kai Hansen, in das Mikro zu röhren – mit seiner bis heute unverkennbaren (hohen) Stimme, die auf ewig in die Metal-Geschichte eingehen sollte. Dann dauert es nicht lange – und man ist mitten drin in der Power Metal-Welt der 80’er Jahre. Oder, anders gesagt; in einer zeitlosen Musikwelt, die zwar ein Entstehungsdatum hat – welches man ihr aber keinesfalls anmerkt. Sofort spürt man die catchy Melodien, die fetzigen Riffs; das flotte Tempo regt zum Mitwippen an, der Gesang ist wunderbar kraftvoll und einzigartig. Und, ein weiteres besonderes Merkmal, welches sich später bei HELLOWEEN, GAMMA RAY und Co etablieren sollte, kommt zum Vorschein – Refrains, die alles andere als langatmige Erweiterungen der Strophen sind, sondern waschechte Alleinstellungsmerkmale besitzen und sich auf ewig in die Gehörgänge bohren sollen. Auch im Falle von MURDERER kann das Urteil nur positiv ausfallen – das Ganze klingt wunderbar catchy, aber keinesfalls ‚cheesy‘ oder sonst irgendwie ausgeleiert / überstrapaziert. DAS ist purer, ehrlicher und ungekünstelter Bombast-Power Metal, der hier mit ordentlich Karacho und Druck durch die Boxen hämmert. Lautstärkeregler aufdrehen nicht vergessen… !

Wie unbedingt auch im folgenden WARRIOR (hier dürften sich auch SABATON später die ein oder andere Scheibe abgeschnitten haben), oder noch besser: VICTIM OF FATE. Dieser Titel ist eine absolute Hymne mit Headbanger-Potential, die man einfach immer wieder gerne hört. Es ist einfach der Wahnsinn, wie gut die Jungs ihre Instrumente beherrschen, mit welcher Kraft und Spielfreude sie ihre Melodien an den Mann bringen, mit welcher Rauheit und Ehrlichkeit sie die Bretter bereiteten, die später den Weg für viele andere Power Metal-Bands ebnen sollten. Titel wie das ruhig beginnende, aber sich zu einem weiteren Brecher mausernde CRY FOR FREEDOM, oder aber das kultige WALLS OF JERICHO mit dem Trompetenintro gehören einfach zur erfolgreichen Metal-Geschichte, und sind schlicht nicht mehr wegzudenken. Auch bei REPTILE oder dem überflotten GUARDIANS (Kult-Refrain !) ist reichlich Kopfschütteln angesagt – im positiven, das heisst Headbanger-Sinne versteht sich. Wohin man auch schaut, man entdeckt eigentlich nur echte Highlights, keiner der Titel vermag es aus dem Rahmen zu fallen oder gar als ‚Lückenfüller‘ abgestempelt zu werden – das bietet sich einfach nicht an. Gut, Stücke wie PHANTOMS OF DEATH oder METAL INVADERS bieten im späteren Albenverlauf nicht mehr DIE Überraschungen, sondern klingen schlicht unglaublich straight. Etwas anderes wollten die Jungs aber auch gar nicht…

GORGAR kommt wieder wunderbar kräftig daher, Kai Hansen gibt wie immer alles was hat, im Hintergrund hört man einen dezent rauen ‚Chor‘ mit GORGAR-Schreien, perfekt auch für eine Live-Darbietung zum Mitgröhlen. Und die Eingängigkeit… an instant Classic ! Und nun ist es wieder an der Zeit für eine absolute Über-Hymne der Extraklasse: das wahnwitzig schnelle und scheppernde HEAVY METAL (IS THE LAW) heizt die Meute (die man teilweise auch im Hintergrund hört) ordentlich an; man weiss gar nicht mehr wohin mit seinen Gliedmaßen. Etwas ganz besonderes ist hier nochmal das Gitarrensolo gegen Minute 2, was fern einer jeden Beschreibungsmöglichkeit rockt und einfach nur unglaublich viel Spaß macht. Dann darf Hansen nochmal richtig ‚ausrasten‘ und sich ein Duell der Extraklasse mit dem Publikum liefern – Knaller. In HOW MANY TEARS geht es dann richtig schön technisch-verspielt zur Sache, was sich vor allem im markanten Gitarrenspiel widerspiegelt. JUDAS fungiert dann noch als furioser Bonus- und Abschlusstrack.

Fazit: Wenn man schon nach einer der ‚Originalen‘ Bands aus dem Power Metal-Genre fragen sollte, dann gibt es keinen Zweifel: HELLOWEEN gehören an erster Stelle genannt. Wo wäre der Power Metal heute, hätte es diese Band nie gegeben ? Es ist nicht auszumalen. Doch glücklicherweise braucht man das auch nicht, lieferten HELLOWEEN mit WALLS OF JERICHO ihr erstes ofizielles Album, und damit ihr erstes Meisterwerk ab. Und das im Jahre 1985 – wenn die Scheibe noch heute so gut rockt, wie muss sie erst damals ‚eingeschlagen‘ sein ? Wahnsinn. Und immer wieder eine überaus angenehme Metal-Geschichtsstunde. Für groß und klein – für zweitere hoffentlich auch, da man den lieben kleinen auch heutzutage gute Musik näherbringen sollte. Lasst bloss das Ohrenkrebs verursachende Radio aus !

90button

2 Gedanken zu “Metal-CD-Review: HELLOWEEN – Walls Of Jericho (1985)

  1. Stimme in fast Allem zu, aber auf Walls of Jericho hat Kai Hansen gesungen, nicht Michael Kiske….abgesehen davon dass man das sofort hört, bitte besser recherchieren.

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    1. Danke für Deinen Kommentar, freut mich dass das Review (größtenteils) Anklang findet. Aber abgesehen davon: bitte das nächste Mal besser lesen 😉
      Schließlich habe ich in der Einleitung (und weiter unten sogar nochmal) darauf hingewiesen, dass Kai Hansen der Sänger auf diesem Album ist. Dass dann im zweiten Absatz plötzlich Michael Kiske auftaucht, ist ein klarer Flüchtigkeitsfehler und kein Hinweis auf eine mangelnde Recherche. MfG, Oliver

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