Metal-CD-Review: W. ANGEL’S CONQUEST – IV (2011)

Land: Ukraine – Stil: Power Metal

Die Trackliste (ohne Gewähr):

01 – Storm
02 – Last Battle
03 – Godless Territory
04 – Metal Wings
05 – My Special Way
06 – Seventh Gate
07 – Save Me
08 – Frozen Angel
09 – Be My Light
10 – Intruder
11 – Forgotten Dreams
12 – Anthem

Dieser Leadsänger tischt uns ordentlich was auf… !

Vorwort: Lustig ist das Namensspiel – ehemals schlicht unter dem Bandnamen CONQUEST agierend, benannte sich die von W. Angel angeführte Band erst vor kurzem in W. ANGEL’S CONQUEST um, um etwaigen Zuordnungsproblemen aus dem Weg zu gehen. Und tatsächlich – sollte man diese Band nur unter der Bezeichnung CONQUEST bei irgendwelchen Suchmaschinen suchen, hilft auch pures Glück nicht mehr viel. Ein durchaus sinniger Schritt also ! Nach einigen CD’s und EP’s sind die Jungs aus der Ukraine nun also wieder zurück – mit ihrem neuen Werk IV im Gepäck. Ein schlichter Bandname, ein schlichter Albentitel, schlicht-unspektakulräer Power Metal ? Zumindest könnte man dies annehmen, doch in diesem Fall gilt an dieser Stelle: Vorsicht mit solchen Vermutungen, diese sind erst erlaubt wenn man denn einmal in IV hineingehört hat ! Und damit ohnehin eher unangebracht… W. ANGEL’S CONQUEST spielen einen satten Melodic Power Metal mit einem leicht elektronisch-poppigen Soundtouch, der insgesamt sicher weniger ‚True‘, aber dennoch als ausreichend ‚frisch‘ zu bezeichnen ist.

Kritik: Ja, ich kann und möchte es zugeben – IV war beziehungsweise ist für mich wie eine Offenbarung. Nach all den guten bis sehr guten Power Metal-Alben aus dem Jahr 2011 (DRAGONLAND, ANCIENT BARDS) wartete ich sehnsüchtig auf ein ebenso gutes Werk… welches sich allerdings ein wenig vom Fantasy-Dragonslayergenre distanzieren würde. Aber bitte auch nicht zu sehr – denn auch in diesem Bereich gibt es bereits eine ausreichende Anzahl an Genrevertretern. Eine zünftige Melodic Power Metal-Scheibe a’la STRATOVARIUS, GAMMA RAY (gut, hoch gegriffen…) oder vielleicht auch SUNRISE (ebenfalls Ukraine)… mit klaren Alleinstellungsmerkmalen, das wäre doch was… und da kommt IV gerade recht. Bereits der Opener STORM macht seinem Namen alle Ehre und rauscht durch die Boxen, dass es eine wahre Freude ist. Ein satter, aber dennoch dezenter Doublebass treibt das stürmische Spektakel an, saftige Gitarrenbretter dienen hier nicht nur als oberflächliche Zierde, sondern sind Programm. Und dann hätten wir da noch einen zweifelsohne auffälligen Leadsänger, der gerade in der heutigen zeit der Albenflut wunderbar einzigartig und versiert klingt – das ist doch mal wieder eine satte, waschechte Power Metal-Voice die man immer wieder gerne hört.

Wie auch das LAST BATTLE, die erste superknackige Uptempo-Nummer des Albums. Wahnwitzige Gitarrenperformances und ein absoluter Power-Refrain mit einer Glanzleistung von W. Angel machen diesen Titel zu einem noch größeren ‚Hinhörer‘ als das Opening. So darf es gerne weitergehen ! Dass die Band ein großes Gespür für frische, unverbrauchte aber dennoch eingängige Melodien besitzt macht auch der folgende Titel, GODLESS TERRITORY klar. Erstmal rückt auch das Keyboard auffällig in den Vordergrund, was dem Titel einen zusätzlichen Reiz verleiht – schließlich übertreiben CONQUEST es auch nicht. Aber dann ein ‚Upps, was ist das denn’… was macht Leadsänger W. Angel denn da, am Ende des Refrains ? Jetzt erschließt sich sicher auch die Bedeutung meiner allgemeinen Überschrift… er tischt uns, die wir uns Freunde / Fans des Power Metal schimpfen, ordentlich etwas auf. Seine high-pitched Screams sind tatsächlich etwas ganz besonderes (wenn auch gewöhnungsbedürftiges), und sollen uns auch noch im weiteren Verlauf des Albums begleiten. So ’schreit‘ wahrlich nur eine einzige Person im Metal – womit das erste absolute Alleinstellungsmerkmal der Ukrainer gefunden ist.

Gehen wir hinüber zu METAL WINGS, einem meiner persönlichen Favoriten des Albums. Ja, auch wenn der Titel vergleichsweise simpel strukturiert ist und nah an der Klischeegrenze schrammt – aber diesen kraftvoll präsentierten Strophen und dem unendlich melodiösen Refrain kann einfach niemand widerstehen. Und dann gilt es wieder, das Maximum aus einem gewissen Organ zu holen… da bleibt einem doch glatt die Spucke weg ! Das er aber auch ganz anders kann, zeigt er im folgenden MY SPECIAL WAY, einer emotionalen Ballade, in der er sich eher zurückhält was die allzu hohen Stimmlagen angeht. In den Strophen klingt er gar sanft-verträumt, und serviert so auch ein nennenswertes Maß an nachdenklichen Phrasen und Stimmungen. Etwas härter geht es dann schon wieder in SEVENTH GATE zu, sowohl stimmlich als auch musikalisch. Aber natürlich gibt es auch in diesem Titel einen wunderbar melodischen Refrain, der den sonst etwas langatmigen Titel positiv aufwertet. Es folgen Titel wie SAVE ME, FROZEN ANGEL und BE MY LIGHT, die alle die gewohnte hohe CONQUEST-Qualität anbieten, grundsätzlich aber nicht sonderlich aus dem Sammelsorium der 12 Titel hervorstechen. Für ordentlich Laune sorgt dann nochmal das brachiale INTRUDER, welches zweifelsohne die Attribuierung als ‚Hymne‘ verdient. Aber, ganz so knackig und verspielt wie zum Auftakt des Albums wirken CONQUEST hier bereits nicht mehr. Leider… ! Und auch die Ballade FORGOTTEN DREAMS wirkt alles andere als innovativ, hier haben CONQUEST eventuell schon die Kitsch- beziehungsweise Larifarigrenze überschritten (man sieht, meine ist recht hoch). CONQUEST klingen eben immer noch am besten, wenn sie in Titeln wie ANTHEM ordentlich (melodischen) Zunder geben.

Fazit: Kurzum – IV ist ein Album, welches in erster Linie Spaß macht. Es bietet nicht sonderlich viel neues, ist relativ simpel strukturiert; die Titel sind allesamt melodisch-eingängig und offerieren ein ums andere Mal ein gewisses Hymnen-Potential. Schnelle, kräftige Uptempo-Nummern wechseln sich mit dramatischeren Balladen ab, sodass eine gewisse Abwechslung gegeben ist. Jedoch muss man feststellen, dass das Album zum Ende hin immer mehr Qualitätseinbußen ausgesetzt ist: Elemente wiederholen sich, es wird deutlich ‚weichgespülter‘; Überraschungen bleiben aus. Und, so wirklich überzeugend als dass man sagen könnte, CONQUEST wären die Metal-Balladenmacher Nummer 1, kommen die verstreuten balladesken Stücke nun auch nicht rüber. Weiterhin ist der etwas… übertriebene Keyboardeinsatz in so mancherlei Titel auch nicht gerade das gelbe vom (Metal-)Ei, lediglich die überaus angenehme und oftmals ans Limit gehende Stimme von W. Angel macht die Band zu etwas besonderem und aus der Masse hervorstechenden. Eine Empfehlung für alle Freunde des Power Metal, die mit etwas mehr Kitsch keine Probleme haben.

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