Metal-CD-Review: KELDIAN – Journey Of Souls (2008)

Alben-Titel: Journey Of Souls
Künstler / Band: Keldian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 20. Mai 2008
Land: Norwegen
Stil / Genre: Power Metal
Label: Perris Records

Lineup:

Arild Aardalen – Keyboards, Vocals (additional)
Christer Andresen – Vocals, Guitars, Bass

Tracklist:

1. The Last Frontier (03:25)
2. Lords of Polaris (05:12)
3. Reaper (03:34)
4. The Ghost of Icarus (04:11)
5. Memento Mori (09:18)
6. Vinland (05:30)
7. The Devil in Me (04:28)
8. Hyperion (04:52)
9. God of War (04:56)
10. Starchildren (04:30)
11. Dreamcatcher (03:40)

Lasst uns das Ganze mal von einem anderen Standpunkt aus betrachten… von OBEN.

In der Tat – wer bis dato noch nichts von KELDIAN gehört hat, könnte etwas verpasst haben. Schließlich konnte man schon auf dem Debütalbum der norwegischen Musiker (HEAVENS GATE, 2007) feststellen, dass den grob im Bereich des melodischen Power Metals zu verortenden Klängen etwas ganz und gar besonderes innewohnt. Wenn man so will könnte man vielleicht auch von einem explizit sphärisch angehauchten Power Metal sprechen – in dem viele klassische und dezent an die 80er Metal-Jahre erinnernden Elemente auf geradezu kosmisch anmutende klangliche Ausstaffierungen treffen. Dabei klingt im Falle von KELDIAN nicht nur das Konzept nach reichlich Spannung, auch die Umsetzung vermag schnell zu überzeugen – was nicht zuletzt an einem vergleichsweise komplexen und anspruchsvollen Songwriting liegt. Und natürlich an den Fähigkeiten der beiden beteiligten Musiker, die eine voll besetzte Band dank ihrer Talente geradezu überflüssig machen – wobei durchaus die Frage aufkommen könnte, ob uns Arild Aardalen und Christer Andresen nicht tatsächlich von den Sternen zugesandt wurden.

Immerhin könnte man dies aufgrund der auf JOURNEY OF SOULS inszenierten musikalischen Urkraft und Raffinesse vermuten. Das schöne dabei ist, dass KELDIAN einen alles andere als schon tausendmal gehörten Power Metal spielen – und sich ab den ersten Sekunden gekonnt von der Masse an Veröffentlichungen abheben. Bereits der Opener THE LAST FRONTIER ist so schon ein mit reichlich melodischen Keyboard-Elementen, stimmigen Chor-Arrangements und einer ordentlichen Portion Atmosphäre gespickter Diamant, der im Gegensatz zum etwas unpolierteren Vorgänger HEAVEN’S GATE nicht mehr geschliffen werden muss. Unter der Zugabe zahlreicher Samples, sehr versierter Soli und einem angenehmen Gesang von Leadsänger Christer Andresen entwickelt sich eine kosmisch angehauchte Hymne, die sowohl die nötige Eingängigkeit (vor allem durch den mehrstimmigen Refrain) und eine beeindruckende Komplexität mit sich bringt. Was darauf folgt ist LORDS OF POLARIS – und die erste Überraschung, zumindest wenn man den Vorgänger HEAVEN’S GATE noch gar nicht gehört hat. Fest steht: selten hat man einen derart sphärischen, verträumten Titel gehört; der besonders mit der mysteriösen Hintergrundinstrumentalisierung und den klassisch angehauchten Backgroundgesängen punkten kann. Dennoch ist all das, und wie bei KELDIAN üblich in einem schmackigen Metal-Mantel verpackt – der es ebenfalls in sich hat. Bei vergleichsweise ruhigeren Titeln, die bei KELDIAN sonst im Genre üblichen regulären Herzschmerz-Balladen überflüssig machen; gilt jedoch: die Gitarren und vor allem das Schlagzeug werden in diesem Fall nicht zu exzessiv eingesetzt, sondern setzen dezent Akzente und bereichern das allgemeine Klangbild.

Der dritte Titel im Bunde ist dann REAPER, eine Art Midtempo-Stampfer mit einem sehr ausdrucksstarken Refrain. Markante Cosmic Metal-Sounds lassen auch diesen Titel zu etwas ganz besonderem werden – speziell natürlich dann, wenn der Höhepunkt im recht erhabenen Refrain erreicht wird. Das nächste Highlight lässt jedoch nicht lange auf sich warten, folgt es schon mit dem kongenialen GHOST OF ICARUS. Hier handelt es sich um einen Titel, der mit einem angedeuteten Funkverkehr in Hörspiel-Manier beginnt – und sich im weiteren Verlauf zur ersten wahrlich anregenden Uptempo-Nummer des Albums mausert. Aber: zu keiner gewöhnlichen, dafür sind KELDIAN einfach zu einfallsreich. Anders gesagt: die Tempowechsel und die starken Lyrics machen auch Brecher-Titel wie diesen zu etwas ganz besonderem. MEMENTO MORI steht dem, auch wenn abermals eine etwas andere Gangart an den Tag gelegt wird; in nichts nach – hier handelt es sich sogar um einen der vielleicht stärksten Titel des Albums. Sicher, ganz Unrecht hat man mit der Annahme einer auf den ersten Blick unscheinbaren Ballade nicht – wobei das, was KEDLIAN letztendlich aus diesem vornehmlich ruhig-gemäßigten Titel machen; schon an ein echtes Wunder grenzt. So kommt es auch, dass man die anberaumten 9 Minuten nicht das Gefühl haben wird, gelangweilt zu sein. Im Gegenteil, gerade in einer der späteren Passagen wird es noch einmal richtig spannend: ein perfekt ausgearbeiteter, abwechslungsreicher Instrumentalteil steuert hier unentwegt auf den Höhepunkt des Titels zu – einem fantastischen Solo gegen Minute 7. Das ist nicht weniger als Gänsehaut pur.

Doch nicht nur der fünfte Titel ist stark – auch VINLAND animiert mit seiner beschwingten Gesamtwirkung dazu, genauer hinzuhören – und einfach nur zu genießen. Highlight: der Instrumentalteil mit anschließender, man nenne es Beschwörungsformel ab Minute 2.30. Ein absoluter Pflichttitel, der KELDIAN in all ihrer Virtuosität und musikalischen Diversität zeigt. Es folgt THE DEVIL IN ME als ein von dezenten Pianoklängen dominiertes, sehr ruhiges Stück; welches in etwa die selbe musikalische Stimmung aufgreift wie auch das folgende Hyperion. Beide Titel gesellen sich damit in eine etwas unspektakulärere, ruhigere Ecke – die aufzeigt, das KELDIAN auch in vergleichsweise minimalistischen Momenten und mit wenig(er) Mitteln überzeugen können. Aber, und auch wenn dies nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist: ganz so überzeugend wie die Auftakttitel oder speziell das vergleichbare MEMENTO MORI sind diese beiden Stellvertreter zugegebenermaßen nicht mehr.

Doch dann geht es noch einmal rund: GOD OF WAR feuert kurz vor dem Ende des Albums eine weitere Salve eines wohl durchdachten, schier überirdischen Power Metals ab. Gerade der Refrain kommt für KELDIAN-Verhältnisse auffallend ‚hart‘ daher – wummern hier der Doublebass, allerlei Schlagzeugattacken und ein verzerrter Gesang in recht brachialer Manier durch die Boxen. Nach und nach entpuppt sich auch dieser Titel als waschechtes Highlight – nicht zuletzt durch die großartigen, reinen Instrumentalpassagen zwischendurch. Diese nehmen wieder ein wenig Tempo raus, und sorgen für reichlich Atmosphäre. Gegen Ende gibt es dann noch einmal das volle Programm – und eine wahrhaft epische Passage zum Finale, die durch eine Computer-Stimme und eine sehr sphärische Instrumentaluntermalung zu einem echten Hinhörer wird. Bleiben nur noch STARCHILDREN und DREAMCATCHER, von denen vor allem ersterer Titel mit seinem sphärisch-erhabenen Power-Refrain überzeugt. Aber auch DREAMCATCHER funktioniert wunderbar, als abschließende Uptempo-Nummer mit einem zeitlosen Refrain bleibt auch hier nicht viel liegen.

Schlussendlich: KELDIAN machen mit JOURNEY OF SOULS einfach vieles – oder vielleicht auch alles – richtig. Und das auch, da jedwede Ansprüche gleich in mehrerlei Hinsicht befriedigt werden. Anders gesagt: es spielt keine Rolle ob man nun ein Freund eines typisch europäischen Power Metals, eines sphärischen Cosmic Metals der Marke LUCA TURILLI, eines mit diversen 80er-Jahre-Einflüssen garnierten Melodic Metals oder schlicht und ergreifend ein Zuhörer mit einem breit gefächerten Musikgeschmack ist – JOURNEY OF SOULS sollte grundsätzlich jeden zufriedenstellen. KELDIAN stehen damit wie keine zweite Band Pate für einen Power Metal der Zweiflern ein für allemal klarmacht, dass das Genre auch im Jahre 2008 noch einiges zu bieten hat. Jetzt erst Recht…

Absolute Anspieltipps: Alle


„Nicht viele schaffen es schon im zweiten Anlauf, aber: JOURNEY OF SOULS ist ohne Zweifel KELDIAN’s Meisterstück.“

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