Metal-CD-Review: KELDIAN – Journey Of Souls (2008)

Land: Norwegen – Stil: (Athmospheric) Power / Cosmic Metal

Die Trackliste (ohne Gewähr):

01. The Last Frontier (3:25)
02. Lords Of Polaris (5:12)
03. Reaper (3:34)
04. The Ghost Of Icarus (4:11)
05. Memento Mori (9:18)
06. Vinland (5:30)
07. The Devil In Me (4:28)
08. Hyperion (4:52)
09. God Of War (4:56)
10. Starchildren (4:30)
11. Dreamcatcher (3:40)

Lasst uns das Ganze mal aus einem anderen Stanpunkt aus betrachten… von OBEN.

Vorwort: Ohne Zweifel handelt es sich bei den Finnen von KELDIAN um eine der aussergewöhnlichsten Combos im Bereich des Melodic Power Metal. Warum das so ist, konnte man bereist auf ihrem Debütalbum HEAVENS GATE (2007) beziehungsweise ihrer 2005’er Demo feststellen – die Musik von KELDIAN ist als besonders ’sphärisch‘, oder wenn man es auf die Spitze treiben wollte gar als ‚überirdisch‘ zu bezeichnen. Dies liegt zum einen an der sinnigen Vermischung eines klassischen, 80er-Jahre-angehauchten Melodic Rock mit moderneren (oder auch zeitlosen) Elementen des Power Metal, zum anderen am ausgefeilten und sehr umfassenden Songwriting. Denn gerade dieses vermag den Hörer zu beeindrucken, und beim geneigten Power Metal-Fan ein wohliges Nostalgiegefühl in Bezug auf frühere Cosmic Metal-Brachialwerke a’la LUCA TURILLIS PROPHET OF THE LAST ECLIPSE wach werden lassen. Tatsächlich ist das etwas spezielle Subgenre des Cosmic Power Metal (etwa: GALDERIA, teilweise PATHFINDER) noch sehr unbefleckt und unverbraucht, weshalb Werke wie JOURNEY OF SOULS automatisch einen gewissen Bonus erben und ein zusätzliches Interesse entstehen lassen. Und dann das: KELDIAN besteht im Grunde nur aus 2 Mitgliedern beziehungsweise ‚Masterminds‘ (und einigen Gastmusikern): Christer Andresen und Arild Aardalen. Ein kosmisches Duo, von den Sternen gesandt ?

Kritik: Zumindest sollte man das vermuten, denn was sie hier auf JOURNEY OF SOULS zelebrieren, ist alles andere als ein schon tausendmal gehörter, irdisch-alltagstauglicher Metal. Bereits der Opener THE LAST FRONTIER ist eine Perle für sich, welche mit reichlich melodischen Keyboard-Elementen gespickt ist und einen recht epischen Instrumentalpart aufweist. Unter der Zugabe zahlreicher Samples, sehr versierter Soli und einem angenehmen Gesang von Leadsänger Christer Andresen entwickelt sich eine kosmisch angehauchte Hymne, die sowohl die nötige Eingängigkeit (vor allem durch den mehrstimmigen Refrain) und eine beeindruckende Komplexität mitbringt. Es folgt LORDS OF POLARIS; ein Titel, der sogleich die erste Überraschung beinhaltet. Selten hat man einen derart sphärisch-verträumten Titel gehört, der besonders mit der mysteriösen Hintergrundinstrumentaliserung und den klassischen Backgroundgesängen (‚Halleluja‘) punkten kann. Als Zugabe, und zwecks Referenz auf das Genre gibt es – bei einem derart Ambient-angehauchten Titel vielleicht zuerst wider erwarten – einen Metal-Part serviert, der es ebenfalls in sich hat. Die Gitarren, und vor allem das Schlagzeug werden nicht zu exzessiv eingesetzt, sondern setzen dezent Akzente und bereichern das allgemeine Klangbild.

Der dritte Titel im Bunde ist REAPER, eine Art sphärischer Midtempo-Stampfer mit einem sehr ausdrucksstarken Refrain. Markante Cosmic Metal-Sounds lassen auch diesen Titel zu etwas ganz besonderem werden, speziell dann, wenn der Höhepunkt in einem geradezu ‚göttlichen‘ Refrain (und unter Mitwirkung der Gitarren, Synthesizer und Keayboard-Sounds) erreicht wird. Das nächste Highlight lässt jedoch nicht lange auf sich warten, folgt es doch bereits mit dem folgenden GHOST OF ICARUS. Hier handelt es sich um einen Titel, der atmosphärisch und mit einem speziellen Funkverkehr in Hörspiel-Manier beginnt – und der sich im weiteren Verlauf zur ersten wahrlich anregenden Uptempo-Nummer mausert. Aber: zu keiner gewöhnlichen, dafür sind KELDIAN beileibe zu einfallsreich. Die Tempowechsel und die unendlich starken (unübertrieben !) Lyrics machen auch Brecher-Titel wie diesen zu etwas ganz besonderem und einzigartigem. Und, was haben wir hier… MEMENTO MORI, einen der vielleicht stärksten Titel des Albums. Wer hier gleich ‚obligatorische Ballade‘ schreit, hat vielleicht nicht ganz Unrecht; aber das was KEDLIAN letztenendes aus diesem vornehmlich ruhig-gemäßigten Titel machen, grenzt schon an ein Wunder. Oder schlicht und einfach: an musikalisches Genie. So kommt es auch, dass der knapp über 9 Minuten lange Titel zu keinem Zeitpunkt langatmig oder künstlich in die Länge gezogen wirkt. Im Gegenteil, gerade in einer der späteren Passagen wird es noch einmal richtig spannend: ein perfekt ausgearbeiteter, abwechslungsreicher Instrumentalteil steuert hier unentwegt auf den Höhepunkt des Titels zu – einem fantastischen Solo gegen Minute 7. Gänsehaut pur…

Wenn der fünfte Titel also einer der stärksten war, ist der sechste, VINLAND, einer der mir persönlich liebsten. Die Gründe dafür sind nicht gerade schwer zu entdecken… bereits der Auftakt kommt derart melodisch daher (Orgel-Klänge, Utopie-Refrain), im weiteren Verlauf gewinnt der Titel immer mehr an Tempo und Dynamik. Und, er brilliert zusätzlich mit einem perfekten Refrain und den ‚entschleunigenden‘ Instrumentalpassagen zwischendurch. Highlight: der Instrumentalteil mit anschließender ‚Beschwörungsformel‘ ab Minute 2.30 (circa). Ein absoluter Pflichttitel, auch wenn er manchen vielleicht etwas zu ‚kitschig‘ vorkommen könnte. Doch das sind eben KELDIAN in all ihrer Virtuosität und musikalischen Diversität. Es folgt THE DEVIL IN ME, ein von dezenten Pianoklängen dominiertes, sehr ruhiges Stück; welches in etwa die selbe musikalische Stimmung aufgreift wie auch das folgende Hyperion. Beide Titel gesellen sich somit in eine etwas unspektakulärere, ruhigere Ecke – die aufzeigt, das KELDIAN auch in diesen ruhigeren Momenten und mit wenig(er) Mitteln überzeugen können. Aber: ganz so überzeugend wie die Auftakttitel sind diese beiden Stellvertreter zugegebenermaßen nicht mehr.

Doch dann geht es noch einmal rund: GOD OF WAR feuert kurz vor dem Ende des Albums eine weitere Salve eines wohldurchdachten, überirdischen Power Metals ab. Gerade der Refrain kommt für KELDIAN-Verhältnisse auffallend ‚hart‘ daher, wummern hier Doublebass, Schlagzeugattacken und ein stimmlich verzerrter Gesang. Nach und nach entpuppt sich auch dieser Titel als waschechtes Highlight – nicht zuletzt durch die großartigen, reinen Instrumentalpassagen zwischendurch. Diese nehmen wieder ein wenig Tempo raus, und sorgen für reichlich Atmosphäre. Gegen Ende dann noch einmal das volle Programm – und eine wahrhaft epische Passage zum Finale, die durch eine Computer-Stimme und eine sehr sphärische Instrumentaluntermalung zu einem echten Hinhörer wird. Bleiben nur noch STARCHILDREN und DREAMCATCHER, von denen vor allem ersterer überzeugt. Was für ein sphärisch-erhabener Power-Refrain ! Aber auch DREAMCATCHER funktioniert wunderbar als abschließende Uptempo-Nummer mit einem derart zeitlosen Refrain, dass es eine wahre Freude ist. Was für ein HAMMER-Album… !

Fazit: KELDIAN machen mit JOURNEY OF SOULS absolut alles richtig. Sie erfüllen jegliche Ansprüche gleich in mehrerer Hinsicht – sowohl Freunde des Power Metal, eines melodisch-sphärischen Cosmic Metal, eines 80er-beeinflussten Melodic Rock als auch ganz ‚allgemeine Zuhörer‘ mit einem guten Musikgeschmack werden ihre wahre Freude an diesem Album haben. KELDIAN stehen wie keine zweite Band als Vertreter einer speziellen Musikrichtung da, die sich sinnbildlich auf eine ‚höhere Ebene‘ begibt und uns klar macht, dass es da draussen noch ‚mehr‘ geben könnte. Was immer das auch sein mag… in Anbetracht dieses Albums kann es also nur eine vorstellbare Wertung geben. Bitte KELDIAN, macht weiter so. Es wäre ein Unding, wenn diese Band in Vergessenheit geraten würde. Doch siehe da… die offizielle Webseite kündigt bereits eine neue Ära an.

Unbedingte Anspieltipps: THE GHOST OF ICARUS, MEMENTO MORI, VINLAND

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