Metal-CD-Review: IRON FIRE – Voyage Of The Damned (2012)

Land: Dänemark – Stil: (Cosmic) Heavy Power Metal

Die Trackliste (ohne Gewähr):

1. The Dark Beyond
2. Enter Oblivion OJ-666
3. Taken
4. Slaughter of Souls
5. Leviathan
6. The Final Odyssey
7. Ten Years in Space
8. Voyage of the Damned
9. With different Eyes
10. Dreams of the Dead Moon
11. Verge to Collide
12. Realm of Madness
13. Warmaster of Chaos (Bonus Track)

Diese Reise ist alles andere als verdammt… sie ist gnadenlos episch.

Vorwort: Ja, irgendetwas muss gerade ‚los‘ sein in der Power Metal-Szene – wie sonst liesse sich der auffällig hohe Anteil an guten Releases als Output vieler Bands erklären ? Nach den sehr hoch in die Wertungslisten eingestiegenen Alben von DRAGONLAND (Under The Grey Banner), ANCIENT BARDS (Soulless Child) oder auch SHADOW HOST (Eye For An Eye) schicken sich nun IRON FIRE an, mit ihrem neuen Silberling Voyage Of The Damned in eben diesen Wertungsregionen vorzustoßen – ihrem mittlerweile siebten Studioalbum. Die Band existiert seit 1997 –  und musste wie kaum eine andere zahlreiche Stil- und Besetzungswechsel verkraften um dort zu stehen, wo sie heute glücklicherweise steht: auf den vordersten Rängen nämlich. Zumindest, wenn es um den Kampf um die (nordische) Power Metal-Krone geht. Gut ist schon einmal, dass die Band sich für dieses Genre entschieden hat, den Power Metal beziehungsweise Deutschen Speed Metal – und nicht mehr wie noch zur Anfangszeit in die ‚härteren‘ Bereiche (Doom, Death, Black) abdriftet. Obwohl, so ganz ‚verstecken‘ können die Jungs ihre harte Ader nicht… ob sich das als Vor- oder Nachteil herausstellen wird ?

Kritik: Voyage Of The Damned beinhaltet 13 Tracks, von denen THE DARK BEYOND das (durchaus stimmungsvolle) Intro markiert. In gekonnter Manier wird mithilfe von eher puristischen, an eine dezente Filmmusik erinnernden Klänge eine bedrohliche Atmosphäre geschaffen – ohne, dass das Endergebnis dabei plump konstruiert, zu gezwungen oder zu synthetisch klingt. Jedoch sagt dieses gut gemacht Intro noch nichts (oder zumindest wenig) über den noch kommenden Inhalt des Albums aus – hierzu muss man sich schon den Opener ENTER OBLIVION OJ-666 gönnen. Und das am besten in voller Lautstärke ! In der Tat, was die Jungs hier zelebrieren, lässt sich mehr als hören. Gerade in Sachen Vielfalt scheinen sie nicht zu geizen: der knapp 4 Minuten lange Track offenbart eine bis dato recht einzigartige und längst noch nicht ‚verbrauchte‘ Fusion aus Einflüssen verschiedener Metal-Subgenres. Unverkennbar sind die Anteile des Speed- und Power Metal, die den bombastischen Rahmen für die Soundkulisse stellen, doch es gesellen sich ebenso Anteile aus dem Symphonic-, Cosmic- und True Metal hinzu. Wie man sich das am besten vorstellen kann ? Beinahe gar nicht; es gilt, Voyage Of The Damned ganz unabhängig von der Endwertung einmal selbst gehört zu haben. Eines ist klar: IRON FIRE klingen nicht wie jede x-beliebige, dahergelaufene Metalband, und sorgen für allerlei Entertainment und ein gutes Gefühl im derzeit ohnehin schon verwöhnten Power Metal-Herz.

Und, verdammt noch mal – wie Martin Steene doch singen kann ! Zweifelsohne gehört er zu den versierteren, angenehmeren Sängern – er meistert einfach jede Stimmlage und trifft seinen Einsatz stets punktgenau. Diese Stimme nutzt sich einfach nicht ab, man kann sie immer wieder hören – wofür auch das wunderbar kräftige, stampfende TAKEN ein guter Beweis ist. Zusätzlich zu den markanten Metal-Einflüssen gesellen sich hier leicht sphärische Klänge, die der Midtempo-Nummer den nötigen Pepp verleihen. Der folgende Titel SLAUGHTER OF SOULS beginnt bereits stark, doch offenbart seine tatsächliche Brillanz erst im weiteren Verlauf – mit dem sagenhaften Songwriting, der erhöhten Abwechslung (dezente Growls hie und da) und dem genialen Refrain. Das macht mehr als Laune… die Jungs können was ! Auch LEVIATHAN (als Videosingle ausgekoppelt, siehe unten) ist alles andere als ein Lückenfüller, auch wenn sich gewisse Ähnlichkeiten zu TAKEN nicht verleugnen lassen. Die wahrhafte Abwechslung soll aber nun mit dem folgenden THE FINAL OYSSEY geboten werden: hierbei handelt es sich um ein leicht balladeskes, überirdisch-sphärisch angehauchtes Stück, welches in seiner Präsenz und Ausdrucksstärke an die Werke von KELDIAN erinnert. Es ist doch immer wieder unglaublich, was man aus einigen wenigen Elementen (stellenweise nur Gesang + Hintergrundgeräusche) machen kann – hieran sollten sich andere Bands ein Beispiel nehmen. Der vielleicht stärkste Titel des Albums !

TEN YEARS IN SPACE ist wieder einer der deftigeren Stampfer-Tracks, der abermals durch das unterhaltsame Songwriting hervorsticht. Im Refrain geht es etwas gemäßigter zu, die Background-Growls sollen hier für die nötige Härte sorgen. Das gelingt, wenn auch nur bedingt. Wirklich jeder Restzweifel wird dann im Titeltrack des Albums, VOYAGE OF THE DAMNED, ausradiert. Der satte 10-minüter beginnt erstmals auffällig orchestral, um dann in eine atmosphärische, kosmische Abenteuergeschichte überzugehen – mit allem, was dazugehört. Schreiten wir voran zu DIFFERENT EYES, so finden wir einen Titel mit einem weiteren, äusserst ansprechenden Instrumental. Erneut harmonieren Elemente eines gradlinigen True Metal mit sphärischen Cosmic-Klängen, getoppt wird das ganze mit einem wunderbar epischen Refrain. DREAMS OF THE DEAD MOON… ist solide, andererseits gibt es nicht mehr viel neues zu vermelden. Immerhin setzt man mit VERGE TO COLLIDE weider auf ein wenig Abwechslung (und auf einen wunderbar melodiösen Refrain), was dem Album an dieser Stelle sehr gut bekommt. Bleiben nur noch REALM OF MADNESS und WARMASTER OF CHAOS, die das Album knackig, aber nicht ganz so spektakulär abrunden.

Fazit: DRAGONLAND oder eine andere orchestrale Fantasy-Metalband mal nicht in fantastischen Drachengefilden – sondern in postapokalyptischen, kosmischen Endzeituniversen. So oder so ähnlich muss man sich Voyage Of The Damned von IRON FIRE vorstellen. Oder, was sicherlich noch weniger verkehrt ist: man sollte sich das Album einfach mal gönnen und selbst hineinhören. In Sachen Produktionsqualität, Virtuosität und Abwechslung stehen IRON FIRE ihren Konkurrenten (allen erdenklichen) in nichts nach. Im Gegenteil, sie sorgen für eine zusätzliche Würze, indem sie das Geschehen noch auf die nächsthöhere ebene verfrachten; eine leicht kosmisch-sphärisch-dämmonisch angehauchte nämlich. Und dieses Songwriting… ist einfach nur genial. Nur ein wenig mehr Abwechslung hätte dem Album gut getan, es scheint als würden sich einzelne Elemente im Verlauf der 13 Tracks doch das ein oder andere Mal wiederholen. Sei es drum – eine definitive Empfehlung, und eine (sehr) hohe Messlatte für alle weiteren 2012-er Veröffentlichungen.

Unbedingte Anspieltipps: ENTER OBLIVION OJ-666, SLAUGHTER OF SOULS, THE FINAL ODYSSEY

2 Gedanken zu “Metal-CD-Review: IRON FIRE – Voyage Of The Damned (2012)

  1. Ich empfehle dir auch die älteren Alben von Iron Fire, da sind so viele tolle Sachen zu finden. Und man kann buchstäblich die Evolution von Steene’s Stimme beobachten, die wird einfach von Platte zu Platte immer besser.

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