TV-Kritik / Serien-Review: FALLING SKIES (Staffel 1)

Originaltitel: Falling Skies
Idee: Robert Rodat
Mit: Noah Wyle – Moon Bloodgood – Drew Roy – Maxim Knight u.a.
Laufzeit: 10(+) Folgen a‘ 45 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 12
Genre: Science Fiction

Vorwort: Winterzeit, Serienzeit – was gibt es passenderes, als sich an den vielen kalten (wobei, dieses Jahr eher nur feuchten) Wintertagen mit einer möglichst guten Serie zu beschäftigen ? Zumindest, wenn man nicht gerade dabei ist, ein Spiel wie Skyrim (komplett…) durchzuspielen ? Eben deshalb sind wir hier auf Oliverdsw.Wordpress wieder auf der Suche nach einem möglichen Kandidaten. Dieses Mal läuft es allerdings ein wenig anders: wenn die jeweils angetestete Serie nicht gleich in der ersten Episode zündet, dann war’s das. Kein Finale, kein Eintrag in die Alltime-Bestenliste – sondern ein kommentarloses Versinken in der Masse der Produktionen. Schließlich ist man nach unzähligen Filmen, Serien und Spielen schon ein stückweit versiert was das Verhältnis von Ersteindrücken und tatsächlichem Ergebnis betrifft.

Das letztaktuelle Beispiel hierzu war übrigens die (Remake-)TV-Serie V: Die Besucher. Im Grunde war sie weder eine allzu herbe Enttäuschung noch ein Überraschungserfolg – doch hätte man im Grunde nicht die gesamte Serie schauen müssen, es war lediglich der (recht triviale) Unterhaltungswert an sich welcher die nunmehr ‚investierte‘ Zeit rechtfertigte. Doch wirkliche Wendungen, Überraschungen oder Berg- und Talfahrten der Gefühle blieben aus – weshalb die Endwertung nicht weit entfernt vom Ersteindruck der allerersten Episode abwich und sich letztendlich im relativ unspektakulären Mittelfeld wiederfindet.

Wie also wird Falling Skies abschneiden, die aktuell heiss diskutierte und heftig umworbene Sci-Fi-Endzeitserie; welche sich mit einem bekannten Namens-Paten (richtig: Steven Spielberg) fast automatisch ein breiteres Publikum sichert ?

Story: Nach einer groß angelegten Invasion von Außerirdischen (‚Skitters‘ und ‚Mechs‘) befindet sich die Anzahl der überlebenden Menschen auf einem bedrohlich niedrigen Stand. Eine organisierte Widerstandsgruppe jedoch erklärt den neuen Feinden den Kampf – in kleineren Menschengruppen ziehen sie durch das Ödland und versuchen, mehr über die gefährlichen Wesen herauszufinden. Umso gravierender ist es, dass die Außerirdischen nunmehr auch die verbleibenden Kinder mittels eines Parasiten zu willenlosen Sklaven macht. Im Angesicht einer solchen Übermacht besteht eigentlich kaum Hoffnung – doch der menschliche Ehrgeiz und der unbändige Willen zu überleben gibt den Menschen eine Stärke, die die Außerirdischen möglicherweise nicht haben.

Kritik: Die vormals so friedliche Erde als Kriegsschauplatz… gemeine Außerirdische die warum-auch-immer alle Menschen ermorden, vaporisieren, dematerialisieren oder kontrollieren – und eine handvoll Menschen, die sich auf den endzeitlichen Schlachtfeldern trotz aller Hoffnungslosigkeit gegen die Übermacht erhebt. Ja, genau: irgendwie kommt einem diese Rahmenhandlung verdächtig bekannt vor. Und das kommt gewiss nicht von ungefähr: der bei weitem größte Teil von Serien, die sich auch nur ansatzweise im Sci-Fi-Genre zuhause fühlen; tendiert zu einer ähnlichen Plot-Prämisse. Wobei auch die jeweiligen Geschichten sich oft ähneln: die Außerirdischen werden zumeist als besonders mächtige, fortgeschrittene Wesen (die natürlich trotzdem aussehen wie hirnlose Urzeitmonster) dargestellt, die die Erde angreifen. Im weiteren Verlauf wird dann im besten Fall ersichtlich, warum sie das tun (so manches Mal aber auch nicht); und ob der Widerstand der Menschen einen Sinn hatte (oder ob er nur die Gesamtspielzeit der jeweiligen Serie in die Länge zog).

Falling Skies ist somit ein Kandidat, der es nicht leicht hat im heutigen Sci-Fi Genre, welches nunmehr vielerlei schreckliches erlebt hat, zu bestehen. Und tatsächlich: der Ersteindruck fällt nicht allzu weit vom Stamm der Fäulnis. Die Serie wirkt recht düster, was jedoch vielmehr auf die optische Gestaltung als auf die tatsächliche Stimmung oder dramatische Elemente zurückzuführen ist. Desweiteren scheinen oft bereits zerstörte Stadtteile etc. als Schauplätze zu dienen, sodass man die perfekte ‚Tarnung‘ für mögliche Schwächen hinsichtlich der Effekte anbietet. Aber, hat das die Serie mit einem Produzenten wie Steven Spielberg überhaupt nötig ? Man muss sagen: leider ja. Zumindest teilweise, denn was sich einstweilen und in der ersten Episode zu aus dem Dunkel bzw. Rauchschwaden erhebt besitzt nun nicht gerade einen Eyecatcher-Charakter; sondern sieht vielmehr nach standardisiertem (und etwas plumpen) TV-Niveau aus.

Doch sind es nicht die inhaltlichen Aspekte, die den Reiz einer guten Sci-Fi Serie ausmachen ? In der Tat, doch auch hier serviert Falling Skies sogleich die ersten Patzer. So muss man sich schon wundern, wieso eine als derart ‚aufregend‘ präsentierte Serie schon wieder (!) mit einer Vielzahl von Klischees aufwartet. Zwar ist nur konsequent und richtig, dass die Handlung bereits ‚mittendrin‘ beginnt (ähnlich wie bei guten Endzeitfilmen a’la The Road), doch die Charaktere und die porträtierten Aktionen derselben lassen erneut auf eine reichlich oberflächliche Serienstruktur schließen. So lässt sich schon recht gut voraussagen, wie die nächsten Episoden aussehen könnten. Ein Versuch, die nächsten Episoden zu beschreiben (Achtung, Voraussage ohne Gewähr !)

  • Episode 2 wird sich mit dem Umzug der Überlebenden befassen (weitere Reise + Gefahren).
  • Episode 3 wird sich mit dem Einleben und Verbarrikadieren in der neuen Bleibe beschäftigen.
  • Episode 4 wird sich mit der Nahrungsbeschaffung beschäftigen.
  • Episode 5 dient als ‚besondere‘ Drama-Episode mit verschiedenen Rückblicken.
  • Episode 6 zieht in Sachen Special-Effects alle Register (Kampf zwischen Menschen und Aliens).
  • Episode 7 wird sich mit der Nahrungsbeschaffung beschäftigen.
  • Episode 8 wird sich mit Streitigkeiten unter den Überlebenden beschäftigen (Führungswechsel).
  • Episode 9 wird sich mit einer Offensive der Menschen beschäftigen
  • Episode 10 dient als Auftakt eines Mehrteilers, in dem die Menschen in ein Schiff der Außerirdischen eindringen

Ob es tatsächlich so kommen wird ? Es muss nicht sein, doch heutzutage scheint es mehr als wahrscheinlich. Dennoch glimmt ein kleiner Funken Resthoffnung. Es wäre doch so einfach, mit einem derartigen Budget und recht guten, unverbrauchten Darstellern etwas auf die Beine zu stellen ! Ein paar Anregungen hierzu:

  • Der Grund für die Invasion ist ein ganz besonderer, geradezu unfassbarer
  • Das nur Kinder von den Außerirdischen benutzt werden, spielt eine große Rolle
  • Wichtige Charaktere sterben unerwartet, andere tauchen auf der Bildfläche auf
  • Weder Menschen noch Aliens stellen sich ‚dumm‘ an (warte…. ich schiesse gleeeeeich)
  • Falling Skies hat nicht nicht mehr als 20-40 Episoden.

Fazit: Mit Falling Skies scheint man einen ähnlichen Weg zu gehen wie auch schon mit dem Remake-Titel V: Die Besucher. Eine allseits beliebte und bekannte Rahmenhandlung (gefährliche Außerirdische greifen die schöne Erde an) dient als Aufhänger für eine Fernsehserie mit möglichst vielen Folgen, welche dementsprechend ‚gestreckt‘ erscheinen. Ob man dabei aber wirklich etwas neues und / oder spannendes zu erzählen hat, bleibt fraglich, es lässt sich wohl nur im weiteren Verlauf herausfinden. Eines haben viele der Sci-Fi TV-Serien (auch die, die später scheitern) aber gemein: es ist ein gewisses Grundinteresse vorhanden, sodass viele Zuschauer einschalten werden; und eine erhebliche Zahl die Serie auch bis zum ‚Ende‘ sehen wird – und sei es nur aus makaberen Interessen in Bezug auf die verspielten Chancen oder die Ideenlosigkeit trotz einer Unmenge von Episoden. Die Motivationskurve für Falling Skies nach der ersten Episode ? Man könnte weitermachen, würde aber höchstwahrscheinlich auch nichts verpassen wenn man sich anders entscheidet. Zwiegespalten !

Fazit Update (nach den kompletten 10 Folgen der ersten Staffel): In der Tat ist aus Falling Skies keine makellose, aber doch eine recht vernünftige (Sci-Fi-)Endzeit-Serie geworden, die den Zuschauer zu fesseln vermag. Dies liegt – wider erwarten – aber nicht an den mysteriösen Außerirdischen und der Frage nach dem ‚warum‘, sondern vielmehr an der oftmals prekären Situation der Überlebenden. Dass das ‚Sci-Fi‘ in Klammern steht, kommt dabei nicht von ungefähr: wie es schon bei V: Die Besucher (Neufassung) der Fall war, werden explizitere Sci-Fi-Anleihen allerhöchstens angedeutet, aber nicht weiter behandelt. Sie kommen lediglich vor: zum Beispiel in Form von (hässlichen, holprig animierten) ‚Mechs‘, der ‚Steuerung‘ für die Kinder, dem schleimigen Antlitz der Skidders. Die Endzeitstimmung, beziehungsweise das (angenehm menschliche) Porträt der Überlebenden, des Widerstandes rückt eindeutig in den Vordergrund – da hat man als Zuschauer kaum eine andere Wahl, als die teilweise merkwürdigen Prämissen der Serie fraglos hin- oder auch anzunehmen (Beispiel: die Außerirdischen haben bereits einen Großteil der Menschheit vernichtet und viele Armeen geschlagen). Richtig ärgerlich wäre es nur, wenn man auch bei Falling Skies den Fehler begeht und am Ende der zweiten Staffel (circa) dem Zuschauer erörtert, dass das Militär eben doch noch existiert, aber aufgrund der Infiltrationsgefahr im Verborgenen operiert… das kennen wir doch schon aus V: Die Besucher (die gleich nach dieser ‚Offenbarung‘ abgesetzt wurde, wie passend).

Nein, es soll ruhig so weiter gehen – mit einigen kleineren Widerstandsgruppen und einer handvoll Zivilisten, die sich organisieren und die ‚Flagge der Menschlichkeit‘ weiterhin hochhalten. Auch oder gerade wenn dies bedeutet, dass im Angesicht einer großen Gefahr trotzdem zwischenmenschliche Probleme oder gar zwischenmenschlicher Hass entsteht. Wichtig oder wünschenswert wäre es nur, wenn die zweite Staffel mehr Ideen beinhalten würde – bisher sieht es in dieser Hinsicht noch recht mau aus. Der Knackpunkt Nummer 1 ist in diesem Fall – wie bei jeder anderen Serie auch – der eigentliche ‚Grund‘ für die Invasion der Außerirdischen. Wenn die Macher hier Geschick beweisen, oder wenn man nicht so weit ausholen möchte, den Grund überhaupt versuchen zu erörtern – dann könnte aus Falling Skies noch eine recht sehenswerte Serie werden. Auch wenn das Ende der ersten Staffel alles andere als gelungen und fern jeder Nachvollziehbarkeit ausfiel. Werfen wir noch ein letztes Mal einen Blick auf die Positiv- und Negativseiten von Falling Skies

+ ‚Ehrliches‘ und teilweise aufwendig inszeniertes Endzeit-Szenario
+ Durch zahlreiche Zivilisten und eine besondere Kommandostruktur entsteht eine ‚lebendige‘ Szenerie
+ Erste kleine aber feine Plot-Überaschungen (siehe Skidders, Auftauchen neuer Wesen)
+ Ausgearbeiteter Spannungsbogen, schneller aber nicht zu hektischer ‚Drive‘ in den Episoden
+ Glaubwürdige, engagierte und größtenteils sympathische Darsteller

– In optischer Hinsicht eher mau (Farben, Kontraste, Kameraführung, Schnitte)
– Special Effects und Kostüme selbst für TV-Produktionsverhältnisse aufällig plump
– Story lenkt geschickt von den eigentlich ‚wichtigen‘ Ereignissen ab
– Mangelnde Logik
– Kaum nachvollziehbare Prämissen (Militär geschlagen ? Stimmungsumbruch am Ende der ersten Staffel ?)
– Kaum Erklärungen / näheres Eingehen auf den Grund und die Drahtzieher der Invasion
– (nur für die synchronisierte Fassung) Darsteller teilweise schlecht und ohne Elan gesprochen


70button

„Überraschend solide Sci-Fi-Serie.“

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