Metal-CD-Review: VAN CANTO – Tribe Of The Force (2010)

Land: Deutschland – Stil: Melodic Accapella Power Metal

Die Trackliste (ohne Gewähr):

  1. Lost Forever
  2. To Sing a Metal Song
  3. One to Ten
  4. I am Human
  5. My Voice
  6. Rebellion
  7. Last Night of the Kings
  8. Tribe of Force
  9. Water. Fire. Heaven. Earth
  10. Master of Puppets
  11. Magic Taborea
  12. Hearted
  13. Frodo’s Dream

Räusper… Rakkatakka, Motherfu**er !

Vorwort: Ein Album voller Hymen… wo kann es so etwas noch geben, wenn nicht bei der Acapella-Combo VAN CANTO ? TRIBE OF THE FORCE ist das nunmehr dritte Studioalbum der sangesfreudigen Jungs und Mädels aus Deutschland. Dieses Mal sollen noch mehr Eigenkompositionen vertreten sein als bisher, und als besonderes Schmankerl haben Chris Boltendahl (GRAVE DIGGER), Tony Kakko (SONATA ARCTICA) und Victor Smolski (RAGE) fulminante Gastauftritte. So ein Album kann doch eigentlich nur gut sein, oder ? Die Erfahrung und die Fangemeinde der Band steigen wachsen jedenfalls beständig weiter – es scheint, als könne der Mythos VAN CANTO nicht mehr gestoppt werden ! Und das ist auch gut so…

Kritik: Denn, tatsächlich: TRIBE OF THE FORCE lässt keine Wünsche offen, weder zu Beginn noch im weiteren Verlauf. Bereits der Opener LOST FOREVER, der (richtigerweise) auch als Videosingle ausgekoppelt wurde, legt ordentlich vor und begeistert Fans aller Herren Länder. Aber sicherlich auch solche, die bisher noch nichts oder wenig mit der Musik von VAN CANTO zu tun hatten – zum einen aus Gründen des kuriosen Interesses (wie… eine Metal-Band die gänzlich ohne Gitarren auskommt ?) und zum anderen aus qualitativen Gründen. Denn mit TRIBE OF THE FORCE ist es endlich amtlich: VAN CANTO haben den Klimax erreicht, sowohl in Sachen Songwriting, Virtuosität als auch Produktionsqualität. Wem die ersten beiden Alben noch ein wenig zu ‚lasch‘ daherkamen, der wird nun vollends und wunschlos begeistert sein. Was für eine… Überhymne ! Wie immer mit am Start, neben den beiden Leadsängern Philip und Inga: die Bandmitglieder die als ‚Instrumentenersatz‘ fungieren, und so für die grundlegende, treibende Instrumentalisierung (neben dem Schlagzeug – ja, das wird noch genutzt !) sorgen.

Es folgt TO SING A METAL SONG, ein recht witziges Teil mit viel UndDanUndDan und Co. – welches sich ebenfalls sofort und als waschechte Hymne in den Gehörgängen festsetzt. Als kleine Auflockerung zwischendurch ist der Titel genau das richtige – vielleicht ist er nicht das Highlight des Albums, aber doch mit Sicherheit eines der vielen Highlights. Abfeiern ist unbedingt erlaubt ! Einer der stärksten Titel kommt allerdings schon gleich darauf: das brachiale ONE TO TEN mit einem Gastauftritt von Victor Smolski (RAGE). Ja, wie geil ist das denn ? Als wenn der Song nicht schon genial genug wäre, liefert sich selbiger im späteren Verlauf ein kleines ‚Gitarrenduell‘ der Extraklasse… selbst (an)hören ist Pflicht. Ansonsten gilt auch hier: ein flottes Tempo, allerlei gut umgesetzte musikalische Raffinessen im Hinblick auf die abwechslungsreiche und kraftvolle Instrumentalisierung, gut präsentierte Vocals… VAN CANTO geben einfach keine Schwächen preis. I AM HUMAN ist der erste deutlich ‚ruhigere‘ Titel, der eher im Midtempo anzusiedeln ist – aber dennoch reichlich druck- und kraftvoll daherkommt. Ganz wunderbar ist hier die Harmonie von Philip, Inga und allen anderen Sängern spürbar, die sich perfekt ergänzen und dem Titel den ein oder anderen Höhepunkt verpassen. Man sieht, auch im etwas emotionaleren, bedeutungsschweren Bereich kann die Band punkten.

Ja, hie und da für ein wenig Abwechslung zu sorgen ist nicht verkehrt – doch das braucht man VAN CANTO nicht mehr beibringen. Das nun über die Boxen hereinrauschende MY VOICE ist wieder ein kultverdächtiger Brachialtitel mit einem sagenhaften Drive und ordentlich Power. Und noch viel mehr Diversität und Abwechslung – so viele Veränderungen wie in diesem Titel gibt es bei fast keiner Nummer. Wann immer man in den Titel hineinskippt, ein jedes Mal klingt er anders. Ruhige, fast schon andächtige Passagen wechseln sich mit Uptempo-Gekloppe in bester Rakkatakka-Manier ab, und sorgen so für einen vielfältiges Klangereignis. Ein großes Lob muss an dieser Stelle auch für den Schlagzeuger Bastian „Basti“ Emig ausgesprochen werden ! Nein, nicht weil er die Schlagzeuggeräusche nicht imitiert (wäre sicherlich auch interessant), sondern weil er seinen Job einfach verdammt gut macht. Das nächste Highlight folgt sogleich… sagte ich nicht bereits, TRIBE OF THE FORCE wäre ein Album voller ‚Hits‘ und Hymnen ? In der Tat, REBELLION ist eines der beiden Cover-Nummern auf dem Album. Und natürlich, wo sollte Chris Boltendahl seinen Gastauftritt haben, wenn nicht hier ? Die Nummer geht sofort ins Ohr und wird zweifelsohne zu einer (Fan-)Hymne der besonderen Art avancieren. Eine irgendwie seltsame Mischung aus ‚Glory‘ und fröhlicher Verspieltheit vermengen sich hier zu einer mehr als soliden Nummer. RanneDeDan, Dodo !

Nun ist es an der Zeit für meine persönliche Lieblingsnummer auf dem Album: LAST NIGHT OF THE KINGS. Auch hierzu gibt es eine Videoversion, die übrigens sehr gut zur erzeugten Stimmung passt. Die erste waschechte Lagerfeuer-Nummer mit viel Poesie und einem Höchstmaß an musikalischer Erhabenheit, besser geht es einfach nicht. Markant auch, dass hier auf das Schlagzeug verzichtet wurde, stattdessen regieren eher ruhigere (mit dem Mund erzeugte) Töne und ganz viel Gesang. Und was für einer – hier laufen Inga und Philip wahrlich zur Höchstform auf. Kraftvoll, leicht ‚verschwörerisch‘, über jeden Zweifel erhaben – das ist VAN CANTO in aller Perfektion. We will stand up for an independent life ! Es folgt der Titeltrack TRIBE OF THE FORCE, der eine ähnlich ‚gelassene‘ Stimmung innehat wie der Vor-Titel, aber dafür wieder das Schlagzeug mit an den Start bringt. Eine starke Nummer, wie auch das folgende WATER, FIRE, HEAVEN, EARTH, in welchem nun erstmals Inga alle Gesangsparts übernimmt. Was für eine Stimme… in der Tat, sie ist alles andere als aufdringlich oder ‚divenhaft‘, sondern einfach nur authentisch, gefühlvoll und angenehm. Ein kurzer ‚Gitarren‘-Solipart folgt natürlich auch wieder… perfekt.

MASTER OF PUPPETS ist die zweite Coverversion auf dem Album, die ursprünglich von METALLICA stammt. Was VAN CANTO aus diesem Titel gemacht hat, ist zweifelsohne gewagt, interessant und unterhaltsam anzuhören – endlich mal gibt es eine Band, die nicht einfach nur plump covert – sondern dem jeweiligen Titel eine ganz neuen Klanganstrich verpasst. Markant: die etwas aggressiver klingenden RanNeDeDan-Parts, an die sich auch Leadsänger Philip angepasst hat – er klingt hier ein stückweit rauer und ‚härter‘. Natürlich sollte man bei einem Titel, der eine Spielzeit von über 8 Minuten hat, einige Überraschungen erwarten können – natürlich wird man auch in dieser Hinsicht nicht enttäuscht. MAGIC TABOREA ist eine weitere Videoauskopplung, die die wohl größte Aufmerksamkeit ergattert hat: als Ode an die Fantasy-Videospielwelten begeistert diese Nummer nicht nur eingefleischte VAN CANTO-Fans und Neueinsteiger, sondern auch jene, die bisher eigentlich wenig mit Musik dieser Art zu tun hatten. Und noch etwas ist ‚besonders‘ an dieser Nummer: zum ersten Mal wirkt ein Orchester mit ! Das hört man dezent im Hintergrund, es harmoniert perfekt mit den typischen VAN CANTO-Elemten. In Zukunft gerne mehr davon ! Als vorletzte Nummer fungiert dann HEATRED, mit einem Gastauftritt von Tony Kakko (SONATA ARCTICA). Auch hier gilt: Power und Melodiösität regieren. Ein paar tiefere, growlartige Gesänge gibt es noch als Abwechslungs-Bonus obendrauf. Bleibt nur noch FRODOS DREAM, ein Titel, welcher das Album mehr als würdig abschließt.

Fazit: Irgendwie ist das schon verdächtig… TRIBE OF THE FORCE ist ein Album mit immerhin 13 Titeln – von denen allerdings kein einziger als ‚Lückenfüller‘ bezeichnet werden kann ! Jede Nummer trifft direkt ins schwarze, eine Hymne reiht sich an die nächste. Das liegt in erster Linie an der alles andere als ‚abgenutzten‘ Daseinsform VAN CANTO’s als Acapella-Band, die ein frisches Klangereignis garantiert. Aber auch an den sagenhaften Fähigkeiten aller einzelnen Mitglieder – hier verdient wirklich jeder die Bestnote. In erster Linie natürlich Inga und Philip, die nicht zu Unrecht als ‚Aushängeschilder‘ der Band fungieren – aber auch der Schlagzeuger, der für den nötigen Takt sorgt, und alle anderen Stimmakrobaten die sich immer wieder etwas neues einfallen lassen um jedem Song das gewisse etwas zu verleihen. Ebenfalls ein Grund für das Funktionieren des Albums: die Abwechslungsgarantie, die man mit dem Kauf dieses Albums automatisch miterwirbt: kein Titel klingt wie der andere, ruhige oder gar balladeske Stücke wechseln sich wohl dosiert mit kräftigen Uptempo-Nummern ab. Was soll’s, was bleibt noch zu sagen… hat man VAN CANTO, kann man getrost auf Gitarren verzichten. Zwar nicht grundsätzlich, aber für einige glorreiche Momente wie diese… auch als waschechter Metaller. Bravo !

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