TV-Kritik / Anime-Review: TEGAMI BACHI

Typ: Anime-Serie (25-teilig)
Studio: Studio Pierrot
Regie: Akira Iwanaga
Land: Japan
Genre: Fantasy / Action / Drama

Die Liste der Episoden (ohne Gewähr):

1 Letter and Letter Bee
2 My Friends
3 Crybaby Boy, Letter Girl
4 Lag’s Dingo
5 Dead-End Town
6 The Letter to Jiggy Pepper
7 Yuusari Central Nocturne Hood #13 Head Post Office Bee-Hive
8 Seeing Sylvette Suede
9 The Crybaby Boy’s Vow
10 Under the Light
11 Letter of Lies
12 Red and Green Ribbon
13 The Promised Land
14 The Corpse Doctor
15 The Elopement
16 Fan Letter to a Musician
17 Letter Bee and Dingo
18 Letter Pigeon
19 The Sick Letter Bee and Girls
20 Lost Letter
21 Potpourri of Memories
22 The Note that Connects Dreams
23 Honey Waters
24 Memories of Three Hearts
25 The Person Unable to Become Spirits

I definitely want to become the HEAD Letter-Bee !

Inhalt: Ein Postzusteller namens Gauche Suede staunt nicht schlecht, als er eines Tages auf ein größeres ‚Paket‘ mit verdächtig lebendigen Inhalt trifft – es handelt sich um einen Jungen namens Lag Seeing, der aus irgendeinem Grund von seinen Eltern getrennt wurde. Gauche ist erst wenig begeistert, entschließt sich dann aber auf sein Herz zu hören und Lag Seeing zu retten. Zumindest versucht er es – und liefert ihn vorerst an seinem Bestimmungsort ab, wo er in Sicherheit ist. Die Trennung fällt beiden außerordentlich schwer, hat sich über die wenigen Tage doch so etwas wie eine echte Freundschaft zwischen den beiden entwickelt. Einige Jahre später schwört sich Lag noch immer, wie sein neues Vorbild Gauche ein Letter Bee zu werden – ein Postangestellter der Regierung. Er wird seinen Weg gehen – und durch immer neue Herausforderungen wachsen. Und das ist auch  bitter nötig, denn irgendetwas scheint mit Gauche geschehen zu sein… er ist urplötzlich verschwunden und ward nie wieder gesehen. Wird Lag seinen alten Freund retten können ?

Kritik: Kann eine Anime-Serie wie TEGAMI BACHI – bei einem sich selbst stark einschränkenden Storygerüst wie diesem – trotz allen Vorbehalten eine gewisse Eigenständigkeit und eine daraus entstehende Faszination entwickeln ? Kann sie trotz der offensichtlich etwas kindlicher gehaltenen Charaktere und den ‚ungefährlichen‘ Inhalten dennoch möglichst diversifizierte Zuschauergruppen ansprechen, und am Ende gar atemberaubende Plot-Überraschungen feilbieten ? Die Antwort lautet in diesem Fall ganz klar: JEIN !

Tatsächlich macht es sich die Serie selbst unnötig schwer. Die Handlung von TEGAMI BACHI findet in einem eigens erdachten Handlungsuniversum statt, welches mit einigen Besonderheiten versehen wurde – das sind unter anderem Dinge wie eine ständige Dunkelheit, die lediglich von einer Art künstlichen Sonne durchbrochen wird; das sind die verschiedenen Gesellschaftsklassen oder eben der besondere Service des hiesigen Postunternehmens. Jedoch, und das ist eines der großen Probleme der Serie, werden kaum Ambitionen seitens der Macher ersichtlich, diese Welt wirklich ’stimmig‘ zu inszenieren und nachhaltig auf sie einzugehen. Vieles wird als plumpe Prämisse in den Raum beziehungsweise auf die Leinwand geworfen, auf dass es keiner weiteren Erklärungen bedarf. Es gilt also: bloß keine Fragen zu den jeweiligen Hintergründen stellen !

So kommt es, dass die eigentlichen Aufhänger der Serie die episodenbasierten Geschichten sind. ‚Episodenbasiert‘ heißt im Falle von TEGAMI BACHI in etwa: es gibt für die Hauptprotagonisten in (fast) jeder Folge einen neuen Auftrag, der die Zustellung eines Briefes beinhaltet. Diese Aufträge haben zwar jeweils einen unterschiedlichen ‚Schwierigkeitsgrad‘, sind aber stets am Ende einer Folge abgehandelt. Eine der positiven Folgen dieses Konzeptes ist, dass man als Zuschauer portionsweise eine ‚Moral von der Geschicht‘ präsentiert bekommt – hierbei setzt die Serie vor allem auf zwischenmenschliche Faktoren und Botschaften. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass die eigentliche Rahmenhandlung – ja, auch eine solche gibt es ! – ein wenig in den Hintergrund gedrängt und somit ‚vergessen‘ wird. Es zählt das jeweils gegenwärtige Ziel, das heißt die Zustellung eines Briefes oder ähnlichem – alles andere wird nach hinten verschoben. Das wäre an sich kaum ein Problem, würden sich diese Verzögerungen spontan und unvorhersehbar ereignen – doch es ist wieder einmal die Serie selbst, die für eine (etwas langatmige) ‚Entspannung‘ der Situation sorgt. Es steht eben fix und sinngemäß fest: erst wenn diese ganzen Ziele abgearbeitet sind und einige Jahre ins Land gegangen sind, kann sich der Hauptcharakter seinem eigentlichen Ziel widmen.

Er muss also immer besser (und dementsprechend auch älter) werden – das, was in anderen Serien quasi ’nebenbei‘ geschieht gerät bei TEGAMI BACHI zum hauptsächlichen Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, die demnach nur sehr, sehr träge vorankommt. Das ist schade – zumal das grundsätzliche Setting durchaus interessant erscheint, und besonders die ersten Episoden außerordentlich stark waren. Aber warum war dem so, und noch viel wichtiger: warum konnte dieses Qualitätslevel nicht gehalten werden ?

Die ersten Episoden

Ja, wie war das schön – eine Anime-Serie, die auf den ersten Blick als außerordentlich ‚frisch‘ und anders daherkommt als so viele Genrevertreter. Eine grundsätzlich ansprechende Farbgestaltung, die zwar von dunklen Tönen lebt aber dafür auch gegensätzliche ‚Eyecatcher‘ bietet (in Form von besonderen ‚Niederschlägen‘), ein wahrhaft gelungener Soundtrack (viele bekannte klassische Stücke, eigens komponierte, stets passende) und eine spannende Ausgangssituation machten TEGAMI BACHI zu einem echten Hingucker. Ein Hauptprotagonist namens Gauche, der seiner Tätigkeit als Letter Bee nachgeht und dabei unvorhergesehen auf ein ‚lebendiges Paket‘ namens Lag Seeing trifft – aus diesem Stoff hätte eine außerordentlich gute Geschichte werden können. Oder müssen – denn auch die eigens kreierte Welt der Serie hätte dafür einen ausreichend faszinierenden Rahmen geboten. Seltsame mechanische Monster, die aus dem Boden kommen und die Letter Bee’s attackieren, eine leicht mystisch-weihnachtliche Welt in der die Gesellschaft in zwei Lagern (arm und reich) lebt, ein kleiner Junge (richtig: Lag Seeing), der aus irgendeinem Grund als Paket deklariert wurde und von nun auf der Suche nach seiner Mutter aber auch seiner eigenen Identität ist… doch vorerst einen neuen Freund in Gauche findet. In der Tat – die ersten beiden Episoden hätten sicherlich eine Höchstwertung verdient. Doch leider kam alles ganz anders…

Die späteren Episoden

Denn genau hier liegt der Knackpunkt. Als Zuschauer muss bereits in der dritten Episode feststellen, dass der eigentliche Hauptprotagonist Gauche gar keiner ist – sondern das der junge und übereifrige Lag Seeing von nun an diese Stellung einnimmt. Zwar ist er nunmehr schon ein paar Jahre älter, doch das bringt ihn nicht sonderlich weit weg von seiner ureigenen Kindlichkeit. Nein, nicht Naivität – denn die spielt bei einer auf harmlos getrimmten Story wie der von TEGAMI BACHI ohnehin keine Rolle. Grundsätzlich spricht nichts gegen kindliche Charaktere in guten Anime-Serien, im Gegenteil – doch es kommt eben doch auf die Dosierung und Attribuierung an. Leider stellt sich Lag Seeing als ziemliche ‚Heulsuse‘ heraus, was durchaus negativ zu verstehen ist. De facto heißt das, dass fast grundsätzlich in jeder Episode ausgiebig geweint wird – was weniger der Charakterisierung von Lag dienlich ist, als das es den Zuschauer irgendwann einfach nur noch auf die Nerven geht. Nicht viel besser ist da der Sidekick Nice, das kleine Mädchen mit besonderen Fähigkeiten. Auch dieser Charakter bleibt über die gesamte Zeit äußerst fix was seine Entwicklung (und besonders sein Verhalten !) anbelangt. Zwar sorgt man so für einige Lacher, doch über einen Zeitraum von 25 Episoden a‘ 20 Minuten ist all das noch etwas zu wenig. Ebenfalls ein riesiges Problem: die potentiell spannenden Aspekte (Gauche’s Rettung, die Anti-Regierungsbewegung) werden nur höchst minimal angedeutet, aber; man ahnt es – wohl erst in der zweiten Staffel explizit behandelt. Aber was nützt es dem Zuschauer, in der zweiten Staffel eine ANTI-Regierungs-Bewegung vorgestellt zu bekommen, wenn er aufgrund der ersten Staffel nicht einmal ein vernünftiges Bild von der Regierung selbst erhalten hat ? Richtig. Alles wird auf das Postunternehmen heruntergebrochen, darüber hinaus wird hie und da etwas von einem leuchtenden Stern für die Reichen eingeworfen – aber das war es auch schon.

Fazit: Schade – TEGAMI BACHI begann als außerordentlich spannende und vielversprechende Serie mit leicht kindlich-verspielter Gestaltung, aber einem universell-faszinierenden Storyuniversum. Viel zu schnell erfolgte der Umbruch, die Suche nach dem nun verschwundenen Gauche wurde in den Vordergrund gestellt – doch leider nie nennenswert weiter behandelt ! Bis zu einer der letzten Episoden, doch bis dahin vergehen unzählige Folgen die nach dem handelsüblichen Muster (Bringe einen Brief von A nach B) ablaufen und kaum Überraschungen bereithalten. So verkommt eine unverhältnismäßig große Anzahl an Folgen zu (gefühlten) ‚Lückenfüllern‘, die den Zuschauer auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten. Es ist in der Tat wahr: man könnte sich die gesamte erste Staffel von TEGAMI BACHI sparen und sogleich mit der zweiten Staffel beginnen. Inhaltlich wird man nicht viel verpassen, dass was die erste Staffel an merkwürdigen, unaufgeklärten Prämissen hinwarf bleibt auch dem Beginn der zweiten Staffel erhalten (Dunkelheit ? Ein leuchtender Riesenstern ? Gaichu-M0nster ? Postzustellung, aber sonst… wenig ?) – und das was man wissen sollte, lässt sich in zwei Sätzen veranschaulichen. Hier wäre viel mehr drin gewesen – immerhin reicht es noch für eine leicht überdurchschnittliche Gesamtwertung.


60button

„Hier liegt einiges an Potential brach.“

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