Filmkritik: „5 Centimeters Per Second“ (2007)

Originaltitel: Byōsoku Go Senchimētoru
Regie: Makoto Shinkai
Mit: /
Laufzeit: 63 Minuten (aufgeteilt in 3 Episoden a‘ 21 Minuten)
Land: Japan
FSK: Ab 0
Genre: Anime (Drama / Romanze)

Liebe kann so schön, aber auch verdammt unerreichbar sein…

Inhalt: Akari und Takaki sind noch im Schulkindesalter, als sie sich kennen- und lieben lernen. Sie gelten als Aussenseiter und werden nicht selten von ihren Mitschülern deswegen aufgezogen, was ihnen jedoch nicht viel ausmacht – solange sie zusammen sind. Sie planen schon damals eine gemeinsame Zukunft, wenn auch nur auf schulischer Ebene – sie wollen möglichst auf die gleiche Hochschule gehen. Unglücklicherweise kommt es, wie es kommen muss: Akari’s Eltern ziehen um, und die beiden Freunde werden getrennt. Die Freundschaft wird mit Briefen und seltenen Treffen am Leben gehalten, doch eines Tages muss auch Takaki umziehen, was die Entfernung zwischen den beiden nur noch vergrößert. Und dennoch läuft die Liebe der beiden niemals Gefahr zu vergehen, es ist als ob ein unsichtbares Band zwischen den beiden besteht. Aber hat diese Liebe wirklich eine Zukunft ?

Hinweis: Der episodenartig angelegte Anime Byousoku 5 Centimeter von Romantik-Altmeister Makoto Shinkai erfuhr noch keine deutsche Synchronisation, und ist daher vorzugsweise im Originalton mit Untertiteln zu sehen !

Kritik: Sobald man nach einer anfänglichen Eingewöhnungszeit einmal in den etwas schwermütigen aber dennoch faszinierenden Kosmos des Animes eingetaucht ist; muss man zweifelsohne feststellen, dass er massig Potential hat. Unglücklicherweise wird dieses aber nicht immer ausgenutzt – und so rückt vor allem das wohl nicht sonderlich erstrebenswerte Potential in der Gunst der Zuschauerschaft zu polarisieren in den Fokus. Warum das so ist liegt auf der Hand: Byousoku 5 Centimeter ist einerseits einer der optisch anspruchsvollsten Animes aller Zeiten, andererseits aber auch einer der inhaltlich fragwürdigsten. Diese beiden Gegensätze, wobei sich zur atemberaubenden Optik sicherlich auch noch der gelungene Soundtrack gesellen darf, treffen vor einer relativ kitschigen bis schnulzigen Romantik-Kulisse aufeinander, und buhlen um eine Existenzberechtigung als durch und durch poetisch angehauchter, zeitloser Anime.

Und tatsächlich – bevor man überhaupt inhaltlich in das Werk einsteigen kann, wird man geradezu von einer bisher nie dagewesenen Brillanz erschlagen: die Hintergrundanimationen von Byousoku 5 Centimeter gehören zu den eindrucksvollsten und schönsten überhaupt, und werden es einem die Sprache verschlagen. Ein unglaublich facettenreicher Detailreichtum, eine farbenfrohe Gestaltung, zahlreiche Naturbilder als stimmige Stilleben und eine mehr als geschmeidige Animation machen den Anime zu einem echten Hingucker. Im gleichen Atemzug beginnt auch der Soundtrack sowie die akustische Kulisse im allgemeinen zu zünden – hier wird man geradezu himmelhoch jauchzend vor dem Bildschirm sitzen. Auch die sich langsam entfaltende Story um eine Jugendliebe mit allen damit verbundenen gedanklichen Monologen und Auseinandersetzungen weiss besonders zu Beginn zu begeistern. Makoto Shinkai beweist hier ein ordentliches Fingerspitzengefühl wenn es an das Charakterisieren seiner Charaktere und dem Porträt der ersten ‚richtigen‘ Liebe voller Sehnsüchte geht – das ist Drama pur, und das auch noch vor einer sagenhaften Kulisse.

Die Probleme werden erst ein wenig später ersichtlich, eventuell aber schon mit dem Ausklang der ersten Episode. Hier begibt sich der Hauptprotagonist nämlich auf eine Zugreise zu seiner angebeteten, die den weiteren Erzählstil des Animes perfekt versinnbildlicht: die Geschichte stellt sich als äusserst träge und ereignislos heraus. Zwar wird hie und da mit den Gedanken der Protagonisten gespielt, quasi als Aufarbeitung jener Aspekte der Liebe, die sich dann abspielen wenn man getrennt voneinander ist – doch dies reicht nicht, um die weiteren 40 Minuten des Films beziehungsweise der Episoden zu rechtfertigen. Anfangs könnte man noch vermuten, beziehungsweise die Hoffnung hegen dass ein Großteil der inhaltlichen Aspekte auf einer anderen, metaphorischen Ebene transportiert würden – doch letztendlich ist davon nicht viel zu entdecken. Byousoku 5 Centimeter gerät zunehmend banaler und kitschiger, die Hauptfiguren; die auch ursprünglich nicht gerade zu den am besten charakterisierten gehören, verblassen zusätzlich durch den diffusen Erzählstil der drei Episoden.

Fazit: Letztendlich kann man kaum Empathie für das Liebespaar aus Byousoku 5 Centimeter entwickeln, zumal gerade potentiell spannende Themen wie ihre rolle als Aussenseiter die sich gegenseitig halt geben grundsätzlich ausgespart werden. Stattdessen dominiert die fade Romance-Story, die nun mehr und mehr ins undefinierbare abzudriften droht. Tatsächlich soll mit dieser Erzählweise ein Eindruck einer Zeitlosig- und Allgemeingültigkeit geschaffen werden, indem man das Leben der Protagonisten zeitlich gerafft wiedergibt – doch an diesem hehren Ziel scheitert Byousoku 5 Centimeter. Was bleibt: eine sagenhaft eindrucksvolle Optik, ein perfekter technischer Part – aber eine enttäuschende Story ohne Überraschungen oder einer einprägsamen Nachhaltigkeit.

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7 Gedanken zu “Filmkritik: „5 Centimeters Per Second“ (2007)

  1. Das freut mich ja – alles an deinem Kommentar.

    Ja, die beiden Rebuild-Filme habe ich auch schon gesehen, und werde mich dann gleich auf machen, dein „Monstrum“ von Evangelion-Artikel zu lesen 🙂 . Kommentiere dann auch (ich bin so ein Kommentar-Suchti *g*).

    Liest/kennst/schaust/magst du denn Naruto auch?
    Gestern abend hab ich dir ja den Link zu meinem „Anime-Movies“-Artikel geschickt. Hier noch der Link zu meinem „Abgeschlossene Anime-Serien“-Äquivalent: http://ramenchan.wordpress.com/2013/02/03/abgeschlossene-anime-serien
    Vielleicht magst du dich da ja auch melden, falls du deinen Senf zu etwas abzugeben hast 🙂 .

    @5cm per Second: Ja gut, so sind Geschmäcker eben immer unterschiedlich. Trotzdem scheinst du ja so viel Verständnis wie möglich für meine Betrachtungsweise zu haben, das erfreut natürlich immer, wenn sie der Gesprächspartner nicht total verschließt und eh alles kacke findet. Warst du denn schon mal in einer ansatzweise ähnlichen Situation wie die Charaktere aus dem Film? Vielleicht liegt es auch daran, dass dir das Ende nicht viel bedeutet hat, bzw. generell der Film.

    Heheee, das wär ja cool, wenn du dir den Film nochmal ansehen würdest! Auch wenn es jetzt in Deutschland nicht mehr so schneit, das passt natürlich besser zum Film von der Atmosphäre her 😉 .

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    1. Wer weiss, vielleicht gibt’s ja doch noch ein Schnee-Comeback, heutzutage ist alles möglich 😉

      Naruto kenne ich (noch) nicht, habe nur mal kurz in eine einzelne Folge reingeschaut. Aber das war auch schon ewig her… nicht, weil mir das Thema / Setting etc. nicht gefällt, sondern weil ich es bisher irgendwie immer geschafft habe, einen Bogen um die Serie zu machen; und sie um mich. Explizite Gründe gibt es eigentlich keine… von daher ist noch alles drin 🙂

      Aber vielleicht liegt es auch am (zumindest für mich persönlich) leicht ‚abschreckenden‘ Effekt der schieren Anzahl der Episoden… die führte auch bei One Piece dazu, dass ich der Serie eher skeptisch gegenüberstehe. Stichwort Endlos-Serie eben… muss ich nicht unbedingt haben, ich mag es eher kompakt und abgeschlossen. Selbst, wenn dadurch Werke wie Evangelion entstehen, die einfach mal sowas von überladen sind… hier hätte sich eine höhere Episodenanzahl doch wirklich gelohnt. Aber dann wäre EVA eben auch nicht mehr EVA, ist wohl gut so wie es ist.

      Klar, ich werde nochmal über Deine Seite schauen und sicher auch den ein oder anderen Kommentar hinterlassen. Allerdings erst morgen, dann beantworte ich auch Deine anderen Kommentare hier; sowie den ausführlicheren & durchaus kritischen (wie ich gerade sehe^^) Kommentar zum EVA-Thread. Bis dahin…

      p.s. Du hast absolut Recht, dass persönliche Erfahrungen in Bezug auf eine (immer subjektive) Bewertung eines Films eine erhebliche Rolle spielen können. Etwas explizit vergleichbares ist mir bisher noch nicht passiert (obwohl die Filme / Animes ja meist so gehalten sind, dass sich möglichst viele darin wiedersehen) – vielleicht liegt es daran. Umso spannender war es für mich, Deinen 5 Centimeters-Bericht mitsamt der Bezüge / Parallelen auf Dein eigenes Leben zu lesen. Danke dafür !

      MfG, Oliver

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      1. Scheen!

        Was die Endlos-Serien angeht muss ich dir zustimmen: One Piece soll ja totaaaaaaaaal awesome sein, aber ich schrecke auch davor zurück, jetzt mit so nem Epos anzufangen. Naruto beschäftigt mich schon genug, +andere Animes und RL und so…
        (One Piece schreckt mich aber auch wegen dieses -für mich- absolut hässlichen Zeichenstils ab, davon mal ganz abgesehen).

        Ich lese sonst noch Bleach, aber auch nicht wöchentlich, sondern alle 3 Monate mal alles in einem Schwung, was kam.

        Was ich bei Endlos-Serien sowieso empfehlen würde, wenn du überhaupt anfangen möchtest, dann lies den Manga anstelle den Anime zu schauen. Der Anime dauert einfach viel länger, und es sind Filler-Folgen dabei, die absolut banane sind und nix zur Haupthandlung beitragen und auch gar nicht vom Autor ausgedacht wurden.
        Trotzdem sollte man sich mal 1-2 Folgen Anime anschauen, um so in die Farben, Stimmen und Musik des Settings reinzukommen, aber ganz „Naruto“ nur durch Animes aufholen zu wollen, das würd ich nicht empfehlen.
        Aber naja, wären trotzdem 626 Kapitel… O_o .

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        1. 626 Kapitel, das entspricht welchem Gegenwert, sollte ich mir alle Bände tatsächlich kaufen wollen oO ?

          Naja, noch ist nicht aller Tage Abend… mal sehen, ob mir irgendwann die nötige Zeit bleibt.

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  2. Hallo, ich bin neu hier auf dem Blog!
    Habe nen anderen Artikel von dir empfohlen bekommen, deine Theorie zu Evangelion, die les ich aber erst morgen, da brauch ich ein bisschen mehr Konzentration zu 🙂 . Also hab ich erstmal deinen restlichen Blog durchgestöbert und bin hier bei 5cm per Second hängen geblieben, und ich würd gern meine Meinung des Films präsentieren. Denn ich fand ihn im Gegensatz zu dir total schön und richtig richtig wunderbar.
    Ich hab selber nen Blog und da vor kurzem erst meine aktuelle Meinung zu dem Film gepostet, deswegen würd ich gern einfach den Link geben. Du liest dir den Part durch, und antwortest hier wieder drauf. Okay? (will überhaupt keine Werbung machen, da mein Blog eigentlich nur auf ein einzelnes Thema konzentriert ist)
    http://ramenchan.wordpress.com/2013/03/23/anime-movies/
    So, hier in dem Artikel bitte ans Ende scrollen, 5cm per Second war der letzte Film.

    Dann bin ich mal gespannt, was du dazu sagst.
    Ich weiß zum einen z.B. gar nicht, was man an dem Film kitschig finden kann. Du warst doch auch mal im Teenager-Alter, oder? Und der Film präsentiert imho ziemlich realistisch, wie Schüler sich verlieben, dann ziehen die Eltern von einem Teil weg, man verliert sich aus den Augen, andere Mädels schwärmen für einen Jungen, und am Ende werden sie erwachsen, die Liebe vergeht über die Entfernung und die Zeit, und sie können am Ende einfach weitermachen, leben ihr Leben weiter.

    Dich hat es nicht überrascht, dass sich die beiden am Ende am Bahnübergang wiedertreffen, beide sich umdrehen, Akari aber nicht wartet und weitergeht, und Takaki selbst auch weitergehen kann, ohne wie ein Häufchen Elend am Boden zu sitzen?

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    1. Na dann mal herzlich willkommen !
      Ersteinmal: mein Blog wurde empfohlen ? Das hört sich doch sehr gut an, bin begeistert 😉
      Sehe gerade, das dies meinen Evangelion-Interpretationsbeitrag betrifft, mein ‚kleines Monster‘ (in Sachen Textlänge und Tiefe). Mach dich auf was gefasst – aber sei gewarnt, vieles ergibt nur einen Sinn bzw. ist nachvollziehbar, wenn Du auch schon die neuen Filme (REBUILD) gesehen hast. Zur eigentlichen Serie habe ich auch noch einiges in Petto… aber so vieles ist untergegangen. Wird wohl mal wieder Zeit für einen Re-Watch…

      Du und Werbung machen ? Selbst wenn Du es wolltest, gerne; schließlich sollten dies ambitionierte Blogger dürfen, noch dazu wenn sie eine Vorliebe für Animes / Mangas haben^^ Aber ich sehe gerade, dass Du dies ohnehin nicht ’nötig‘ hättest bei der Besucherzahl – Rrrrrrespekt !

      Ja, 5 Centimeters… irgendwie hat mich das dort gezeigte nicht berührt. Zumindest nicht in einem aussergewöhnlichen Maße. Wohlgemerkt, als halbwegs regelmäßiger Anime-Konsument. Ich habe es einfach lieber, wenn etwaige Love-Stories nur angedeutet oder dezent ausgearbeitet sind (gern in GHIBLI-Filmen der Fall). Oder aber, wenn sie durch-und-durch fantastisch sind, d.h. gleich weit mehr auf dem Spiel steht als das Schicksal zweier Personen. Jetzt wo ich Deinen Text dazu lese, kann ich Deinen Standpunkt aber sehr gut nachvollziehen. Dem eigentlichen Ende hatte ich bei Weitem nicht so viel Bedeutung zugemessen – entweder, weil ich vom Film selbst nicht so begeistert, oder einfach nicht mehr in der ‚Stimmung‘ war.

      Vielleicht sollte ich mir den Film nocheinmal ansehen, um meine Meinung (möglicherweise) zu revidieren. Dazu hast Du mich nun auf jeden Fall motiviert.

      Ansonsten: schau Dich hier ruhig noch ein bisschen um, einige der Animes und Serien die auf Deinem Blog erwähnt wurden, habe ich hier auch im Programm. Werde mich nun auch bei Dir mal ein wenig durchforsten ! Auf bald 🙂

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