Spieletest: FROM DUST (2011, PC)

Release: 17. August 2011 (Online)
Publisher: Ubisoft
Genre: Echtzeit-Strategie

Wann habt IHR zuletzt im Sandkasten gespielt ?

Inhalt: Die Götter müssen… verrückt sein ? Ein kleiner, hoffnungslos verfahrener Naturstamm begibt sich auf die Reise zur Erkenntnis, und damit in die Obhut des Spielers. Der muss alles daran setzen, dass die kleinen Männchen zahlreiche Inseln bevölkern, um so zum jeweiligen Pfad der Erleuchtung zu gelangen. Dabei werden dem Spieler allerhand Mittel zur Verfügung gestellt: gleich einem Gott kann er das Land nach seinen Belieben formen und gestalten – er beginnt damit, riesige Sandberge aufzutürmen oder abzugraben. Später gewinnt er weitere Kräfte hinzu, so kann er das Wasser ebenso kontrollieren wie Lava und Pflanzen. Und später darf er sogar eine ganze Insel nach eigenen Vorlieben entwerfen und verändern…

In der Tat ist From Dust ein höchst ungewöhnliches Spiel – als Sandbox-Game der ganz besonderen (und wahrsten) Art ist der Spieler dazu angehalten, einen kleinen Naturstamm zur Erleuchtung zu führen. Ein wenig erinnert das Ganze an die Zeit der guten  alten Lemmings, nur in 3D und in einer deutlich aufgepeppten Optik. Ein wenig fühlt man sich dabei wie ein Kind im Sandkasten, dass allein Freude daran hat, Sandberge aufzutürmen und wieder umstürzen zu lassen – nur um zu sehen, wie sich diese oder jene Handlung auf das Gesamtgebilde auswirken würde. Das Spiel schickt sich dabei an, die Motivationskurve konstant zu halten – indem die Karten von Level zu Level knackiger zu lösen sind und im späteren Verlauf neue Fähigkeiten hinzukommen. Eines ist jedoch klar: ein Meisterwerk ist From Dust nicht geworden, dafür ist allein der Umfang deutlich zu knapp.

Es beginnt bereits mit der Story: im eigentlichen Sinne gibt es gar keine, beziehungsweise wird dem Spieler in spärlichen (und sich wiederholenden) Zwischensequenzen und kargen Sprechpassagen die Ladezeit auf das nächste Level versüßt – mehr aber auch nicht. Inhaltliche Bezüge gibt es keine, weshalb man auch nicht großartig in die Spielwelt ‚eintauchen‘ kann – und schon gar keine Empathie für die kleinen Zwerge entwickeln kann. Diese verhalten sich im übrigen auch nicht immer so, wie man es gerne hätte: zwar gelingt die Wegfindung im großen und ganzen recht gut; doch ein Frustpotential bleibt vorhanden. So geben die Männchen stets die selben merkwürdigen Laute von sich, wenn sie an einem Punkt nicht weiterkommen – und so manches Mal werden sie prompt von heranrauschenden Wasserfluten mitgerissen. Ein anderes Mal erweist sich die Unfähigkeit der Protagonisten zu Schwimmen (immerhin, sie gehen nicht unter – gelangen durchs Wasser aber nicht zu anderen Inseln) aber auch als hilfreich: so kann man sie mit ein bisschen Fantasie und um ihnen den nötigen Schwung zu geben in die richtige Richtung ’spülen‘.

Ein noch markanteres Problem ist aber die fehlende Langzeitmotivation: From Dust nutzt sich relativ schnell ab, was nicht nur an dem geringen Levelumfang liegt. Irgendwann hat man alle der Möglichkeiten einmal durchprobiert, ein Wiederspielwert ergibt sich nicht. Hierfür haben die Entwickler schlicht zu wenig Möglichkeiten innerhalb der Levels vorgesehen – die Landschaft kann man zwar verändern (auch nicht völlig frei), einen wirklichen ‚Sinn‘ hat das ganze im Endeffekt aber auch nicht. Sobald die Männchen das ‚Tor‘ erreicht haben, schreiten sie ins nächste Level – und die eigene Kreation geht verloren. Überhaupt hat man lediglich wenige Aufgaben, die sich zumeist im Auftürmen von Sand und folglich dem Erschaffen einer begehbaren Passage für die Stammesangehörigen widerspiegeln. Dabei spielt es meist keine Rolle, ob der Weg dauerhaft begehbar ist oder nicht – Hauptsache, sie sind einmal durchgekommen. Als einziges weiteres Ziel oder ‚Achievement‘ findet man eine kleine Anzeige am Bildschirmrand, die aufzeigt; wie weit sich die Vegetation bereits auf der jeweiligen Insel ausgebreitet hat. Hat man die 100 % erreicht, schaltet man einen weiteren Teil der Stammesgeschichte frei.

Diese 100 % zu erreichen fällt jedoch zumeist nicht schwer; wenn man einmal ‚Herr‘ über die jeweilige Insel geworden ist. Weitere Folgen hat auch der 100%tige Bewuchs nicht – ausser, dass Tiere angelockt werden. Dann kreuchen eben ein paar undefinierbare Tierchen hie und da über den Bildschirm – nicht mehr als eine kaum auffällige optische Dreingabe. Zwischendurch muss man ausserdem noch seine errichteten Dörfer beschützen, auch wenn die Gefahren eher marginal sind: manchmal wird ein Brand entfacht, oder eine Flutwelle naht. So ein Feuer ist aber schnell gelöscht (oder das Dorf im Zweifelsfall einfach neu errichtet), eine riesige Tsunami-Flutwelle mit einem freischaltbaren Wasserabwehr-Spruch abgewendet. Andererseits erscheinen manche der späteren Level reichlich knackig, was den Schwierigkeitsgrad angeht – nicht zuletzt durch die vorgegebenen Zeitlimits. In einem Level erscheint beispielsweise alle paar Minuten eine Flutwelle, die einen erheblichen Teil der Welt überflutet – hier muss man schnell agieren. Ein anderes Mal befindet man sich dagegen im inneren eines Vulkans, und muss hier mit einem steigenden Wasserspiegel (zuerst) und später mit gefährlichen Lava-Überflutungen herumschlagen.

Die Grafik ist dagegen recht nett und passend – besonders die Wasseranimationen sind schick anzusehen. Auch die Physik wirkt stimmig, wie auch der Sound und die Sprech-Passagen. Störend erscheinen hier nur die ‚recycelten‘ Zwischensequenzen. Die Steuerung gelingt zumeist vorzüglich, von einigen etwas hakeligen Situationen einmal abgesehen – hat man eine zu große Fuhre Sand aufgeladen, sieht man meist nicht wohin genau man sie wieder ablädt. Auch nervig, wenn auch sozusagen im geringen Kaufpreis von etwa 10-15 Euro ‚inbegriffen‘: man muss online sein, um From Dust spielen zu können. Dies wäre an sich noch kein großes Problem, würde nicht bei jedem Start der ‚Ubisoft Game Launcher‘ mitgestartet werden – denn der frisst zusätzliche Ressourcen. Nicht viel, aber immerhin. Die Vor- und Nachteile von From Dust im Überblick:

+ Ungewöhnliche, frische Spielidee
+ Tolles ‚Sandkastengefühl‘
+ Günstiger Kaufpreis
+ Zusätzliche Kräfte sorgen für mehr Motivation
+ Schicke Grafik, speziell die Wasseranimationen
+ Stimmiger Sound und -Soundtrack
+ Knackiger Schwierigkeitsgrad (teilweise)

– Man hält nichts in der Hand (Verpackung); Download über Steam
– Spielwelt insgesamt recht monoton und desolat
– Zoomfunktion etwas hakelig, Heranzoomen auf die Männchen nutzlos
– Online-Zwang (+ Ubisoft Game Launcher-Pflicht)
– Geringer Umfang, fehlende Langzeitmotivation
– Zu wenig Möglichkeiten innerhalb der Levels
– Dünne Hintergrundgeschichte, recycelte Zwischensequenzen
– Frustfaktor aufgrund von Wegfindungsproblemen / dem Tempo der Männchen

Fazit: Alles in allem kann From Dust keinesfalls als schlechtes Spiel bezeichnet werden – aber eben auch nicht als perfektes. Gesetzt dem Fall, man kann überhaupt von einem ‚richtigen‘ Spiel sprechen – es handelt sich eher um einen äusserst kurzweiligen Spaß. Dafür spricht aber auch der geringe Preis, der das Preis-Leistungsverhältnis wieder ausgleicht. Für ein paar kurze Sandkastenexperimente zwischendurch absolut nicht verkehrt und nett anzuschauen – für ‚mehr‘ reicht es allerdings nicht. Da hätte es mehr Möglichkeiten innerhalb der Levels sowie einer Art ‚Endlosmodus‘ bedurft, sowie weiteren Einfällen a’la kriegerischen Auseinandersetzungen, einem ‚Gegnergott‘ oder eine Art Wirtschaftssystem was über den blossen Pflanzenbewuchs hinausgeht. Schlussendlich: leicht über dem Mittelmaß, für den Preis kann aber bedenkenlos eine Empfehlung ausgesprochen werden.


60button

„Kurzweiliger Sandkasten-Spaß für Zwischendurch.“

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